Jahresrückblick-Stöckchen 2019

Der alljährliche Jahresrückblick… hier für 2019.
Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und alles Gute für 2020! Ein neues Jahrzehnt startet. Endlich wieder eins, das man ordentlich aussprechen kann. Die 20er. Die neuen 20er… Obwohl ja genau genommen das neue Jahrzehnt erst am 1.1.21 beginnt… Aber wir wollen mal nicht so sein.

Zugenommen oder abgenommen?
Auf jeden Fall zugenommen! Mein Konsum an Süßigkeiten (insbesondere Snickers und Lachgummi-Milchgeister), Chips und vor allem Alkohol hat sich über die letzten Monate des Jahres auf ein Level gesteigert, von dem ich nicht wusste, dass ich es vertrage. Eigentlich wird mir bei Süßkram schnell schlecht. Aber meine Toleranzgrenze ist da deutlich angestiegen. In einer Tüte Milchgeister sind angeblich 11 Portionen. Aha… Bei mir waren es höchstens 1,5. Manchmal sogar nur eine Portion 🤷🏼‍♀️ Und für Silvester mit den Burger-Freunden bin ich bestens vorbereitet. Ich werde alle unter den Tisch saufen!

Mehr Geld oder weniger?
Dank tariflicher Erhöhung mehr. Ich kann meinen Arbeitgeber eigentlich nicht verlassen 🤔

Der hirnrissigste Plan?
Überstunden anhäufen zu wollen, um meine Frei-Zeit vor und nach der Prüfung auszudehnen… Ich wollte nämlich hinterher zwei Wochen richtig schön weit wegfahren und vorher brauchte ich aber auch Zeit, weil ich noch mal alles durchgehen wollte. Druck, Druck, Druck… Wie viel kann man in zwei Wochen vorher schon noch lernen?? Wenn man es bis dahin nicht drauf hat, ist es eh zu spät. Und wie immer macht man sich nur total verrückt, je mehr Ruhe man vorher hat.
Im Endeffekt hatte ich genug Zeit vorher, aber das tat mir auch gut. Und auch mein Bildungsurlaub hinterher war das beste, was ich machen konnte!

Schlimmstes Ereignis?
Krebsdiagnose von meinem Stiefvater.

Schönstes Ereignis?
– Bildungsurlaub in Dublin ☘️
– Bestandene Bilanzbuchhalterprüfung 🎉

Die gefährlichste Unternehmung?
Vielleicht war es ein bisschen gefährlich, in die Bunker auf Mallorca hinunter zu steigen. Da ging mir schon ein bisschen die Pumpe. Und auch der kleine Ausflug auf die Beleuchterbrücke im Es Fogueró Palace in Alcúdia könnte man wohl als gefährlich bezeichnen. Wer weiß denn schon, ob das alles noch hält???

Die teuerste Anschaffung?
Der Plan war eigentlich eine Overlockmaschine. Damit wollte ich mich zum Bibu-Abschluss belohnen. Aber da ich nicht weiß, welche es werden soll, beschäftige ich mich damit in Ruhe, und verschiebe diese Investition ins neue Jahr.

Das leckerste Essen?
In diesem Jahr war essen doch meistens auch nur Nahrungsaufnahme… Nach meiner bestandenen Prüfung waren wir beim Perser essen. Da ist es immer super lecker. Aber es gab bestimmt noch viele anderen leckere Sachen, die ich bloß einfach vergessen habe.

Das beeindruckendste Buch?
An dieser Stelle kommt mein alljährlicher Verweis auf meine Leselisten. Dieses Jahr bin ich auf den Geschmack von Hörbüchern gekommen. Ich hab sogar auch einige Sachbücher gelesen und gehört, zusammen gefasst über Blinkist. Ich finde das ganz praktisch. (Wenn ihr euch über diesen Link anmeldet, bekomme ich eine Woche Premium-Zugriff.)

