Das mit dem „sich selbst lieben“

Das ist etwas, das ich wohl noch nie getan habe. Ich mag mich nicht mal selbst so wirklich. Eben hab ich meine alten privaten Einträge durchforstet und es zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben… traurig…

2009:
ich hab mich noch nie auffällig gekleidet. immer graue maus. nie auffallen. immer in der masse verstecken. wieso? wieso hab ich zb ein problem damit, wenn andere leute mich anschauen? einen rock zu tragen finde ich noch heute in fast jeder situation unpassend. an mir jedenfalls. ich komme mir immer gleich überzogen aufgetakelt vor. an anderen frauen sieht es immer gut aus. und passend. stilvoll. schick. wieso an mir nicht?

2010:
wieso bin cih so eine graue maus? wieso bin cih manchmal sogar unsichtbar? wieso bin cih keine elegante frau? wieso fühle ich mich nicht als frau? wieso sehen die tollen klamotten von anderen an mir scheiße aus? wieso kann ich nicht wie jemand anders sein? wieso kann ich nicht jemand anders sein?
wieso kann ich nicht einfach zufrieden mit mir sein???

2015:
Ich renn halt auch iiiiiimmer gleich rum. Jeans und ein Pulli. Jeans und ein Shirt und Strickjacke. Immer gleich. Ich find mich ja selbst langweilig. Und ich brauch mich nicht wundern, dass man mich jünger schätzt. Ich finds nicht schlimm, jünger geschätzt zu werden. aber damit einher geht auch, dass man mich unterschätzt und mir weniger zutraut.

Der A-Figurtyp
Das liest sich für mich so:
– Ihr Oberkörper ist zart, aber Ihr Unterkörper ist völlig unproportional massig
– Ihre Schultern sind schmal, aber Ihre Hüften sind fett
– Ihre Taille ist schlank und deutlich ausgeprägt, weil Ihr Arsch riesig ist
– Ihr Po ist fett und schwabbelig
– Ihre gesamten Beine sind fett, sogar Ihre Knie und Fesseln!!
– Sie haben kurze Stummelbeine
Ach man, es ist echt eine Katastrophe. So denk ich oft über mich… Wie soll man da Spaß am Shoppen haben, wenn diese Gedanken immer im Kopf sind, wenn man was anprobiert…

2016:
Ich mache mich selbst fertig, indem ich vor dem Spiegel stehe und mich kritisiere. Indem ich mir selbst sage, wie schwabbelig mein Arsch ist. Indem ich mich einfach nicht akzeptiere.
Irgendwie muss ich es mal schaffen, dass ich nett zu mir bin.

2017:
Wieso kritisiere ich mich ständig selbst?
Wieso bin ich laufend unzufrieden mit mir?
Wieso fühle ich mich so oft ungenügend?

Ich bilde mir ein, dass alles besser wird, wenn ich mit meinem Körper zufrieden wäre. Aber selbst wenn die Speckfalten am Bauch weg sind, dann ist da immer noch der schwabbelige, große Hintern. Und die weichen, wabbeligen Oberschenkel. Und die fetten Waden mit den Stumpenfesseln, die in fast keine Stiefel oder Boots passen.
Aber auch wenn das alles weg wär… na ja, dann wärs halt was anderes.
Ich bin nicht sehr nett zu mir. Wenn ich mit anderen so reden würde, wie mit mir ihn meinem Kopf, dann würde niemand mehr was mit mir zu tun haben wollen… Und wenn andere was nettes zu mir sagen, dann ist es nicht so, dass ich das nicht glauben will. Ich würde es gern glauben, aber ich kann irgendwie nicht. Ich erlaube es mir nicht, das zu glauben…
Manchmal habe ich auch kurze Momente, in denen ich dann zu mir sage, dass ich gar nicht so fett bin, oder dass ich gar nicht so hässlich bin, oder sowas… Aber ich formuliere es immer so rum.

