Abwarten und Tee trinken

So… jetzt habe ich es also geschafft. Heute war mein erster Tag in vorläufiger Freiheit. Ich habe nichts gemacht. Ich habe aus dem Fenster gestarrt und ein Hörbuch gehört. Ich habe nicht mal selbst gelesen! 😀 Ich habe mir vorlesen lassen und dabei einfach nur rumgegammelt. Aber das war schön!

Ich kanns noch gar nicht glauben, dass es jetzt erstmal vorbei ist! Und ich bin froh, dass ich heute noch nicht arbeiten musste. Und dass ich das auch vorläufig noch nicht muss 😉 Zum einen hätte ich keine Lust gehabt, heute auf die Frage, wie es gelaufen ist zu antworten, zum anderen waren die letzten Wochen doch wirklich sehr sehr kräftezehrend und anstrengend und ich bin froh, über die Pause, die mir noch bleibt.

Morgen fahre ich erstmal zu meiner Schwester und dann geht’s für mich zwei Wochen nach Dublin. Mein Koffer ist gepackt. Das war das einzige, was ich heute gemacht hab. Hoffentlich hab ich nichts vergessen. Aber dann muss ich in Dublin wohl shoppen gehen 😁
Einen Stoffladen will ich da auch noch ausfindig machen, ich will mir dann was nähen, was mich immer an Dublin erinnert. Und am allerliebsten würde ich mir da einfach einen Job suchen und alles in Deutschland hinter mir lassen 🤷🏼‍♀️
Aber morgen geht’s erst mal mit dem Flixtrain los. Für die fünf Stunden Fahrt hab ich mir noch ein paar Hörbücher runter geladen. Ich hab viel zu wenig gelesen in den letzten Monaten!

Und wie wars nun?

Tja… ich kanns nicht einschätzen. Nur den zweiten Tag kann ich einschätzen, der lief super. Was die anderen beiden Tage betrifft… ich weiß es einfach nicht.
Tag 1 war im ersten Gefühl eigentlich okay. Je länger ich dann darüber nachgedacht habe und je mehr Kommentare ich im Internet gelesen habe, desto schlechter wurde mein Gefühl. Und auch für Tag 2 ist mein Gefühl nach Diskussionen und Kommentarelesen schlechter als unmittelbar danach.
Wo mein Gefühl gleich schlecht war und gar nicht noch schlechter werden kann ist in Bezug auf Tag 3. Die Prüfung war einfach wirklich schwer.
Aber klar, der Abschluss soll nicht geschenkt sein. Ist in Ordnung. Ich hätte mir trotzdem gewünscht, dass ein bisschen was von dem dran gekommen wäre, was in den letzten 10 Prüfungen dran war…

Tja… Ich hatte eben einfach Pech mit der Themenwahl. Ich hab mich aber auch zu sehr darauf verlassen, dass die gängigen Sachen wieder dran kommen. Aber wenn man 10 Prüfungen durchgeht und sich immer wieder die gleichen 4 Themen abwechseln…
Hach… Ich kanns jetzt nicht mehr ändern.
Ich hoffe einfach, dass es gereicht hat, gleichzeitig frage ich mich, ob ich das verdient habe.
Ich meine, ich kann mir nicht vorwerfen, dass ich zu wenig gemacht habe. Ich kann so viel, ich hatte einfach ein bisschen Pech, dass davon so wenig abgefragt wurde und ich also nicht zeigen konnte, was ich alles kann. Von daher finde ich eigentlich schon, dass ich verdient habe zu bestehen. Und ich will das einfach nicht im Frühjahr noch mal schreiben müssen! Aber eigentlich hätte ich auch einen etwas höheren Anspruch an mich selbst, als gerade so über die Hürde zu kommen 🙄

Aber wie gesagt, jetzt kann ich es nicht mehr ändern. Jetzt kann ich nur noch abwarten und Tee trinken und hoffen. Meine Neffen und Dublin lenken mich hoffentlich erst mal ab und danach ist der Ärger über die Prüfungen und über mich hoffentlich erstmal verflogen.

T minus 7 Tage

Heute in 7 Tagen hab ich den ersten Teil schon hinter mir. Ich bin gespannt, ob ich dann entspannt bin oder hysterisch heule 😉

Gerade gönne ich mir eine kleine Pause – mehr oder weniger gezwungen. Unsere Putzfrau ist da und das stört mich in meiner Konzentration. Also mampfe ich einen kleinen Snack und dachte, ich geb mal einen kurzen Stand ab.

