Frei von der Leber weg

Tag 217 im Home Office

(Achtung hier kommt viel mimimi kotz und jammer)

Der März ist zu mehr als der Hälfte um und heute jährt sich das Home Office. Seit einem Jahr arbeite ich also von zu Hause. Das hätte ich damals auch nie gedacht… Immer wieder gab es damals Verlängerungen um zwei Wochen und immer wieder hatte ich Angst, dass ich ins verhasste Großraumbüro zurück muss. Inzwischen kümmern mich die Ankündigungen, dass das Home Office bis dann und dann verlängert wird nicht, weil ich nicht glaube, dass ich so schnell wieder zurück komme. Und wenn, dann wird es auf freiwilliger Basis sein.

Tja, der Februar ist rum. Es war ein Achterbahnmonat. Der kürzeste Monat, aber gespickt mit den meisten Emotionen… Ich war ja eh schon in einer schwierigen Verfassung im Januar, aber dass unser Hund gestorben ist, hat mich dann richtig in ein Loch gerissen. Inzwischen gehts, aber manchmal muss ich trotzdem noch ein bisschen heulen.

Nachdem ich fast drei Wochen nur geheult, lethargisch rumgesessen und in die Luft gestarrt und mich zurückgezogen hab, hab ich auf den Rat meiner Freundin gehört und bin einfach spazieren gegangen. Auslöser war eigentlich, dass ich ein paar Tage vorher vom Einkaufen zurück kam, und der Sonnenuntergang über dem verschneiten Feld und in der eisigen Luft einfach wunderschön aussah. Also hab ich mich angezogen, hab mein Hörbuch angemacht und bin losgelaufen. Ich wollte ungefähr an die Stelle, wo ich mit dem Auto langgefahren war, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Da gibts eine Brücke, über die Felder kommt man ziemlich direkt hin, das sind ungefähr 2,5km von zu Hause.
Beim Losgehen hab ich mich eigentlich schon gehasst, weil ich solche Spaziergänge jeden Tag mit dem Hund hätte machen können, aber nur ganz selten gemacht habe… Der Hund war einfach immer den ganzen Tag in der Firma und da war er gut aufgehoben. Trotzdem hätte sie sich riesig gefreut, wenn ich jeden Tag oder wenigstens jeden zweiten Tag mit ihr spazieren gegangen wäre…
Unterwegs hab ich dann ausgerechnet auch megaviele Hunde getroffen… ganz schön ätzendes Gefühl, wenn man allein und sinnlos da rumläuft… Ein Hund hat mich angeguckt und ich hab ihn auch angeguckt und konnte auch nicht weggucken, was ihn dann wohl animiert hat auf mich zuzukommen. Der hat mich dann angesprungen und sich auf den Boden geworfen und wollte gekrault werden… da musste ich dann heulen.

Als ich dann an dieser scheiß Brücke angekommen war, sah der Sonnenuntergang wenigstens auch schön aus, aber dann musste ich ja zurück laufen. Und natürlich wurde es dann dunkel… irgendwie hatte ich das nicht so richtig durchdacht. Ich bin dann nämlich an der Straße zurück gelaufen, weil ich im Dunkeln nicht über die matschigen Feldwege laufen wollte. Es wurde immer dunkler, der Weg gefühlt nicht kürzer und dann hab mich mich noch mehr gehasst, weil ich so eine blöde Idee hatte und mir schon alles weh tat… am Liebsten hätte ich den Namenlosen angerufen, dass er mich abholt.
Weil ich am nächsten Tag Muskelkater hatte, hab ich gedacht, ich lauf gleich noch ne Runde, weil mir Bewegung immer gegen Muskelkater hilft. Am dritten Tag hab ich wieder eine kleine Runde gemacht, weil ich gedacht hab, ich könnte mir das irgendwie angewöhnen. Aber danach hatte ich dann keine Lust mehr zu laufen. Jetzt kenn ich ja quasi alle Wege in Laufnähe. Wo soll ich hingehen? Das war auch immer ein bisschen die Ausrede, wieso wir fast immer nur die gleiche Gassirunde gegangen sind. Weil es irgendwie auch nicht viele Möglichkeiten in der direkten Umgebung gibt. Und außerdem war immer noch der Gedanke und das Schuldgefühl so präsent, dass ich jetzt auf einmal spazieren gehe und das früher mit Hund nie gemacht hab.