Der Namenlose und ich hatten zB vor einer Woche Jahrestag und sind essen gegangen. Und natürlich hab ich mich da auch mal mehr zurecht gemacht. Mit Lidstrich und Lippenstift. Und der Namenlose war richtig geplättet, als ich aus dem Bad kam… Aber der Kommentar, den ich für mich übrig hatte, war „Siehst schon gar nicht so scheiße aus, wenn du dich mal zurecht machst“ und nicht „Du siehst hübsch aus!“ Das fällt mir sogar schwer über mich zu schreiben. Ich sah hübsch aus an dem Abend. In dem Moment, wo ich das schreibe, zuckt meine Augenbraue nach oben.
Manchmal, wenn ich hier auf der Arbeit aufs Klo gehe, dann sehe ich mich im Augenwinkel von der Seite im Spiegel. Und manchmal gucke ich mich dann an und dann denke ich manchmal, dass ich ja gar nicht so fett bin. Nicht „Du hast eine gute Figur“ (und wieder fällt mir das Schreiben total schwer), sondern „Du bist gar nicht sooo fett.“ Aber ich stelle auch fest, dass diese Wirkung viel mit der Kleidung zusammen hängt. In manchen Klamotten wirke ich schmaler als in anderen. Das hängt davon ab, wo die Oberteile enden. Logisch. Aber trotzdem erstaunlich, wie viel mal so rein optisch beeinflussen kann.
Wenn ich mich dann allerdings nach dem duschen nackt im Spiegel sehe, da kann nix mehr kaschiert werden… Früher habe ich mich dann echt fertig gemacht. Hab in die Bauchspeckfalte gekniffen und bemängelt, wie viel ich da zwischen den Fingern hab, oder den Hintern angeschwabbelt und angewidert die Augen verdreht… heute mache ich das seltener. Nicht, weil ich mich nicht selbst runter machen will, sondern weil ich mich einfach ignoriere.
Ich schaue mich kaum im Spiegel an. Ich gucke mir nicht ins Gesicht, außer morgens zum Augenbrauen nachziehen und Wimpern tuschen. Ich gucke mich auch nicht nackt an. Mir fällt meine Speckfalte auf, meine weichen Oberschenkel, die innen komplett aneinander reiben, meine dicken Arschbacken, die Cellulite haben… Aber ich seh das nur im äußeren Blickfeld. Ich versuche einfach gar nicht hinzugucken.
Ich mag meinen Körper nicht. Ich widme ihm dadurch auch nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient hätte (und der Namenlose somit auch…) Ich habe auf den großen Zehnägeln noch Nagellackreste vom Sommer… Und der Nagellack war im Sommer auch nur drauf, weil ich sonst nicht mit offenen Schuhen gelaufen wäre. Meine Beine rasiere ich alle paar Wochen mal. Ich mache nie Gesichtsmasken oder Haarkuren. Zum Jahrestag hab ich mir seit Moooooooonaten mal wieder die Augenbrauen gezupft und gefärbt, weil es halt mal einen Anlass gab. Gott sei Dank sind die sonst blond, sonst hätte ich schlimmer ausgesehen als Bert aus der Sesamstraße. Meine Fingernägel sind jetzt auch mal ok und ich bemühe mich seit einer Woche, nicht mehr so viel an den Nagelbetten rumzuknibbeln… Es sieht allmählich besser aus. Nur noch drei entzündete Stellen.

Aber ich weiß nicht wo ich anfangen soll, wie ich anfangen soll, mich zu mögen. Mir ist klar, warum ich mich mögen sollte, aber ich weiß nicht, was ich an mir mögen soll… und wie… Ich bin wie ein Fremder für mich, mit dem man einfach nichts zu tun hat, zu dem man kein Verhältnis hat. Obwohl das stimmt ja so auch nicht. Ich habe ein Verhältnis zu mir, ein gestörtes, ein schlechtes. Aber da ich mich zB so wenig wie nötig im Spiegel angucke, mich so wenig wie nötig mit mir beschäftige, gehe ich fast dazu über, gar kein Verhältnis mehr zu mir zu haben. Harte Worte… Aber so ist das.

