Zahl des Tages – Bibu-Update VIII

62.

Seit heute Nacht um 12 konnte man die Ergebnisse online abrufen. Ich mache heute extra Home Office, weil in den letzten Tagen meine Hoffnung so sehr geschwunden ist, dass ich dachte, ich muss in Ruhe zu Hause heulen können, wenn ich durchgefallen bin. Weil ich es natürlich nicht aushalte, erst nach der Arbeit zu gucken.

Am Montag hab ich eine Absage auf meine Bewerbung kassiert. Ich glaube inzwischen zu wissen, woran es immer lag. Ich glaube, dass ich mir einfach zu viel Aufwand gemacht habe. Mein Lebenslauf war zu ausführlich, vieles war einfach nicht relevant und er war komisch sortiert. Ich persönlich fand das sehr übersichtlich, aber es war eben nicht so chronologisch, sondern mehr nach Themen geclustert.
Ich habe meinen Lebenslauf jetzt also gekürzt und umgestellt. Jetzt passt er sogar auf eine Seite. Mal gucken, ob das jetzt was bringt.
Und auch im Anschreiben werde ich mir nicht mehr so einen Kopf machen. Ich hab die Anschreiben von meinen Lernmädels gelesen, die beide bei der ersten Bewerbung gleich eine Einladung und ein Jobangebot bekommen haben… Also, ich machs dann auch abgespeckter. Mal gucken, ob das was bringt.

Jedenfalls war ich am Montag dann echt geknickt und das hat sich auch auf meine Prüfungshoffnung ausgewirkt. Ich war absolut der Meinung, dass ich durchgefallen wäre. Tag 3 war einfach zu beschissen gelaufen! Und nach Tag 1 war ich ja auch nicht so glücklich… Also war ich die ganze Zeit eh unsicher, ob ich mit Tag 2, der wirklich gut lief, die anderen beiden ausgleichen konnte. Und eigentlich hab ich gedacht, dass es wahrscheinlich nicht so ist, aber gleichzeitig konnte ich nicht glauben, dass ich so schlecht gewesen sein soll, dass ich es nicht bestanden haben könnte. Ich hatte immer die Hoffnung, dass es doch gereicht hat.
Aber am Montag war die komplett weg. Also hatte ich für heute Home Office angemeldet, damit ich in Ruhe heulen kann. Schließlich hätte ich nicht bis nach der Arbeit warten wollen, um mir das Ergebnis anzuschauen.

Gestern Abend wollte ich eigentlich auch bis 12 wach bleiben, um gleich zu gucken, aber dann war ich zum einen nicht sicher, ob das wirklich schon ab Mitternacht drin ist, und zum anderen hab ich überlegt, dass ich lieber schlafen als heulen will und bin um halb 12 doch ins Bett gegangen.
Aber so beschissen hab ich selten geschlafen! Um 12 war ich immer noch wach und hab kurz überlegt, ob dich doch gucke. Aber der Namenlose hat geschlafen und ich wollte nicht alleine heulen müssen. Um halb 2 war ich wieder wach. Das nächste mal um 3. Um halb 5. Um 5.
Um halb 6 bin ich wach geworden, weil ich geträumt hatte, dass ich bestanden hab und kreischend vor Freude im Bett sitze. Also hab ich nachgeguckt.

62. Im ersten Moment habe ich gedacht, das wäre nur das Ergebnis vom ersten Prüfungstag und hab runter gescrollt um nach den anderen Tage zu gucken. Aber da stand nichts weiter. Dann hab ich kapiert, dass das der Durchschnitt aus den 3 schriftlichen Prüfungen ist.
Bestanden.
Ok.
Ich dachte, es würde sich Freude und Erleichterung breit machen. Aber irgendwie hab ich es nur zur Kenntnis genommen und war/bin ehrlich gesagt sogar etwas enttäuscht. Ich weiß, dass das bescheuert ist. Zum einen fragt nachher niemand nach der Note. Und zum anderen weiß ich, dass immer viele durchfallen. Aber so richtig Freude kam trotzdem nicht auf. Vielleicht noch der Schock, dass ich doch bestanden habe… Ich muss aber auch sagen, dass ich irgendwie gar keine Lust hab, es jemandem zu erzählen. Ich hab nicht mal den Namenlosen geweckt, um es ihm gleich zu sagen. Ich hab gewartet, bis er wach war. Als er dann gefragt hat, musste ich zwar trotzdem ein kleines Freudentränchen verdrücken, aber naja… eine 4 ist eigentlich nicht mein Anspruch an mich…

Die aus meiner Lerngruppe, die so schlimm am ersten Tag geheult hatte, die hatte nachts um 3 schon geschrieben, dass sie geguckt hat. Und was ist? Sie hat bestanden. Mit 71 Punkten.
Ich bin neidisch.
Mich würde brennend interessieren, wie es bei den anderen gelaufen ist.
Dass ich mich aber auch immer vergleichen muss…

Na ja, jedenfalls geht es jetzt also echt in die letzten Züge und ich mir fehlt ein bisschen die Motivation. Mit der 4 im Mittelfeld kann ich nicht mehr so viel reißen. Ich kann mich ausruhen und auf der 4 hocken bleiben. Ich kann mich ein bisschen anstrengen und auf eine 3 kommen. Dazu reichen mir nachher 72%. Auf eine 2 würde ich es nur schaffen, wenn ich 100% in der Mündlichen schaffe und das ist ja wohl utopisch. Außerdem wäre es eine 2 an der untersten Untergrenze, also eigentlich auch eine 3. Wozu also soll ich mir den Arsch aufreißen?
Aber zumindest ist der ganze Spuk noch dieses Jahr vorbei. Und ja, ich versuche mich jetzt zu freuen und diesen Perfektionismus abzulegen. Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss 😉 Und nachdem ich inzwischen von ein paar Leuten das Ergebnis weiß, bin ich mit meiner mittelguten 4 momentan sogar die drittbeste… Wahnsinn…

Leseliste Oktober 2019

Das Wunder von Narnia von C. S. Lewis

Eine verborgene Tür, ein geheimes Arbeitszimmer und zwei gelbe und grüne Ringe lassen zwei Kinder eine verrückte Geschichte erleben: Die Reise in die tote Stadt Charn der furchtbaren Königin Jadis und in das phantastische Reich Narnia, welches der Löwe Aslan mit einem Lied erschafft.

Der nächste Schritt, eine kleine Bildungslücke zu schließen 😉 Ich kannte weder die Filme, noch die Bücher. Das Wunder von Narnia ist nicht das erste Buch aus der Reihe, das Lewis geschrieben hat, aber er empfiehlt es zuerst zu lesen. In diesem wird nämlich erklärt, wie Narnia entsteht und woher die böse Zauberin kommt.

PS, I love you (P.S. Ich liebe dich) von Cecelia Ahern

Hollys Mann Gerry ist tot. Und Holly weiß nicht, wie sie alleine weiterleben soll. Doch dann entdeckt sie, dass Gerry ihr während seiner letzten Tage Briefe geschrieben hat. Mit Aufgaben für Holly. Sich endlich eine Nachttischlampe zu kaufen, beispielsweise. Oder öffentlich Karaoke zu singen. Aufgaben, die Holly ins Leben zurückführen.

Eigentlich hatte ich auf Youtube Thanks for the Memories als Hörbuch gesucht (das Buch, was ich mir in Dublin gekauft habe), weil Englisch lesen relativ anstrengend ist. Aber stattdessen hab ich PS, I love you gefunden. Das Buch kannte ich zwar schon, aber das ist jetzt auch schon wieder 15 Jahre her.
Zumindest hab ich jetzt mal ein anderes englisches Hörbuch als Harry Potter gehört. Das war auch ein himmelweiter Unterschied. Harry Potter wird relativ langsam und in feinstem Oxford English gelesen (bis auf einige Figuren, denen der Sprecher einen Dialekt gegeben hat) aber Cecelia Ahern ist Irin und das Buch wurde von einer Irin gelesen, mit entsprechendem Dialekt, etwas schneller, etwas umgangssprachlicher… Anfangs war das echt eine Herausforderung und ich hätte gern das Buch zum mitlesen gehabt, aber ich hab mich schnell dran gewöhnt. Vielleicht schaff ich dann jetzt auch Thanks for the memories 😉

Klappentexte sind von der Hugendubel-Homepage zitiert.

ABC im November 2019

A wie audiobook
Ich bin inzwischen echt auf den Geschmack von Hörbüchern gekommen. Und in letzter Zeit auch auf den Geschmack von englischen Hörbüchern. Wieso hab ich das nicht schon früher gemacht? Der nächste Schritt wäre dann jetzt wohl, auch mal Serien/Filme auf englisch zu schauen.

B wie Banane
Im Frühjahr haben wir überlegt, dass wir uns ruhig mal ein paar Pflanzen auf den Balkon stellen können. Da wir aber Nordseite haben, geht da auch nicht alles. Meine Tomaten zB waren nicht richtig geschmackvoll, obwohl es kleine Cherrytomaten waren. Aber die Sonne hat da wohl nicht ausgereicht.
Jedenfalls haben wir Bananenpflanzen gekauft, weil der Mieter über uns welche hat und die so schön aussehen und man gleich ein bisschen Urlaubsgefühl hat. Wir haben aber eine kleinere Sorte als er, was uns jetzt aber zugute kam, als wir die Töpfe ins Wohnzimmer geschleift haben. Mal schauen, ob sie den Winter bei uns überleben. Bei uns müssen Pflanzen hart im nehmen sein 😉

C wie Chemotherapie
Mein Stiefvater hat Lungenkrebs. Wir haben die Diagnose vor ungefähr 3 Monaten bekommen. Inzwischen ist er operiert worden und bekommt jetzt Chemo. Jetzt sind seine Leukozytenwerte total im Keller und er muss aufpassen, dass er nicht krank wird… oh man… ich hoffe so sehr, dass er alles gut übersteht!

D wie dunkel
Die Zeitumstellung vertrage ich dieses mal relativ gut. Wahrscheinlich, weil ich jetzt quasi wieder in der „Dublin-Zeit“ bin 😉 Aber dass es um 17 Uhr schon dunkel wird, ist nicht so schön. Und auch morgens ist es jeden Tag etwas dunkler, wenn ich zur Arbeit fahre. Ich sollte mal wieder anfangen, Kerzen anzuzünden, dann ist die dunkle Zeit gleich viel gemütlicher.

E wie Ergebnisse
Die Prüfungsergebnisse sind noch nicht da. Als ich in Dublin war, hab ich kaum daran gedacht. Aber jetzt, wo ich zurück bin, bin ich hibbelig und will jetzt endlich wissen, ob ich mich auf die mündliche oder die erneute schriftliche Prüfung vorbereiten muss…
Geplant sind die Ergebnisse in etwa 1,5 Wochen. Gesagt hab ich aber allen, dass sie erst Ende November kommen. Dann kann ich zwei Wochen still leiden, bevor ich es allen sagen muss…

F wie Freunde zum Altwerden
Letztens waren wir wieder bei den Burger-Freunden zur Geburtstagsfeier eingeladen. Es ist echt immer sooo unglaublich lustig mit denen und ich möchte sie in meinem Leben nicht mehr missen! Und sie uns auch nicht. Am nächsten Tag haben sie sich für den schönen Abend bedankt und gesagt, dass sie mit uns alt werden wollen 🙂

G wie Gesicht
Ich hab schon mal erzählt, dass man in meinem Gesicht lesen kann, wie in einem offenen Buch… ich krieg das auch nicht unter Kontrolle, ich seh mich ja nicht… Manchmal glaube ich aber, dass ich einfach ein blödes Gesicht mache, wenn ich konzentriert bin. Eine Lehrerin in der Schule hat damals schon immer gesagt, ich würde immer so böse gucken. Gut, ich mochte sie auch nicht, also vielleicht hat sie also einfach nur gesehen, was ich gefühlt habe 😉 Aber trotzdem glaube ich, dass mein Gesichtsausdruck im konzentrierten, gelangweilten, angestrengten oder auch entspannten Zustand immer genervt aussieht. Ein sogenanntes resting bitch face. Ja, ich musste das auch erstmal googlen 😉

H wie Hundepups
Unser Hund wird jetzt alt… Letztes Jahr mussten wir sie ja operieren lassen, weil sie einen Knoten an einer Zitze hatte… Tja… jetzt hat sie einen Knubbel an der Seite. Könnte ein Fetteinschluss sein. Könnte aber auch ein neuer Knoten sein. Wir werden es mal beobachten, ob es größer wird.

I wie Inselhüpfen
Der Wohnmobil-Urlaub in Schottland war einer der schönsten, den ich je gemacht habe. Ich will das auch noch in Irland, Island und Skandinavien machen. Da müssen wir erstmal rausfinden, ob man da mit dem WoMo frei stehen kann, wie in Schottland. Aber nichtsdestotrotz will ich auch unbedingt noch mal mit dem WoMo nach Schottland und die verschiedenen Inseln besuchen.

J wie Jobsuche
Läuft wieder.

K wie Klassentreffen
Vor vier Wochen oder so hatte ich in unserer Bibu-Whatsapp-Gruppe gefragt, ob wir nicht noch ein „Klassentreffen“ machen wollen, bevor die Ergebnisse da sind. von 22 Leuten haben sich 5 zurück gemeldet… und zwei von den 5 sind die Mädels aus meiner Lerngruppe. Zwei von den restlichen 3 hatten zugesagt, aber am Wochenende abgesagt.
Tja… also das wars dann wohl. Ich renn den Leuten nicht hinterher. Ich finds aber trotzdem schade. Zwei Jahre lang reden alle davon, wie toll unser Zusammenhalt in der Gruppe ist und dass wir unbedingt einen Stammtisch hinterher machen müssen. Ja, so viel also dazu.
Dann gehen meine Lernmädels und ich eben allein weg!

L wie lernfaul
Seit der Prüfung hab ich jetzt echt nichts mehr gemacht. Ich habe nichts für die Präsentation in der mündlichen Prüfung vorbereitet, nichts mehr gelernt… Weil ich ja noch nicht weiß, ob ich zur mündlichen zugelassen bin. Aber eigentlich ist es fatal, weil zwischen Ergebnissen und mündlicher Prüfung ist nicht mehr soooo viel Zeit. Warum sollte man sich also eigentlich diesen Druck machen?? Aber wenn ich sowieso nicht zugelassen bin? Tja, dann hätte ich trotzdem schon was machen können, weil ich es ja dann im Frühjahr noch mal versuche.

M wie müde
Auch wenn mir die Zeitumstellung dieses Mal nicht so sehr zu schaffen macht, fühle ich mich trotzdem jeden Abend wie erschlagen. Auf der Couch fallen mir die Augen zu und manchmal komme ich dann gar nicht mehr richtig zu mir. Das muss an der Dunkelheit liegen, denn tagsüber gehts.

N wie Nein!
Memo an mich: Ich werde mich nicht einmischen, solange ich nicht nach Hilfe gefragt werde!
Der schwule Kollege ist krank. Der, der hier immer alles irgendwie reißt und sich um alles kümmert. Der leider das meiste von dem abgefangen hat, seit ich mich raushalte. Jetzt ist er krank und ich muss mich zusammenreißen, dass ich nicht in alte Gewohnheiten verfalle. Ich hab spaßeshalber mal geschaut, was so anliegt… zwei E-Mails hab ich gelesen und mich gefragt, wieso… hätten die richtig gelesen, hätte das schon erledigt sein können.
Aber nein, solange ich nicht um Hilfe gebeten werde, mische ich mich nicht ein!