Die meiste Zeit verbracht mit?
– dem Namenlosen
– meinen Lernmädels
– meinen Lernunterlagen

Die schönste Zeit verbracht mit?
– dem Namenlosen
– meinen Lernmädels
– Dublin

Die größte Veränderung des Jahres?
Ich glaube ich bin selbstsicherer geworden. Ich hab mal wieder festgestellt, wie ehrgeizig ich sein kann und dass ich Biss habe und durchhalten kann. Und ich habe angefangen mich selbst zu mögen. Ich kann noch nicht von Selbstliebe sprechen, aber ich habe einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, auch wenn ich in den letzten Wochen einen krassen Rückfall in alte Gewohnheiten und alte Denkmuster hatte. Daher fühlt es sich momentan soan, als hätte ich auch wieder zwei Schritte zurück gemacht…

2019 zum ersten Mal getan?
– Bildungsurlaub gemacht
– in Dublin gewesen
– mich richtig richtig richtig entspannt

2019 nach langer Zeit wieder getan?
Mallorca besucht
– beim Ed Sheeran Konzert gewesen
– eine Prüfung geschrieben
– feiern gewesen
– Trauzeugin gewesen

2019 leider gar nicht getan?
Den Job gewechselt. Immer noch nicht…

Wort des Jahres?
Bilanzbuchhalterprüfung

Erkenntnis des Jahres?
Ich bin genug. In jeglicher Hinsicht. Ich muss es mir aber immer wieder bewusst machen, denn noch vergesse ich es öfter.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
– auf die Krebsdiagnose von meinem Stiefvater
– auf die Wartezeit auf die schriftlichen Ergebnisse
– auf den Anflug von Minderwertigkeitskomplexen zum Jahresende

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Mich davon, dass ich genüge.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Hab ich dieses Jahr überhaupt was verschenkt? 🤔 Ich kann mich nicht erinnern. 2019 ist genauso schnell an mir vorbei gegangen, wie 2018. Beide Jahre waren so schnell rum und sie sind so ineinander verschwommen, dass ich manchmal überlegen muss, wann was gewesen ist. Aber ab nächstes Jahr kann ich mir da wieder ordentliche Gedanken drum machen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Als ich vor der Prüfung frei hatte, um noch mal einen Lernendspurt hinzulegen, hat die Post bei mir geklingelt und ein Paket gebracht. Da ich nichts bestellt hatte, war ich äußerst verwundert, was ich da bekommen sollte. Es war Nervennahrungs-kühlen-Kopf-bewahren-Glücks-Überraschungspaket! Darüber hab ich mich riesig gefreut! 😊

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Ich bin sehr stolz auf dich!

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Es war nicht nur ein Satz, es war ein ganzer Brief von meinem vergangenen Ich an mein heutiges Ich. Das hatte ich komplett vergessen und umso gerührter war ich.

2019 war mit einem Wort?
Kräftezehrend.

Leseliste November/Dezember 2019

Every Day (Letztendlich sind wir dem Universum egal) von David Levithan

A hat keine Freunde, keine Familie, kein Zuhause – und keinen eigenen Körper. Er ist nie länger als einen Tag dieselbe Person. Mal männlich, mal weiblich taucht er in die unterschiedlichsten Leben ein. Das ist sein Alltag, etwas anderes kennt er nicht. Doch dann lernt er Rhiannon kennen und verliebt sich unsterblich in sie. Und auf einmal wünscht er sich mehr Kontinuität, als das Universum ihm zugesteht.

Nette Grundidee. War ganz ok für zwischendurch. Es ist halt ein Jugendbuch und da bin ich nicht mehr die Zielgruppe.

