Corona-Koller

Tag 182 im Home Office

Eigentlich hätte ich ein bisschen was zu erzählen. Eigentlich wollte ich mich auch schon gestern über den Kackmontag aufregen. Aber ich bin so lustlos. Mir gehts irgendwie nicht so gut. Grad hab ich irgendwie ne komische Phase. Ein bisschen depressiv, lustlos, müde, antriebslos, traurig, genervt, unzufrieden… Aber auch selbstmitleidig. Ich weiß auch nicht so genau, woher das kommt. Letzte Woche dachte ich, es wäre einfach PMS, aber das könnte dann ja langsam mal vorbei sein…
Vielleicht ist es allmählich ein Corona-Koller. Mir ist das alles zu viel im Moment, es nervt mich alles. Alles!
Ich will einfach nur meine Ruhe. Ist ja nicht so, dass ich sie nicht den ganzen Tag hätte. Aber ich will sie komplett. Ich will nicht reden, ich will nicht sozial interagieren. Momentan hab ich das Bedürfnis, mich einfach nur in ein dunkles Loch zu verkriechen und zu lesen und in heile Welten zu fliehen. Es ging so weit, dass ich vorletztes Wochenende sogar geguckt hab, was der Wohnungsmarkt so her gibt. Mir ist das alles zu viel, aber ich kann es nicht mal genau bezeichnen. Ich sitze im Home Office, habe keine Kurzarbeit, keine finanziellen Einbußen oder existenzielle Ängste. Ich hab keinen Stress und bin gesund. Und trotzdem ist mir irgendwie alles zu viel.
Ich will alleine sein und meine Ruhe haben. Niemand macht was dreckig, was ich grad geputzt hab, niemand kommt ausgerechnet dann auf die Idee sich den Bart zu stutzen, wenn ich gerade das Bad sauber gemacht habe. Niemand lässt dich Milch draußen stehen, leere Verpackungen liegen, die Toastverpackung offen oder seine Socken rumliegen. Niemand verurteilt mich, wenn ich den ganzen Tag am Handy hänge und Youtube-Videos schaue oder Instagram durchscrolle, niemand zappt ständig durchs Programm, niemand dreht die Lautstärke hoch. Überhaupt macht niemand den Fernseher an.

Ach man… Ich hoffe, das ändert sich stimmungsmäßig bald mal wieder. Ich bin selbst schon von mir genervt.

12 von 12 im Dezember 2020 – Jahresrückblickedition

Im November war es still um mich. Ich weiß eigentlich gar nicht warum… Na ja, es gab halt irgendwie nichts zu erzählen. Mein Alltag ist ein Einheitsbrei, jeder Tag ist einfach gleich und am nächsten Tag auch schon vergessen. Das klingt negativ, aber eigentlich stört es mich gar nicht so doll.
Momentan stricke und häkle ich viel, weil ich meine Weihnachtsgeschenke fertig bekommen möchte, Sport mach ich da kaum noch. Jetzt sind es schon zwei Wochen ohne… Ach ja, wenn man es einmal einreißen lässt… Im Januar starte ich wieder durch. Wie gesagt, jetzt sind mir die Weihnachtsgeschenke wichtiger.
Ansonsten hatte ich im November eine Woche Urlaub, die sterbenslangweilig war… Ich habe den ganzen Tag Netflix geschaut und war viel verlotterter, als an einem Arbeitstag. Das Home Office gibt mir also doch irgendwie Struktur. 8 Arbeitstage sind es dieses Jahr noch. Was für ein verrücktes Jahr… Das standardmäßige Jahresrückblick-Stöckchen gibt es dann auch wieder, aber heute mache ich schon mal einen kurzen Jahresrückblick in Form der 12 von 12.

Die 12 von 12 hab ich ja eigentlich immer gern gemacht – sofern ich dran gedacht habe… Aber vor allem hab ich sie mir gern bei anderen angeguckt. Da es aber dann doch irgendwie immer die gleichen Motive bei mir sind, hab ich irgendwann damit aufgehört. Jetzt mache ich die 12 von 12 nur noch zu besonderen Anlässen – sofern ich dran denke 😉 Heute also als Jahresrückblick. Drauf gebracht hat mich unser Geschäftsführer, der zur virtuellen Weihnachtsfeier eingeladen und ebenfalls einen Foto-Jahresrückblick gemacht hat.

Januar:
Ich bin krank geworden und lag eine Woche richtig flach. Im April habe ich mich irgendwann gefragt, ob ich vielleicht schon Corona hatte. Ich weiß es nicht. Meine Ärztin hat damals nichts besonderes, außer einem grippalen Infekt festgestellt. An Geschmacks- oder Geruchsverlust kann ich mich nicht erinnern, aber ich weiß, dass es mir hundeelend ging und ich mich eine Woche lang quasi nur in liegender Position befunden habe. Ich bin nicht mal mit Gassi gegangen.
Gegen Corona spricht aber, dass der Namenlose sich nicht angesteckt hat.

Februar:
Im Februar waren wir glücklicherweise noch mal im Urlaub, aber es gab auch noch ein anderes wichtiges Ereignis, nämlich die feierliche Zeugnisübergabe der IHK zum bestandenen Bilanzbuchhalter. Meine beiden Lernmädels und ich haben uns ganz schön einen hinter die Binde gekippt und das ganze ausgiebigst gefeiert. (Als hätten wir geahnt, dass es das letzte Mal für eine sehr lange Zeit sein würde) Die Männer der beiden Mädels haben gut mitgemacht, der Namenlose leider nicht, der hat uns gefahren 😉
In unseren schickimicki Kleidchen und Blazerchen sind wir anschließend noch in einen eher ranzigen Club gegangen, wo es aber immer lustig zugeht. Wir waren halt nur etwas overdressed, aber das war uns ja egal. Am Ende des abends taten mir aber derartig die Füße weh, dass ich meine Schuhe ausgezogen habe und mir dann die Füße vor Kälte weh getan haben, als ich barfuß durch Schneeregenmatsch vom Club zum Auto gewatschelt bin. Aber offenbar habe ich den Kälteschmerz als weniger schlimm empfunden, als den Schmerz, den die Pumps verursacht haben.

März:
Corona kam und blieb. Und ich hatte die letzte Packung Klopapier ergattert! Tja, seit dem weiß ich, wie lange eine Packung Klopapier reicht. 😉 Wahrscheinlich hat eine Packung früher länger gereicht, aber seit Mitte März bin ich ja auch im Home Office und war nur an zwei Tagen zurück im Büro, weil ich diese Talente-Ding im September hatte.

April:
Nach ein paar Wochen im Home Office überkam mich scheinbar eine Art Lagerkoller, denn ich hatte das dringende Bedürfnis, mir die Haare zu färben. Ich weiß nicht wo genau das herkam. Vielleicht waren das auch erste Anflüge von Midlife-Crisis? Keine Ahnung. Auf jeden Fall bin ich aus heutiger Sicht dann doch irgendwie froh, dass sich das alles rückstandslos wieder rausgewaschen hat 😀 So ein ewiger komischer Rotstich, der bei meiner letzten Färbeerfahrung übrig geblieben ist, hätte mich dann jetzt schon ziemlich genervt.

Mai:
Mai war der Monat der Veränderung. Keine Ahnung, vielleicht lags am Frühling oder der frischen Haarfarbe. Auf jeden Fall wollte ich mich plötzlich bewegen. Ich hab also mit Sport angefangen und das auch echt ganz gut durchgezogen. Man hat aber auch tatsächlich nach 4 Wochen gesehen, dass sich mein Körper verändert hat und das hat mich motiviert, dran zu bleiben.
Im September hatte ich dann mal zwei Wochen ein Tief, und grad auch wieder… Im Mai waren meine Prioritäten offenbar etwas anders.

Juni:
Im Sommer sind die Zahlen wieder gesunken und nachdem der Osterbesuch bei meinen Neffen ausgefallen ist, hab ich das im Juni nachgeholt. Meine Schwester musste einen Tag arbeiten, da war ich dann mit meinen Neffen bei meinen Eltern… hach… das Verhältnis zu meiner Mutter wird auch nicht besser. Nach 12 Stunden hatte ich den absoluten Overkill und konnte es nicht länger ertragen, auch wenn ich tagsüber versucht hatte, ihr aus dem Weg zu gehen.

Juli:
Im Juli fing es an, dass die Tage zu Einheitsbrei wurden. Nach dem anfänglich abenteuerlichen Home Office und dem täglichen Bloggen hab ich das schon Ende Mai wieder abgelegt, weil ich gemerkt habe, dass das doch länger so bleibt. Irgendwie hatte ich doch ganz schön naiv gehofft, dass bald alles wieder so wird wie vorher. Auch wenn ich natürlich nie wieder aus dem Home Office weg wollte 😉
Obwohl man sich im Sommer auch wieder mit ein paar Leuten treffen durfte, hab ich das kaum gemacht, denn dieses Abstand halten war immer noch etwas komisch für mich. Wenn man sich begrüßt und verabschiedet und sich dann so blöd gegenübersteht und aus zwei Armlängen Abstand sich zuwinkt… Find ich auch immer noch bescheuert. Und das Ellenbogengeben finde ich auch richtig doof. Also hab ich mich um Juli hauptsächlich um meine Tomaten gekümmert.