O wie Overlock
Ich hab jetzt wirklich wirklich lange nicht genäht. Ich würde schon mal gern wieder, aber ich trau mich nicht, was anzufangen, weil ich weiß, dass ich eigentlich ganz andere Sachen machen müsste. Präsentation für die mündliche Prüfung vorbereiten. Lernen, damit mein Wissen nicht in den hintersten Ecken meines Gehirns verschwindet…
Ich hatte gesagt, dass ich mir, wenn ich bestanden habe, eine Overlock-Nähmaschine schenke. Als Belohnung. Irgendwann bin ich aber dazu übergegangen zu sagen, dass ich mich mit einer belohne, auch wenn ich nicht bestanden habe. Allerdings… wenn ich nicht bestanden habe, werde ich wohl auch erstmal nicht nähen, weil ich dann für die nächste Prüfung lernen muss…
Oh man, ich will es jetzt endlich wissen!!!!!

P wie Pssst
Ich hätt so gern Stille um mich rum… Aber solange ich mich nicht selbstständig mache und in einem kleinen Kämmerlein allein vor mich hin arbeiten kann, wird mir das wohl nie vergönnt sein…

Q wie Quitte
Ich hab einen neuen Lieblingsapfelwein. Bisher mochte ich am liebsten den Rosé-Apfelwein, der mit Johannisbeere versetzt ist. Aber jetzt wo ich den mit Quitte kenne, finde ich den Rosé viel zu süß!

R wie Rauchentwöhnung
Ich hätte ja gern, dass der Namenlose aufhört zu rauchen. Aber er will das eigentlich nicht. Also kann ich da nicht viel machen. Als mein Stiefvater die Krebsdiagnose bekommen hat, war er natürlich gleich sehr sensibilisiert, aber inzwischen hat sich das auch wieder gelegt… :-/

S wie Selbstbewusstsein
Letztens ist mir der Unterschied zwischen meinen Kollegen und mir aufgefallen: Wenn auf der Arbeit irgendwas ist, wenn zB. einer anruft und einen Fehler meldet, dann suche ich als allererstes bei mir. Mein Kollege nicht, der geht mal selbstbewusst davon aus, dass die Lieferung, auf der aufbauend er was bearbeitet hat, fehlerhaft gewesen sein muss. Der zieht überhaupt nicht in Betracht, dass er was falsch gemacht haben könnte.
Diese Einstellung sollte ich mir auch mal aneignen.

T wie Tannenbaum
Weihnachten nähert sich mit großen Schritten. Wir werden dieses Jahr wieder bei uns sein und es uns hier gemütlich machen. Heiligabend sind wir dann wieder beim Vater vom Namenlosen, hoffentlich kocht er was Leckeres 😉 Auf jeden Fall wird das wieder ein sehr entspannter Abend, abgesehen von der komischen Freundin von ihm. Das ist so eine, die immer alles besser weiß und irgendwie sone blöde Art hat, dass ich einfach nicht widerspreche. Es ist einfach entspannter, wenn man der einfach zustimmt und sich seinen Teil denkt. Die bringt nämlich sonst einfach nur Totschlagargumente, gegen die man sowieso nicht ankommt. Die Nerven kann ich mir gleich sparen und trink lieber einen großen Schluck Wein, statt zu reagieren 😉

U wie Unternehmenskultur
Jetzt hat es mal ein Bauernopfer gegeben. Bei uns ist jemand fristlos wegen Arbeitszeitenbetrug entlassen worden. Nicht in meinem unmittelbaren Umfeld, aber in der Firma. Bekannt wurde es, weil der Betriebsrat das als Anlass gesehen hat, die „Unternehmenskultur“ in Frage zu stellen. Kollegen haben per Hand aufgeschrieben, wann derjenige gekommen und gegangen ist. Offenbar war denen mal auffällig geworden, dass er spät kommt und früh geht und haben sich gefragt, wie das funktioniert, dass er dann trotzdem Gleittage nehmen kann, oder freitags noch früher gehen kann.
Ja, petzen ist irgendwie Kindergarten und jemanden in die Pfanne hauen ist auch nicht die feine Art. Aber ich muss ehrlich sagen, ich stelle in der Sache trotzdem lieber die Einstellung des Zeitbetrügers in Frage und nicht die Einstellung der Petzer.
Wir haben keine Stechuhren, aber auch keine Vertrauensarbeitszeit. Wir müssen unseren Zeiten selbst im System eintragen, und da sind schnell mal 5 oder 10 Minuten mehr eingetragen. Ich finde es also viel schlimmer, dass man seine Zeit bescheißt, als dass man petzt. Was ist das für ein Mensch, der offenbar ohne schlechtes Gewissen seine Pflichten als Arbeitnehmer nicht erfüllt? Spät kommt, früh geht, Gleittage nimmt, trotzdem bezahlt wird und andere die Arbeit für ihn mit machen? Welche Kultur ist denn das bitte?

V wie Vierzig
Die Zeit rennt, wir werden langsam doch älter. Unglaublich, aber wahr. Jetzt gabs im Freundeskreis schon mehrmals die 40 zu feiern. Zu meinem 40. will ich eine Harry Potter Überraschungsparty 😀 Die Vorbereitungszeit ist ja lang genug und ich hab das auch schon kundgetan 😉 Jetzt muss ich das nur noch bis dahin wieder vergessen 😉

W wie was wäre wenn…?
Das ist eins meiner „Lieblingsspiele“. Stundenlang können sich meine Gedanken um hypothetische Sachen drehen. Was wäre, wenn… …ich damals nicht dieses Studium angefangen hätte? …ich damals in der S-Bahn sitzen geblieben wäre? …ich mich damals gegen den Umzug entschieden hätte? …ich mich für die andere Ausbildung entschieden hätte?
Manchmal wüsste ich gern, ob es doch Paralleluniversen gibt, in denen es alternative Realitäten gibt. Wo wäre ich? Und wer wäre ich dann heute?

X wie X
10 Jahre bin ich jetzt schon in dieser Firma und im Großen und Ganzen ist es schon ok hier. Ich mag halt meine Kollegen nicht so… Ich hoffe einfach, dass ich bald woanders unterkomme. Was hier mich am meisten stört, ist die Einstellung der meisten Leute. Schon in der Ausbildung wurde mir gesagt, ich solle langsamer arbeiten, sonst hätte ich ja nachmittags nichts mehr zu tun. Und diese Einstellung wird jedem Ausbildungsjahrgang aufs neue vermittelt. Daher wird sich hier niemals was ändern. Ich kann diese Einstellung nicht leiden. Das ist doch nichts, worauf man am Ende des Tages stolz sein kann…

Y wie why?
Das ist doch die ganz große Frage im Leben. Warum? Ich will gar nicht zu philosophisch werden, aber man fragt sich doch oft nach dem Warum, ich zumindest, auch wenn ich weiß, dass es keine Antwort gibt. Ich suche trotzdem immer nach einem Grund, nach einer Erklärung, warum die Dinge so gekommen sind, wie sie gekommen sind. Irgendwann gebe ich mich zufrieden und nehme es als gegeben hin und hinterfrage nicht mehr. Bis ein Kamel das Gras abfrisst, das gewachsen ist.
Es gibt keine Antwort. Höchstens: Darum. Weil das Leben so ist. Gläubige Menschen sagen wohl, weil Gott es so wollte und sie sind mit dieser Antwort zufrieden. Manchmal frage ich mich, ob gläubige Menschen glücklicher sind, weil sie immer jemanden verantwortlich machen können. Manche Sachen sind einfach so unglaublich (egal ob positiv oder negativ), dann frage ich mich, ob da vielleicht doch jemand ist, der die Strippen zieht. Der entscheidet, dass einem dieses widerfährt und jenes nicht.

Z wie Zahlen
Zurück zu was rationalem: Ich arbeite in der Buchhaltung und ich bin hier genau richtig. Ich liebe Zahlen, ich will immer, dass alles stimmt, ich bin in vielen Sachen ziemlich pedantisch. Eigentlich will ich, dass in den M&M’s-Tüten von jeder Farbe gleich viel drin sind… Ich zähle Stufen, Schritte, Güterzugwaggons, Brückenpfeiler, Besteck beim Spülmaschine ausräumen… und das mach ich schon seit ich denken kann. Ich konnte schon im Kindergarten bis 100 zählen, weil ich immer wissen wollte, welche Zahl danach kommt. System verstanden, also ging das zählen immer weiter. Tja, seit dem lassen mich Zahlen nicht mehr los.

Bye-bye Dublin – 12./13.10.2019

Eigentlich war der Samstag total unspektakulär. Ich bin nach Bray gefahren, was ca. eine dreiviertel Stunde von Dublin mit dem Zug entfernt ist. Aber die Fahrt war richtig super, weil es die ganze Zeit an der Küste entlang ging und es einfach atemberaubend schön aussah! Am liebsten wäre ich unterwegs schon ausgestiegen, aber ich hatte ja ein Ziel.
In Bray angekommen bin ich natürlich direkt erstmal an den Strand gegangen und hab den Wellen zugehört.

Mein eigentliches Ziel lag etwa 2,5 km entfernt am Küstenwanderweg: Der älteste Cache Irlands, der außerdem der älteste und somit erste Cache Europas ist! Europe’s First. Huiuiui 😀
Ich bin also in strahlendem Sonnenschein los gelaufen, an der Strandpromenade entlang, vorbei an einem Eisladen, der auch Waffeln und Crêpes verkauft hat (oh das hat so lecker gerochen!!) und konnte mich nicht entscheiden, ob ich die Jacke anlassen oder ausziehen soll. Es war einfach nur schön.
Den Küstenweg entlang lagen noch ein paar andere Caches, die ich auch noch gefunden hab und dann konnte ich den allerersten Cache in Europa bestaunen. Wow, diese Kiste liegt da also schon seit fast 20 Jahren! Ok, nicht ganz… die ursprüngliche Kiste war ungefähr drei Jahre später weg und es wurde vor 15 Jahren eine neue Kiste gelegt. Trotzdem ziemlich cool!

Ich bin den Küstenweg noch ein Stückchen weiter gelaufen, aber da ich mein Ziel ja schon erreicht hatte und richtig Bock auf einen Nutella-Crêpe hatte, bin ich umgedreht. Auf dem Rückweg habe ich einen anderen Cacher an Europe’s First gesehen – ein beliebter Cache in der Ecke 😉

Zurück am Strand hab ich mir also einen unfassbar überteuerten Crêpe geholt. Ich weiß nicht, ob ich ihn mir gegönnt hätte, wenn ich den Preis vorher gesehen hätte. Aber ich hatte schon bestellt und dann erst die Karte gesehen. 6,30 Euro wollten die von mir, für einen Nutella-Crêpe! Ich hoffte nur, dass das wenigstens der beste Crêpe der Welt ist, mit Goldflitter im Teig… pf… also es war halt ein Nutella-Crêpe. Keine 6,30 Wert, aber man gönnt sich ja sonst nix 😉
Danach hab ich mein Standard-Strandfoto gemacht und den Rest des Nachmittags im warmen Sand gelegen und mir die Sonne aufs Haupt scheinen lassen, bis die Sonne rumgewandert war und schon etwas tiefer stand und es mir zu frisch wurde. Dann bin ich nach Hause gefahren und hatte ein bisschen Angst, dass ich mir einen Sonnenbrand geholt hatte. Aber war alles gut.

Abends war ich mit den Pub-Mädels wieder in „The Church“ und anschließend noch im Pub vom Vortag, bevor ich mich allmählich von Dublin verabschieden musste. Und das war nicht so leicht. Ich war wirklich richtig traurig, dass ich zurück musste, obwohl ich mich gleichzeitig natürlich auch auf zu Hause gefreut habe!

Mein Flug am Sonntag ging um 9 und ich wollte um halb 7 den Bus zum Flughafen nehmen.
Zum Abschied hat Dublin geheult wie ein Schlosshund 😀 Es hat geschüttet wie aus Eimern, und obwohl ich jetzt einen Fensterplatz hatte, konnte ich wieder nichts sehen, weil Dublin unter einer dicken fetten grauen Wolkendecke lag… schade 😦 Dafür empfing mich Deutschland mit strahlendem Sonnenschein und 26 Grad… ich war viel zu warm angezogen als wir in unser Stamm-Café zum späten Frühstück gefahren sind.

Montag und Dienstag hatte ich dann noch frei, das war auch ganz gut so. Ich war einfach so müde und kaputt, dass ich mich vom (Bildungs-)Urlaub erstmal erholen musste.
Und jetzt bin ich seit zwei Wochen wieder arbeiten, bin voll im Trott angekommen aber träume mich immer mal wieder nach Dublin zurück, denn ich hab ja noch meine neuen Instagram-Freunde, die immer viel posten 🙂

Dublin, sei dir sicher, ich werde zurück kommen! Und ich will auch noch ganz viel von Irland sehen!

Ich & Dublin – 07.10.- 11.10.2019

Die erste Woche war also nun schon rum und ich hab mich in Dublin schon richtig heimisch gefühlt. Ich bin bei rot über die Straße gelaufen, wenn nix kam, ich hab meistens in die richtige Richtung geguckt, wenn ich die Straße überqueren wollte, ich bin auf dem Gehweg auf der „richtigen“ Seite ausgewichen und hab „Sorry“ gesagt, wenn ich andere fast angerempelt hab. Ganz wie die locals 🙂 Ich war auch schon eine richtige Dublinerin 😀 Die Leute da sind nämlich echt unglaublich freundlich. Jeder entschuldigt sich, auch wenn überhaupt nichts war. Aber wenn man sich auf der Straße ausweichen muss, hört man alle Augeblicke „I’m sorry!“. Und sie halten Türen auf. Ich mein, ich mach das ja auch wenn jemand unmittelbar hinter mir ist. Aber die machen das auch, wenn man noch echt weit weg ist. Die warten dann und halten die Tür auf und ich bin dann immer schneller geworden, weil ich nicht wollte, dass die da ewig auf mich warten müssen 😀

Und was mir zu Beginn der zweiten Woche noch aufgefallen ist: Ich war so richtig in der Sprache drin und ich war froh, dass ich noch eine Woche vor mir hatte und nicht schon nach Hause musste 🙂

In der zweiten Woche bekamen wir eine neue Teilnehmerin in den Kurs. Sie kam aus Österreich. Ich wusste nicht so richtig, ob ich das gut oder doof finden soll, weil einerseits dachte ich, dass sie vielleicht auch eine wäre, mit der man nachmittags was zusammen machen könnte. Andererseits dachte ich, dass ich ja gar kein deutsch sprechen wollte, in den zwei Wochen… Das hab ich dann auch gar nicht so viel, denn sie war gar nicht so häufig in der Schule 😉 Nur am Freitag haben wir den Nachmittag zusammen verbracht und im Nachhinein bin ich froh, dass es nur der Freitag war 😉

Dazu später mehr. Erstmal Montag: Nach der Schule bin ich zum „seat eating tree“ gegangen. Den hab ich natürlich nur gefunden, weil ein Cache so hieß 🙂 Den Cache, der nicht dort, aber eben ganz in der Nähe war, hab ich nicht gefunden, aber das war nicht so schlimm. Ich hab den Nachmittag in der Sonne auf der eingewachsenen Bank verbracht und hab meine Zeit vertrödelt. Mir taten vom Vortag immer noch die Füße weh und ich glaube, ein richtiger Wanderurlaub wäre doch nichts für mich. Ich würde ja gern mal so einen Fernwanderweg laufen, aber da läuft man ja mehrere Tage hintereinander so um die 10 km. Ich glaube das schaffe ich gar nicht!
Der Baum war gar nicht so weit von der Schule und der Unterkunft weg, aber ich bin wieder mit brennenden Füßen nach Hause gekommen!