Thanks for the memories (Ich hab dich im Gefühl) von Cecelia Ahern

Joyce überlebt nur knapp einen Unfall – und weiß, dass sie ab jetzt ganz anders leben will. Doch irgendetwas ist seltsam: Sie kann auf einmal fremde Sprachen und erinnert sich an Dinge, die sie gar nicht erlebt habt.
Justin ist als Gastdozent in Dublin. Er ist verdammt einsam, würde das aber nie zugeben. Als er eine junge Frau trifft, die ihm ungewöhnlich bekannt vorkommt, ist er verwirrt – er kommt einfach nicht drauf, woher er sie kennen könnte …

Als ich nach dem Besuch von Marsh’s Library auf dem Heimweg war, bin ich an einem Trödelladen vorbei gekommen. In den Tagen hatte ich öfter darüber nachgedacht, dass ich doch langsam mal anfangen sollte Serien auf Englisch zu schauen und Bücher auf Englisch zu lesen (und zwar nicht nur Harry Potter). Also bin ich in den Laden rein und hab ein wenig gestöbert. Tja… da hatte ich nun die Auswahl zwischen x Büchern, dessen Titel mir nichts sagten und dessen Autoren ich teilweise auch noch nie gehört hatte. Und dann hab ich Cecelia Ahern gesehen und dachte mir, für 4 Euro kannste das mal mitnehmen.
Also… es ist schon echt ein himmelweiter Unterschied zu Harry Potter. Rein sprachlich. Bereits auf den ersten 20 Seiten musste ich 5 Wörter nachschlagen, weil ich sie noch nie gehört hatte! Mit der Zeit hab ich dann gelernt, darauf zu vertrauen, dass ich die richtige Bedeutung aus dem Kontext erkenne, ohne die exakte Übersetzung zu wissen. Das hat den Lesefluss zwar beschleunigt, aber englisch zu lesen ist trotzdem anstrengend und dauert ewig. Ich bin noch nicht ganz fertig, aber ich schaffe es noch dieses Jahr.

Klappentexte sind von der Hugendubel-Homepage zitiert.

Zahlen, Daten, Fakten – Bibu-Update XI

Wenn man die Bilanzbuchhalter-Prüfung nach der neuen Prüfungsverordnung (seit 2015) vor der IHK ablegt, muss man drei schriftliche Prüfungen à 240 Minuten schreiben.
Im ersten Teil geht es um „Geschäftsvorfälle erfassen und nach Rechnungslegungsvorschriften zu Abschlüssen führen“ und hier werden hauptsächlich Fragen zu den nationalen Standards gefragt, aber wir haben ja auch die internationalen Standards (IFRS) gelernt und deshalb wird auch das in der Prüfung abgefragt. Zusätzlich gibt es Fragen aus dem Bereich „Ein internes Kontrollsystem sicherstellen“ und „Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern sicherstellen“ (KFZ).
Im zweiten Teil wird „Jahresabschlüsse aufbereiten und auswerten“ (Berichterstattung), „Finanzmanagement des Unternehmens wahrnehmen, gestalten und überwachen“ und noch mal KFZ abgefragt.
Im dritten und letzten schriftlichen Teil kommt dann „Betriebliche Sachverhalte steuerlich darstellen“ und „Kosten- und Leistungsrechnung zielorientiert anwenden“.

Man kann in jeder der drei Prüfungen 100 Punkte, also maximal 300 Punkte erreichen und bestanden hat man den schriftlichen Teil mit mindestens 150 Punkten. Egal wie die sich zusammensetzen. Man muss also nicht jede schriftliche Prüfung für sich bestanden haben und hat somit auch keine mündliche Ergänzungsprüfung mehr. Das war mein Glück, denn in der Steuerprüfung hab ich etwas abgekackt und ich weiß nicht, ob ich das mündlich rausgehauen hätte.
Aus den drei schriftlichen Prüfungen wird dann das arithmetische Mittel gebildet und diese Punktzahl zählt dann 50% zur Gesamtnote.