August:
Mein großer Neffe wurde eingeschult und ich bin zum zweiten Mal in diesem Jahr mit dem Auto hingefahren. Es ist immer ein Ritt… nach der Fahrt war ich echt richtig im Arsch – ich werde auch älter. Früher bin ich die Strecke durchgefahren. Jetzt muss ich zwischendurch eine Pause machen, weil es echt anstrengend ist.
Noch dazu war es gefühlt das heißeste Wochenende in dem Jahr. Mein Auto hat zeitweise 39 Grad angezeigt und ich hab natürlich die Klimaanlage angemacht. Sonst wäre ich ja gebraten worden. Ein offenes Fenster war ja auch nicht zu ertragen. Und natürlich hab mich auch ordentlich was weggeholt und dann auch erstmal ein paar Tage flach gelegen.

September:
Ich bin unter die Bäcker gegangen und habe angefangen Brot zu backen. Das hat erstaunlich gut geklappt! Leckere, knusprige, frische Bauernbrote… Echt lecker. Als ich die verschiedenen Mehlsorten gekauft hatte, kam ich mir schon ein wenig vor, wie ein Hamster 😀 Und ich glaube ich hab in meinem Leben noch nie so viel Mehl verbraucht, wie in den letzten Monaten.

Oktober:
Allmählich wurden die Temperaturen wieder kühler, die Tage kürzer. Morgens war es schon so dunkel, dass ich Licht zum Arbeiten an machen musste… Still und heimlich wurde es Herbst und uns hat wieder ein Eichhörnchen besucht. Da wir aus dem letzten Jahr noch super viele Walnüsse übrig haben, hab ich die nach und nach dem Eichhörnchen raugelegt, und hab mich immer gefreut, wie ein kleines Kind, wenn es tagsüber kam und die Nüsse weggeschleppt hat. Ein paar hat es in den Blumentöpfen auf dem Balkon verbuddelt und deshalb stehen die da jetzt immer noch rum. Ich möchte nicht verantworlich sein, wenn das Eichhörnchen im Winter seine Nüsse nicht findet 😀

November:
Es wurde immer dunkler, immer kälter… Regnerisch, grau, trüb… Oh, das ein oder andere gibts doch zu erzählen: Der Namenlose hat sein Auto geschrottet, ich hab mal eine Bewerbung geschrieben und es mal rechtzeitig geschafft, Adventskalender und Geburtstagsgeschenke zu verschicken. Wir hatten Jahrestag und haben beide gedacht, es wär schon der 10. aber es wir sind erst 9 Jahre zusammen. Eigentlich stellen wir uns jedes Jahr die Frage, wie lange wir jetzt schon zusammen sind und jedes Jahr denken wir, es wäre schon ein Jahr länger. Ich weiß auch nicht, was uns da immer durch den Kopf geht…

Dezember:
Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Im Fernsehen liefen schon die ersten Jahresrückblicke, auf der Weihnachtsfeier gab es auch schon einen… Pünktlich am 1. Dezember gabs bei uns den ersten Schnee und ich muss mich jetzt ein bisschen zusammenreißen, dass ich nächste Woche meine Weihnachtsgeschenke fertig kriege. Nächsten Freitag würde ich gern alles verschicken. Ist vielleicht etwas früh, aber irgendwie habe ich Angst, dass es am Montag vor Heiligabend zeitlich dann doch nicht mehr reicht. Es ist ja jetzt schon so, dass Pakete einen oder sogar zwei Tage länger unterwegs sind, als man das so kennt. Also lieber kein Risiko.
Tschüss, 2020, wir trinken uns dich dann mal schön!

Die anderen Mitmacher der 12 von 12 findet ihr bei Caro von Draußen nur Kännchen.

Freitags-Füller 23/2020

Freitag, 5. Juni 2020
Tag 51 im Home Office

1. Bei Rhabarber fällt mir als erstes der Geschmack von eingekochtem Rhabarberkompott mit Vanillesoße ein. Oh man, das ist so eine richtige Kindheitserinnerung. Meine Oma hatte immer Rhabarber im Garten. Ich hab den aber auch oft roh gegessen, in Zucker eingetaucht, weil er einfach so sauer war. Die Zähne sind immer ganz stumpf davon geworden. Dass da irgendeine giftige Säure drin ist, hat wohl damals niemanden interessiert 😉.

2. Was ich nie für möglich gehalten hätte ist eingetreten: Das Home Office hat negative Seiten. Waaaaaaas? Ja… Ich will trotzdem nicht zurück ins Büro, aber dieses ewige rumtelefoniere mit Leuten, die einem dann ständig ins Wort fallen (weil die Verbindung verzögert ist??), oder die mit der Technik nicht zurecht kommen und dadurch alles verzögern, oder die nicht raffen, dass man das Mikrofon auch stumm schalten kann und die dann wie Darth Vader hinein atmen… das neeeeervt. Und meine Zündschnur ist sehr kurz im Moment. Keine Ahnung wieso, was genau es auslöst. Ich könnte nämlich eigentlich rundum zufrieden sein. Bin ich etwa einfach eine unzufriedene Meckertante, die immer ein Haar in der Suppe suchen muss?? Schluss damit! Ich muss und will zu der Gelassenheit zurück, die ich in den ersten Tagen hatte. Denn ich will ja gar nicht zurück ins Büro!
Dieses Jahr war ich bisher übrigens öfter am heimisches Schreibtisch, als im Büro. In Anbetracht der Tatsache, dass Home Office bei uns bisher immer ziemlich verpönt war, finde ich diese Quote
spektakulär.

3. Ich verstehe nicht wie man Spaß an Gartenarbeit finden kann. Ich hasse Gartenarbeit. Ich hab es als Kind schon gehasst, wenn ich Unkraut zupfen musste, oder wenn ich zB Erdbeeren pflücken sollte. Ich hab immer Ausschlag an den Händen/Armen davon bekommen. Außerdem sind da immer Spinnen und Käfer rumgekrochen – ekelhaft! Jedenfalls wollte ich nie einen Garten haben, weil ich weiß, dass ich keine Lust habe, mich darum zu kümmern. Und was hab ich gemacht? Hab mir einen Mann angelacht, der einen Garten hat… Toll… Ich mein, wir beschränken die Gartenarbeit ja schon auf ein absolutes Minimum, aber selbst darauf hab ich schon nicht so Lust. Am Wochenende müssten wir mal wieder ein bisschen was tun...

4. Obwohl ich jeden Tag meine Pille nehme (und deshalb wissen müsste, welcher Wochentag ist) und obwohl ich jeden Tag am Computer sitze, wo das Datum bei jeder Mail und unten rechts in der Ecke ständig eingeblendet ist, weiß ich nie welcher Tag heute ist. Letztens dachte ich, es wäre Wochenende, obwohl ich an dem Tag gearbeitet hatte… Vermutlich liegts am Home Office, daran, dass ich nur noch 1x die Woche zum einkaufen gehe und sonst alle Tage einfach genau gleich sein, dass ich nie weiß „wann“ ich bin. Vielleicht sollte ich mir doch mal eine Uhr (mit Datumsanzeige) zulegen, denn offensichtlich bin ich momentan völlig zeitlos.

5. Das Gefühl von Stolz ist in letzter Zeit etwas in mir aufgekeimt, weil ich immer noch die Sommer-Body-Challenge durchhalte.

6. Sport ist aber nach wie vor Mord 😉 Mir fehlt immer noch das Hochgefühl am Ende, daher kann ich nicht sagen, das wäre wie für mich gemacht.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Königsberger Klopse, morgen habe ich geplant, Brokkoli-Honig-Hähnchen zu kochen und Sonntag möchte ich Risotto mit Tomaten und Rucola machen!

Den FF von Barbara und alle anderen Mitmacher findet ihr wie immer hier.

All good things (come to an end)

Mittwoch, 20. Mai 2020
Tag 42 im Home Office

42, die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.
Ist Home Office die Antwort auf alles?
Ich möchte kurz betonen, dass nach zwei Monaten Home Office meine Neurodermitis vollständig weg ist. Und dass ich mega entspannt und gelassen bin.

Das mit dem Home Office wird bei uns noch eine Weile so bleiben und ich werde nicht eine der ersten sein, die zurück muss. Meine Befürchtung war, dass ich wieder dort hin muss, weil ich keine Kinder habe und nicht in der Risikogruppe bin.
Aber die Rückkehr ins Büro findet auf freiwilliger Ebene statt. Es werden vorerst auch nur maximal 5 Leute gleichzeitig im Büro sein dürfen. Aber nicht vor dem 2. Juni. Bis dahin gelten noch die alten Maßnahmen.
Mein Arbeitgeber wollte den Mitarbeitern Masken zur Verfügung stellen, bisher sind die aber noch nicht da. Das ist scheinbar einer der Gründe, wieso wir noch immer von zu Hause arbeiten sollen.
Im Büro wurden Laufwege in Treppenhäusern gekennzeichnet, Abstandslinien vor den Aufzügen aufgeklebt und überall hängen Schilder, die an die Abstandsregeln erinnern. Noch dazu wurden vom Gebäudedienst Arbeitsplätze abgesperrt und diese Absperrung ist streng zu befolgen. Daran darf auch nichts eigenmächtig geändert werden.
Mein Arbeitsplatz ist (leider leider 😉) einer der abgesperrten Arbeitsplätze. Somit müsste ich mir auf jeden Fall einen anderen Tisch zum arbeiten suchen, wenn ich ins Büro gehe. Aber da die Rückkehr nachher sowieso auf maximal 5 Leute beschränkt ist und freiwillig ist, wird sich für mich hier vorerst nichts ändern. Ich bleibe so lange zu Hause, wie es geht. Meine Arbeit ist dadurch in keinster Weise eingeschränkt. Ich bin dadurch in keinster Weise eingeschränkt. Ganz im Gegenteil!