Am Dienstag bin ich Souvenirs shoppen gegangen. Wobei Souvenirs jetzt übertrieben ist. Ich hab nämlich nur dem Namenlose was mitgebracht 😉 Ich hab dieses mal auch nicht mal Postkarten verschickt… Der Namenlose steht auf Whiskey und er hat viele in seinem Regal. Aber alles nur schottische. Also dachte ich, ich bringe ihm einen irischen Whiskey mit. Das ist zwar nicht so leicht, einen Whiskey zu kaufen, wenn man selbst keinen mag, aber ich hab mich halt mehr oder weniger im Laden beraten lassen. Wahrscheinlich hat der sich gedacht, was für ne dumme und ignorante blöde Touristin ich doch bin… aber egal, der sieht mich nie wieder 😉 Und der soll sich mal auch nicht so anstellen, schließlich hab ich was gekauft!
Im Nachhinein dachte ich nämlich noch wie blöd das doch war… ich hätts am Flughafen im duty free shop kaufen sollen… dann hätte ich die Flasche nämlich ins Handgepäck nehmen können… Nun ja. Nun hatte ich die Flasche aber gekauft.
Auf dem Rückweg bin ich in einen Laden, in dem man traditionelle Strickpullis und so kaufen konnte. Hach, die waren alle so schön! Alle mit unterschiedlichen keltischen Zopfmustern… aber wie schon gesagt, die Wolle war ziemlich teuer… Und ich hab ja auch noch Wolle zu Hause.

Am Mittwoch war wieder Pub Night. Und ich weiß gar nicht mehr, was ich am Nachmittag noch gemacht hatte… Mist, wenn man nicht gleich alles aufschreibt!
Auf jeden Fall war ich im Lidl einkaufen und war überrascht und hocherfreut, dass ich dort richtiges Brot bekommen hab! Also richtiges Brot. Sonst gibts da überall nur Toastbrot oder Brot, das irgendwie wie Kuchen schmeckt und auch so krümelig wie Kuchen ist. Das konnte ich nicht mehr sehen und hab mir dann einen Laib Mehrkornbrot gekauft. Also, es war zwar trotzdem anders, als deutsches Brot, aber um Welten besser, als dieses ätzende Toastbrot… 😀
So, abends war jedenfalls Pub Night und wir waren in einem anderen Pub als die Woche davor. Auf dem Weg dorthin sind wir an einer Gedenkstätte für politsche Gefangene auf der ganzen Welt vorbei gekommen. The Universal Links of Human Rights. Die Flamme in der Skulptur brennt ständig zu Ehren der Menschenrechte.
Der Pub heute war keine so gute Wahl. Keine Musik, etwas unterkühlt… also sind wir wieder in den Pub von letzter Woche gegangen. Mit so vielen Leuten und kurz vor Showbeginn (da war nämlich täglich Live-Musik), war das etwas ungünstig, wir haben nämlich keinen Platz mehr bekommen. Aber egaaaaal, ich fand es jedenfalls nicht schlimm zu stehen.
Die Musik war wieder toll und der Abend wurde länger als geplant. Und es wurden auch mehr Cider als geplant 😉

So bin ich dann Donnerstag mit leichten Kopfschmerzen aufgewacht, aber ich hatte Aspirin in meiner Reiseapotheke 😉 Die gabs zum Frühstück. Danach Kaffee und eine Scheibe Brot, dann Schule.
Eigentlich wollte ich am Donnerstag nach der Schule nach Malahide zum Schloss und an den Strand fahren. Ich war nämlich in der ganzen Zeit jetzt noch nicht am Meer gewesen! Obwohl Dublin direkt am Meer liegt. Eine Schande! Aber irgendwie hab ich mich dann doch umentschieden. Um 4 erst nach Malahide loszufahren… Tja irgendwie war mir das zu spät.
Inzwischen hatte ich aber auch Marsh’s Library gefunden und ich hab mir überlegt, lieber dort hin zu gehen. Und das war eine gute Entscheidung, auch wenn meine Beine mich unterwegs fast umgebracht haben!
Von der Schule zur Bibliothek, die direkt neben der St Paul’s Cathedral liegt, waren es 2,5km. Und die Bibliothek machte um 5 zu! Erst hatte ich mich geärgert, dass ich nicht am Sonntag schon drin war, aber sonntags hat sie gar nicht auf.

Als ich um halb 5 dort ankam, waren nur zwei weitere Touristen dort und drei Angestellte. Eine hat mir einen Flyer in die Hand gedrückt, aber den musste ich dann gar nicht lesen, weil sie mir eigentlich alles über die Bibliothek erzählt hat. Marsh’s Library war 1707 die erste öffentliche Bibliothek in Irland und sie ist heute noch genau so, wie damals. Selbst die Bücher stehen alle am gleichen Platz, wo sie mal eingeordnet worden sind.
Man kann in den Büchern sogar lesen oder recherchieren, allerdings muss man dazu einen Termin machen und ankündigen, welche Bücher man braucht. Diese werden dann rausgesucht und zur Verfügung gestellt.
James Joyce hat in dieser Bibliothek studiert und auch Bram Stoker war einige Male dort. Als ich da war, war gerade eine Ausstellung der Bücher, die Bram Stoker sich damals ausgeliehen hat.
Man darf in der Bibliothek leider nicht fotografieren, nur im hinteren Bereich gibt es eine Abteilung, wo man Fotos machen darf. Die Regale sind hinter vergitterten Türen, mein Handy hat genau durch die Gitter durchgepasst 😉
Aber die Bibliothek hat einen Instagram-Account. Hier mal noch ein paar Impressionen:

Also wer auf alte Bücher steht, der sollte unbedingt in Marsh’s Library gehen und nicht in die Book of Kells Ausstellung. Die Bibliothek ist zwar bestimmt viel beeindruckender, aber dort schiebt man sich eben mit vielen vielen anderen Leuten durch.
In Marsh’s Library war ich quasi alleine, es war ganz leise, die Dielen haben geknarzt beim Laufen. Es hat nach alten Büchern gerochen, nach Papier, nach Druckerschwärze, nach Holz… Das hatte einfach Flair! Hat sich wirklich gelohnt dort hin zu gehen.
Auf dem Rückweg fing es dann an zu regnen und ich hab Schutz in einem Second Hand Laden gesucht und mir spontan eine Liebesschnulze von Cecelia Ahern auf Englisch gekauft 😉

Am Wochenende hatte ich übrigens neue Nachbarn bekommen. Ich hab mir ja mit drei Mitbewohnern die Küche geteilt. In der ersten Woche hatte ich ja den Schweizer ab und zu mal gesehen, die anderen beiden Damen waren aus Brasilien und haben nur portugiesisch miteinander gesprochen, auch wenn ich dabei war…
Jetzt hatte ich also neue Nachbarn und wie sich herausgestellt hatte, war eine davon eine von meinen neuen Instagram-Freundinnen. Sie war am Wochenende nämlich umgezogen in dieses Zimmer, weil ihr Mann nachgekommen war und im Zimmer nebenan gewohnt hat. Nicht, weil zu zweit wohnen verboten wäre, aber die Zimmer waren einfach viel zu klein, um zu zweit zu wohnen!
Die beiden sind am Freitag früh nach London geflogen und so haben wir am Donnerstag Abend zusammen gekocht und gegessen. Das war wirklich wirklich ein schöner Abend!

Nun war er also schon da, der letzte Schultag. Irgendwie waren es zwei lange und volle Wochen, aber trotzdem war der Freitag schneller da, als gedacht.
Im Unterricht haben wir eine kleine Exkursion gemacht. Zuerst waren im im Garden of Rememberance. Dieser gedenkt den Menschen, die im Kampf um Irlands Freiheit gestorben sind. Am Ende des kleinen Parks steht ein Brunnen mit einer Skulptur, die diesen Kampf darstellen soll. Und zwar ist die Skulptur angelehnt an die irische Mythologie der Kinder des Lir.
Lir war ein König und hatte drei Töchter. Als seine Frau starb, hat er neu geheiratet und die hat die Kinder aus Eifersucht in Schwäne verzaubert. Sie mussten 900 Jahre Schwäne bleiben, auf unterschiedlichen Gewässern in Irland, und konnten erst zurück verwandelt werden, wenn sie christliche Kirchenglocken läuten hörten. Am Ende wurden sie durch christliche Kirchenglocken eines Klosters in der Nähe des letzten Gewässers befreit und sie verwandelten sich zurück in nun 900 Jahre alte Frauen, die dann zufrieden sterben konnten.
Danach gingen wir noch in die Hugh Lane Kunstgalerie, die von Hugh Lane als erste öffentliche Kunstgalerie der Welt 1908 eröffnet wurde, die direkt gegenüber ist. Joa… Kunst halt 😉 Aber mit dem Zitat an der Wand konnte ich mich ganz gut identifizieren 😉
Freitags war ja nur Unterricht bis halb 2 und ich hatte mich mit der Österreicherin verabredet, am Nachmittag etwas zu unternehmen. Wir fuhren nach Malahide (na bloß gut war ich nicht Donnerstag schon da!), guckten uns das Schloss an und gingen dann dort zum Strand.
Tja, also dieser kleine Ausflug hat mich etwas genervt und ich habe tatsächlich enorme Vorzüge am allein reisen entdeckt 😉 bzw. auch mal wieder gemerkt, wie toll der Namenlose und ich zusammen passen. Die Österreicherin war etwas gehetzt, wollte überall schnell durch. Schnell zum Schloss, Foto machen, weiter. Schnell durch den Souvenir-Shop. Schnell zum Strand, Foto, weiter…
Ich hätte gern mehr Zeit am Schloss verbracht, wär gern noch ein bisschen durch den Park gelaufen, hätte vielleicht den ein oder anderen Cache gemacht. Hätte gern mehr Kleinigkeiten entdeckt… Da war zB. ein Schild „Fairy Trail“ und eigentlich hätte ich diesen Feenweg gern gesucht. Später in einem Vorgarten hab ich auch einen kleinen Feengarten gesehen, da waren Puppenmöbel aufgebaut und ein kleiner Springbrunnen, kleine Pflänzchen, sodass die Feen sich da also kurz ausruhen können 😉 Und der Feenweg war dann sicherlich auch sowas winziges im Beet. Na ja, aber Madame wollte schnell weiter, also hab ich nicht lange rumgesucht… Sie war schon etwas irritiert, als ich am Schloss noch über den Rasen zu zwei herbstlich roten Bäumen wollte… Und dass ich am Strand dann noch weiter laufen wollte und nicht bloß ein Foto schießen und weiter…
Also rein ausflugsmäßig haben wir so überhaupt nicht zusammen gepasst und deshalb war ich dann froh, dass wir uns nicht schon am Montag mega angefreundet hatten und ich nicht drum rum gekommen wäre, jeden Tag was mit ihr zu unternehmen.

Abends bin ich mit den Mädels vom letzten Freitag wieder unterwegs gewesen. Wir sind in einen Pub gegangen und haben was getrunken. Der Pub war super, es wurde Live-Musik gespielt (kein Irish Folk, aber trotzdem gut), ein paar Leute haben Billard gespielt und es war einfach mega voll, sodass es fast kuschelig an der Bar war. Aber so hatte ich Gelegenheit mich endlich mal so richtig mit Einheimischen zu unterhalten! Also so richtig richtig! Die anderen sind weiter gezogen in einen Club, da hatte ich sowieso keine Lust drauf, also bin ich geblieben, hab mich weiter super nett unterhalten (und unglaublich viele Komplimente für mein Englisch bekommen :D) und bin dann irgendwann zu einer humanen Zeit nach Hause gegangen. Ich wollte nicht zu lange bleiben und auch nicht eskalieren, weil ich für Samstag noch einen Ausflug geplant hatte und nicht zu spät los wollte.

Dublin by feet – 06.10.2019

Nachdem es am Samstagabend, als ich zurück kam, auch in Dublin ziemlich geschüttet hat, sah es Sonntag früh sehr schön draußen aus. Ich hab in Ruhe ausgeschlafen, hab dann in Ruhe gefrühstückt und bin gegen 10 Uhr losgelaufen. Heute stand Geocachen auf dem Plan. Und natürlich dabei Dublin entdecken.

Ihr erinnert euch an die Statue von James Joyce in der Nähe vom Spire? James Joyce ist einer der wichtigesn Autoren Irlands und hat unter anderem Ulysses geschrieben. Ich habs nicht gelesen, aber es ist angelehnt an die Irrfahrten des Odysseus und beschreibt die Irrfahrten von Leopold Bloom durch Dublin am 16. Juni 1904. Und auf Bloom’s Spuren war ich am Sonntag, denn der eine Geocache führte mich von der James Joyce Statue durchs Zentrum, über den Liffey durch die Grafton Street bis zum Park St. Stephen’s Green. An jeder Station musste ich eine Fliese im Boden finden, die einen Auszug aus Ulysses darstellt.
Es war soooo schönes Wetter, die Sonne hat geschienen und ich bin nicht nur stur den Cache abgewandert, sondern hab mir auch die kleinen Gässchen rund um die Grafton Street angeschaut. Ich hab süße kleine Geschäfte gefunden, in denen es Schnickschnack gab, alte Bücher, handgearbeiteten Holzschmuck und all solchen Kram. Und ich habe die hübsche Regenschirmdeko einer Bar gesehen, die abends bestimmt beleuchtet ist.
Im St. Stephen’s Green gab es dann auch noch zwei Caches, die ich mitgenommen habe. Aber ich habe auch in der Sonne gesessen und den Möwen zugeschaut, wie sie frech versucht haben, den Leuten ihr Essen zu klauen! Anschließend hab ich einen ziemlich coolen Cache gemacht. Man musste eine Zahlenkombination errätseln, diese auf einer Homepage eingeben und dann klingelte das Telefon einer öffentlichen Telefonzelle und hat die Koordinaten zum Ziel des Caches durchgesagt 😀 Allerdings war der von dort aus echt weit weg, da bin ich dann nicht hin gegangen.

Stattdessen bin ich weiter gezogen, vorbei an der St. Patrick’s Cathedral, weiter Richtung Guinness Brauerei. Dort war ich nicht drin, weil mich das jetzt nicht so brennend interessiert, aber ich hab dort zwei Caches gemacht.
Weiter gings Richtung Phoenix Parc. Das ist einer der größte innerstädtischen Parks Europas, wo ich gehofft hatte, die Hirsche zu sehen. Das hatte ich in der Insta-Story einer neuen Freundin gesehen und fand das soooooo süß 🙂 Ich bin also da noch einen Teil abgelaufen, aber leider haben sich mir die Hirsche nicht gezeigt 😦 Wahrscheinlich hätte ich noch weiter laufen müssen, aber mir taten inzwischen dermaßen die Füße weh, dass ich mich am liebsten irgendwo hingesetzt hätte und dort sitzen geblieben wäre.