Nachdem ich mir ja letztens ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom diagnostiziert habe, muss ich das inzwischen revidieren. Ich habs mit klassischer Musik versucht. Ich weiß nicht, wieso ich da nicht vorher schon drauf gekommen bin. Auf der Arbeit hab ich das schon ab und zu mal gemacht, wenn ich mich ganz stark konzentrieren musste. Dann hab ich Kopfhörer reingesteckt und hab klassische Musik gehört. Letztens dachte ich, ich versuchs halt einfach und was soll ich sagen? Es läuft! Gott sei Dank! Es ist nämlich so frustrierend, wenn man sich ständig ablenken lässt… Wenn ich gesehen hab, welches Pensum vor mir liegt, dann dachte ich, dass ich das in dem Arbeitstempo niemals schaffen kann! Dann hab ich mich geärgert, dass ich so viel Zeit verplempert hab und gleichzeitig Panik bekommen, dass genau das dran kommt, was ich deshalb nicht geschafft hatte zu lernen…

Ich hab jetzt seit ner Woche Urlaub, stehe morgens mit dem Namenlosen auf, trinke mit ihm einen Kaffee und wenn er zur Arbeit geht, geh ich an meinen Schreibtisch. Klar gibts da auch unterschiedliche Tage, gestern saß ich hier 9 Stunden. Aber ich hab eigentlich nur 6 gelernt. Ja, ich bin trotzdem zufrieden, weil ich immerhin 6 Stunden gelernt hab. Irgendwann ist der Kopf auch dicht und dann geht nix mehr. Aber trotzdem hab ich mich irgendwie ein bisschen geärgert, weil vorgestern saß ich nur 8 Stunden und hab 6,5 h gelernt.
Also man sieht, irgendwann ist da auch ein Maß erreicht, dann ist Schluss.
Heute sitze ich seit 8 Uhr und ich denke, länger als bis 16 Uhr werde ich nicht machen. Es lohnt sich einfach nicht. Selbst, wenn ich dann noch was lese, das bleibt nicht hängen.

Aber auch wenn es mit dem Lernen ganz gut läuft und ich auch so kurz vorher immer noch Aha-Momente habe, schwanke ich immer mal wieder zwischen Panik, Resignation und Zuversicht. Die Zuversicht überwiegt, aber mich überkommen doch ab und an mal Wellen von „wie soll ich das alles in meinen Kopf kriegen?!“
Im gleichen Moment denke ich dann, das klingt, als hätte ich noch gar nix gelernt, aber das stimmt ja nicht! Aber bei manchen Prüfungsaufgaben, da hab ich das Gefühl, dass ich das noch nie gehört hab! Dann blätter ich in meine Gesetze, um mir die Sachen zu markieren, und stelle fest, dass sie schon markiert sind.
Aber wie gesagt, meistens bin ich zuversichtlich.
Meine Gesetze sind gut präpariert und die Grundlagen kann ich. Wenn ich sie nicht kann, dann weiß ich, dass es irgendwo im Gesetz steht und da steht eigentlich alles drin. Man muss es nur finden, aber dafür habe ich gesorgt. Also finde ich das und kann es auch lösen. Und man muss das ein oder andere vielleicht auch auf ganz neue Sachverhalte übertragen können. Das ist das schwierigste dabei, aber auch das kriege ich hin. Nicht zu 100% aber ich denke die Hälfte davon sollte auch drin sein.
Kennzahlen zur Jahresabschlussanalyse ballere ich mir noch kurz vorher in mein Kurzzeitgedächtnis, das sind einfach zu viele… Und dann hoffe ich, dass wir ein ordentliches Betriebsergebnis berechnen müssen, wie das geht, steht nämlich im Gesetz 😉 Oder ich hoffe, dass wir einen Kapitalflussrechnung machen müssen, dazu kriegen wir nämlich ein Schema, an dem man sich entlang hangeln kann.
Das, was nicht in den Gesetzen steht, hab ich gelernt. Ich kann ausrechnen, ob sich eine Investition lohnt oder nicht, ich kann eine Kapitalbedarfsermittlung durchführen, ich kann einen Finanzplan für mehrere Monate aufstellen. Ich kann einen Break-Even-Punkt berechnen, ich kann entscheiden, ob Eigenfertigung oder Fremdbezug günstiger ist, ich kann ein optimales Produktionsprogramm planen. Ich kriege auch eine Plankostenrechnung und eine Maschinenstundensatzrechnung hin, auch wenn das nicht meine Lieblingsthemen wären.

Insgesamt sollte ich also aufhören, mir einen zu großen Kopf zu machen, denn was ich nicht beeinflussen kann, das sind die Aufgaben. Die sind schon lange erstellt und die sind, wie sie sind. Ich muss einfach ein bisschen Glück haben, dass es genau die Sachen sind, die mir liegen. Ich kann Pech haben und es ist eine Archlochprüfung… aber davon gehe ich nicht aus. Erfahrungsgemäß sind immer ein paar Sachen dabei, von denen man denkt, das kann man nie.
Aber in der Prüfung arbeite ich immer noch mal anders, als bei einer bloßen Übung. Da bin ich noch konzentrierter, hab richtig Biss und gebe nicht auf. Dann denk ich so lange nach und blätter so lang in den Gesetzen, bis ich doch noch was passendes finde, womit ich das lösen kann. Und wenn ich bloß ein paar Teilpunkte damit raushole. Oder wenn die Grundlage falsch ist, kriege ich trotzdem Folgefehlerpunkte.
Bloß keine Aufgabe unbeantwortet lassen, das wäre das schlimmste, was man machen kann!