Und damit beende ich mein tägliches Home-Office-Update. So langsam wusste ich nämlich schon gar nicht mehr, was ich noch so erzählen soll 😉

Urlaubsplanung

Dienstag, 19. Mai 2020
Tag 41 im Home Office

Ich hab mal wieder Luxusprobleme. Ich muss noch diese Woche meinen Urlaub für den Rest des Jahres verplanen. Jetzt hab ich noch 6 Tage übrig, und weiß nicht, wo ich sie hinstecken soll… immer hat schon jemand Urlaub. Im Juni der eine, im Juli die andere, im August wieder der eine. Im September hab ich dann, im Oktober erst die andere, dann wieder der eine. So, dann könnte ich im November noch ne Woche nehmen…
Ich muss das nachher mal mit dem Namenlosen besprechen. Wobei es ihm wahrscheinlich auch egal ist. Solange jemand da ist, der den Hund nehmen kann. Sofern man dann überhaupt wegfahren könnte. Und selbst wenn, würden wir es machen?! Vielleicht eine Ferienwohnung, als Selbstversorger-Urlaub irgendwo, wo man mit dem Auto hinkommt. Das lassen wir einfach auf uns zukommen.

Aber das ist halt ein bisschen das nervige daran. Wenn ich Urlaub hab, weil ich ihn ja nun mal nehmen muss, und wir nicht wegfahren, dann ist das ein bisschen ätzend für mich, weil der Namenlose trotzdem aufsteht, weil er dann nicht frei nimmt. Und dann werde ich jeden Morgen wach und kann nicht ausschlafen und mich so richtig erholen. Noch mal weiterschlafen, wenn er aus dem Haus gegangen ist, ist alles andere als wirklich erholsam. Das hab ich oft genug durch. Vielleicht frag ich mal meine Schwester, wie es bei ihr aussieht. Sie hat ja auch irgendwann Urlaub und wegfahren ist ja vielleicht eher schlecht. Dann könnte ich vielleicht dort hin fahren. Obwohl das natürlich auch alles andere als erholsam wäre 😉

Pläne sind dazu da…

Dienstag, 12. Mai 2020
Tag 36 im Home Office

…um über den Haufen geworfen zu werden.
Eigentlich wollte ich heute einkaufen. Jetzt hock ich aber immer noch vor dem PC. Na dann geh ich morgen. Für heute ist noch was zu essen da, also kein Problem.

Für die Geschäftsführung müssen wir momentan Auswertungen zum Zahlverhalten der kunden machen. Die wollen daraus Risiken ableiten jetzt in der Corona-Krise. Es gibt sicher bei einigen Kunden früher oder später Zahlungsschwierigkeiten.
Jetzt sollen wir also jeden Tag melden, wie hoch die Zahlungseingänge waren und wie der Stand der offenen Posten, gerastert nach Fälligkeit ist.
Aussagekraft hat das ganze meiner Meinung nach nicht. Natürlich sind die Zahlen morgen anders als heute. Aber nur weil im Raster 1-30 Tage Fälligkeit die Zahlen sinken, heißt das nicht, dass das auch alles bezahlt ist.
Vielleicht sind sie in der Fälligkeit einfach ins Raster 30-60 Tage gerutscht. Ja, müsste man ja sehen, weil das dann ansteigt. Ok, aber wenn aus dem Raster 30-60 Forderungen bezahlt wurden? Dann bleibt das auf einem Niveau. Oder von da sind Forderungen nach >60 gerutscht…
Es könnte auch einfach sein, dass Gutschriften überfällig geworden sind. Wenn Kunden schlecht zahlen, halten wir Gutschriften manchmal zurück. Es könnte auch sein, dass sich nachträglich Zahlungen geklärt haben und die offenen Posten ausgeglichen wurden.
Es gibt einfach zu viele Faktoren, die dort reinspielen.

Und vor hin kam dann eine Mail, weil unsere Zahlen angeblich nicht stimmen und jetzt hab ich da ne Stunde rumgemacht, weil ich natürlich wieder mal als erstes dachte, wir hätten was falsch gemacht.
Weil wir gestern nur super wenig Zahlungseingang hatten, gab es einen Hinweis, dass das Forderungsmanagement aufpassen soll. Totaler Schwachsinn, das kann doch ein einmaliger Ausreißer gewesen sein! Wenn wir jetzt tagelang kaum Geld kriegen, dann kann man mal beim Forderungsmanagement anklopfen.
Jedenfalls ist in dem Zuge aufgefallen, dass unsere Auswertung und deren Auswertung nicht übereinstimmen, weil wir eine unterschiedliche Basis betrachten. Wir betrachten sämtliche Forderungen. Das Forderungsmanagement natürlich nur die einbringlichen… Tja, es wäre gut gewesen, wenn wir alle die gleiche Basis betrachten bzw. wenn man uns gesagt hätte, welche wir nehmen sollen. Aber dass wir diese Auswertung machen sollen war auch so übers Knie gebrochen. Wir brauchen die offenen Posten. Sortiert nach Fälligkeit. In Raster eingeteilt… Corona ist da, uiuiui, wir müssen das Zahlverhalten monitoren. Bei uns wird alles gemonitort…
Zumindest scheint durch die verschiedenen Betrachtungsgrundlagen das ganze noch weniger Aussagekraft zu haben.

Ich hab jetzt mal ausführlich dargelegt, was wir eigentlich genau auswerten. Jetzt ist Neu-Chefin (jetzt übrigens doch endlich mal offiziell) am Zug und soll mal klären, welche Basis wir verwenden sollen und ich mach Feierabend.

Take me where the sun is shining

Mittwoch, 29. April 2020
Tag 28 im Home Office

Gestern Abend haben wir eine Doku über Schottland gesehen… hach, da verfalle ich wieder ins Träumen, vom Urlaub dort, vom Auswandern dorthin… hach ja 🙂 Es fällt mir schwer, mich in Geduld zu üben… Ich wüsste so gern, wann das alles vorbei ist, wann man wieder in den Urlaub fahren kann. Können wir im Oktober nach London?? Wann wird man das wissen? Da ist sie wieder, die Ungewissheit…

Gestern war ich das erste mal mit Maske einkaufen… Es war erst komisch, aber das ging schnell vorbei, weil man ja jetzt muss. Letzte Woche wäre ich mir vielleicht länger komisch vorgekommen. Zu Anfang war es nervig, weil ich es nicht hinbekommen hab, die Maske so anzuziehen, dass mir nicht ständig die Brille beschlägt. Obwohl ich eine mit Nasenbügel habe. Als ich es dann hatte, ging es eigentlich. Aber zum Ende hin (und ich war höchstes eine dreiviertel Stunde in dem Laden) hatte ich das Gefühl, dass die Maske undurchlässiger wurde. Das Atmen fiel mir schwerer, ich hatte das Bedürfnis tiefer einzuatmen, was dazu führte, dass die Maske sich an mein Gesicht gesaugt hat, was auch etwas nervig war. Ich weiß nicht, ob das einfach nur Kopfsache war oder ob die warme, feuchte Atemluft die Durchlässigkeit des Stoffs wirklich beeinträchtigt hat… Ich hoffe zumindest, dass mein Stoffpaket bald kommt, denn der Hemdenstoff ist vielleicht auch einfach zu dicht gewebt und daher nicht so super für die Masken geeignet.
Auf jeden Fall kann ich mir wirklich nicht vorstellen, so ein Ding den ganzen Tag im Büro zu tragen. Hut ab vor allen Menschen, die das auf der Arbeit schon immer müssen.
Meine Schwester meinte übrigen, dass das Brillebeschlagen mit den Einwegmasken nicht so schlimm ist. Ich hab sie nämlich gestern erstmal gefragt, wie sie ihren Arbeitsalltag so überleben kann 😉
Für alle Brillenträger ein Trick, den ich aber noch nicht ausprobiert habe: Man soll die Brille mit Seife waschen, dann hilft angeblich dagegen. Ich hab da jetzt schon zwei Varianten gehört. Entweder mit Seife waschen und polieren oder mit Seife einreiben und polieren. Ich probiere beides mal aus.
Wer sonst Tipps gegen beschlagene Brillengläser hat, immer her damit!

It ain’t over ´til it’s over

Dienstag, 21. April 2020
Tag 22 im Home Office

Liebes Home Office, gedanklich werde ich mich schon mal von dir verabschieden. Gedanklich werde ich mich schon mal auf die verkackte Großraumbutze einstellen. Ich weiß zwar nicht, wie die das dann machen wollen, aber es steht im Raum, dass es ab dem 4. Mai wieder dorthin gehen soll. Sollen wir dann dort mit einem Mundschutz sitzen? Immerhin fangen einige Bundesländer und einzelne Städte an, diesen zur Pflicht zu machen. In Geschäften und ÖPNV. Gilt das dann auch für ein Großraumbüro? Dort sitze ich zwar nicht so dicht neben meinen Kollegen, wie im Bus, aber immer noch dicht genug.