Also hab ich mich in den Bus gesetzt und bin 10 Minuten zurück ins Zentrum gefahren. An der Umsteigehaltestelle wusste ich wenigstens wieder wo ich war, und weil ich mittags einen Kaffee getrunken hatte, hatte ich endlich einen Bon, der das Tagesdatum bestätigte, was nämlich die Voraussetzung war, um den Cache an der Ha’Penny-Bridge zu loggen 😀
So oft hatte ich die hübsche Brücke jetzt schon überquert und fotografiert, aber ich hatte keinen Beweis, dass ich an dem Tag da war 😉 Also bin ich nicht in den nächsten Bus Richtung Unterkunft eingestiegen, sondern hab endlich diesen Cache gemacht.
Früher musste man als Fußgänger eine Maut zahlen, um den Fluss über diese Brücke zu überqueren, deshalb heißt sie so.
Noch früher gab es nämlich mal einen Fährmann, der die Leute für einen halben Penny über den Liffey gebracht hat. Als die Boote irgendwann marode wurden, hat die Stadt ihn beauftragt, die Boote zu erneuern oder eine Brücke zu bauen. Der Fährmann hat sich für die Brücke entschieden, die sogenannte Liffey-Bridge, und durfte für die entgangenen Fährgebühren 100 Jahre lag Maut einstreichen, was schon damals über Drehkreuze an den Brückenenden geregelt wurde. Die Gebühr lag bei einem halben Penny (so viel, wie auch die Fährfahrt gekostet hätte) und deshalb heißt die Brücke im Volksmund Ha’Penny-Bridge und niemand benutzt den eigentlichen Namen Liffey-Bridge.

Mit brennenden Füßen bin ich aber auf dem Heimweg dann sogar noch in einen Stoffladen gegangen, weil ich mir eigentlich Stoff aus Dublin mitbringen wollte und mir ein „Dublin-Kleidungsstück“ zu nähen. Ich konnte mich aber nicht entscheiden und wollte noch mal in Ruhe drüber nachdenken und hab nichts gekauft. Ich hab mich letztlich dagegen entschieden, weil ich noch so viel Stoff zu Hause hab und hatte stattdessen überlegt, Wolle zu kaufen, um mir ein „Dublin-Stück“ zu stricken. Aber die Wolle war unglaublich teuer und ich hab schon so viele Schals und Mützen und für einen Pullover hätte ich so viele Knäule gebraucht… Ich hab es also letztlich bei den Ohrringen als Mitbringsel für mich belassen, die ich am Freitag schon gekauft hatte.

Zu Hause hab ich mir Nudeln gekocht (was für eine Person gar nicht so leicht ist ;)), hab die Füße hochgelegt und die Frage, ob ich mit ins Kino will, abgelehnt. Nach ungefähr 13km zu Fuß war ich fix und fertig und wollte nur noch schlafen!

Fifty shades of green – 05.10.2019

Am Samstag hatte ich mich zum Ausflug zu den Cliffs of Moher angemeldet. Wobei ich eher sagen müsste Cliffs of Nowhere… Also man muss mal sagen, wenn man in Dublin ist, lohnt sich ein Tagesausflug dorthin eigentlich nicht so richtig. Es sind 284 km, die man hin und zurück fahren muss. Das hat uns pro Strecke inklusive Pause 4 Stunden gekostet. Und wir sind erst um halb 9 losgefahren. Man hätte eher losfahren sollen, dann hätte man dort etwas mehr Zeit gehabt. Aber ob das viel genützt hätte?
Als wir nämlich gegen 13 Uhr dort ankamen, hat es geschüttet und man hat nichts gesehen. Null Komma nichts! Die Cliffs hingen in den Wolken oder im Nebel, was weiß ich. Tja… Ach ja und der Bus war kaputt 😉 Der hat auf den letzten Kilometern irgendwie den Geist aufgegeben, hat überhitzt und war am Ende nicht mehr zu gebrauchen.

Tja, also wir sind also um halb 9 bei Sonnenschein in Dublin losgefahren und je weiter westlich wir kamen, desto grauer und verregneter wurde es. Es kam mir nicht vor, als wäre es 11, als wir eine Pause gemacht haben, eher wie 7 Uhr morgens… hach… aber trotzdem bzw. gerade deshalb ist Irland wohl so grün. Grün in allen Abstufungen, von zartgrün über sattgrün bis ins gelblich-bräunliche grün. Alles dabei.
An den Cliffs of Nowhere angekommen, sind wir im Regen aus dem Bus ausgestiegen, ich hab mich in meine Regencape-Tüte gepackt, wo sogar der Rucksack mit drunter gepasst hat und ich war da echt froh drum, auch wenn die anderen mich zu Anfang deswegen belächelt haben. Aber ich glaube nach 5 Minuten haben alle gedacht, sie hätten sowas auch gern 😉 Es war nämlich zu windig für einen Schirm. Meine Oberschenkel sind zwar nass geworden, weil das Wasser ja von der Tüte runtergeflossen ist, aber zumindest war mein Oberkörper trocken und unter der Tüte auch warm. Sicherheitshalber hatte ich sogar trockene Socken und Schuhe dabei, aber die hab ich nicht gebraucht. Meine Schuhe haben durchgehalten, auch wenn ich keine Gummistiefel hatte, die hier tatsächlich gut angebracht gewesen wären! Aber ich hatte die Tage vorher zumindest mal Imprägnierspray gekauft und alles dick damit eingesprüht.

Dieser ganze Ausflug war irgendwie etwas unorganisiert, der Begleiter hatte nicht so richtig Bock da im Regen rumzulaufen… Der war eh komisch. Maulfaul, lustlos… Wieso war der überhaupt dabei? Und wie war jetzt der Tagesablauf? Gehen wir alle zusammen, verteilen wir uns, wann treffen wir uns wo wieder? Es gab keine richtige Info.
Wir sind dann doch mehr oder weniger gemeinsam den Weg an den Klippen entlang gelaufen. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder heulen soll. Man hat wirklich nichts gesehen. Man konnte bis zum Rand der Klippen schauen und das wars. Man konnte das Meer unten erahnen, weil man es leise rauschen hören hat… Und noch dazu hats geregnet. Ich hätt echt kotzen können!
Wütend bin ich weiter gestapft, es war mir dann auch egal, was der Rest der Gruppe macht, ich war ja eh alleine. Von meinen neuen Freunden war niemand mit bei dem Ausflug dabei. Aber das war schon ok, so konnte ich stehen bleiben wann ich wollte, so schnell gehen wie ich wollte und einfach meinen Stiefel durchziehen.

An einen Punkt am Cliff war eine größere Fläche, vermutlich ein super Aussichtspunkt… Und ich weiß nicht, was mich da gehalten hat. Vermutlich, weil die anderen noch nicht da waren und ich gedacht hab, ich warte vielleicht doch mal auf die. Also hab ich da gestanden und hab nichts gesehen. Zumindest hatte es aufgehört zu regnen.
Der Wind frischte auf und plötzlich konnte man zuschauen, wie die Wolken an den Cliffs hoch zogen. Und auf einmal klarte es auf. Na Gott sei Dank, hat sich das also doch gelohnt heute 😉

Da es inzwischen aber schon spät war und ich irgendwas von „Treffpunkt gegen 3“ gehört hatte, hab ich mich auf den Rückweg gemacht. Die Sonne kam raus und am Ende sah es aus, als hätte es an dem Tag nie schlechtes Wetter gegeben! Schade, dass für uns die Zeit schon fast um war.
Ich bin noch kurz in das Besucherzentrum gegangen, hatte aber nicht mehr genug Zeit, mir alles in Ruhe anzuschauen. Schade. Vor allem wäre es nicht schlecht gewesen, am Anfang dort hinein zu gehen, als es noch geregnet hatte.

Also wie gesagt, ein Tagesausflug dorthin lohnt sich meiner Meinung nach nicht, außer man hat mehr als 2-3 Stunden Zeit. Da aber das Wetter auch so unbeständig und schnell wechselhaft ist, sollte man dort in der Nähe ein paar Tage bleiben um den Zeitpunkt besser abzupassen. Zumindest in den Herbstmonaten. Im Sommer ist es vielleicht nicht so unbeständig. Aber selbst im Sommer kann man sich ruhig mehr Zeit nehmen, denn das Gelände an sich ist echt groß, man kann sehr ausgedehnte Wanderungen machen und einfach mehr sehen, wenn man sich die Zeit dafür nehmen kann. Und natürlich gibt es ringsrum bestimmt auch andere tolle Sachen zu entdecken und anzuschauen.

Da ich ja mit dem Namenlosen eh noch mal nach Irland will und dann gern so eine Rundreise machen möchte, wie wir das in Schottland gemacht haben, würde ich die Cliffs trotzdem noch mal besuchen. Vielleicht haben wir dann mehr Glück, aber zumindest haben wir mehr Zeit und können bis spät bleiben, denn ich glaube es sieht auch unglaublich schön aus, wenn die Sonne dort untergeht.

Dublin & ich – 01.- 04.10.2019

Am Dienstag bin ich nach der Schule erstmal zum Social Afternoon gegangen. Die Schule hat jeden Tag einen Programmpunkt angeboten, damit man mit den Leuten in Kontakt kommt und sich nicht langweilt. Dienstag war also Social Afternoon mit Spielen. Ich hab gedacht, ich schau einfach mal, vielleicht lernt man ja ein paar nette Leute kennen, denn das hatte sich bisher nicht ergeben. Von allen, die am Montag angefangen hatten, war ich allein in einen Kurs eingeteilt worden, die anderen waren teilweise zu zweit oder zu dritt. Noch dazu waren von den etwa 10 Neuanfängern 6 Brasilianer, ein Spanier und ein Chilene, die sich gleich zusammengerottet haben. Und in meinem Kurs selbst waren zwei, die nachmittags arbeiten mussten, vier, die erst 17 waren und einer, der über 50 war. Also… Spielenachmittag…
Beim Spielenachmittag war das dann aber auch nur eine Gruppe Brasilianer, die sich alle schon kannten und ich hab mich irgendwie nicht so dazugehörig gefühlt und hab da nicht so reingefunden…

Nach einer Runde Uno bin ich dann also wieder gegangen und auf eigene Faust durch Dublin gelaufen. Mein erstes Ziel waren diverse Schuhläden, weil ich Angst hatte, dass ich mit 3 Paar Schuhen, davon ein paar Sneakers, nicht trocken durch die zwei Wochen komme. Wenn es noch mal so regnen würde, wie am Montag, hätte ich irgendwie gern Gummistiefel… Außerdem hatte ich mich für Samstag für einen Ausflug zu den Cliffs of Moher angemeldet. Wer konnte schon voraussehen, wie das Wetter werden würde? Und ich wollte echt nicht noch mal bis an die Knie nass werden…
Das mit dem Wetter war eh so ein Ding. Den Wetterbericht konnte man knicken. Zumindest die 3-Tages-Vorschau oder länger. Man konnte morgens gucken, was angesagt war, das hat zumindest für die nächsten 6 Stunden gestimmt 😉

Ich bin also rumgelaufen, hab ein bisschen die Gegend erkundet, und bin ohne Gummistiefel nach Hause gegangen, als mir der Magen geknurrt hat.

Am Mittwoch gings mir nicht so gut. Ich hatte Kopfschmerzen, ich war totmüde und mir war schlecht. Aber am Mittwoch war Pub-Night und ich wollte die Chance nicht verstreichen lassen, doch noch Anschluss zu finden. Also bin ich nach der Schule nach Hause, hab mich ausgeruht und hab mich dann um halb 7 zusammengerissen und bin trotzdem zur Pub Night gegangen, obwohl es mir echt nicht sooo super ging.
Aber es war eine gute Entscheidung. Der Abend war nämlich trotzdem lustig, im Pub gabs Live-Musik und am Ende des Abends hatte ich drei neue Instagram-Freunde 😉

Nachdem ich am Donnerstag nach der Schule wieder erfolglos auf Gummistiefelsuche war (ich hatte die Auswahl zwischen pinken Punkten, pinkem Glitzer oder pinken Rosen) und es mir immer noch nicht so hunderprozentig gut ging, bin ich abends um 8 trotzdem noch mal schnell zum Spar an die Ecke und hab eine Flasche Cider geholt, denn zwei von meinen neuen Instagram-Freunden wohnten in dem gleichen Wohnheim wie ich und wir hatten uns zur Küchenparty verabredet. Endlich Anschluss 😉 Und so in der Art hatte ich mir auch das Leben dort vorgestellt, dass man zusammen isst, Fernsehen schaut oder einfach quatscht.
Wir waren eine Italienerin, eine Französin und eine Brasilianerin und ich hab ihnen Mau-Mau beigebracht, weil wir nur ein normales Kartenspiel hatte und das das einzige war, das ich noch zusammengekriegt hab 😀

Am Freitag war ja schon früher Schulschluss, sodass ich also viel mehr Zeit hatte, um Dublin zu erkunden. Mir ging es auch endlich besser und das Wetter war schön, sodass ich also losgestiefelt bin.
Zuerst am Liffey entlang Richtung Hafen. Dort stehen überall neue Gebäude, die neue Bürostadt sozusagen. In Dublin haben sich in den letzten Jahren immer mehr Firmen angesiedelt und in diesen Bezirken wurden also viele neue Bürogebäude errichtet.
Über die Samuel Beckett Brücke ging es auf der anderen Seite des Ufers zurück. Vorbei am Famine Monument, einem Denkmal an die Große Hungersnot in Irland, bei der über eine Million Menschen gestorben sind. Das war schon beklemmend…
Dann hab ich wieder den Liffey überquert und bin in die Grafton Street gegangen. Das ist so diiiiie Einkaufsstraße in Dublin schlechthin. Überall waren Straßenmusiker, überall gabs Souvenirshops aber auch ganz normale Geschäfte. Ich hab tatsächlich noch mal nach Gummistiefeln Ausschau gehalten, aber inzwischen hatten mir schon so viele Leute versichert, dass diese Regenmenge von Montag total untypisch wäre… Vielleicht hält das Wetter ja auch.
Weiter gings zum Trinity College. Ich hatte kurz überlegt, in die Book of Kells Ausstellung zu gehen, allerdings wäre ich da eher wegen der Bibliothek reingegangen, nicht wegen der illustrierten Handschrift aus dem 8. oder 9. Jahrhundert 😉 Zwei Seiten davon kann man da nämlich besichtigen, jeden Tag wird umgeblättert, man kann also jeden Tag zwei andere Seiten sehen… Ja, ehrlich gesagt hat mich das nicht soooo brennend interessiert, ich wollte eigentlich nur diese alte Bibliothek sehen, die einfach aussah, wie aus Harry Potter 😉 In den Google Bewertungen hatte ich aber gelesen, dass man da durchgeschleust wird und noch 1000 andere Leute mit da sind, sodass es eigentlich kein wirkliches Flair hat. Und dafür wollte ich dann keine 14 Euro ausgeben. Abgesehen davon war es schon 30 Minuten vor Schließung und es standen trotzdem noch sehr viele Leute an.
Inzwischen hatte ich eine Verabredung mit den neuen Instagram-Freunden aus dem Apartment ausgemacht, sodass ich dann auch einfach wieder zurück gegangen bin. Auf dem Rückweg habe ich noch einen Schmuckladen gefunden (ich hatte auf der Grafton Street schon gesucht, aber das hat mir alles nicht so gefallen) und ich hab mir Ohrringe mit dem Trinity-Zeichen gekauft. Ich muss gestehen, die religiöse Bedeutung (Vater, Sohn, heiliger Geist) war mir gar nicht sooo bewusst, aber es gibt ja auch noch die keltische/spirituelle Bedeutung Körper, Geist und Seele oder Luft, Wasser und Erde und durch die Unendlichkeit dieses Knotens der Glaube in ein Leben nach dem Tod. Aber wie auch immer, ich finde diese keltischen Muster und Knoten einfach schön.