Wie auch immer. Eine weitere Woche war übestanden und irgendwie sinnvoll gefüllt. Tatsächlich hat es mir ganz gut getan, mal raus zu kommen. Wenistens ab und zu sollte ich das wirklich mal machen. Und ich musste ja wenigstens auch nicht mit meinen Gedanken alleine sein, weil ich ein Hörbuch hatte. Sonst hätte ich mich wahrscheinlich noch schlechter gefühlt.

Dann hatte ich Geburtstag und obwohl ich allen gesagt hatte, dass ich nichts will und nichts brauche, hat meine Mutter mir trotzdem ein riesen Paket geschickt, auf das ich dann schon mal aus Prinzip keine Lust hatte… Aber das hängt mit ihrer Person zusammen.
Das Ding ist, sie hatte ein Geschenk für mich. Trotzdem hat sie mich dann noch gefühlt 20x gefragt, was ich mir denn wünsche, weil sie in ihrem beschränkten Kopf wieder denkt, das Geschenk wäre nicht genug. Nicht groß genug und erst Recht nicht teuer genug… eine Diskussion, die ich schon tausend mal mit ihr geführt habe. Aber sie kriegt es einfach nicht in ihren Schädel, dass es bei Geschenken auf den Geste und nicht auf den Preis ankommt.
Jedenfalls waren in dem Paket zusätzlich zu dem eigentlichen Geschenk noch mehrere kleine Päckchen, in die dann Süßigkeiten, Likör und Kram eingewickelt war… alles einzeln. Ach ja und der Namenlose hatte auch ein Geschenk dabei, damit er nicht nur zugucken muss, wie ich auspacke… ja, der hätte sonst bestimmt angefangen zu weinen.

Ach, ich bin gemein. Bei jedem anderen hätte ich es nett gefunden, wenn für ihn was mit dabei gewesen wär. Aber das geht bei ihr nicht. Und das Geschenk hat mich auch fertig gemacht… Und nicht im positiven Sinne. Sie hat was selbst gemacht und ich kann mir richtig vorstellen, wie sie da Spaß dran hatte uns ich gefreut hat, dass sie das für mich macht und wie stolz sie dann war und hofft, dass ich mich freue… und ich kann es einfach nicht wertschätzen. Ich will es nicht wertschätzen. Weil ich mich von ihr nicht wertgeschätzt fühle und immer nur das Gefühl hatte, ich bin ihr zu viel und unerwünscht. Ich weiß, dass ihr das heute leid tut und dass sie da heute drunter leidet und das gern wieder gut machen würde. Aber es geht verdammte scheiße nun mal nicht! Und ich bin nicht bereit, es einfach unter den Tisch zu kehren.
Eher im Gegenteil. Ich hab im letzten Jahr so viel über die Situation mit ihr nachgedacht und mir sind so viele Sachen bewusst geworden, dieses Ablehnungsgefühl ist so präsent in mir, dass es einfach alles überlagert. Ich kann und will es nicht ausblenden und ich will das Geschenk beschissen finden und am liebsten hätte ich es direkt in den Müll befördert, aber dazu bin ich zu anständig. Da ist noch genug Skrupel in mir, dass ich mich das nicht traue. Also steht es jetzt im Karton im Schrank. Ich will es nicht sehen, schon gar nicht benutzen. Einfach vergessen, dass es da ist.

So und jetzt überlege ich, ob ich diesen Absatz wieder lösche, weil ich mich schlecht fühle, sowas so offen zu sagen… Ich komme mir undankbar vor… na ja…