Und ich wette es geht dann so los, dass ich natürlich eine der ersten sein werde, die wieder dort hin muss. Weil ich ja keine Kinder hab, die nicht zur Schule können. Weil ich auch nicht mit den Öffentlichen fahre… Also hab ich ja keine Verpflichtungen und kein Risiko. Danke. Wo krieg ich jetzt schnell ein Kind her???
Ach man… Ok, es sind ungelegte Eier, also verschwende ich auf diese Gedanken nicht noch mehr Energie. Aber gedanklich muss ich mich trotzdem schon auf die letzten Tage in absoluter Ruhe vorbereiten.

Heute fühle ich mich „energiegeladen“ genug, um zu nähen. Es liegt schon ein halb fertig vorbereitetes Schnittmuster bereit. Es ist abgepaust und gekürzt. Nur die Ärmel fehlen noch. Dann kann ich den Stoff zuschneiden. Ein neues Hörbuch hab ich auch rausgesucht. Könnte also nach Feierabend direkt losgehen. Aber grad ist mir eingefallen, dass ich heute einkaufen muss… aaaaah… Hoffentlich ist es wieder so schön leer, wie in den letzten Wochen immer. Dann geht es nämlich schneller.

Spending my time

Montag, 20. April 2020
Tag 21 im Home Office

Es ist schon wieder Montag. Die 6. Woche im Home Office beginnt.
Heute habe ich meinen ersten fremden sozialen Kontakt seit 6 Wochen gehabt. Unser Kühlschrank war kaputt und heute kam jemand, um ihn zu reparieren. Im Thermostat war Feuchtigkeit, ich hoffe, das war tatsächlich das Problem. Der Kühlschrank hat ständig eine Fehlermeldung gegeben und gepiepst, das war echt nervig. Manchmal hat er dann aufgehört zu piepsen, aber dann hatte er auch aufgehört zu kühlen.
Jetzt ist das Thermostat trocken, die Kühlschrankböden sind in der Spülmaschine und dann kann ich gleich wieder alles einräumen. Bloß gut, dass ich am Freitag nur einen kleinen Einkauf gemacht hatte. Ich musste nämlich den ganzen Kühlschrank ausräumen, damit der Monteur an die Thermostate dran kam.

Ja, jetzt ist er weg, die Spüma läuft und ich bilde mir die ganze Zeit ein, das Piepsen immer noch zu hören…

Am Wochenende hab ich ein bisschen an einer Bluse weiter genäht. Aber ich frage mich, was ich da beim Zuschnitt gemacht habe. Das Rückenteil ist länger als das Vorderteil… Das ist jetzt nicht furchtbar schlimm, das kann man auf eine Länge kürzen (sofern das Vorderteil jetzt nicht zu kurz geworden ist…), aber leider hat der Stoff ein Muster, und ich habe es eigentlich so zugeschnitten, dass es an den Seiten passen sollte. Dadurch dass jetzt aber hinten länger ist, ist das Muster jetzt also um genau das zu lange Stück verschoben. Das geht mir auf den Keks und deshalb hab ich dann nicht weiter genäht. Und was anderes hab ich gerade nicht zu nähen. Ich müsste erst zuschneiden. Und zuschneiden ist die ätzendste Arbeit am Nähen. Ich hätte gern schon alle Teile fertig, das wär super 😉
Aber vielleicht mach ich das jetzt einfach mal. Es ist wahrscheinlich nur ein Drangehen. Wie mit dem Spazieren auch. Wenn ich nämlich erstmal unterwegs bin, find ich es schön draußen.

Einkaufen am Freitag war übrigens ziemlich ätzend. Es war ganz schön voll und es gab einfach so viele rücksichtslose Leute, die keinen Abstand gehalten haben… Deshalb habe ich das Einkaufen so kurz wie möglich gehalten, und nur fürs Wochenende eingekauft. Dann muss ich zwar morgen schon wieder einkaufen, aber ich hoffe, dass es dann leerer ist, wie auch an den anderen Tagen, wenn ich einkaufen war.

Shake it off

Donnerstag, 16. April 2020
Tag 19 im Home Office

Ich war gestern natürlich nicht beim Spargelhof. Aber heute geh ich. Sonst haben wir nämlich für heute wirklich nichts zu essen.
Kein Jammereintrag heute. Kein „ich hab gestern nichts gemacht“.
Ich war zwar nicht draußen, aber ich habe drei Maschinen Wäsche gewaschen und zusammen gelegt, ich hab die Küche aufgeräumt und geputzt und ich habe abends gekocht.
Heute war auf der Arbeit mal wieder nichts los. Ich hab eine Tasche für meine Schwester fertig genäht und ein weiteres Hörbuch fertig gehört. Drei Bücher gleichzeitig zu lesen/hören ist schon etwas blöd, aber jetzt ist es wieder auf eins reduziert.

Gestern Nachmittag kam noch eine Info, dass das Home Office um eine weitere Woche verlängert wird. Das war, bevor die Regierung das weitere Vorgehen verkündet hat. Ich weiß nicht, wieso man dann nicht einfach gewartet hat und heute mitgeteilt hat, wie es bei uns weiter geht.
Dieses wochenweise verlängern und hinkleckern finde ich nervig. Sollen sie sagen, die Home-Office-Regelung bleibt bis Mitte Mai wie sie ist, und fertig. Aber ok, ich wollte nicht jammern.

Gleiche mache ich Schluss für heute. Es ist nichts zu tun, was soll ich hier also sinnlos Zeit schinden. Und dann zieh ich mir was ordentliches an und gehe Spargel kaufen.
Ja, heute ist der zweite Tag in Folge, an dem ich meine Jogginghose an habe…
Aber egal, ich bin nicht unproduktiver, nur weil ich eine Jogginghose an hab. Ich bin auch mit Jeans nicht produktiver. Es ist einfach egal. Und ich darf zermürbt sein von dieser Situation. Ich muss nicht superaktiv sein, wenn ich es sonst auch nicht bin. Ich muss nicht zur Heimwerker-Queen werden. Und ich muss nicht einen Marathon laufen. Ich bin ich, und ich mache das hier in meinem Tempo. Ich sollte mein Zeitlimit für Instagram auch langsam mal wieder einhalten, dann lass ich mich vielleicht nicht so viel von irgendwelchen Möchtegern-Influencern beeinflussen und blenden.

Why does my heart feel so bad?

Mittwoch, 15. April 2020
Tag 18 im Home Office

Noch nie in meinem ganzen Leben sind mir freie Tage so unendlich lang vorgekommen, wie die letzten 6. Der ursprüngliche Plan war, das Osterwochenende zu verlängern, und wegzufahren. Mit dem Namenlosen, den Lernmädels, einer Freundin. Oder zu meinen Eltern zu fahren.
Tja, jetzt durfte ich meinen Urlaub nicht stornieren, also saß ich zu Hause rum. 6 lange Tage.
Ich weiß nicht mal mehr, was ich gemacht habe. Nix, glaube ich. Abgesehen davon, dass ich mir die Haare gefärbt habe. Aber sonst habe ich nichts gemacht. Am Freitag haben wir nichts gemacht. Am Samstag sind wir in den Baumarkt gefahren, weil wir unseren Balkon neu machen müssen. Die Holzplanken sind nach 12 Jahren nun doch sehr verwittert und stellenweise morsch. Wieso also nicht mal was produktives in Angriff nehmen.
Sonntag haben wir nichts gemacht. Montag haben wir nichts gemacht. Dienstag habe ich nichts gemacht.

Ich bin so antriebslos. Ein bisschen hab ich genäht, aber ich hätte viel mehr schaffen können. Ich hab so viele Ideen und sogar schon den ganzen Stoff dazu da. Aber ich kann mich nicht aufraffen. Ich sitze und starre aus dem Fenster. Weil ich nichts anderes schaffe. Gefühlt jeder macht jetzt super viel Sport, geht spazieren, macht Balkon und Wohnung frühlingsfrisch.
Ich nicht.
Und das fühlt sich schlecht an. Weil ich das Gefühl habe, dass jeder sein Leben auf die Reihe kriegt nur ich nicht. Dass jeder, der sein Leben vorher nicht auf der Reihe hatte, es jetzt schafft, in die Pötte zu kommen. Und ich, die zwei Jahre lang durchorganisiert war, hänge in diesem Nichts und suhle mich igendwie darin.
Ich hab schon Rückenschmerzen vom vielen Rumhängen.
Ich hab keine Lust, den Balkon sommerfrisch zu machen. Abgesehen davon, dass die Beplankung neu gemacht werden muss, müssten die Stühle und der Tisch sauber gemacht werden. die Reling könnte auch mal einen Lappen vertragen. Ich könnte die Blumentöpfe rausstellen. Aber ich will nicht.
Auf der Arbeit ist heute auch schon den ganzen Tag tote Hose. Vorhin hab ich kurz mit meinem Kollegen telefoniert, er meinte, wenn etwas ist, soll ich ihn auf dem Handy anrufen, der hat sich schon die Liege auf die Terrasse gestellt. Also hab ich bis eben mein Hörbuch zu Ende gehört, war duschen und werde wohl gleich die Tasche fertig nähen, die ich gestern angefangen hab. Mein Laptop steht ja neben mir. Wenn was ist, bekomme ich es ja mit. Aber es sind Ferien und es ist Urlaubszeit. Es ist kaum jemand da…
Ich will auch nicht mehr ins Büro zurück. Ich hab ein bisschen Angst, dass die Regierung sich heute für Lockerungen der Maßnahmen ausspricht und unser Home-Office-Hasser-Geschäftsführer dann entscheidet, dass wir Montag alle zurück müssen… Das wäre schlimm. Ich bin noch nicht bereit dazu.