Abends waren wir dann in „The Church“ essen und das Ding heißt nicht umsonst The Church, es ist tatsächlich eine Kirche, die zu einem Restaurant umgebaut wurde. In Edinburgh gabs sowas ja auch. Ist scheinbar recht üblich da. Gibts sowas auch bei uns? Ich glaube nicht, oder?

Welcome to Dublin – 29./30.09.2019

Nachdem ich nach meiner letzten Prüfung gesoffen und am nächsten Tag einfach gar nichts gemacht hatte, war ich ein paar Tage bei meiner Schwester und bin anschließend von dort aus nach Dublin geflogen.
Ganz entgegen meiner Überlegungen bin ich also doch wieder alleine in den Urlaub gefahren. Wobei es kein so richtiger Urlaub war mit entspannen und so, sondern ich habe Bildungsurlaub gemacht.

Für alle, die das nicht kennen: Bildungsurlaub sind zusätzliche freie Tage, die der Arbeitgeber dem Angestellten für Bildungszwecke gewähren muss. Die gesetzliche Grundlage dazu regeln die Länder eigenständig. Außer Sachsen und Bayern haben alle Bundesländer Bildungsurlaubsgesetze. Die können jedoch unterschiedlich ausgestaltet sein.
Pro Jahr stehen einem Angestellten also 5 Tage Bildungsurlaub zu, und man kann maximal zwei Jahre zusammenfassen – also 10 Tage. Der Lehrgang muss der politischen, geschichtlichen, sozialen oder persönlichen beruflichen Bildung dienen und er muss vom Sozialministerium als Bildungsurlaub anerkannt ist. Dann muss der Arbeitgeber die Maßnahme genehmigen, außer es sprechen dringende betriebliche Maßnahmen dagegen.

Ok, also da der Löwenanteil meines Urlaubs dieses Jahr zum Lernen und für die Zeit zwischen den Prüfungen drauf ging, hab ich mir also überlegt, Bildungsurlaub zu machen, um hinterher wenigstens ein bisschen sowas wie Urlaub zu machen. Deshalb sollte es eine Sprachreise ins Ausland sein und kein Lehrgang über die Aufarbeitung der NS-Zeit an der hiesigen VHS. Für Englisch hab ich mich dann entschieden, weil ich das schon kann, und ich gedacht hab, dass das entspannter wäre und somit der Urlaubscharakter mehr überwiegen würde. Und für Dublin hab ich mich entschieden, weil ich noch nie dort war und eh schon immer mal nach Irland wollte.
Als ich dann im Flieger saß, war ich mir da kurz nicht mehr so sicher. Ich bin mit Aer Lingus, einer irischen Fluglinie geflogen und somit waren die Durchsagen nur auf englisch. Und ich habe nichts von dem verstanden, was der Stewart durchgesagt hat. Gar nichts! 🤦🏼‍♀️

Ich bin also am Sonntagmittag in Dublin gelandet und habe leider nichts sehen können, weil ich (mal wieder 🙄) einen Gangplatz im Flieger hatte… Das war so schade, weil nämlich richtig schönes Wetter war und man also richtig schön was hätte sehen können.
Dann bin ich mit dem Airlink-Bus ins Zentrum gefahren und zu meiner Unterkunft gelaufen. Die Unterkunft war ein Wohnheim der Sprachschule und beides lag ziemlich zentral in Dublin. Überhaupt hatte ich das Gefühl, in Dublin ist alles zentral. Ich bin fast nur zu Fuß unterwegs gewesen, weil die Entfernungen alle nicht so groß waren. Ich bin gelaufen, gelaufen, gelaufen, gelaufen! So viel, wie im ganzen Jahr noch nicht, würde ich behaupten 😉

Mein Zimmer war ein kleiner, gefühlt 4 Quadrameter großer Hamsterkäfig, aber das war schon ok. Ich wollte ja da nur pennen. Immerhin war es sehr sauber. Die „fully equipped kitchen“ und gleichzeitig Aufenthaltsraum hab ich mir mit den anderen drei Bewohnern auf dem Flur geteilt. Aber die Küche war jetzt nicht so der Knaller… unter fully equipped stell ich mir dann doch was anderes vor. Es gab drei Töpfe, von denen nur einer einen Deckel hatte, es gab auch nur ein großes Messer um mal was zu schneiden. Aber ok, ich blieb ja nur zwei Wochen, da kocht man nicht groß. Ich zumindest nicht 😉 Und auch sonst war die Küche ein kleines bisschen ranzig. Der Spüllappen lag nass und zusammengeknautscht da rum und hat vor sich hin gestunken. Und Teller und Besteck habe ich vor dem Benutzen lieber noch mal gespült 😉

Ich bin dann also erstmal zum Lidl gelaufen und konnte da schon mal den ersten Blick auf den Spire of Dublin werfen. Dublin hielt super schönes Wetter für mich bereit!

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Dann hab ich ein paar Sachen eingekauft. Müsli, Joghurt, Nudeln usw. Immerhin musste ich mich selbst versorgen. Anschließend bin ich schon mal zur Sprachschule gelaufen, damit ich Montag früh dann bescheid wusste, wo ich lang muss. 😉
Zurück im Apartment hab ich einen der anderen Bewohner getroffen. Einen Schweizer, der aber nur Französisch konnte. Er hat nicht wirklich viel mit mir gesprochen, hat mir aber zumindest gezeigt, wie der Herd funktioniert. Immerhin. Ob in den anderen beiden Zimmern jemand wohnt, das wusste er gar nicht. Folglich war meine Frage, ob sie denn was zusammen machen, zB. kochen oder in den Pub gehen, überflüssig.
Er ist dann wieder in sein Zimmer verschwunden, ich hab mir irgendwas zu essen gemacht und bin an dem Tag doch verhältnismäßig früh ins Bett gegangen, denn der Tag war doch ziemlich anstrengend und aufregend und ich war einfach platt. Ein bisschen vereinsamt kam ich mir vor und ich hatte einen kurzen Heimwehanfall, aber verglichen mit meinem Heimweh, das ich auf Teneriffa hatte, war das gar nix!

Da sich ja in Dublin das Thema Bildung ein bisschen versucht hat in den Vordergrund zu drängen, hatte ich an den einzelnen Tagen gar nicht sooo viel Zeit, um viel zu machen. Ich hatte jeden Tag 5 Stunden Unterricht und ich habe natürlich auch jeden Tag eine Stunde Selbststudium gemacht 😉 In Hessen muss man nämlich für Bildungsurlaub 30 Zeitstunden pro Woche für die Bildungsmaßnahme nachweisen.

Die Schule ging morgens immer erst um 9 los, was einerseits toll war, weil ich eigentlich jeden Tag ein bisschen ausschlafen konnte und in Ruhe gefrühstückt hab, bevor es los ging. Allerdings war die Schule auch immer erst um 15:45 Uhr zu Ende, außer freitags, da schon um 13:30 Uhr. Somit blieben mir also für die Erkundungen immer nur ein paar Stunden am Tag, die ich aber so gut es ging genutzt habe.

Kurz zum Unterricht: Man wurde zu Beginn auf Grund eines Sprachtests in ein Unterrichtslevel eingeteilt und ich hatte den Eindruck, dass die anderen Schüler sich ein bisschen darüber definieren. Wenn man small talk in der Kantine hatte, war die zweite Frage (nach „Woher bist du?“) welches Level man hat. Und dann waren sie entweder beeindruckt oder haben es abgetan, dass Englisch für uns Deutsche ja so einfach zu lernen wäre… Ich weiß nicht, ob es für mich wirklich leichter war/ist, als für einen Brasilianer. Aber tatsächlich fiel und fällt mir Englisch leicht.
An der Schule, bzw. überhaupt in Dublin, waren unglaublich viele Brasilianer! Das hängt scheinbar mit dem Visum zusammen. In Irland können die nämlich auch arbeiten, daher sind so viele dort und nicht in den USA zum Englisch lernen.
Der Unterricht war immer ganz nett, ich hab sehr viel gesprochen, weil wir ständig Partnerübungen machen mussten und wir waren auch eine sehr kleine Gruppe. Vormittags in der ersten Woche waren wir 7, in der zweiten Woche dann nur noch 4 Leute. Nachmittags waren wir in der ersten Woche 5 und in der zweiten Woche 6 Leute.

So, jetzt aber zum eigentlichen Urlaub 🙂
Am Montag war nach der Schule Orientation-Tour. Eine kleine Stadtführung durch das Zentrum, vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Leider hat es den ganzen Montag gegossen wie aus Eimern!
Erste Station war der Spire of Dublin. Den hatte ich ja nun am Vortag schon gesehen. Aber jetzt stand ich unmittelbar davor und konnte die tatsächliche Größe bewundern 😀 Er trägt auch den Spitznamen „Stiffy by the Liffey“. Liffey ist nämlich der Fluss durch Dublin und Stiffy… na ihr könnts euch denken 😉
Als unser Guide den Spitznamen erwähnt hat, fiel mir direkt ein, dass ich einen Geocache mit genau diesem Namen in gesehen hatte. Jetzt wusste ich also, was das bedeuten sollte und so konnte ich gleich unseren ersten Cache in Irland loggen 🙂
Tja, also der Stif… Der Spire, der auch „Stiletto in the ghetto“ genannt wird, ist einfach eine 120m hohe Edelstahlnadel, die einfach nur unglaublich viel Geld gekostet hat und einfach ein bisschen sinnlos ist 🤷🏼‍♀️ Eigentlich sollte sie zum Millennium fertig sein, hat sich aber um 3 Jahre verzögert. Hat unglaublich viel Geld verschlungen und hat genau null Funktion 😉 Zur Orientierung ist es vielleicht nicht verkehrt, allerdings sieht das Ding ja von allen Seiten gleich aus. Man kann also immer drauf zu laufen, aber wenn man sich nicht auskennt dann hilft „Wenn ich den Stiffy von hier sehe, dann die nächste Straße links“ nicht so viel 😉
Neben dem Stiffy steht eine Bronzestatue von James Joyce, dem Autor einiger wichtiger irischer Werke, unter anderem Ulysses. Merkt euch das, das wird am Sonntag relevant 😉
Nach dem Stiffy haben wir am General Post Office gestanden (immer noch im strömenden Regen) und haben ne kurze Geschichtsstunde zur Unabhängigkeit Irlands gehört. Aber ehrlich gesagt hab ich das alles wieder vergessen. Fakt ist, Irland ist erst seit etwa 100 Jahren unabhängig von England bzw. Großbritannien.
Vorbei am Trinity College und der Bank of Ireland, ging es weiter zu Molly Malone, die auch als „The Tart with the Cart“ oder als „Dish with the Fish“ bezeichnet wird (die Iren haben offenbar eine Vorliebe für Reime ;)). Molly war eine Fischhändlerin, aber ob es sie wirklich gab, ist nicht richtig nachgewiesen. Zumindest gibt es ein Volkslied, in dem sie besungen wird, und dass sie Muscheln verkauft hat, und das ist die inoffizielle Hymne von Irland. Als wir an der Statue gestanden haben, wurde uns der Refrain natürlich gleich beigebracht. Jaja, der Touristenkram eben 😉
Die ganze Tour, die vielleicht eine Stunde gedauert hat, fand wie gesagt im strömenden Regen statt. Nicht alle hatten einen Schirm dabei… (Halloooo? Wir sind in Irland!) Na ja, aber trotz Schirm war ich nass. Meine Schuhe waren durchnässt, meine Socken auch, meine Jeans waren fast bis an die Knie nass… Aber jetzt kam das eigentliche Highlight der Orientation-Tour: Ein Pub-Besuch. Die anderen hatten keinen Bock mehr, also bin ich mit dem Guide alleine in den Pub gegangen. Das ist offenbar der Stamm-Pub für die Sprachschule, denn die Neuen am nächsten Montag waren auch da und überhaupt ist das so ein (Touristen-)Show-Pub, denn die veranstalten da immer Tanz-Abende wo die Touristen dann ein paar Tanzsschritte lernen und auch auf der Bodhrán spielen können. Vermutlich trifft man dort sonst keinen Einheimischen 😉
Im Pub jedenfalls hab ich mir mein eigenes Guinness gezapft (jaja, nur ein Half Pint, aber ich hatte auch noch nix gegessen!) und hatte dann sogar auch die Gelegenheit auf der Bodhrán (eine irische Trommel) zu spielen und bin dann halbwegs getrocknet nach Hause gelaufen.
Inzwischen hatte es auch fast aufgehört zu regnen und dann konnte ich wenigstens noch mal von einigen Stationen Fotos machen.
Da hätten wir die Wall of Fame, das sind alles irische Musiker, dann bin an dem Pub schlechthin vorbei gelaufen: The Temple Bar in Temple Bar. Eine Schande, dass ich gar nicht drin war aber ich fahr ja mit dem Namenlosen noch mal hin 🙂

Ein ereignisreicher erster Tag. Zurück im Apartment hab ich erstmal alle Klamotten aufgehängt und gehofft, dass in dem winzigen Zimmer alles gut trocknet.

Freitags-Füller 42/2019

1. Im Kino war ich tatsächlich ewig nicht mehr. Ich hätte in Dublin gehen können, ein Mädel hatte mich gefragt, ob ich mit will. Aber da war 1. die Angst, dass ich nix verstehe größer und 2. war jetzt „Joker“ nicht der Film, den ich mir ausgesucht hätte. Daher bin ich nicht mitgegangen. Sie ist sogar noch in einen zweiten Film gegangen, aber da bin ich auch nicht mit und sie ist vorzeitig gegangen, weil sie gar nix verstanden hat.

2. Ich verstehe ja den Trend nicht, mit den Jeans, die über dem Knöchel enden und dann den Sneakers dazu. Das ist doch kalt!! Ich trage lieber schöne warme Boots.

3. Den letzten Brief den ich bekommen hab, also ein richtiger Brief, der keine Lohnabrechnung oder Rechnung ist, war gestern in der Post. Es war eine Einladung zum runden Geburtstag meines Stiefvaters.

4. Ich hab gar keinen irischen Euro mehr mit der Harfe auf der Rückseite.

5. Kennt jemand eine gute Entschuldigung, um eine Hochzeitseinladung abzusagen? Ich war schon so ehrlich und hab abgelehnt, mit der Begründung, dass wir uns eigentlich nicht gut genug dafür kennen, aber jetzt kam zurück, dass sie uns trotzdem gern dabei hätten und dass es auch ne größere Feier wird. Der Punkt ist aber der, dass wir nicht hin wollen! Weil wir uns wirklich nicht gut kennen. Ich hab sie erst 5 oder 6 mal gesehen und der Namenlose erst 2x. Das letzte mal war im Dezember! Zu ihrem Geburtstag, zu dem wir dieses Jahr auch wieder eingeladen sind und den ich aus Höflichkeit nicht abgelehnt habe. Ich kann ja nicht die Hochzeit und den Geburtstag auf einmal ablehnen… Schlau von ihr, zu beiden Sachen gleichzeitig einzuladen.
Aber seit Neujahr bis zu den Einladungen zum Geburtstag und zur Hochzeit vor drei Wochen, hab ich nichts von ihr gehört! Und ich hab mich auch nicht gemeldet, weil ich andere Sachen im Kopf hatte und auch nicht erpicht drauf war, das weiter zu pflegen. Die paar Treffen mit ihre waren irgendwie etwas holprig, es passt meiner Meinung nach irgendwie nicht so richtig und als wir bei denen zu Hause waren, hab ich mich einfach geekelt. Das war sowas von dreckig bei denen! Bei uns kann man ja auch nicht vom Boden essen, aber im Gegensatz zu deren Wohnung, ist es bei uns porentief rein!!! Ich wollte auch auf dem Geburtstag da nix essen, weil ich das alles irgendwie eklig fand und deren Freunde waren auch alles so komische etwas ungepflegt wirkende Leute. Was soll ich ihr denn jetzt sagen
?