Spätestens zur dritten schriftlichen Prüfung muss man das Thema für seine Präsentation zur mündlichen Prüfung einreichen. An der mündlichen Prüfung darf man nur teilnehmen, wenn man die schriftliche bestanden hat. Das Thema muss trotzdem eingereicht sein, ansonsten ist man nicht zur mündlichen Prüfung zugelassen, wenn man die schriftliche bestanden hat.
Das Thema für die Präsentation zur mündlichen Bilanzbuchhalterprüfung muss aus dem Gebiet Berichterstattung kommen und man muss ein komplexes Problem aus der betrieblichen Praxis darstellen.
Das Problem dabei: Niemand sagt einem, was genau ein komplexes Problem aus der betrieblichen Praxis ist und so muss man erstmal richtig Gehirnschmalz in die Frage investieren, welches Thema man nun für die mündliche Prüfung wählt… Man muss auch aufpassen, dass man nicht zu sehr in ein anderes Themengebiet rutscht. Die Fächer überschneiden sich ja in vielen Sachen und gerade das Thema Berichterstattung hat viele Überschneidungen mit dem Fach Finanzmanagement. Wenn man nachher das Thema mit der Präsentation verfehlt hat, muss man trotzdem das Fachgespräch machen, aber uns wurde gesagt, man wäre mit einem verfehlten Thema durchgefallen.

Die mündliche Bibu-Prüfung besteht dann aus dieser Präsentation, die nicht länger als 15 Minuten dauern soll, und einem anschließenden 30-minütigen Fachgespräch, das sich zum Teil auf die Präsentation beziehen soll aber in dem auch sämtliche anderen Fachbereiche abgefragt werden können. Mindestens 3 verschiedene Fachbereiche sollten es schon sein.
In der Präsentation und dem Gespräch sind auch jeweils 100 Punkte zu erreichen, wobei das Fachgespräch doppelt gewertet wird. Maximal also wieder 300 Punkte, aus denen das arithmetische Mittel gebildet wird und auch hier muss man wieder auf mindestens 50 Punkte kommen. Dieses Ergebnis sind dann die anderen 50% zur Gesamtnote.

Die Durchfallquoten beim Bilanzbuchhalter sind ziemlich hoch. Leider gibt es keine öffentlichen Statistiken darüber. Das ist echt schade, weil man immer so von 70% Durchfallquote munkelt… Keine Ahnung, ob da was dran ist. Bei den großen IHK’n vielleicht, weil dort vielleicht die Anzahl derer, die sich nicht von der Prüfung abmelden oder auch zwischendrin abbrechen vielleicht größer ist.
Ich kann jetzt nur von mir sprechen und deshalb hier meine unrepräsentative Statistik der Durchfallquoten beim Bilanzbuchhalter im Herbst 2019:
Aus meinem Lehrgang waren 19 zur Prüfung angemeldet. Von externen Anbietern kamen noch 8 dazu. Einer aus meinem Lehrgang kam nicht zur Prüfung, der zählt automatisch als durchgefallen, weil er sich nicht rechtzeitig abgemeldet hat. Schriftlich bestanden haben von uns 9 und von den externen 3. Das ist schon hammerhart!
Die Durchfallquote in der schriftlichen Bilanzbuchhalter-Prüfung lag bei uns internen also bei satten 52,6%, bei den externen sogar bei 62,5%. Insgesamt sind es 55,55%.
In einer anderen IHK war es noch krasser, das hat uns Mr. Generalprobe erzählt, der dort im Prüfungsausschuss sitzt: 58 waren zur schriftlichen Prüfung angemeldet, von denen sind aber 7 einfach nicht gekommen und gelten damit automatisch als durchgefallen. Von den verbleibenden 51 haben 15 bestanden. Das entspricht einer Durchfallquote von 74%.

Und dass man die mündliche Bilanzbuchhalterprüfung dann nicht unterschätzen sollte, zeigt unser diesjähriges Ergebnis: einer ist tatsächlich durchgefallen. Nur weil man die schriftliche Prüfung bestanden hat, darf man sich nicht zu sicher fühlen. Die mündliche Prüfung klopft noch mal breites Grundwissen ab, gerade bei denen, die die schriftliche Prüfung nur knapp bestanden haben.

Von insgesamt 27 Prüflingen zur Bibu-Prüfung im Herbst 2019 haben es nur 10 geschafft und dürfen jetzt den Titel „Geprüfter Bilanzbuchhalter“ tragen.