Irgendwie muss ich zusehen, dass ich aus dieser depressiven Stimmung wieder raus komme. Das ist nämlich wie eine Abwärtsspirale. Ich hatte das früher ab und zu. Sich selbst zu bemitleiden tut einen Moment gut, aber es macht es am Ende nur schlimmer.
Ich nehme mir also vor, dass das der letzte Jammereintrag war.

Heute Abend wollen wir Spargel essen. Ich versuche also nach Feierabend mir den Hund zu schnappen und wenigstens zum Spargelhof zu laufen. Dann komme ich wenigstens an die frische Luft und kriege ein paar Sonnenstrahlen ab.
Vielleicht muss ich mir doch Spotify zulegen, denn eigentlich will ich nicht alleine spazieren gehen und damit meinen Gedanken ausgeliefert sein.

Stimmungsdurchhänger

Montag, 6. April 2020
Tag 15 im Home Office

Ach, was fiel mir das Aufstehen heute schwer… Obwohl ich so wenig aktiv bin, bin ich ganz schön kaputt und müde. Und ich bin echt richtig faul! Ich kann mich einfach nicht aufraffen großartig spazieren zu gehen. Wir haben am Wochenende die Standardrunde ums Feld gemacht und alle paar Meter kam uns jemand entgegen und echt, mich nervt das.
Das war hier immer so schön leer. Es war echt die Ausnahme, wenn man jemandem begegnet ist. Wir konnten den Hund von der Leine lassen und es war auch egal, wenn ich am Wochenende diese Runde ungeschminkt gemacht habe. Aber jetzt trifft man ständig Leute, die einen auch noch anschauen und grüßen… maaaaaan…

Wenn ich nicht aufpasse, mutiere ich noch zum kompletten Einsiedler…
Ich finds super, dass im Lidl nur 5 andere Leute sind, dass einem an der Kasse keiner mehr in den Nacken atmet. Ich finds auch super, dass ich so koordiniert und geplant einkaufen kann. Hätt ich gar nicht gedacht. Früher hatte ich ja keinen Grund, einen Wochenplan zu erstellen. Jetzt will ich aber nicht öfter als 1x in der Woche einkaufen gehen. Und es funktioniert seit 3 Wochen super!
Ich finds auch toll meine Kollegen nicht sehen und hören zu müssen und überhaupt stört mich diese ganze social distancing-Sache eigentlich nicht. Eigentlich hat sich für mich nix geändert. Außer, dass ich ohne schlechtes Gewissen zu Hause rumhängen kann und mich nicht schlecht fühlen muss, weil ich keine Lust hab rauszugehen, obwohl das Wetter so toll ist.
Als Kind war ich schon der Stubenhocker schlechthin. Meine Schwester war immer draußen spielen, mit hunderten Freunden. Die war eigentlich mit allen Kindern aus der Siedlung befreundet. Ich kannte die alle gar nicht. Ich saß immer zu Hause, hab gelesen oder Luftschlösser gebaut. Ich hatte damals kaum Freunde und so ist das auch heute noch. Die paar, die ich hab, mit denen kann ich mich jetzt halt nicht treffen. Ist ok für mich. Ich fühle mich dadurch nicht eingeschränkt, benachteiligt, in meinen Freiheiten beschnitten oder sonst was. Es ist einfach ok für mich. Ich treff sie eben später wieder.
Das paradoxe dabei ist, dass ich trotzdem in eine depressive Stimmung verfalle und mich selbst bemitleide. Aber warum eigentlich? Wenn mich das doch eigentlich alles gar nicht so stört… Keine Ahnung. Vielleicht ist es hormonell bedingt, aber grad fühl ich mich wie damals als Teenie, wo einfach alles kacke war, ohne so richtig benennbaren Grund. Wo man sich eigentlich irgendwie selbst im Weg steht. Ich könnte ja rausgehen. Ich könnte mich ja bewegen. Ich könnte mir ja was gutes tun. Aber ich kann mich nicht aufraffen. Und irgendwie will ich mich auch nicht aufraffen.

Und wenn ich weiter nicht aufpasse, werde ich auch noch fett… Hab grad den ganzen Rest vom Auflauf gestern weggespachtelt. Das waren gut und gerne 1,5 Portionen!

How bizarre

Donnerstag, 2. April 2020
Tag 13 im Home Office

Langsam mache ich mir Sorgen, was passiert, wenn ich zurück ins Büro muss. Ich genieße die absolute Stille hier dermaßen, dass ich echt Angst vor der Geräuschkulisse habe, wenn die Zeit im Home Office vorbei ist. Und sie wird irgendwann vorbei sein und in der Art nicht wieder kommen, denn unser Geschäftsführer ist ein absoluter Home-Office-Gegner. Als es Ende letzter Woche darum ging, ob die geplanten 2 Wochen verlängert werden sollen, hat er gesagt, dass sie sich natürlich an die Empfehlungen von Regierung&Co. halten, aber „je weniger Home Office, desto besser natürlich“.

Bei uns bricht außerdem gerade eine ganz üble Diskussion über geplante Urlaube aus. Hab ich ja letztens schon mal kurz angerissen, aber was sich da jetzt für menschliche Abgründe auftun… Was bin ich erneut froh, dass ich diese Diskussionen nicht komplett mitbekommen muss. Das was ich über den Firmenchat mitbekomme, reicht mir schon. Wie trotzig und angepisst manche deswegen sind!!
„Das kotzt mich an!“ – „Was soll denn das?? Das ist doch kein Urlaub!“ – „Es hieß doch immer, dass jederzeit verschieben können…“ – „Ich bin doch nicht bescheuert und nehme jetzt meinen Urlaub!“ – „Das seh ich gar nicht ein!“
Und ich wette, einige denken dann schon darüber nach, womit sie sich krank melden können, damit sie den Urlaub zurück kriegen.

Geplanter und genehmigter Urlaub ist fix und nicht änderbar. Wenn der Arbeitgeber Verschiebungen zulässt, dann aus reiner Kulanz.
Auch wir müssen natürlich zum Ende des Jahres unsere Urlaubsplanung für das kommende Jahr abgeben, damit der Betriebsrat das auch prüfen kann. Bisher, unter Alt-Chefs Regiment, war es aber immer so, dass diese Planung nicht in Stein gemeißelt war. Er hat es uns immer erlaubt, die Urlaube zu verschieben, solange es unter uns geklärt und eine Vertretung sichergestellt war.
Neu-Chefin hätte das sicherlich auch so gehandhabt, allerdings haben wir jetzt Corona. Und natürlich will der Arbeitgeber vermeiden, dass jeder seinen Osterurlaub verschiebt. Denn natürlich will ja jeder was von seinem Urlaub haben und nicht in Zeiten von Kontaktverbot auf Balkonien eingesperrt sein.
Kann ich grundsätzlich verstehen. Allerdings ist Urlaub zur Erholung da. Und nur, weil wir von zu Hause arbeiten, heißt das nicht, dass wir jetzt keine Erholung mehr brauchen. Wir arbeiten trotzdem. Und außerdem, wohin wollen sie denn ihren Urlaub verschieben? Am besten in die Zeit, wenn man wieder vor die Tür gehen darf! Joa… und wann ist das??
Wir hatten letzte Woche eine kurze Telko mit allen Bürokollegen, um sich halt mal gehört zu haben und sich etwas auszutauschen, was so die Woche über ansteht, wie es läuft und allen geht. Da fing die Diskussion ja schon an. Und gestern hat selbst der Betriebsrat eine Info rumgeschickt, dass Urlaube nicht verschoben werden.
Wenn das nämlich einer genehmigt bekommt und sich die ganze Sache rumspricht, dann wollen das natürlich alle. Also sagt der Arbeitgeber strikt, dass geplanter Urlaub so zu nehmen ist, wie er genehmigt wurde. Ich finde das konsequent und gut! Ansonsten schieben alle ihren Urlaub. Erst auf Mai, dann auf Juni… und irgendwann sind alle gleichzeitig weg.