6. Jetzt, wo ich keine Schule mehr habe, muss ich meinen ganzen Alltag wieder erstmal neu kennen lernen und mich etwas strukturieren. Eigentlich haben wir noch Essen für heute Abend zu hause. Ich könnte also auch morgen Vormittag fahren und muss nicht zwingend heute noch einkaufen.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf ne Mütze Schlaf. Ich muss mich nach so langer Zeit Arbeitsabwesenheit erstmal wieder an den Alltag gewöhnen. Auch wenn es ja nicht so ist, dass ich die letzten Wochen gefaulenzt habe und auch die zwei Wochen in Dublin waren doch anstrengend. Abends falle ich trotzdem totmüde ins Bett, morgen habe ich geplant, mit der Präsentation für die mündliche Prüfung anzufangen. Auch wenn ich noch nicht weiß, ob ich überhaupt zugelassen bin, ich will da am Ende nicht in Hektik geratenund Sonntag möchte ich ein bisschen was im Garten machen. Vielleicht sollte ich den Plan für Samstag und Sonntag tauschen, weil wir sonntags keine elektische Heckenschere benutzen können!

Den FF von Barbara und alle anderen Mitmacher findet ihr wie immer hier.

Leseliste September 2019

Ich. Darf. Nicht. Schlafen von S. J. Watson

Ohne Erinnerung sind wir nichts. Stell dir vor, du verlierst sie immer wieder, sobald du einschläfst. Dein Name, deine Identität, die Menschen, die du liebst – alles über Nacht ausradiert. Es gibt nur eine Person, der du vertraust. Aber erzählt sie dir die ganze Wahrheit?

Als Christine aufwacht, ist sie verstört: Das Schlafzimmer ist fremd, und neben ihr im Bett liegt ein unbekannter älterer Typ. Sie kann sich an nichts erinnern. Schockiert muss sie feststellen, dass sie nicht Anfang zwanzig ist, wie sie denkt – sondern 47, verheiratet und seit einem Unfall vor vielen Jahren in einer Amnesie gefangen. Jede Nacht vergisst sie alles, was gewesen ist. Sie ist völlig angewiesen auf ihren Mann Ben, der sich immer um sie gekümmert hat. Doch dann findet Christine ein Tagebuch. Es ist in ihrer Handschrift geschrieben – und was darin steht, ist mehr als beunruhigend. Was ist wirklich mit ihr passiert? Wem kann sie trauen, wenn sie sich nicht einmal auf sich selbst verlassen kann?

Jetzt, wo die Prüfungen rum sind, hab ich mir endlich mal wieder die Zeit genommen zu lesen. Bzw ich bin auf den Geschmack von Hörbüchern gekommen. Dieses hier hab fast am Stück durchgehört, weil es wirklich spannend war. Und weil ich trotzdem bis zur Auflösung nicht wusste, dass es so ausgehen würde. Hat mir echt gut gefallen.
Das Buch ist sogar verfilmt worden.

Wenn du mich tötest von Karen Winter

Nach Kinlochbervie, einem Küstenort in den schottischen Highlands, verirrt sich niemand zufällig. Deswegen sorgt der deutsche Tourist Julian im einzigen Hotel der Gegend durchaus für Aufsehen. Verdreckt, durchnässt und völlig verstört bittet der Backpacker um Hilfe. Seine Frau Laura, mit der er einige Tage am Strand der einsamen Sandwood Bay verbracht hat, ist verschwunden. Die Polizei steht vor einem Rätsel, und bald gerät Julian selbst unter Verdacht. Dann wird südlich der Bay die Leiche einer Frau angespült; nackt und kaum mehr zu identifizieren …

Als ich mal auf der Suche nach Buchempfehlungen war, hab ich dieses Buch gefunden. Ich bin eigentlich nur hängen geblieben, weil es in Schottland in den Highlands spielt. In der Ecke, wo das Buch spielt, waren wir damals nicht, aber als von Oban, Ullapool und Inverness die Rede war, hatte ich Erinnerung vor Augen. Aber das wars dann auch schon. Ich hatte mich auf mehr Landschaftsbeschreibungen gefreut, aber davon gab’s wenig. Und die Story war am Ende auch ein bisschen dünn. Es bestätigt leider wieder mein Klischee, dass Frauen keine Krimis und Thriller schreiben können 🤷🏼‍♀️

Das Jahr in dem ich dich traf von Cecilia Ahern

Das Jahr, in dem sich mein Leben veränderte – das Jahr, in dem ich zu mir fand – das Jahr, in dem ich dich traf.
Der Spiegel-Top-Bestseller von Cecelia Ahern jetzt im Taschenbuch: Vier Jahreszeiten voller Aufbruch, Freundschaft, Liebe und Hoffnung.

Jasmine liebt ihre Schwester und ihre Arbeit. Als sie für ein ganzes Jahr freigestellt wird, weiß sie überhaupt nicht mehr, was sie tun soll – und wer sie eigentlich ist.
Matt braucht seine Familie und den Alkohol. Ohne sie steht er vor dem Abgrund.
Jasmine und Matt sind Nachbarn, doch sie haben noch nie miteinander gesprochen. Da Jasmine so viel freie Zeit zu Hause hat, beginnt sie, Matt zu beobachten. Sie macht sich ihre Gedanken über ihn und fängt in ihrem Kopf Gespräche mit ihm an. Nur in echt will sie mit diesem Kerl nichts zu tun haben – dafür hat sie ihre eigenen, guten Gründe.
Doch dann beginnt ein Jahr voll heller Mondnächte, langer Gartentage und berührender Überraschungen – ein Jahr, das alles verändert.

Den Klappentext dazu lese ich grad zum ersten Mal. Ich hab es als Hörbuch angefangen zu hören, weil ich „PS: Ich liebe dich“ so toll fand.
Aber dass Jasmin Selbstgespräche mit Matt führt ist mir erst nach einem Drittel bewusst geworden. Ich hab die ganze Zeit gedacht, Matt wäre schizophren oder so, und deshalb würde sie ihn in der Mehrzahl ansprechen.
Also insgesamt war das Buch okay. Ich hatte keine Erwartungen, also konnte auch nichts enttäuscht werden. Aber es spielte zumindest in Dublin, was ich dann jetzt doch auch ganz passend fand.

Klappentexte sind von der Hugendubel-Homepage zitiert.

Abwarten und Tee trinken

So… jetzt habe ich es also geschafft. Heute war mein erster Tag in vorläufiger Freiheit. Ich habe nichts gemacht. Ich habe aus dem Fenster gestarrt und ein Hörbuch gehört. Ich habe nicht mal selbst gelesen! 😀 Ich habe mir vorlesen lassen und dabei einfach nur rumgegammelt. Aber das war schön!

Ich kanns noch gar nicht glauben, dass es jetzt erstmal vorbei ist! Und ich bin froh, dass ich heute noch nicht arbeiten musste. Und dass ich das auch vorläufig noch nicht muss 😉 Zum einen hätte ich keine Lust gehabt, heute auf die Frage, wie es gelaufen ist zu antworten, zum anderen waren die letzten Wochen doch wirklich sehr sehr kräftezehrend und anstrengend und ich bin froh, über die Pause, die mir noch bleibt.

Morgen fahre ich erstmal zu meiner Schwester und dann geht’s für mich zwei Wochen nach Dublin. Mein Koffer ist gepackt. Das war das einzige, was ich heute gemacht hab. Hoffentlich hab ich nichts vergessen. Aber dann muss ich in Dublin wohl shoppen gehen 😁
Einen Stoffladen will ich da auch noch ausfindig machen, ich will mir dann was nähen, was mich immer an Dublin erinnert. Und am allerliebsten würde ich mir da einfach einen Job suchen und alles in Deutschland hinter mir lassen 🤷🏼‍♀️
Aber morgen geht’s erst mal mit dem Flixtrain los. Für die fünf Stunden Fahrt hab ich mir noch ein paar Hörbücher runter geladen. Ich hab viel zu wenig gelesen in den letzten Monaten!

Und wie wars nun?

Tja… ich kanns nicht einschätzen. Nur den zweiten Tag kann ich einschätzen, der lief super. Was die anderen beiden Tage betrifft… ich weiß es einfach nicht.
Tag 1 war im ersten Gefühl eigentlich okay. Je länger ich dann darüber nachgedacht habe und je mehr Kommentare ich im Internet gelesen habe, desto schlechter wurde mein Gefühl. Und auch für Tag 2 ist mein Gefühl nach Diskussionen und Kommentarelesen schlechter als unmittelbar danach.
Wo mein Gefühl gleich schlecht war und gar nicht noch schlechter werden kann ist in Bezug auf Tag 3. Die Prüfung war einfach wirklich schwer.
Aber klar, der Abschluss soll nicht geschenkt sein. Ist in Ordnung. Ich hätte mir trotzdem gewünscht, dass ein bisschen was von dem dran gekommen wäre, was in den letzten 10 Prüfungen dran war…

Tja… Ich hatte eben einfach Pech mit der Themenwahl. Ich hab mich aber auch zu sehr darauf verlassen, dass die gängigen Sachen wieder dran kommen. Aber wenn man 10 Prüfungen durchgeht und sich immer wieder die gleichen 4 Themen abwechseln…
Hach… Ich kanns jetzt nicht mehr ändern.
Ich hoffe einfach, dass es gereicht hat, gleichzeitig frage ich mich, ob ich das verdient habe.
Ich meine, ich kann mir nicht vorwerfen, dass ich zu wenig gemacht habe. Ich kann so viel, ich hatte einfach ein bisschen Pech, dass davon so wenig abgefragt wurde und ich also nicht zeigen konnte, was ich alles kann. Von daher finde ich eigentlich schon, dass ich verdient habe zu bestehen. Und ich will das einfach nicht im Frühjahr noch mal schreiben müssen! Aber eigentlich hätte ich auch einen etwas höheren Anspruch an mich selbst, als gerade so über die Hürde zu kommen 🙄

Aber wie gesagt, jetzt kann ich es nicht mehr ändern. Jetzt kann ich nur noch abwarten und Tee trinken und hoffen. Meine Neffen und Dublin lenken mich hoffentlich erst mal ab und danach ist der Ärger über die Prüfungen und über mich hoffentlich erstmal verflogen.

T minus 7 Tage

Heute in 7 Tagen hab ich den ersten Teil schon hinter mir. Ich bin gespannt, ob ich dann entspannt bin oder hysterisch heule 😉

Gerade gönne ich mir eine kleine Pause – mehr oder weniger gezwungen. Unsere Putzfrau ist da und das stört mich in meiner Konzentration. Also mampfe ich einen kleinen Snack und dachte, ich geb mal einen kurzen Stand ab.

Nachdem ich mir ja letztens ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom diagnostiziert habe, muss ich das inzwischen revidieren. Ich habs mit klassischer Musik versucht. Ich weiß nicht, wieso ich da nicht vorher schon drauf gekommen bin. Auf der Arbeit hab ich das schon ab und zu mal gemacht, wenn ich mich ganz stark konzentrieren musste. Dann hab ich Kopfhörer reingesteckt und hab klassische Musik gehört. Letztens dachte ich, ich versuchs halt einfach und was soll ich sagen? Es läuft! Gott sei Dank! Es ist nämlich so frustrierend, wenn man sich ständig ablenken lässt… Wenn ich gesehen hab, welches Pensum vor mir liegt, dann dachte ich, dass ich das in dem Arbeitstempo niemals schaffen kann! Dann hab ich mich geärgert, dass ich so viel Zeit verplempert hab und gleichzeitig Panik bekommen, dass genau das dran kommt, was ich deshalb nicht geschafft hatte zu lernen…

Ich hab jetzt seit ner Woche Urlaub, stehe morgens mit dem Namenlosen auf, trinke mit ihm einen Kaffee und wenn er zur Arbeit geht, geh ich an meinen Schreibtisch. Klar gibts da auch unterschiedliche Tage, gestern saß ich hier 9 Stunden. Aber ich hab eigentlich nur 6 gelernt. Ja, ich bin trotzdem zufrieden, weil ich immerhin 6 Stunden gelernt hab. Irgendwann ist der Kopf auch dicht und dann geht nix mehr. Aber trotzdem hab ich mich irgendwie ein bisschen geärgert, weil vorgestern saß ich nur 8 Stunden und hab 6,5 h gelernt.
Also man sieht, irgendwann ist da auch ein Maß erreicht, dann ist Schluss.
Heute sitze ich seit 8 Uhr und ich denke, länger als bis 16 Uhr werde ich nicht machen. Es lohnt sich einfach nicht. Selbst, wenn ich dann noch was lese, das bleibt nicht hängen.

Aber auch wenn es mit dem Lernen ganz gut läuft und ich auch so kurz vorher immer noch Aha-Momente habe, schwanke ich immer mal wieder zwischen Panik, Resignation und Zuversicht. Die Zuversicht überwiegt, aber mich überkommen doch ab und an mal Wellen von „wie soll ich das alles in meinen Kopf kriegen?!“
Im gleichen Moment denke ich dann, das klingt, als hätte ich noch gar nix gelernt, aber das stimmt ja nicht! Aber bei manchen Prüfungsaufgaben, da hab ich das Gefühl, dass ich das noch nie gehört hab! Dann blätter ich in meine Gesetze, um mir die Sachen zu markieren, und stelle fest, dass sie schon markiert sind.
Aber wie gesagt, meistens bin ich zuversichtlich.
Meine Gesetze sind gut präpariert und die Grundlagen kann ich. Wenn ich sie nicht kann, dann weiß ich, dass es irgendwo im Gesetz steht und da steht eigentlich alles drin. Man muss es nur finden, aber dafür habe ich gesorgt. Also finde ich das und kann es auch lösen. Und man muss das ein oder andere vielleicht auch auf ganz neue Sachverhalte übertragen können. Das ist das schwierigste dabei, aber auch das kriege ich hin. Nicht zu 100% aber ich denke die Hälfte davon sollte auch drin sein.
Kennzahlen zur Jahresabschlussanalyse ballere ich mir noch kurz vorher in mein Kurzzeitgedächtnis, das sind einfach zu viele… Und dann hoffe ich, dass wir ein ordentliches Betriebsergebnis berechnen müssen, wie das geht, steht nämlich im Gesetz 😉 Oder ich hoffe, dass wir einen Kapitalflussrechnung machen müssen, dazu kriegen wir nämlich ein Schema, an dem man sich entlang hangeln kann.
Das, was nicht in den Gesetzen steht, hab ich gelernt. Ich kann ausrechnen, ob sich eine Investition lohnt oder nicht, ich kann eine Kapitalbedarfsermittlung durchführen, ich kann einen Finanzplan für mehrere Monate aufstellen. Ich kann einen Break-Even-Punkt berechnen, ich kann entscheiden, ob Eigenfertigung oder Fremdbezug günstiger ist, ich kann ein optimales Produktionsprogramm planen. Ich kriege auch eine Plankostenrechnung und eine Maschinenstundensatzrechnung hin, auch wenn das nicht meine Lieblingsthemen wären.