Tja und generell ist es auch grad irgendwie schwierig. Ich stelle momentan vieles in Frage… Besonders die Beziehung zum Namenlosen. Seit Wochen habe ich das Bedürfnis auszubrechen. Am liebsten würde ich mir mal für 4 Wochen eine Ferienwohnung an der Ostsee mieten und mein Home Office dort hin verlagern. Eine Zeit lang ist mir hier extrem die Decke auf den Kopf gefallen. Im Moment geht es wieder, aber der Gedanke an eine eigene Wohnung ist trotzdem noch ziemlich präsent in mir. Und das zieht natürlich Gedanken nach sich. Ich will ausziehen. Will ich auch Schluss machen? Ich weiß es nicht.
Fakt ist, dass mich viele Sachen und Kleinigkeiten immer mehr stören und aufregen. Ich sag ihm das immer wieder, aber so richtig ändert sich da nichts und wenn ich es zum dritten mal angesprochen hab, komm ich mir langsam auch blöd und nörgelig vor.
Fakt ist aber auch, dass wir uns ja nicht streiten oder sonst irgendwie blöd anmachen. Bis auf diese Kleinigkeiten verstehen wir uns ja. Und diese Kleinigkeiten nerven mich auch unterschiedlich doll. Je nach dem, wie die Grundstimmung bei mir ist. Deshalb weiß ich nicht, ob ich dem ganzen eine so schwerwiegende Bedeutung geben soll. Wird es besser, wenn ich ausziehe? Zumindest ist mein Bad dann sauber und in der Küche nichts verkleckert. Aber macht mich das glücklicher? Jetzt will ich lieber alleine sein, aber wenn ich es dann wirklich bin? Wenn ich dann immer alleine essen muss… würde ich für mich allein überhaupt was kochen? Ist es nicht total deprimierend, wenn man dann am Wochenende alleine zu Hause rumgammelt?
Eigentlich will ich das alles nicht in Frage stellen. Wir verstehen uns ja gut, wir haben den selben Humor, wir haben sehr ähnliche Vorstellungen so ganz generell vom Leben. Trotzdem drängen sich doch immer wieder Fragen in den Vordergrund. Ob wir nicht einfach nur noch aus Gewohnheit zusammen sind. Weil wir die Vorzüge zu schätzen wissen und weil es bequem ist… Ich kann auch überhaupt nicht einschätzen, wie er das ganze sieht. Vielleicht empfindet er das genauso wie ich. Vielleicht fällt er aber auch aus allen Wolken und ist komplett vor den Kopf gestoßen, wenn ich das anspreche. Ich müsste es ansprechen, aber ich weiß nicht wie. Also lass ich es…

Neues Jahr, neues…

Tag 166 im Home Office

Auf ein Neues also. Gestern habe ich erfahren, dass der Name Januar sich vom römischen Gott Janus ableitet, der immer mit zwei Gesichtern dargestellt wird, die in verschiedene Richtungen blicken. Janus gilt als Gott des Anfangs und des Endes. So wie Janus in zwei Richtungen schaut, blickt der Januar auch zurück ins alte und nach vorn ins neue Jahr.
Fand ich sehr interessant, das wusste ich noch nicht. Wenn das mal bei Wer wird Millionär gefragt wird, wisst ihr bescheid 😉

Heute ist der erste Arbeitstag im neuen Jahr. Ich tu mich sehr schwer, mich zu konzentrieren. Normalerweise fange ich nach dem Urlaub gern mit einer kurzen Woche an und nehme deshalb meistens Montag und Dienstag auch noch frei. Das geht aber zum Monatsabschluss nicht. Also bin ich heute früh mehr oder weniger frisch ans Werk gegangen…
Aber selbst wenn die Woche kurz wäre, wäre es mir heute wohl schwer gefallen, wieder rein zu kommen. Aber um dem was Positives abzugewinnen: Ich bin froh, dass ich nichts ins Büro musste 😉
Im Februar muss ich dann ein mal ins Büro, weil dann eine obligatorische Brandschutzübung stattfindet. Gut, dass ich das schon seit zwei Wochen weiß, so habe ich tatsächlich genug Zeit, mich darauf einzustellen 😀 Das wird sehr seltsam, wenn ich wieder ins Büro fahre. Aber da mein Arbeitsplatz abgesperrt ist, damit die Abstände eingehalten werden können, werde ich wohl auch nur zur Übung hinfahren, bevor ich mir da also für den einen Tag einen anderen Arbeitsplatz einrichte. Aber in dem Zuge werde ich sicher auch gleich mal das ein oder andere Gedöns aus dem Büro mit nach Hause nehmen. Ich hab zB ein Foto von meinen Neffen dort, das finde ich dann jetzt irgendwie seltsam, wenn ich eh nicht da bin 😉 Ich kann dann auch gleich meinen Tee und meine Tassen mit nach Hause nehmen. Wer weiß nämlich, wann ich mal wieder im Büro einen Tee trinke. Und dann kann ich auch eine Tasse aus der Teeküche verwenden.