Hach… Da bin ich so weit vom Büro weg und rege mich trotzdem über die Kollegen auf. 🙄
Also zu was erfreulicherem: Gestern war ich bei strahlendem Sonnenschein unterwegs zum abgeschiedenen Lidl, wo ich auch letzte Woche war. Und es war wieder ziemlich leer dort und es gab alles! Klopapier, Reis, Nudeln, Aufbackbrötchen, Fleisch, Milch und Dosentomaten. Ich habe kein Klopapier gekauft, weil wir noch genug haben und ich mich dem Hamsterwahn nicht hingeben möchte. Trotzdem hab ich noch eine Packung Spaghetti und Fussili mitgenommen, obwohl wir noch Nudeln haben und ich für die nächste Woche kein Nudelgericht geplant habe… So ganz lässt sich der Hamsterwahn also nicht abstellen. Man ist doch zu sehr von den ganzen Bildern von leeren Regalen beeinflusst. Rational denkend stand ich da im Laden und dachte „Du hast noch drei Päckchen Fussili zu Hause. Und mindestens 2x Spaghetti.“ Und dann schaltete sich mein Hirn aus: „Ich nehm mal lieber von jedem noch ein Päckchen mit!“ 🤦🏼‍♀️🤷🏼‍♀️

Work work work work work work

Dienstag, 31. März 2020
Tag 11 im Home Office

Vielleicht sollte ich mir abgewöhnen, Liedtitel als Blogtitel zu verwenden. Ich hab dann immer den ganzen Tag Ohrwürmer…

Heute hatte ich richtig viel zu tun und der zweite Bildschirm hat mir gefehlt. Und heute hab ich auch kein Sitzfleisch. Ich kann einfach nicht stillsitzen, jede Position ist unbequem. Vielleicht macht sich jetzt doch langsam bemerkbar, dass ich mich ja jetzt wirklich gar nicht mehr bewege… Alle anderen werden fitter, wenn ich sehe, wie viele Leute hier regelmäßig spazieren gehen (was sie ja sonst nie machen) und ich werde immer gebrechlicher, weil ich mich noch weniger bewege, also sonst schon.
Ich muss also dringend irgendwas finden, was ich so nebenbei und zwischendurch mal machen kann…

Vielleicht war konnte ich aber auch bloß nicht stillsitzen, weil ich heute einen akuten Anfall von Unlust hatte… Weil jetzt, wo ich Feierabend gemacht habe, sitze ich hier und finds gar nicht mehr so schlimm 😉

Tja, sonst gibts heute nix zu berichten. Langweiliger Tag, ich habe mich bisher von Nachrichten ferngehalten und bin entspannt.

It’s the end of the world as we know it

Montag, 30. März 2020
Tag 10 im Home Office

Ich bin in einem Zustand zwischen „Mein Wochenende war überhaupt nicht anders als sonst“ und „Alles ist anders“. In einem Zustand zwischen flatteriger Unruhe, weil man einfach nicht weiß, was noch auf einen zukommt und der naiven Hoffnung, dass alles einfach wieder gut wird.
Vielleicht wird es wieder gut, aber es wird anders sein.

Vor 10 Tagen hab ich schon über WhatsApp einen Text geschickt bekommen, den ich etwas pathetisch aber trotzdem berührend fand.

Es könnte sein, dass in Italiens Häfen die Schiffe für die nächste Zeit brach liegen, … es kann aber auch sein, dass sich Delfine und andere Meereslebewesen endlich ihren natürlichen Lebensraum zurückzuholen dürfen. Delfine werden in Italiens Häfen gesichtet, die Fische schwimmen wieder in Venedigs Kanälen!

Es könnte sein, dass sich Menschen in ihren Häusern und Wohnungen eingesperrt fühlen, … es kann aber auch sein, dass sie endlich wieder miteinander singen, sich gegenseitig helfen und seit langem wieder ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Menschen singen miteinander!!!

Es könnte sein, dass die Einschränkung des Flugverkehrs für viele eine Freiheitsberaubung bedeutet und berufliche Einschränkungen mit sich bringt,… es kann aber auch sein, dass die Erde aufatmet, der Himmel an Farbenkraft gewinnt und Kinder in China zum ersten Mal in ihrem Leben den blauen Himmel erblicken. Sieh dir heute selbst den Himmel an, wie ruhig und blau er geworden ist!

Es könnte sein, dass die Schließung von Kindergärten und Schulen für viele Eltern eine immense Herausforderung bedeutet,…es kann aber auch sein, dass viele Kinder seit langem die Chance bekommen, endlich selbst kreativ zu werden, selbstbestimmter zu handeln und langsamer zu machen. Und auch Eltern ihre Kinder auf einer neuen Ebene kennenlernen dürfen.

Es könnte sein, dass unsere Wirtschaft einen ungeheuren Schaden erleidet,… es kann aber auch sein, dass wir endlich erkennen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben und dass ständiges Wachstum eine absurde Idee der Konsumgesellschaft ist. Wir sind zu Marionetten der Wirtschaft geworden. Es wurde Zeit zu spüren, wie wenig wir eigentlich tatsächlich brauchen.

Es könnte sein, dass dich das auf irgendeine Art und Weise überfordert, … es kann aber auch sein, dass du spürst, dass in dieser Krise die Chance für einen längst überfälligen Wandel liegt,
– der die Erde aufatmen lässt,
– die Kinder mit längst vergessenen Werten in Kontakt bringt,
– unsere Gesellschaft enorm entschleunigt,
– die Geburtsstunde für eine neue Form des Miteinanders sein kann,
– der Müllberge zumindest einmal für die nächsten Wochen reduziert,
– und uns zeigt, wie schnell die Erde bereit ist, ihre Regenaration einzuläuten, wenn wir Menschen Rücksicht auf sie nehmen und sie wieder atmen lassen.

Wir werden wachgerüttelt, weil wir die Dringlichkeit selbst nicht erkannten. Denn es geht um unsere Zukunft. Es geht um die Zukunft unserer Kinder.

(VerfasserIn unbekannt)

Ich muss mir vorerst keine Gedanken um meinen Job machen, meine Branche ist gerade eine der Branchen, die gebraucht wird. Ich muss mir auch keine Sorgen um Kurzarbeit machen. Oder überhaupt muss ich in dieser Hinsicht keine Existenzängste haben. Vielleicht noch nicht, wer weiß, aber momentan bin ich sehr dankbar dafür, dass meine Situation so ist, wie sie ist.
Wenn ich aber über die Wirtschaft nachdenke, darüber, was an der Börse abgeht, darüber, wie viele Menschen ihren Job verlieren, wie viele Geschäfte vielleicht schließen müssen, die Hilfen, die der Staat leisten will… Woher wollen die das ganze Geld nehmen?!
Ja, mich überfordern solche Gedanken. Ich kann sie nicht fassen und diese Ungewissheit finde ich schlimm. Es ist wie aus einem dystopischen Buch. Wohin führt das? Wie lange sollen wir noch zu Hause bleiben? Wie lange halten die Menschen das aus und lassen sich das gefallen? Ich persönlich fühle mich bisher nicht eingeschränkt. Ich bin niemand, der jeden Tag unterwegs war, ich hab auch nicht so viele Freunde, mit denen ich mich ständig treffe. Ich bin in keinem Sportverein oder hab sonst regelmäßige Termine. Mich stört es also nicht, zu Hause zu sein. Aber ich kann verstehen, wenn andere das ganz anders sehen als ich.
Ich komme auch mit dem Namenlosen sehr gut aus. Und wenn nicht, haben wir Rückzugsmöglichkeiten. Was ist aber mit denen, die auf engstem Raum zusammen wohnen und sich nicht aus dem Weg gehen können, wenn es wichtig wäre?
Wann kriegen die Leute einen Koller? Wann fangen sie vielleicht an, sich aufzulehnen? Wie lange sind Menschen vernünftig? In Büchern bricht immer recht schnell Anarchie aus… Und wenn ich in den Nachrichten lese, dass eine Kundin eine Verkäuferin geohrfeigt hat, weil sie Angst hatte kein Klopapier zu bekommen, dann frag ich mich schon, wie lange wir noch von der Anarchie entfernt sind…
Gruselige Vorstellung.

Es gibt ein Spiel, bei dem es Ziel ist, die gesamte Menschheit durch eine Krankheit auszulöschen. Bakterium, Virus, Pilz… was auch immer.
Es ist wirklich pervers!
Je mehr Menschen sich anstecken, desto mehr Punkte bekommt man, mit denen man den Erreger zb widerstandsfähiger gegen Medikamente machen kann. Oder man kann ihn entwickeln, dass er über neue Wege übertragen wird. Oder oder oder…
Und wenn ich jetzt höre, dass das Corona-Virus auch auf Katzen übergeht und von denen übertragen werden kann, dann frage ich mich grad wirklich, ob da oben nicht einer sitzt und dieses Spiel mit uns spielt, und nach der Infektionswelle in den USA jetzt genügend Punkte hatte um auf die Übertragung durch Tiere aufzustocken…
Es wird nie mehr so sein wie vorher. Es wird immer die Zeit vor und nach Corona geben. Selbst wenn es bald überstanden sein sollte. Dazu war auch diese kurze Zeit schon zu einschneidend.

New shoes

Freitag, 27. März 2020
Tag 9 im Home Office

Meine Filzhausschuhe sind kaputt. Alle beide sind an der Sohle durchgescheuert. Bloß gut hatte ich noch ganz dicke, warme Socken, die meine Omi mir gestrickt hat, sonst müsste ich jetzt mit ganz schön kalten Füßen im Home Office sitzen.