Insgesamt sollte ich also aufhören, mir einen zu großen Kopf zu machen, denn was ich nicht beeinflussen kann, das sind die Aufgaben. Die sind schon lange erstellt und die sind, wie sie sind. Ich muss einfach ein bisschen Glück haben, dass es genau die Sachen sind, die mir liegen. Ich kann Pech haben und es ist eine Archlochprüfung… aber davon gehe ich nicht aus. Erfahrungsgemäß sind immer ein paar Sachen dabei, von denen man denkt, das kann man nie.
Aber in der Prüfung arbeite ich immer noch mal anders, als bei einer bloßen Übung. Da bin ich noch konzentrierter, hab richtig Biss und gebe nicht auf. Dann denk ich so lange nach und blätter so lang in den Gesetzen, bis ich doch noch was passendes finde, womit ich das lösen kann. Und wenn ich bloß ein paar Teilpunkte damit raushole. Oder wenn die Grundlage falsch ist, kriege ich trotzdem Folgefehlerpunkte.
Bloß keine Aufgabe unbeantwortet lassen, das wäre das schlimmste, was man machen kann!

Hallo Zukunft!

Gerade habe ich mich in mein Spam-Spam-Postfach eingeloggt, weil ich eigentlich gucken wollte, ob ich darüber SMS empfangen kann (ich brauch eine Nummer für eine Bestätigung, aber ich will meine Handynummer nicht hingeben) und da sehe ich im Spam-Ordner eine Mail, die ich vor zwei Wochen erhalten habe. Ein Brief von vor zwei Jahren, von mir an mich.
Vor zwei Jahren und zwei Wochen hab ich nämlich überlegt, ob ich mich zum Bilanzbuchhalter anmelden soll oder nicht.

Dear FutureMe,

ich hoffe, du hast dich mit deinem Freund unterhalten und dich für die Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter entschieden. Was sind schon zwei Jahre? Wie schnell ist 2017 schon wieder rum? Es ist August! Zwei Jahre, die hart sind, ja, aber du solltest bedenken, dass du deinen Sesselpupser-Job nicht ewig behalten wirst. Jaaa, ich male den Teufel an die Wand. Sicher… Aber du weißt wie es läuft. Überall wird gespart, „outgesourct“ und Personal abgebaut. Deine Firma ist da schon lange gut dabei. Hast ja bei den neuen Kollegen aus [***] gesehen wie das läuft. Standort zu, Job bleibt 100km weiter weg erhalten. Und wenn du nicht fahren willst, ja dann bist du eben raus. Ganz einfach. Und du musst dir Chancen eröffnen!

Tja, langes Geschwafel für die wichtige Frage: Wo stehst du heute? Kurz vor der Prüfung? Ich hoffe es.
Und wenn ja, dann hoffe ich, dass du stolz auf dich bist, was du geschafft hast. Nebenbei. Mach es dir bewusst und trage es nach außen. Rasseln gehört zum Handwerk, wie dein A*loch-Chef immer gesagt hat. Ist er noch dein Chef?

Und wenn du es geschafft hast, dann mach dich weiter auf den Weg und nutze das Gelernte. Keep going… Each step may get harder but don’t stop! The view is beautiful at the top!

Wenn du es nicht gemacht hast, dann wirst du deine Gründe dafür gehabt haben. Oder wenn du es noch nicht geschafft hast, dann hoffe ich, dass du dich heute nicht ärgerst. Ärgere dich nicht! Es ist schon alles richtig wie es kommt.

So, wie läuft es privat? Was macht dein Freundeskreis? Ich weiß wie schleppend es heute ist… wie schwer du dich tust, Kontakte zu halten. Aber du bist auch irgendwie selbst Schuld gewesen. Du hast sie zu wenig gepflegt. Ja ich weiß… Das muss sich auch bessern. Ist natürlich auch nicht so leicht, wenn ich jetzt noch über die zwei Jahre hinweg mich weiterbilden will.
Hauptsache du hast dich nicht zu sehr auf deinen Freund fixiert.

Bald feiert ihr Kleinneffis 3. Geburtstag. Der von Großneffi ist ja jetzt noch gar nicht so lang her. Ein guter Zeitpunkt, das Leben in die Hand zu nehmen!

Alles Liebe
Dein PastMe

Ich wusste gar nicht mehr, dass ich mir geschrieben hatte. Aber ich hab mich grad echt gefreut! Damals dachte ich, dass diese Mail nie ankommen wird, weil man sich nach dem Senden eigentlich noch irgendwie registrieren sollte oder so… weiß nicht mehr genau… jedenfalls hatte ich das dann nicht gemacht und daher war ich noch enttäuscht, weil ich dachte, dass mein Brief mich wohl nicht erreichen wird… Aber siehe da 🙂
Falls ihr auch mal wollt: https://www.futureme.org/

Ja, ich bin stolz auf mich, dass ich zwei Jahre durchgezogen hab. So eben nebenbei. Mit Vollzeit-Arbeit. Die letzte Hürde schaffe ich auch noch!
Und wirklich, wie schnell ist die Zeit vergangen?! Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich noch 2018 schreibe, wenn ich irgendwo ein Datum notiere. Weil die letzten zwei Jahre irgendwie eine Suppe waren. Die Zeit ging so schnell rum, es war so durchgetaktet und eigentlich monoton… 2019 ist auch bald rum. Unglaublich!
Mal schauen, ob ich zu Kleinneffis 3. Geburtstag fahren kann, ansonsten zu Großneffis 6. im Januar! Und Ende September besuche ich sie ja auch mal wieder.
Und mein Freundeskreis hat sich trotz begrenzter Zeit sogar vergrößert, weil ich im Lehrgang so viele Leute kennen gelernt hab, mit denen man ganz automatisch verbunden ist. Der Kontakt wird sich sicher nicht mit allen halten, aber ich hoffe, dass mir ein paar davon erhalten bleiben.

To do – Bibu-Update VII

Unterrichtsstunden 918/920
Im Grunde hab ich es geschafft. Unglaublich! Aber trotzdem haben wir noch 3x Schule. Morgen, Samstag und nächsten Dienstag.

Die letzte Woche war hammerhart. Eigentlich war es die letzte Sommerferienwoche, aber da die IHK sich ein wenig mit den Unterrichtsstunden verplant hatte, und wir die 920 nicht ganz voll bekommen hätten (was nachher für einige ein Anlass hätte sein können, gegen das Prüfungsergebnis Widerspruch einzulegen), haben sie uns letzte Woche eine „Repetitoriumswoche“ angesetzt. Mo-Do Unterricht, jeweils schon eine dreiviertel Stunde früher als üblich. Also war ich letzte Woche 21 Stunden in der IHK, zusätzlich zu meinen 38 Stunden Arbeit. Die Wäsche ist liegen geblieben, war ich nicht einkaufen, ich bin eigentlich nur morgens aufgestanden, abends zurück gekommen und wieder ins Bett gegangen.
Aber die Woche war schon sehr gut, das muss ich sagen. Der KÖ-Dozent, bei dem ich die ganze Zeit daran gezweifelt hab, dass er imstande ist, etwas simpel und kompakt zu erklären, hat sich von einer ganz anderen Seite gezeigt. Hätte er seinen Unterricht die ganze Zeit so gemacht, wie letzte Woche – ich hätte nie daran gezweifelt, dass KÖ eigentlich nicht so schwer ist!

Diese Woche ist ganz normal Unterricht, Dienstag noch mal ein zusätzlicher Tag, weil der Dozent ein paar mal eine Stunde früher Schluss machen musste und uns aber die Stunden nicht vorenthalten will. Ich finds gut, ich geh da auch hin. Das ist die letzte Gelegenheit noch mal Fragen zu stellen, er wiederholt sicher noch mal einiges und man nimmt immer was dabei mit!

Jetzt ist es nur noch ein Monat bis zur Prüfung… Ich schwanke stündlich zwischen Hoffnung, Zuversicht und Pessimismus.
In den nächsten 30 Tagen hab ich noch einiges zu tun…

Ich muss meine Gesetze neu präparieren.
In Abgabenordnung bin ich auf ein anderes Buch umgestiegen. Ich muss also meine Querverweise überarbeiten und auch die Post-its an den Seiten. Allerdings sind das so viele, dass ich eigentlich nicht genug Platz dafür habe. Da muss ich mir noch was überlegen.
In Einkommensteuer war ich zu faul meine tausenden Markierungen, Querverweise und Post-its in die Ausgabe von 2018 zu übertragen… Ich hab gedacht, ich arbeite einfach mit der aus 2017, ich hab geschaut, so viel hat sich tatsächlich nicht geändert. Jetzt bin ich aber doch unsicher, dass ich was übersehen haben könnte und überlege, ob ich doch noch mal alles übertrage. Aber das ist ne Sauarbeit!
In Umsatzsteuer hatte ich ja richtig doll Probleme, aber das hat sich inzwischen zu einem Großteil gegeben. Für USt hab ich mir jetzt ein neues Gesetz gekauft, weil ich die Markierungen neu machen will. Farbliche Unterscheidung nach verschiedenen Sachverhalten, damit man schneller findet, was man sucht.

Ich muss die Prüfungsaufgaben durchgehen.
Ich habe die Prüfungen der letzten zwei Jahre ausgedruckt und weil es in dieser Übergangszeit 2 Prüfungsverordnungen gab, hab ich also doppelt so viele Prüfungen zum lernen. Mit den Prüfungen zu lernen hat den Vorteil, dass man sich an die Art der Fragestellung der IHK gewöhnt und ein Gefühl dafür bekommt, was und wieviel die als Antwort hören wollen.
Außerdem schreibe ich nach Fächern und Themen sortiert alles auf, was mir dabei auffällt, worauf man achten muss. Das ist nachher ein guter kompakter Leitfaden zum Kurzzeitwiederholen zwei Tage vor der Prüfung. Schade, dass ich auf die Idee nicht schon vor einem halben Jahr gekommen bin.
Ich muss mir vor allem angewöhnen, meine Fragen nicht mehr auf Klebezettel zu schreiben, sondern am besten im Handy zu notieren. Klebezettel verschwinden nämlich ständig! Aber ich notier mir die Fragen ja nicht umsonst, ich will das mit meinen Lernmädels besprechen… Nächsten Freitag treffen wir uns wieder zum lernen. Dann sinds nur noch 3 Wochen. Oh man, ich hätts schon so gern hinter mir!

Ich muss mir die Kennzahlen und Formeln in den Kopf prügeln. Noch dazu, was sie bedeuten und wie man sie interpretiert.
Ich muss das Thema meiner mündlichen Prüfung anmelden. Dazu muss ich es ein bisschen ausformulieren und rechtzeitig bei der IHK abgeben.
Die erste Prüfung schreiben wir nicht im IHK-Gebäude. Ich muss gucken, wie ich da hin komme und wo ich da parken kann.
Ich muss nebenbei noch ein Geburtstagsgeschenk für den Namenlosen besorgen, und ein bisschen was zur Partyvorbereitung beitragen.
Ich muss meinen neuen Personalausweis beantragen und abholen.
Ich muss eine Packliste für Dublin machen. Ich muss ein Zugticket zu meinen Eltern buchen. Ich muss einen Rückflug aus Dublin buchen – dazu muss ich mit dem Namenlosen abklären, ob er am Freitag kommt und mich „abholt“ und ob wir dann noch bis Montag bleiben.
Und: Ich muss noch einen Stift suchen, mit dem ich die Prüfung schreiben kann. Die Kulis, die ich hab, sind entweder schon so alt, dass ich Angst habe, dass sie zwischendurch alle werden, oder sie liegen blöd in der Handy. Ich muss schließlich 4 Stunden lang damit schreiben…

Shortcut

Kurze Meldung, weil ich mich sonst in zehn Jahren ärgere, dass ich in dieser stressigen Zeit nichts geschrieben hab und somit nichts über mich weiß. Und mit nichts meine ich nichts. Ich weiß heute nicht mal mehr, was ich gestern für Klamotten an hatte!

1. ich bin maximal genervt
Der Monatsabschluss steht bevor und geht jetzt in die heiße Phase. Gestern saßen wir zusammen und haben die Kontensalden überprüft, damit genug Zeit ist, eventuell Korrekturbuchungen zu machen. Auf dem Bürgschaftskonto war ne Differenz… also haben wir gesucht, wo die her kommt und wer war Schuld? Natürlich Zeittotschläger, der dumme Idiot. Weil er einfach mal so gemacht hat, wie er in seinem dummen Kopf gedacht hat. Aber es kam ihm schon komisch vor, weil sowas hatte er ja noch nicht… Da frag ich mich, wieso er dann sein verdammtes Maul nicht aufkriegt und mal fragt! Nee, da bucht er wild drauf los…
Es hat sich herausgestellt, dass es keine Bürgschaft sondern eine Kaution war, die er buchen sollte. Irgendwie auch idiotisch bei einer Kundenzahlung von Bürgschaft zu reden. Vollidiot!

2. ich bin dauermüde
Variante 1: Ich gehe abends in Bett, schlafe ein, kaum dass mein Kopf das Kissen berührt und dann bewege ich mich die ganze Nacht nicht. Ich liege wie ein Stein und schlafe aber ich habe morgens trotzdem nicht das Gefühl, dass ich ausgeschlafen und erholt bin.
Variante 2: Ich gehe abends ins Bett, liege bis halb 2 wach und wälze mich hin und her. Immer wieder dämmere ich kurz weg, aber schrecke dann wieder auf, weil ich Mist träume oder weil da eine Mücke ist, oder vielleicht auch einfach nur, weil mein Körper meint, kurz aufschrecken zu müssen.
Wie auch immmer die Nacht ist, ich bin morgens nicht ausgeschlafen, nicht erholt, fühle mich nicht frisch. Das verstärkt leider auch die maximale Genervtheit.

3. ich fresse wie eine siebenköpfige Raupe
Ich esse nicht, weil ich Hunger habe, sondern aus Langeweile. Um einen Grund zu haben, mich vor dem Lernen zu drücken. Das ist mir die letzten Tage aufgefallen. Man siehts auch schon. Hintern ist breiter geworden, die Oberschenkel reiben noch etwas mehr aneinander… Vor allem hab ich auch nur Scheiß gefuttert. Jetzt versuche ich mich also zusammenzureißen, mich mal etwas länger am Stück zu konzentrieren und nur zu essen, wenn ich Hunger oder wirklich Lust hab und nicht nur aus Langeweile und Ablenkung.

4. ich habe vielleicht ein Alkoholproblem
Gestern und vorgestern habe ich mal nichts getrunken. Aber ich glaube die letzten vier Wochen jeden Tag… Ich bin nach Hause gekommen und hab mir erstmal einen Äppler gegönnt. Jeden Tag. Oder ein Bierchen. Blöd, dass wir überhaupt Alkohol im Haus haben, normalerweise ist höchstens mal ne Flasche Wein da, wenn wir Risotto oder Gulasch kochen. Aber irgendwie ist das eingerissen, dass jetzt immer Äppler oder Bier/Radler da ist.
Also diese Selbstverständlichkeit, mit der ich zu Hause direkt zum Kühlschrank gehe und erstmal was trinke, hat mich doch ein bisschen… erschrocken ist übertrieben, ich kann auch sofort aufhören, aber es ist wohl eine Stresshandlung. Also bleib ich die Woche erstmal abstinent.
Spielt übrigens auch in die Gewichtszunahme mit rein.