Gibt es irgendwas, was ich an mir mag?
Nachdem ich jetzt 8 Minuten darüber nachgedacht hab, ist mir trotzdem nichts eingefallen, außer „Ich mag meine Brille“. Aber immerhin. Als Kind/Teenie mochte ich meine Brille überhaupt nicht, hab dann über 10 Jahre nur Kontaktlinsen getragen und bin vor 4 oder 5 Jahren wieder zur Brille zurückgekehrt.
Vielleicht mag ich noch, dass ich doch irgendwie zielstrebig bin und mir selbst schon ein paar mal bewiesen habe, dass ich Sachen durchziehen kann. Und vielleicht mag ich auch noch, dass ich manchmal ganz witzig bin (und gleich hab ich das Bedürfnis, das wieder zunichte zu machen, indem ich sage „Ich wünschte ich wäre viel öfter so witzig und schlagfertig“…)
Ich hab da wohl einen ziemlich langen Weg vor mir.

Bibu-Update III

Unterrichtsstunden: 536/920
Fächer: Erstellung von Zwischen- und Jahresabschlüssen, Finanzwirtschaftliches Management, Kommunikation und Zusammenarbeit, Kosten- und Leistungsrechnung, Abgabenordnung, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Berufsausbildung planen, Berichterstattung, Umsatzsteuer, Gewerbe-/Grundsteuer, Erstellung von Abschlüssen nach internationalen Standards

Ich habe mich tatsächlich zu einem richtigen Streber entwickelt. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viel gelernt wie jetzt. Weder fürs Abi, noch für die Ausbildung. Im Studium auch nicht. Mangelndes Interesse, wie ich mir eingestehen muss und somit fehlende Motivation. Deshalb hab ich das ja auch gegen die Wand gefahren. Aber selbst für den Wirtschaftsfachwirt hab ich nicht so viel gelernt. Rückblickend muss ich echt sagen, dass ich den ganz schön auf die leichte Schulter genommen hab, und das meiste nicht mit der Ernsthaftigkeit durchgearbeitet hab, die ich jetzt habe, die aber auch damals schon nötig gewesen wär und mir heute sicher auch ein bisschen was einfacher machen würde 😉 Für die Wirtschaftsfachwirtprüfung hab ich eine Woche vorher Bulimielernen betrieben. Aber das ist etwas, das beim Bilanzbuchhalter nicht funktioniert. Man muss es verstanden haben, man muss die Zusammenhänge herstellen und den Überblick haben.
Und was soll ich sagen? Vorhin hatte ich eine Hammererleuchtung 😀
An dieser Stelle könnt ihr überspringen, wenn es euch nicht interessiert 😉

Aber mir ist was völlig Banales klar geworden: Wenn ich die Körperschaftsteuer ermitteln will, muss ich das zu versteuernde Einkommen ermitteln. Und das geht alles vom Gewinn in der Handelsbilanz aus. Aber der muss korrigiert werden um verschiedene Sachen. Und manche Gewerbetreibenden müssen zusätzlich zur Handelsbilanz eine Steuerbilanz aufstellen. Und genau das ist der erste Teil der Korrekturen. Und wenn man dann weitere Korrekturen durchführt, erhält man den Gewinn aus Gewerbebetrieb, mit dem man weiterrechnen kann, um die Gewerbesteuer zu ermitteln. Gleichzeitig ist er die nächste Stufe, wenn man das zu versteuernde Einkommen einer Körperschaft ermitteln will. Im dritten Schritt werden nun noch die letzten Korrekturen durchgeführt und dann kann man die Köperschaftsteuer berechnen…
Ich sag ja, völlig banal.

Ab hier könnt ihr weiterlesen 😀
Wieso mir da jetzt erst ein Licht aufgegangen ist? Wieso das nicht gleich klar war? Keine Ahnung… frag ich mich jetzt auch. Der Gesamtzusammenhang hat halt irgendwie gefehlt. Vier unterschiedliche Dozenten für handels- und steuerrechtliche Abschlüsse, Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer…
Aber diese Erleuchtungen und Momente, in denen ich richtig hören kann, wie der Groschen fällt, die sind so schön! Und die geben mir die Motivation zurück, die mir vor ein paar Monaten anfing zu fehlen. Ich muss es an der Stelle mal sagen: Ich hab doch echt mein Ding gefunden! 🙂 Ich bin glücklich mit der Weiterbildung, es macht mir inzwischen richtig Spaß und daher sitze ich freiwillig jeden Tag nach der Arbeit und sogar am Wochenende am Schreibtisch und lerne. Ich gehe den Stoff durch, schreibe Sachen noch mal neu und ordentlich auf, mache Übungen… Und es zeigt Wirkung. Ich habe nicht mehr das Gefühl, nichts zu wissen, weil sich immer mehr Zusammenhänge erschließen und nach jetzigem Stand und Gefühlslage habe ich keine Angst mehr vor der Prüfung.
Dafür vernachlässige ich aber weiterhin soziale Kontakte, Familie, Wäsche und Hobbys. Ich nähe nicht mehr, ich stricke nicht mehr. Das kostet zu viel Zeit. Aber ich lese abends immer mal oder whatsappe auch mal, aber ich versuche mich gerade zu erinnern, wann ich zB meine Hochzeitsfreundin zuletzt getroffen hab. Oder die Burgerfreunde. Das ist alles schon wieder länger her…