Ich hatte jetzt 11 Tage frei, und wie schon im November, kam mir die Zeit unglaublich lang vor. Woran liegt das? ich hab nichts weiter gemacht. Ich hab gehäkelt, Hörbücher gehört, gelesen, Fernsehen geschaut. Wir sind auch nicht weggefahren. Früher ist die Zeit nie so langsam vergangen. Selbst wenn ich im Urlaub nur zu Hause gewesen bin. So langsam hätten früher mal 6 Wochen Sommerferien vergehen sollen! 😉
Ich war in den 11 Tagen auch nur einmal draußen zum einkaufen und auch da brauchte ich nur ein paar wenige Kleinigkeiten, weil ich alles andere ganz gut vorausgeplant und bereits gekauft hatte und außerdem haben wir uns mal wieder eine Hello fresh Box gekauft, somit haben wir uns die große Einkauferei zwischen den Feiertagen geschenkt 🙂
Hello fresh war auch wieder lecker, aber ich muss schon ehrlich sagen, ich finde es verhältnismäßig teuer. Natürlich muss das alles verpackt und verschickt werden, keine Frage. Aber deshalb bestellen wir so eine Box tatsächlich immer nur alle Jubeljahre mal. Viele Rezepte kann man ja trotzdem einsehen, das ist dann doch immer mal eine gute Inspirationsquelle. Die Gerichte von letzter Woche haben auch schon Einzug in unsere Lieblingsrezepte gefunden.

Und noch was: natürlich gabs auch mein jährliches Jahresrückblick-Stöckchen, aber da es nicht im Reader angezeigt wird (warum auch immer…), hat das wohl kaum jemand gesehen. Aber ich will es euch ja nicht vorenthalten 😉 (pf… jetzt, nach Veröffentlichung dieses Beitrags, isser doch im Reader. Das soll einer verstehen…)
Also, alles Gute fürs neue Jahr, vor allem Gesundheit. Und mit 2020 macht was ihr wollt – streichen, vergessen… ich behalte es trotz allem in guter Erinnerung, weil es für mich doch auch vieles Schöne bereit gehalten hat.

If I could turn back time

Montag, 17. August 2020
Tag 96 im Home Office

Seit Tagen versuche ich diesen Eintrag zu schreiben und weiß nicht, wo und wie ich anfangen soll. Es ist so viel… Und ich müsste so weit ausholen. Ich bin überwältigt und überfordert.

Ich habe meinen Papa wieder getroffen. Nach 22 Jahren. Mir treibt es nach über einer Woche immer noch Freudentränen in die Augen, wenn ich daran denke.
Und gleichzeitig könnte ich heulen vor Wut, wenn ich mir bewusst mache, dass wir diese Zeit umsonst verloren haben.

Ich habe wieder Kontakt mit ihm, wir schreiben bei WhatsApp. Es ist noch etwas hölzern, wir wissen beide noch nicht so richtig, was wir sagen sollen. Wir tasten uns vorsichtig wieder aneinander. Ich wüsste gern, wieso unser Kontakt abgebrochen ist. Aber das ist kein Thema für die ersten Gespräche nach 22 Jahren. Das ist außerdem ein Thema, das ich lieber persönlich besprechen möchte. Ich möchte nicht, dass per WhatsApp wieder Missverständnisse aufkommen, weil ein geschriebener Satz falsch interpretiert wird. Und am Telefon… Ich weiß nicht. Nein, das hat Zeit, auch wenn es mir wirklich unter den Nägeln brennt.