Geprüfte Bilanzbuchhalterin – Bibu-Update X

Call me Weizen 😉

Ja… also auch wenn sich jetzt vielleicht einige denken „Das war doch klar, dass sie das besteht“… Nein, die mündliche Bilanzbuchhalterprüfung ist nicht nur Makulatur! Man kann durchaus durchfallen und hat den Titel nicht automatisch in der Tasche. Die verschenken den Titel nicht und gerade wenn man schriftlich nur knapp bestanden hat, muss man sich in der mündlichen darauf gefasst machen, dass breitgefächerte Grundlagen abgeklopft werden.

Ich war mittags mit meiner Prüfung dran, aber natürlich war ich morgens schon wieder um halb 6 wach und konnte nicht weiter schlafen. Also hab ich morgens noch mal gelernt. Eigentlich dämlich, weil, was bis dahin nicht im Kopf ist, bleibt so kurz vorher auch nicht mehr hängen.
Aber irgendwas musste ich ja tun, um die Zeit zu überbrücken.
Gegen 10 Uhr bin ich dann zur IHK gefahren. Ich konnte einfach nicht länger zu Hause rumsitzen und die Zeit abwarten.

Meine Lernmädels waren schon da, und noch zwei andere Prüflinge aus meinen Kurs saßen da und hatten es schon hinter sich. Natürlich hab ich gleich erstmal durch die Tür gespäht um zu gucken wer in meinem Prüfungsausschuss sitzt. Und natürlich tauscht man sich mit den anderen darüber aus, wie es gelaufen ist und vor allem, was für Fragen im Fachgespräch gestellt wurden. Das war das wichtigste, denn darüber findet man so gut wie gar nichts, wenn man googlet!

Als ich dann dran war, war mir ganz schön schlecht. Zuerst wird man natürlich gefragt, ob man gesund ist (nein, ich bin erkältet, aber das hab ich kurz mal ignoriert) und die Prüfung antreten will, dann wird man gefragt, ob man Vorbehalte gegen den Ausschuss hat, die persönlichen Daten werden überprüft und man wird darauf hingewiesen, dass die Prüfung nicht öffentlich ist und dass man diese eben nicht mitschneiden darf. Irgendwie ist das ja selbstverständlich, obwohl mich eine Tonaufzeichnung schon interessieren würde, denn an vieles kann ich mich nicht mehr erinnern!
Dann gings los.
Meine Präsentation lief ganz gut. Sie war nicht so locker wie zur Generalprobe und schon gar nicht so locker wie zu Hause. Das fand ich echt schade, weil ich mit meiner Präsentation ja wirklich zufrieden war und sie sowohl optisch als auch inhaltlich echt gut fand.
Wenn da aber drei Leute vor einem sitzen, von der eine unentwegt was mitkritzelt und die anderen beiden mit relativ verbissenen Blicken an die Wand starren… Also irgendwie hat mich das irritiert… Wenigstens hat meine Stimme aber durchgehalten.
Danach wurde ich kurz rausgeschickt, und vermutlich haben die sich darauf geeinigt, wie viele Punkte sie mir für die Präsentation, das Auftreten und das Vortragen geben und wer jetzt die Fragerunde leitet und welche Themen sie abfragen werden.
Ich war erleichtert, als ich raus kam, weil ich kein schlechtes Gefühl hatte, aber ich hatte richtig Angst vor dem folgenden Gespräch…