5. ich habe ein Aufmerksamkeitsdefizit
Ich setze mich hin, arbeite eine Prüfung durch und nach kurzer Zeit MUSS ich mich ablenken. Ich habe das Gefühl, dass ich sonst platze. Ich MUSS auf mein Handy gucken, oder was essen oder oder oder. 11 Minuten ist meine Aufmerksamkeitsspanne. Ich hab nämlich mal auf die Uhr geschaut, weil es mir noch kürzer vorkam. Vielleicht sollte ich mir mal Ritalin besorgen. 😉

6. ich werde bestehen
Am Samstag waren wir bei Mittelpunkt zum grillen. Ihr Freund macht auch gerade den Bibu-Kurs. Er hat ein Jahr nach mit angefangen und macht nächstes Frühjahr seine Prüfung. Es hat echt so gut getan ein bisschen mit ihm darüber zu quatschen, ein bisschen übers Pensum, ein bisschen sich über Arbeitsweisen auszutauschen. Ich weiß nicht, ob wir uns vor der Prüfung noch mal sehen, aber zumindest hat er mir schon mal viel Erfolg gewünscht und alle sind ein sein Mantra „Du wirst bestehen“ eingefallen. Das war schon motivierend und lässt die Hoffnung neu aufkeimen.

7. ich fahre nach Dublin
Weil der Großteil meines Urlaubs zum lernen und für die Zeit zwischen den Prüfungen drauf geht, hab ich gedacht, ich brauch mehr Urlaub dieses Jahr. Jetzt hätte ich ja einfach gelben Urlaub machen können, aber das mach ich ja sowieso nicht, also hab ich letztes Jahr schon in weiser Voraussicht meinen Bildungsurlaub von 2018 nach 2019 übertragen und mache nach der Prüfung zwei Wochen Bildungsurlaub in Dublin.
Gebucht und bestätigt ist es. Einen Flug hab ich noch nicht. Ursprünglich wollte ich mit dem Namenlosen schon ein paar Tage eher hin, aber daraus wird nichts. Er kann nicht weg, weil sein Vater nicht da ist. Somit kann keiner auf den Hund aufpassen, bzw. den würden wir schon unterkriegen, aber dann ist auch niemand in der Firma, das geht mal einen Tag, wenn man ein verlängertes WE macht, aber nicht ne knappe Woche… na ja. Aber es geht auch von meiner Seite nicht, ich muss nämlich mal wieder zu meinen Eltern. Also fahr ich nach der Prüfung zu denen und fliege dann von dort nach Dublin.

Ende.

Freitags-Füller 28/2019

1. Das Geräusch… welches Geräusch? Heute genieße ich die Stille – fast zumindest. Ich mache heute nämlich Home Office. Ich höre Flugzeuge, Tauben, andere Vögel, die Straße. Vielleicht auch den Hund, aber da es gerade anfängt zu gewittern, wird die nicht durch den Garten rennen und bellen..

2. Der Geschmack von Süßigkeiten bleibt mir heute erspart. Zu Hause hab ich nämlich nix.

3. Der Geruch Regen muss erstmal draußen bleiben. Es regnet noch zu doll, um das Fenster aufzumachen.

4. Der Anblick von meinen Lernunterlagen neben mir ist vorwurfsvoll. Aber jetzt muss ich erstmal arbeiten. Nachher setze ich mich da wieder ran..

5. Die Lust zu lernen hält sich in Grenzen.

6. Das Gefühl von Müdigkeit macht sich breit. Auch wenn ich durchschlafe habe ich in letzter Zeit nicht das Gefühl, ausgeschlafen zu haben. Auch nicht am Wochenende, wenn der Wecker aus ist und ich tatsächlich mal bis 8 geschlafen habe.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf nichts spezielles. Vielleicht darauf, um halb 9 auf der Couch wegzudösen, morgen habe ich geplant, endlich bei Herrn und Frau Burger das Hochzeitsgeschenk einzuweihen und Sonntag möchte ich die restlichen IHK-Skripte einscannen, damit ich bei Leerlauf im Büro was zu tun hab!

Den FF von Barbara und alle anderen Mitmacher findet ihr wie immer hier.

Nervenbündel – Bibu-Update VI

Nur noch 9 Wochen.
Unterrichtsstunden: 888/920
Der Countdown läuft. Er läuft ja schon lange, ich zähl ja schon ewig die Tage runter… jetzt sind es also nur noch 9 Wochen. Und das hier wird ein richtiger Jammer-Eintrag.

Mir geht echt die Flatter. Ich bin innerlich so unruhig. Mir rennt die Zeit davon. Ich habe das Gefühl, dass ich so viel noch nicht weiß. Und dass ich vieles nur so ein bisschen kann!
Ich habe das Gefühl, dass ich keine richtigen Lernunterlagen hab. Ich hab tausend Sachen angefangen zusammenzufassen und kompakt zu schreiben, aber nix fertig. Das eine auf Karteikarten, das andere am PC, das dritte per Hand auf normalen Blättern… Weil ich nicht weiß, wie ich es anpacken soll. Ich finde alle drei Möglichkeiten blöd. Aber ich weiß auch nicht, wie ich es sonst will.

Ich frage mich, ob ich mir noch ein Buch kaufen soll. Aber wie viele Unterlagen will ich denn noch?? Ich hab Skripte von der IHK und Skripte von den Dozenten, ich habe Skripte von Endriss und massenhaft alte Prüfungen. Was will ich denn noch alles lesen, wenn ich doch das vorhandene noch nicht mal alles durch hab? Das geht doch nicht! Das schaffe ich auch zeitlich gar nicht mehr!

Ich schwanke momentan zwischen heulen und hysterisch lachen. Am liebsten würd ich mich einbuddeln. Ich kann mich auch so schlecht konzentrieren im Moment. Ich lese was, und verstehe nix. Dann lese ich noch mal, schreibe drei Stichpunkte und hab keine Lust mehr. Ich bin innerlich so angespannt und möchte manchmal aufspringen und schreien, um irgendwie den Druck loszuwerden! Ich hab Rückenschmerzen vom ständigen sitzen. Ich bin erschöpft und hab keine Lust was anderes zu machen. Gleichzeitig denke ich mir, dass ich mir gar keine Zeit nehmen darf, um was anderes zu machen. Aber dann bin ich frustriert, wenn ich nichts anderes gemacht hab. Und ich hab ein schlechtes Gewissen, wenn ich weder gelernt, noch was anderes gemacht hab…

In 6,5 Wochen hab ich Urlaub. Ich weiß nicht, ob und wie ich das aushalten soll bis dahin. Aber selbst wenn ich jetzt schon zu Hause wär… ich weiß nicht, wie viel ich zu Hause schaffen würde. Ich lasse mich ständig ablenken. Handy, Hunger, Klo, Handy, Vogel im Garten, Handy, Hund im Garten, Namenloser im Garten… So schön ich meinen Schreibtisch direkt am Fenster finde… sobald sich draußen was bewegt bin ich raus aus der Konzentration. Inzwischen sitze ich oft am Esstisch, mit dem Rücken zum Fenster. Und wenn ich mein Handy außer Reichweite hab, dann renn ich eben schon wieder aufs Klo oder an den Kühlschrank. Und wenn ich den Laptop an hab und was google, dann bleib ich garantiert bei irgendwas hängen und zack ist schon wieder ne viertel Stunde um.

Selbst auf der Arbeit fahr ich grad alles runter und mach hier nur das allerallernötigste… Schande auf mich… aber eigentlich passe ich mich da bloß an die allgemeine Arbeitseinstellung hier an… Ich hab mir ein paar IHK-Skripte eingescannt und schreibe hier Zusammenfassungen, aber auch hier gehts mir so, dass ich drei Stichpunkte schreibe und dann nicht mehr kann. Ich muss mich richtig doll zwingen, dass ich mal 15 Minuten am Stück konzentriert was mache… Aber dann ist doch wieder was anderes. Dann schreib ich ne Bewerbung zum Beispiel (drückt mir die Daumen) und aktualisiere nach dem dritten Stichpunkten schon wieder mein Postfach. Oder ich starre hier aus dem Fenster. Oder ich renn zum Tisch mit den Süßigkeiten. Und ich weiß nicht, wie ich das ändern soll. Das macht mir zusätzlich Druck und Angst, dass ich es nicht schaffen könnte.
Die verdammte Zeit rennt. Die letzten Wochen sind einfach so schnell vergangen. Selbst Kacktage wie Montage, die sich sonst wie Kaugummi ziehen, vergehen wie im Flug. Und ich komme nicht voran…

Montag war echt ein richtig beschissener Scheißtag. Ich hab mich vielleicht auch ein bisschen reingesteigert, aber ich schätze ich bin jetzt an einer Grenze angekommen.
Am Montag hab ich mich fürs heulen entschieden. Schon auf dem Heimweg im Auto. Dann musste ich zum Arzt ein Rezept holen. Ich hab extra angerufen vorher, damit sie das fertig machen, und musste trotzdem 25 Minuten warten. Das hat mich so genervt, weil ich nur daran gedacht hab, was ich in den 25 Minuten zu Hause hätte durcharbeiten können. Auch wenn ich mich bestimmt auch wieder ablenken lassen hätte, sodass ich sowieso effektiv nur 10 Minuten was gelesen hätte.
In der Apotheke hatten sie das Medikament dann nicht vorrätig, also musste ich am Dienstag noch mal da hin. Aber es hätte auch nichts gebracht, in eine andere Apotheke zu fahren, denn erfahrungsgemäß hat das nie eine da…
Dann musste ich noch zum Aldi, weil kein Brot mehr da war. Ich fress nämlich auch in letzter Zeit nur Scheißdreck. Einen Haufen Süßkram, der im Büro immer vorrätig ist, weil ich nie ein Brot dabei hab… Also wollte ich Brot holen. Und dann stand ich mit drei Sachen da und es war eine Kasse auf und gefühlt 100 Leute in der Schlange.
Ich hab kurz überlegt, ob ich einfach alles auf den Boden schmeiße, mich direkt dazu werfe und einen Heulkrampf kriege… Hab mich dann aber doch zusammen gerissen. Und Aldi war gnädig und hat zwei weitere Kassen aufgemacht.

Am Dienstag war ich dann trotzdem ohne Brot auf der Arbeit und hab mich von Hanuta, Oblaten und einem Apfel ernährt… Abends gabs dann Lasagne und ich hab mir auch gleich Brote für die Arbeit am Mittwoch gemacht.

Alles in allem war das ne Scheißwoche, daran wird auch heute und morgen nix mehr ändern, und ich mach mir ein paar Sorgen, dass das die nächsten 9 Wochen so weitergeht…

Freitags-Füller 26/2019

1. Mir gefällt meine neue Einstellung zu mir selbst. Ich frage mich aber, wieso es mir plötzlich so selbstverständlich vorkommt, mich gut zu finden. Und wieso ich es früher so selbstverständlich fand, mich wegen jeder Kleinigkeit zu kritisieren.

2. Nächsten Samstag sind wir bei Herrn und Frau Burger, die jetzt endlich offiziell Herr und Frau Burger sind, eingeladen. Dann weihen wir unser Hochzeitsgeschenk ein (eine Fackel für den Garten) und es gibt ein paar Leckere Sachen vom Grill.

3. Die Auswahl an Getränken ist einfach momentan: Wasser, Wasser, Wasser.

4. Im März hab ich ja meine Weisheitszähne raus bekommen. Eigentlich hätte ich zwei Tage später einen Termin bei einem normalen Zahnarzt gehabt, aber den hab ich dann natürlich abgesagt und natürlich keinen neuen vereinbart… Jetzt schiebe ich das wieder vor mir her. Sie wollte eine Füllung ersetzen… hach… allein der Gedanke… vielleicht warte ich noch mit dem Termin beim Zahnarzt.

5. Die Sommerferien sind fast da. Nur noch morgen Schule und dann hab ich 5 Wochen meine Ruhe! Fast. Lernen muss ich ja trotzdem und ich hoffe, dass ich mich oft genug abends zum lernen hinsetze. Aber das sollte kein Problem werden, denn ich habe in letzter Zeit so einige kleinere und mittelgrößere Erfolgserlebnisse bei Übungsaufgaben gehabt. Speziell bei den Steuerfächern. Es ist also nicht Hopfen und Malz verloren.

6. Der Gedanke an die Prüfung bereitet mir trotzdem ein flaues Gefühl im Magen.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf den Rest Eiswein, der noch im Kühlschrank steht, morgen habe ich geplant, hochkonzentriert an der Steuer-Probeklausur zu arbeiten und Sonntag möchte ich ein bisschen lernen, ein bisschen rumgammeln, ein bisschen Eis essen und mich ein bisschen über die nahende Freiheit freuen!

Den FF von Barbara und alle anderen Mitmacher findet ihr wie immer hier.

Das Sommerkleid

Ich habe heute ein Kleid an! Im Büro! Das hab ich im Leben noch nicht gemacht. Zumindest nicht im Sommer. Im Winter, wenn ich Stiefel anziehen konnte, die meine Waden versteckt haben, dann hab ich das schon ab und zu gemacht. Aber eigentlich kann ich es an einer Hand abzählen.

Die letzten Tage war es unglaublich warm. Im Büro ja eher nicht, da ist es klimatisiert und es zieht mir eigentlich eher. Aber wenn ich Schule hab, dann muss ich halt auch noch in der IHK ein paar Stunden aushalten… Und da sind lange Ärmel und geschlossene Schuhe nicht so angebracht.
Bisher gabs also das Zwiebelprinzip und ich hatte Wechselschuhe im Auto. Letzte Woche hab ich mich irgendwann getraut und ein neues (selbstgenähtes) Kleid zur IHK angezogen. Ich hab mich im Auto umgezogen, weil ich mich nicht getraut habe, das Kleid gleich morgens schon zur Arbeit anzuziehen. Außerdem hatte ich Angst, dass ich sonst im Büro friere. Das hab ich am Dienstag auch wieder gemacht. Also 2x in kürzester Zeit mit Sommerkleid im Alltag. Absolute Premiere für mich!

Gestern sollten es 39 Grad werden (und verdammt, mein Auto hat das auch tatsächlich angezeigt!!) und da hab ich schon kurz überlegt, ob ich das nun auch mal im Büro ein Kleid tragen soll… hab mich aber nicht getraut. Zumindest hatte ich aber mal Sandaletten an und gar nicht so schlimm kalte Füße gehabt, wie befürchtet. Zur Not geh ich halt mal raus und wärme mich wieder auf, hab ich mir gedacht 😉 Und zur allergrößten Not hätte ich Ballerinas im Auto gehabt.

Heute hab ich wieder Schule und ich stand vor dem Kleiderschrank und hab überlegt, was ich heute für den Nachmittag einpacke. ich muss ja schon sagen, dass ich sogar recht viele Kleider hab, die ich aber kaum trage. Ich hab ein paar Sommerkleider, die ich im Urlaub an hatte, aber ich hab sogar auch drei bürotaugliche Kleider, eins mit kurzen, zwei mit längeren Ärmeln, die ich aber bisher nur an hatte, wenn wir zum Jahrestag essen gegangen sind…
Heute morgen dachte ich mir dann „scheiß drauf“ es ist Sommer, es ist warm, ich will auch mal ein Kleid anziehen! Ein paar Kolleginnen haben auch immer ein Kleid an in letzter Zeit… Und die frieren ja auch nicht… Und wie gesagt, zur Not geh ich kurz vor die Tür. Aber wie ich heute früh schon gemerkt hab, reicht es, wenn ich ein Stockwerk die Treppen hoch steige, um in Schweiß auszubrechen…

Ich trage also heute ein Kleid!
Und niemand hat einen dummen Spruch gemacht.
🙂