Was den Unterricht angeht haben wir gerade einen ziemlichen Disput mit den Dozenten, die Abgabenordnung und Einkommensteuer unterrichten. Ich hatte ja schon im letzten Update berichtet, dass die beiden schwierig sind, aber es ist halt noch schlimmer geworden.
Letzten Samstag haben wir dann um ein Gespräch gebeten, weil ich gehofft hatte, dass man das irgendwie klären kann, aber die sind überhaupt nicht auf unsere Argumente eingegangen, die wollten das Problem überhaupt nicht einsehen und sind nur wieder darauf rumgeritten, dass wir zu dumm für den Lehrgang sind, weil uns ja die 3-jährige Ausbildung zum Steuerfachangestellten fehlt. Tja… das ist nicht sonderlich motivierend. Inzwischen wissen wir, dass der Dozent in Gewerbesteuer auch für Einkommensteuer einspringen würde und deshalb haben wir jetzt angeleiert, die beiden Dozenten abzusetzen. Nach diesem ergebnislosen und unbefriedigenden Gespräch haben wir alle keine Lust mehr auf die. Und die auf uns ja offenbar auch nicht. Sie betonen ja immer wieder, dass wir der letzte Kurs sind, den sie unterrichten und dass sie keine Lust mehr haben, weil das Niveau ja so gesunken ist… Im Gespräch haben sie dann gedroht, dass sie sich bis Weihnachten überlegen, ob sie den Unterricht im Januar überhaupt noch weiter führen wollen.

Mit keinem anderen Dozenten haben wir so ein Problem und ich verstehe nicht, warum sich die Fronten mit denen so verhärtet haben. Selbst mit der KLR-Dozentin, die in der ersten Stunde auch ziemlich herablassend war, kommen wir inzwischen sehr gut zurecht. Sie hat einfach einen Plan in ihrem Unterricht. Sie geht strukturiert vor, zu jedem Thema macht sie eine einfache Übungsaufgabe mit uns zusammen, um das System zu erläutern und danach machen wir zwei schwierigere Aufgaben allein.

In Umsatzsteuer und Gewerbesteuer läuft es genauso: Wir gehen das Gesetz Paragraph für Paragraph durch und zu jedem wird eine Übung gemacht um zu verstehen, was der meint. Am Ende setzt man das Puzzle zusammen.

Körperschaftsteuer ist weiterhin etwas schwieriger, weil der Dozent nicht ganz so strukturiert vorgeht. Aber bei dem haben wir zumindest ein dickes Skript, in dem alles (und noch viel mehr) drin steht und damit kann man sich das trotzdem irgendwie erarbeiten. Aber happig ist es trotzdem. Seine Übungsaufgaben sind auch immer noch sinnlos, weil sie so schwer sind und direkt so komplex, dass es schwer ist, alleine damit zurecht zu kommen. Da muss ich also trotzdem noch einiges nacharbeiten, aber wie gesagt, vorhin gabs ja eine Erleuchtung und ich gebe die Hoffnung für KÖ noch nicht auf 😉

Jahresabschlüsse nach internationalen Standards ist neu dazu gekommen… Ich finde das ein bisschen ätzend und das wird wohl das einzige sein, bei dem ich eher Mut zur Lücke beweise… nach der Prüfungsverordnung von 2015 wird das Fach auch nicht mehr so stark gewichtet. Nach der alten Verordnung hat man für dieses Fach eine eigene 90-minütige (? oder sogar länger??) Klausur geschrieben, in der es 100 Punkte zu erreichen gab und man musste mindestens 50 Punkte holen. Bei mir ist das nachher anders: Wenn ich Glück habe, so wie die Prüflinge jetzt im Herbst, dann wird zu dem Thema gar nichts abgefragt. Wenn ich „Pech“ habe, gibts ein paar Teilfragen, mit hoffentlich höchstens 10 Punkten.
Wen das interessiert, der kann ja nämlich noch den Abschluss Bilanzbuchhalter international machen.