Im Gespräch war ich dann tatsächlich auch ein bisschen blank… ich wusste bei ein paar Fragen nicht, worauf sie hinaus wollten, sie mussten mir doch öfter einen Stupser in die richtige Richtung geben. Zuerst kamen ein paar Fragen tatsächlich zu meiner Präsentation. Ich hatte in meinem „komplexen Problem aus der betrieblichen Praxis“ ein Unternehmen vorgestellt, das kurz vor der bilanziellen Überschuldung steht. Also haben sie mich gefragt, wann denn dieser Fall eintritt und welche Konsequenzen das hat. Danach sind sie übergegangen zu den Maßnahmen, die ich erläutert habe, um diese Gefahr abzuwenden. Sie wollten wissen, welche Auswirkungen das zB auf verschiedene Kennzahlen hat, welche Alternativen es noch gäbe und welche Nachteile das hätte.
Dann hat mein Dozent, der in meinem Ausschuss saß, das Gespräch übernommen und ich wusste jetzt kommen Steuern dran… weil der Dozent kann nur Steuern… ich hatte so Angst davor, weil das einfach nicht mein Steckenpferd ist… Auch er musste mich bei einigen Fragen doch etwas leiten. Aber im Groben wusste ich doch alles. Ich war nur relativ vorsichtig in meinen Antworten, weil ich Angst hatte, dass ich sie mit dem was ich sage auf dumme Ideen bringe, noch tiefergehend zu fragen. Also hab ich tatsächlich nur die Fragen beantwortet, ohne etwas weiter auszuholen. Das hat mich bestimmt Punkte gekostet, weil das ganze ja ein Gespräch und kein Frage-Antwort-Spiel sein sollte…
Er hat mich zwei, drei Sachen zu Umsatzsteuer gefragt, dann wollte er Sachen zu Gewerbesteuer wissen, anschließend hat er mich ein paar Sachen aus Abgabenordnung gefragt und dann war ich erlöst. Puh!
Ich wurde also wieder rausgeschickt und der Ausschuss hat sich beraten. Ich hab draußen gewartet und hab mich eigentlich ganz gut gefühlt. Ich war mir eigentlich sicher, dass es zu gut gelaufen war, als dass sie mir jetzt sagen würden, dass ich durchgefallen bin. Aber als sie mich dann wieder rein geholt haben und mir gesagt haben, dass ich bestanden habe, musste ich trotzdem vor Erleichterung anfangen zu heulen 😉

Hinterher wollten wir eigentlich mit Sekt anstoßen, aber irgendwie hatten wir alle drei da keine Lust drauf. Also haben wir noch auf die letzte aus unserem Lehrgang gewartet, die grad noch im Fachgespräch war und sind dann was essen gegangen.

Jetzt warte ich auf mein Zeugnis und den Brief, in dem mir die detaillierten mündlichen Ergebnisse mitgeteilt werden – das interessiert mich jetzt natürlich schon. Davon, dass ich meine Gesamtnote auf eine 3 verbessern könnte, hab ich mich inzwischen verabschiedet. Es ist jetzt halt so. Ich habe es trotzdem bestanden. Auch wenn ein ganz ganz kleiner Stachel in mir nagt, weil ich natürlich weiß, dass meine Lernmädels beide viel besser waren als ich und ich meinen Abschluss damit als minderwertiger empfinde… Aber dann hätte ich für die mündliche mehr lernen müssen. Ich hätte mehr lernen können, aber ich muss auch zugeben, ich wollte am Ende nicht mehr. Ich wollte nur noch, dass es vorbei ist und ich hab mir gedacht, wenn es mit dem, was ich kann und weiß nicht reicht, na ja, dann hab ich es vielleicht auch wirklich nicht verdient.
Aber es ist ja alles gut gegangen. Ein gutes Pferd springt eben nur so hoch, wie es muss 😉

Keschu hat Husten – Bibu-Update IX

Weihnachten ist echt im Arsch, wenn ich die mündliche Prüfung nicht bestehe. Und meine Prüfung ist echt im Arsch, wenn meine Erkältung sich nicht zur Spontanheilung entschließt.

Ich bin im Arsch. Seit Tagen schlafe ich mal wieder schlecht. Ich träume von Präsentationen, von Fachgesprächen, von Fragen. Ich werde wach, weil die Nase verstopft ist oder vom Husten. Seit Tagen trinke ich Ingwertee mit Zitrone und Honig, Erkältungstees, habe Hühnersuppe gekocht und halte mich warm. Aber die Erkältung hält sich hartnäckig.
Ich habe Kopfschmerzen, konzentrieren fällt mir schwer, ich habe auch das Gefühl, mein Kopf ist leer und ich weiß gar nichts mehr. Ich habe Angst vor dem Fachgespräch.