Wahnsinn, die zweite Woche ist schon um. Gestern wusste ich mal wieder nicht, welcher Tag ist. Abends dachte ich, es wäre erst Mittwoch. Die Zeit rennt, obwohl nichts passiert…
Unser Home Office wurde jetzt verlängert bis zum 19. April.
Urlaubs-Storno wurde untersagt. Viele wollen natürlich ihren geplanten Urlaub in den Osterferien nicht nehmen. Kann ich einerseits verstehen, aber wie lange wollen die Leute warten? Es weiß doch niemand, wie lange das noch dauert! Und am Ende stehen alle da und haben im Dezember noch 25 Tage Urlaub übrig… aber das Hauptargument ist, dass man sich trotzdem erholen muss. Home Office ist ja keine Erholung. Ja, es ist entspannter, als im Büro, für mich zumindest, aber es ist eben trotzdem Arbeit und kein Urlaub. Also wird ein Storno des geplanten Urlaubs nicht erlaubt. Ganz einfach.
Ich hab mir mit zwei Tagen das Osterwochenende verlängert. Eigentlich wär ich gern mit meinen Lernmädels irgendwo hingefahren 😀 Aber die eine hat seit März einen neuen Job und da wär das halt nicht gegangen. Dann hatte ich überlegt, ob ich zu meinen Eltern fahre. Das lass ich aber auch lieber, weil der Mann meiner Mutter ja zur absoluten Risikogruppe gehört. Dann hatte ich eben auch überlegt, ob ich mir die zwei Tage für später aufspare, aber wie lange denn?? Und wenn das jeder macht, dann kommt am Ende im Dezember niemand mehr arbeiten. Und mit ins neue Jahr nehmen dürfen wir sowieso nicht.
Aber krass, wie sich gleich wieder einige darüber aufgeregt haben. Dabei sollen die alle froh sein, dass wir unseren Urlaub einfach so nehmen können. Nicht nur können, sondern dürfen. Andere, die wegen der Kinderbetreuung gar nicht arbeiten können, müssen ihren Urlaub jetzt nehmen, obwohl das auch anders geplant war… Also das ist bei uns mal wieder Jammern auf extrem hohem Niveau und da bin ich wieder mal froh, dass ich nicht im Büro bin, und die ganzen Diskussionen so ausschweifend mitbekommen muss.

Der Plan fürs Wochenende ist nähen, lesen und ab und zu mit dem Hund Gassi gehen. Es ist erstaunlich, was für eine Völkerwanderung hier neuerdings hinterm Gartenzaun stattfindet! Alle Leute gehen plötzlich spazieren. Wohnen die hier alle? Wenn ja, wo denn?? Oder fahren die hier extra her? Auf jeden Fall sind da auch viele Hundebesitzer dabei, die sonst nicht hier sind. Das ist kacke, weil unser Hund jetzt beim Gassi immer super aufgeregt ist, weil da so viele neue Gerüche sind. Das heißt auch, frei laufen lassen am Wochenende könnte zu risikoreich sein. Wenn die andere Hunde sieht, dann ist die im Tunnel und hört auf nichts und niemanden mehr. Und überhaupt ist das grad abends blöd, wenn wir noch mal mit ihr um die Ecke gehen. In der Werbepause kurz Kacki und Pipi können wir da jetzt vergessen. Zu aufregend alles…
Doofes Corona!

Can’t get you out of my head

Dienstag, 24. März 2020
Tag 6 im Home Office

Ja, das Wochenende ist vorbei, der Montag war halt ein Montag und die Entspannung ist… na ja nicht dahin, aber Corona ist wieder allgegenwärtig und damit auch eine leichte Unruhe.

Heute morgen haben sie im Radio Marc Friedrich interviewt, der als „Crash-Prophet“ bekannt ist und in einem seiner Sachbücher den Wirtschafts-Crash für spätestens 2023 prognostiziert hat… Der hat also heute morgen, als ich noch im Halbschlaf war, ein worst-case-Szenario gemalt: Rezession, globale Depression, Unterbrechung des Wirtschaftskreislaufs, Deflation, Kollaps und schließlich Währungsreform. Und das ganze würde 5 bis 10 Jahre dauern, weil man einfach immer bei jeder anderen Krise Geld reingesteckt hat und versucht hat alles zu retten. Man hätte Banken auch bankrott gehen lassen müssen, dann hätte man jetzt mehr auf der hohen Kante gehabt und hätte die 5 bis 10 Jahre auf 3 verkürzen können…
Es gab Wirtschaftsexperten, die sich mit seinen Büchern befasst haben und seine Vorhersagen aus 2012 widerlegt haben, aber darum gehts grad nicht. Ich war gerade wach und man hört direkt als erstes das worst-case-Szenario… da gehen direkt die Gedanken wieder los und man wacht direkt mit Unruhe auf.

Dann wusste ich gar nicht, welcher Tag heute ist. Dadurch dass ich jetzt so lange nicht mehr draußen war, ist mein Zeitgefühl komplett verloren gegangen. Gestern Abend wusste ich schon nicht mehr, welcher Tag ist, und ob ich den Wecker anmachen muss oder nicht… Mir wär als wäre Samstag und auch heute morgen war ich dann verwirrt, dass der Wecker anging. Ich war überzeugt, dass es Sonntag wär…
Vielleicht ist es nicht verkehrt, dass ich nachher vor die Tür muss um einkaufen zu gehen. Mal ein bisschen in die Realität zurück kommen!

Die Arbeitsrealtität ist dafür ganz gut angelaufen heute. Ich habe einen neuen, sauberen Pulli an und ich bin geschminkt. Ich gehe davon aus, dass wir das Mitarbeitergespräch nicht per Video machen, aber egal. Dann seh ich zumindest zum Einkaufen später nicht aus, wie der Tod auf Latschen 😉
Jetzt werde ich meine to-do-Liste für heute abarbeiten und dann vielleicht auch etwas früher Feierabend machen und einkaufen fahren, dann kann ich länger in der Sonne stehen und auf Einlass warten 😉

Bleibt gesund, bleibt zu Hause und denkt nicht so viel über Corona nach. Lest lieber ein Schnulzbuch, da kann man sich so schön wegtragträumen… Zumindest mal eine Woche lang, wenn man nicht zu schnell und nicht zu viel liest 😉

Pocketful of sunshine

Montag, 23. März 2020
Tag 5 im Home Office

Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, aber es ist eisekalt heute. Auf dem Balkon steht eine Feuerkorb mit einer Auffangschale unten drunter. Dort drin ist Wasser, den dem öfter mal Vögelchen baden oder trinken. Aber das Wasser ist gefroren. So allmählich taut es auf, aber die Sonne ist leider schon rumgewandert, sodass der Balkon jetzt im Schatten liegt.
Auf der Wiese im Garten ist Sonne, da stolzieren gerade die zwei Elstern rum, die hier irgendwo wohnen und regelmäßig Streit mit den Eichelhähern anfangen. Die kleinen Meisen halten sich da raus. Die sitzen in der Linde und schauen sich das Spektakel an. Das ist fast wie eine Soap 😀
Und gerade hab ich mich füchterlich erschrocken, weil der Eichelhäher an der Wasserschale war. Es ist leider noch nicht ganz aufgetaut… Ganz schön groß, dieser Vogel! Jetzt ist er grad auf die Balkonreling gehüpft, aber ich war mit der Handykamera zu langsam.

Ich war jetzt seit einer Woche nicht mehr wirklich draußen. Nur abends mit dem Hund Gassi und am Wochenende eine große Runde ums Feld. Am Samstag kam mir dabei nur ein Radfahrer entgegen, aber am Sonntag waren doch ziemlich viele Leute unterwegs. Aber da war ja auch das Wetter wieder schön…
Es ist echt erstaunlich, wir wohnen ja schon etwas ab vom Schuss, direkt am Feld. Normalerweise trifft man hier wirklich fast nie niemanden, wenn man ums Feld geht. Sind die jetzt alle hier her ausgewichen, um mal spazieren zu gehen? Ich mein, natürlich muss man mal raus. Wir haben ja wenigstens einen Balkon und einen Garten, aber das hat ja nicht jeder.
Ich fand das Wochenende jedenfalls eigentlich richtig schön. Wir haben wenig Nachrichten geschaut und die Unruhe von Freitag hat sich bei mir wieder gelegt, wir haben ein bisschen Fernsehen geschaut, faul rumgelegen und gelesen. Gar nicht so viel anders, als sonst. Aber sonst denken wir immer (grad wenn das Wetter schön ist), dass man ja eigentlich mal raus müsste, einen kleinen Ausflug machen. Und dann haben wir oft ein richtig schlechtes Gewissen, dass wir die Zeit so sinnlos verstreichen lassen… Ehrlich, so ohne schlechtes Gewissen rumzuliegen und ohne Druck, dass man seine Zeit nicht gut nutzt, war das Wochenende eigentlich wirklich richtig schön!