Und alle anderen Fächer laufen auch ganz gut. Wir haben, wie gesagt, mit keinem anderen Dozenten so ein Problem, wir kommen mit allen gut aus, was für eine entspannte Unterrichtsatmosphäre sorgt. Alle Kursteilnehmer kommen gut miteinander aus und dass der Kurs so einen Zusammenhalt hat, das gab es wohl seit Jahren nicht bei der IHK 🙂
Meine Unterlagen sind total ordentlich, ich hab alles abgeheftet, keine Zettelwirtschaft! Vielleicht sind die Mitschriften nicht immer in Schönschrift 😉 Aber zumindest das, was ich zu Hause lerne und nacharbeite, ist sehr übersichtlich und ordentlich.
Und ich glaube ich habe auch irgendwie doch langsam meinen Platz in der Gruppe gefunden. Ich bin da sehr akzeptiert, stelle ich fest und das freut mich riesig 🙂 Das schweißt doch ganz schön zusammen und ich hoffe, der ein oder andere Kontakt bleibt danach bestehen.

Projekt: Ausstrahlung

Ich weiß nicht, obs das Wetter ist, oder ob ich grad mal wieder „Hormone“ hab, aber gestern hat mich die Kleidung einer Kollegin ganz schön angefressen. Es ist die alte Leier: Ich bin eine unscheinbare graue Maus.

Manchmal frage ich mich, ob ich verrückt werde, denn ich möchte zB im Einkaufszentrum an einer Menschentraube vorbei und sag „Entschuldigung, darf ich mal durch?“ und keiner reagiert. Sowas erlebe ich öfter mal und dann frage ich mich, ob ich zu leise bin. Also sag ich das bewusst lauter, als ich es normalerweise sagen würde, und trotzdem reagiert keiner. Manchmal ärgert mich das nur, manchmal frage ich mich aber, ob ich was gesagt hab, oder ob ich mir das nur eingebildet hab… Fast schon schizophren 😉
Aber vielleicht bin ich nur einfach die kleine, graue Maus, die in der Masse untergeht und eben einfach übersehen wird.

Und das hat mich gestern wieder angefressen, weil meine Kollegin immer hübsch angezogen ist und ich einfach neidisch bin, dass sie so eine Ausstrahlung hat und ich nicht. Dass dieses Kleid gestern an ihr einfach hübsch und normal aussieht, und ich mir gleich verkleidet und overdressed vorkäme.
Ich will mich nicht verkleiden, ich will keine Rolle spielen, für die die schickimicki Klamotten dann ein Kostüm sind. Ich will nicht steif und unnahbar wirken. Ich bin nur irgendwie neidisch auf die, die einen Raum betreten und plötzlich ist dieser hell und voll.

Wenn ich auch im Lehrgang die anderen Mädels sehe, die sind fast alle gut angezogen. Angemessen für die Arbeit. Ich komm mir da manchmal vor, wie ein Trampel der sich seit der Schulzeit nicht weiter entwickelt hat.
Aber natürlich ist ein Kapuzenpulli viel bequemer als ein Blazer, aber mit einem Blazer strahlt man eben gleich was anderes aus. Oder wenn man Pumps statt Turnschuhen trägt. Selbst wenn man bei der legeren Jeans bleibt: Mit Pumps und einem Blazer ist man eben gleich „angezogen“. Oder wenn man ein schlichtes Oberteil an hat (und mein Schrank besteht eigentlich nur aus schlichten und unscheinbaren Oberteilen), dann reicht vielleicht schon eine Kette, als Hingucker…

Also hab ich mit der Sturmtochter (menno… ich kann mich an den Namen nicht gewöhnen…) einen Plan ausgearbeitet:

1. Blazer kaufen
Ich habe einen Blazer in beige, der mir eigentlich nicht so steht, glaube ich. Den habe ich auch nie angehabt, außer auf den beiden letzten Bewerbungsfotos, die ich gemacht habe. Und dann habe ich einen grauen Blazer, der zu einem Hosenanzug gehört und mir inzwischen bestimmt zu eng ist.
Ich kann mich erinnern, dass ich den Blazer-Versuch schon mal gestartet hab, vor ein paar Jahren. Aber ich hab nichts passendes gefunden und daher alles wieder zurück geschickt. Nicht jede Länge und nicht jede Kragenform steht mir…

2. Ketten bzw. Accessoires kaufen
Ich habe zwei Ketten, die ich nie trage. Eine ist schwarz angelaufen, weil sie unecht ist. Und außerdem schlagen sie genau auf den Schreibtisch auf, wenn ich dran sitze. Deshalb trage ich auch keine Armbänder oder Armreifen. Wobei bei Armreifen zusätzlich das Problem besteht, dass die mir meistens zu groß sind und von der Hand rutschen.
Aber Schmuck ist dazu da, sich zu schmücken. Also kann ich meine unscheinbaren Oberteile weiter tragen und fühle mich vielleicht nicht mehr ganz so grau.

3. Schuhe kaufen
Das versuche ich schon länger. Aber es gibt nichts was mir gefällt. Oder was mir passt. Ich hätte zum Beispiel auch gern mal neue Stiefel für den Winter, aber ich krieg sie über meine fetten Waden einfach nicht zu. Schon mal gar nicht mit Hose drin. Ok… damit muss ich mich wohl abfinden. Aber ich muss zumindest mal ein paar neue knöchelhohe Schuhe finden. Mit ein bisschen Absatz. Bürotauglich. Aber es gibt im Moment einfach nur hässliche Schuhe!!

Und wenn dann einer im Büro sagt „uuuuuh so schick heute“, dann muss ich da drüber stehen, es eine Woche aushalten und dann ist hoffentlich jemand anderes Gesprächsthema Nummer 1.

Bei dieser ganzen Aktion geht es mir darum, dass ich anders wahrgenommen werden möchte. Ich bin fast 35 und hab so oft das Gefühl, dass man mich nicht ernst nimmt und mich oft übergeht. Grad auf der Arbeit.
Dass ich nicht wahrgenommen werde und in der Masse untergehe, das war früher als Teenie bewusst mein Ziel. Ich hab mich in weiten, großen Schlabberpullis versteckt, ich wollte nicht auffallen. Hab keine engen Jeans oder kurzen Röcke getragen. Ich bin einmal angegrabscht worden und irgendwie hab ich gedacht, dass ich keine Angriffsfläche mehr bieten darf, also darf ich möglichst nicht auffallen und darf schon gar nicht auch nur ansatzweise aufreizend sein. Deshalb hab ich mich auch nie geschminkt. Es war Fluch und Segen zugleich: Niemand hat mich mehr angegrabscht, aber für meine erste große Liebe war ich eben auch nur die hässliche Brillenschlange.

Ich kann halt auch schlecht damit umgehen, wenn Männer glotzen. Und es gibt immer die zwei, drei Exemplare, die das tun. Und das ist einfach so ekelhaft. Deshalb ziehe ich mich auch heute noch möglichst unscheinbar an um dieses ekelhafte Glotzen zu vermeiden… Ich kann mir auch nicht sagen „Lass sie doch glotzen, sollen sie doch“. Ich finds eklig, ich fühle mich dann direkt unwohl und verunsichert. Ich falle dann irgendwie in diese Grabsch-Situation zurück, in der ich wirklich Angst hatte. Und ich habe, wenn einer so eklig glotzt, Angst, dass der gleich aufsteht, zu mir kommt und mich auch angrabscht, weil er denkt, ich hätte ihn mit meinem Aufzug dazu aufgefordert.
Puh… tiefschürftende Erkenntnisse, die mir teilweise während des Schreibens jetzt erst kamen…

Na ja, ich will jedenfalls keine graue Maus mehr sein, was ja nicht automatisch bedeuten muss, dass ich in Etuikleidern zur Arbeit gehe. Aber ich brauch ein bisschen mehr Farbe. Im übertragenen Sinne.