Meine Präsentation zur mündlichen Bilanzbuchhalterprüfung finde ich echt gut. Meine IHK hat uns sogar einen Generalprobentermin organisiert, wo wir das ganze schon mal durchspielen konnten. Vor einem Fachmenschen, der selbst (an einer anderen IHK) die mündlichen Prüfungen abnimmt. Er weiß also, wovon er redet.

Und was soll ich sagen?! An meiner Präsentation hatte er nichts zu meckern! Außer, dass ich ein Quellenverzeichnis einfügen soll. Aber das ist ja die leichteste Übung. Er fand das Thema sehr gut, er fand es sehr gut aufbereitet und sehr schön strukturiert und übersichtlich dargestellt.
Und: er fand es rhetorisch sehr gut und mein anschließendes Kommunikationsverhalten war perfekt, hat er gesagt. F*ck you Wirtschaftsfachwirt-Prüfer, die mir damals empfohlen haben, doch mal einen Rhetorik-Kurs zu belegen!!
Ja, das nagt heute immer noch an mir, ich war und bin da echt beleidigt! Weil reden kann ich, wenn ich mir mein Thema selbst auswählen kann und mehr als 30 Minuten Zeit zur Vorbereitung habe. Reden kann ich, und in der Hinsicht habe ich auch auch meine Selbstsicherheit wieder. Reden kann ich, es sei denn meine Erkältung hat da andere Pläne für mich…

Ich habe eine sehr schöne Präsentation gebastelt, da steht auf jeder Folie jede Tabelle auf den Millimeter genau exakt übereinander. Da wackelt beim Weiterblättern nix rum! Und sie ist optisch ansprechend in grau und petrol gehalten (ich liebe petrol!). Ich habe super schöne Handouts gedruckt und gebunden und sogar Moderationskarten, die auf der Rückseite die Titelseite meiner Präsentation haben.
Ich weiß, das klingt super nerdig, aber ich finde, das sind die Kleinigkeiten, die eine Präsentation abrunden. Vielleicht fällt es niemandem auf, mir würde es aber auffallen und ich bin mir absolut sicher, dass ich mit meiner Präsentation punkten werde.

Aber ich habe richtig Schiss in der Hose vor dem Fachgespräch… Dazu findet man fast nichts im Internet. Und außerdem sind die Fragen ja extrem individuell. Sie sollen sich auf die Präsentation beziehen. Mit der kenne ich mich aus, und wenn sie tiefer gehende Informationen abfragen, kann ich da antworten. Aber sie müssen ja auch die Fachbereiche aus dem ganzen Unterrichtsstoff abdecken. Mindestens 3. Also muss ich auf alles vorbereitet sein. Es kommt auch sehr auf die Prüfer an, die fragen natürlich da, wo sie sich selbst am besten auskennen, mehr.
Ich hab Angst, dass mir spontan nicht die richtigen Sachen einfallen.
Ich habe Angst, dass sie Paragraphen abfragen (was richtig scheiße wäre, weil, die kann ich nicht auswendig, schließlich kann ich sie doch nachlesen, wenn ich sie brauche).
Ich habe Angst, dass sie meine Lücken finden, und sich daran festbeißen.
Und in der mündlichen noch durchzufallen, ist tatsächlich gar nicht so schwer. Laut Fachmenschen von der Generalprobe beträgt die Durchfallquote bei der mündlichen auch noch mal ca. 30%.

Aber: meine Präsentation ist gut und reden kann ich. Wenn ich annehme, dass ich allein mit der Präsentation nur 75% erreiche (was arroganterweise niedrig angesetzt ist), dann reichen mir 37% im Fachgespräch zum Bestehen. Und das werde ich doch wohl schaffen, oder nicht??
Man ich will jetzt einfach nur, dass es vorbei ist!