Ich war also letzten Montag das letzte mal richtig draußen. Da war ich einkaufen. Wenn wir uns ab morgen nicht von TK-Kartoffelpuffern mit Apfelmus oder Nudeln mit Tomatensoße aus dem Glas ernähen wollen, muss ich morgen dann mal einkaufen gehen.
Der Namenlose war am Samstag kurz für ein paar Kleinigkeiten im Lidl und er meinte, es war relativ leer und sehr entspannt. Lag wohl am Lidl, der liegt nämlich eher etwas ab vom Schuss. Und ein Penny und Tegut ist auch noch nebenan, sodass es sich wohl gut verteilt. Aber die meisten Leute werden wohl in den größeren Rewe oder ins Kaufland gefahren sein. Ich muss mir noch überlegen, wo und wann ich morgen hinfahre. In meinen Stamm-Aldi fahre ich aber vermutlich nicht, der liegt am Rande eines großen Wohngebiets und wird rappelvoll und leergekauft sein.

Wahnsinn, dass man sich Gedanken um den Einkauf machen muss… Meine Kollegin meinte am Freitag auch zu mir, die Regierung würde uns für dumm verkaufen, wenn sie sagt, es gäbe keine Engpässe mit Lebensmitteln. Der Verkäufer im Supermarkt hätte ihr gesagt, dass es ehr wohl Engpässe gäbe.
Oh man, was soll man davon halten?? Setz dir einen Aluhut auf und schließ dich zu Hause ein… Es gibt keine Engpässe bei Lebensmitteln. Es gibt nur das Problem, dass die Supermärkte überhaupt nicht so schnell ranschaffen können, wie die ganzen Idioten es wegkaufen!
Eine Palette Klopapier ist nach 10 Minuten leer! Ich kann immer noch nicht verstehen, wieso alle Leute so viel Klopapier kaufen. Wie schon Freitag gesagt: ich habe vor über zwei Wochen eine Packung gekauft, als wir von der vorherigen Packung noch zwei Rollen übrig hatten. Wir kommen also offenbar mit einer Rolle pro Woche aus. Als ich Freitagabend die neue Packung aufmachen musste, hab ich kurz überlegt, ob ich jetzt in Panik verfallen sollte 😉 Aber die nächsten mindestens 8 Wochen sollten wir also auf der sicheren Seite sein, was Klopapier angeht 😉

So, weg von solch intimen Geständnissen… Hin zum Home-Office-Alltag.
Vorhin ist mir aufgefallen, dass ich einen Fleck auf dem Pullover hab. War mir dann aber auch egal. Sieht ja keiner 😉 Ich trage tatsächlich immer noch Jeans und einen BH 😀 ich glaube, sonst fühlt sich das ganze zu sehr nach Freizeit an. Aber ich trage den Pulli mit dem Fleck schon seit letztem Dienstag. Er riecht aber noch ganz frisch. Ich bewege mich ja nicht, also scheide ich auch keine Körperausdünstungen aus. Aber ich seh ein, dass ich morgen ruhig mal einen neuen Pulli anziehen kann!
Morgen hab ich dann auch mein Mitarbeiterjahres-/Beurteilungsgespräch. Das wird dann per Firmen-Skype stattfinden. Ich frage mich, ob das dann mit Video ist… vielleicht sollte ich mich dann morgen mal schminken. Sieht dann seriöser aus. Und noch weniger nach Freizeit.

Plan für morgen: neuer Pulli und Wimperntusche 😉

Don’t panic

Freitag, 20. März 2020
Tag 4 im Home Office

Heute sitze ich tatsächlich an meinem Schreibtisch. Ich habe gestern das Arbeitszimmer aufgeräumt und dann nicht mehr genäht, weil alles so schön ordentlich aussah 😉
Dann habe ich angefangen, Stoffe zu sortieren, weil meine Schwester (die als OP-Schwester arbeitet) angefangen hat, OP-Hauben zu nähen. Selbst sowas wird jetzt also schon knapp. Na ja, kommen ja auch aus China. Es ist echt billiger, Wegwerfhauben zu kaufen, als Baumwollhauben bei 90 Grad zu waschen… Meine Stoffreste reichen leider nicht für Hauben, aber sie ist auch gerade in Klärung, ob man Mundtücher daraus machen kann.
Und ich sitze hier, starre aus dem Fenster und fühle mich nutzlos. Ich sitze hier und mache meine unnütze Arbeit. Erste Kunden haben schon angekündigt, dass sie wegen der Corona-Krise ihre Zahlungsfähigkeit nicht sicherstellen können. Jeder beschränkt sich gerade auf die wichtigsten Dinge und das merkt man. Es kommt keine E-Mail, kein Anruf – nichts!

Ich muss aufpassen, dass ich nicht in eine dauerhafte Unruhe verfalle. Die vielen Nachrichten, die Diskussionen, Berichte über Einzelschicksale, Auswirkungen auf die Wirtschaft, Hamsterkäufe, die Panik der Menschen… das steckt mich an und beunruhigt mich. Ich versuche ruhig zu bleiben und tief durchzuatmen.
Wenigstens muss ich heute nicht einkaufen. Die letzten beiden Male hab ich mich tatsächlich etwas von der ganzen Hamsterei anstecken lassen und habe mehr Milch als üblich, Toastbrot, Aufbackbrötchen, noch zwei Päckchen Nudeln und TK-Gemüse gekauft, was ich sonst nie mache. Ich kaufe sonst nur das, was wir unmittelbar brauchen. Aber deshalb muss ich heute fürs Wochenende nicht einkaufen gehen, sondern kann das auf Montag verschieben.
Und dann werde ich mich beherrschen und keine Packung Klopapier kaufen, weil die, die ich vor über zwei Wochen gekauft habe, als wir nur noch zwei Rollen hatten, immer noch nicht mal angebrochen ist!!! Wir kommen also die nächsten Wochen mit dem aus, was wir haben.

Wenn die Menschen bloß einfach vernünftig wären und in normalen Mengen einkaufen würden, dann gäbe es diesen Engpass ja gar nicht. Der ist künstlich verursacht und bestätigt jeden, der vor der leeren Palette steht, dass es gut ist zu hamstern, weil es ja „offensichtlich nichts mehr gibt“.

Am Wochenende habe ich vor mich zu entspannen. Ich werde keine Hamstereinkäufe machen, ich werde mich an die Regeln halten und zu Hause bleiben. Ich werde lesen, nähen, mit dem Namenlosen quatschen und Filme schauen, mit dem Hund ums Feld laufen (da trifft man in der Regel niemanden), vielleicht was im Garten machen. Auf jeden Fall werde ich mir größte Mühe geben, um nicht in Panik zu verfallen.

#stayhome und bleibt gesund!

The sound of silence – Home-Office-Gelassenheit #1

Dienstag, 17. März 2020
Tag 1 im Home Office

Endlich hat sich mein Arbeitgeber dazu entschieden, doch alle Mitarbeiter, bei denen es möglich ist, ins Home Office zu schicken.
Bisher hatten wir eine 50:50-Regelung, das heißt, die Teams wurden aufgeteilt, um eine eventuelle Ansteckung im gesamten Team zu vermeiden. Zu diesem Zeitpunkt ging es noch nicht darum, die Verbreitung zu verlangsamen, sondern schlicht die Handlungsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen.
Dann wurden Schulen und Kitas geschlossen und Eltern, die davon betroffen waren und keine andere Betreuungsmöglichkeit organisieren konnten, durften ebenfalls von zu Hause aus arbeiten. Wieder ging es nicht um die Vermeidung der Verbreitung, sondern bloß um das Unternehmen.

Nachdem sich gestern den ganzen Tag empörte Kommentare im Intranet gehäuft haben, wie unverantwortlich der Arbeitgeber doch ist, seinen Mitarbeitern den ÖPNV und das Großraumbüro zuzumuten, ist der AG der Empfehlung von anderen Stellen gefolgt und hat das Home Office für alle gestattet. Aber vorerst nur bis Ende März.
Besser als nichts.

Ich bin zufrieden.
Früher habe ich mich immer gegen Home Office gesträubt. Ich wollte nicht, dass man mir unterstellt, ich würde zu Hause nichts machen. Weil ich das anderen ja auch unterstelle 😉 Aber ob ich im Büro nebenbei Blog schreibe, oder zu Hause, ist ja eigentlich egal. Meine Arbeit mach ich natürlich trotzdem! So wie auch alle anderen. Jeder macht das, was zumindest gerade gemacht werden muss. Sicher lässt man anderes dann auch mal liegen. Weil eben diese soziale Kontrolle fehlt.

Die soziale Komponente ist etwas, was anderen wohl fehlen wird. Mir ehrlich gesagt nicht. Gerade gestern, als wir wegen der Teamsplit-Sache und Eltern-Home-Office nur 6 Leute im Büro waren, da sind so kleine Geräusche, wie mit sich selbst reden besonders aufgefallen. Es war sehr leise im Büro und dadurch hab ich erst recht alles gehört. Die Musik aus dem Kopfhörer des Kollegen, das Flüstern der Kollegin am anderen Ende des Büros, das Nasepfeifen des Kollegen neben mir…
Heute genieße ich die Stille! Ich bin zufrieden und ich glaube, dass ich auch die nächsten Wochen mit der Situation zufrieden sein werde.
Ich sitze in meiner stillen Wohnung, höre die Vögel im Garten zwitschern. Ab und zu fährt ein Auto vorbei. Selbst der Fluglärm, den wir hier doch immer mal sehr exzessiv haben, ist reduziert. Wahnsinn, welche Auswirkungen das alles hat.