Ich hab in der vergangenen Woche meine ganz alten Tagebücher durchgelesen, die noch so richtig oldschool per Hand geschrieben waren. Das war wie eine Zeitreise! Eigentlich wollte ich nur wissen, was ich über die Trennung meiner Eltern geschrieben hab, aber ich hab dann doch alles gelesen 😀 Ich musste teilweise ja wirklich lachen. An so vieles konnte ich mich überhaupt nicht mehr erinnern! Wirklich gar nicht! Aber über das wichtigste, die Trennung meiner Eltern und speziell das Verhältnis zu meinem Papa habe ich nichts geschrieben. Gar nichts! Nur von der Trennung an sich, das hab ich aufgeschrieben und später, dass er seine neue Freundin heiratet und einmal in einem Nebensatz, dass er mich angerufen hat. Daran kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Ich dachte bis letzte Woche, er hätte mich nur noch einmal zu meinem Geburtstag angerufen, aber offenbar nicht.
Ich weiß nicht, ob er regelmäßig angerufen hat. Ich kann mich nicht erinnern und ganz offensichtlich ist meine Erinnerung inzwischen auch verfälscht. Ich hab scheinbar so vieles verdrängt, weil ich es nicht fühlen wollte. Und aufgeschrieben habe ich es auch nicht, weil ich mich damit nicht auseinandersetzen wollte… Und deshalb hab ich scheinbar noch so lange daran zu knabbern gehabt. Ich habe die Trennung eigentlich nie richtig verarbeitet.
Ich weiß nichts darüber, wie es mir damals ging, was abgelaufen ist, was ich gedacht, gefühlt und gesagt habe. Ich weiß nichts darüber, wie es dazu kam, dass ich ihn nicht mehr gesehen habe. Wieso oder überhaupt wann sich der Gedanke manifestiert hat, dass er mich nicht mehr sehen will. Oder dass seine Frau mich vielleicht nicht bei sich haben will. Ich weiß nicht, ob vielleicht doch ich gesagt habe, dass ich ihn nicht sehen will, wobei ich mir das wirklich nicht vorstellen kann. Ich habe ihn geliebt. Ich wollte ihn zurück haben. Unbedingt! Die neue Frau wollte ich damals sicherlich nicht sehen. Aber ihn. Ich wollte ihn so gern zurück haben, das weiß ich! Deshalb bin ich mir eigentlich sicher, dass ich sowas nie gesagt haben kann. Aber wer weiß, was man durch die Verletzung doch so sagt…

Nach dem, was ich aber jetzt erfahren und gefühlt habe, hat er mich nie fallen lassen. Er muss gedacht haben, ich will ihn nicht mehr sehen. Später habe ich sogar seinen Namen abgegeben und den Mädchennamen meiner Mutter angenommen, weil ich immer noch so verletzt war. Das wiederum hat ihn sehr verletzt und getroffen, sodass er wahrscheinlich deshalb dann gar nicht mehr versucht hat, wieder Kontakt aufzunehmen. Das war deutlich, dass ich nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Was grundsätzlich stimmte, denn ich wollte das Thema für mich endlich abschließen können. Mich schützen, weil es mich immer noch so tief getroffen hat.

Als er auf der Einschulungsfeier ankam, waren wir alle im Garten. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten soll. Mir war so bewusst, dass meine Mutter da auch steht und mich hunderprozentig beobachtet. Ich war völlig überfordert und bin ins Haus gegangen, weil mir die Tränen gekommen sind. Vor Freude. Vor Überforderung. Auch ein bisschen vor Schmerz. Ich wollte auch nicht, dass es jemand mitbekommt, keine Szene in der Runde machen, deshalb bin ich rein gegangen.
Keine zwei Minuten später kam er hinterher. Wir standen uns kurz gegenüber, haben uns kurz angeguckt und dann kam er auf mich zugelaufen und ich bin auch auf ihn zugegangen und dann haben wir uns gedrückt und ich war einfach glücklich. Es war mir auch egal, dass ich geschwitzt war, obwohl ich dann ja immer nicht so auf Körperkontakt abfahre 😉 Ich wollte ihn nur festhalten und eigentlich gar nicht mehr loslassen und hab mir eine längere Umarmung eingefordert. Er wollte dann die Umarmung lösen, aber ich hab festgehalten und dann hat auch er mich noch mal fest gedrückt.

Ich weiß nicht mehr so richtig, was wir dann geredet haben. Es war so oberflächlich, irgendwie auch nur, um die Spannung zu lösen. Es hat gefragt, ob ich einen Freund habe, ob wir verheiratet sind, wieso nicht, wieso er nicht da ist… Eigentlich hat er mich gar nicht richtig antworten lassen, sondern gleich die nächste Frage gestellt. Er wollte irgendwie alles gleichzeitig wissen. Und ich stand da und musste die ganze Zeit vor Glück heulen.
Ich stand einfach nur da und hab nur reagiert, nicht selbst agiert. Ich kam mir vor, wie wieder 14. Als wäre die Zeit stehen geblieben und wir hätten da angeknüpft, wo wir aufgehört hatten. Das war ein ganz seltsames Gefühl. Ich bin erwachsen aber habe mich gleichzeitig klein, verletzlich und wie ein Kind gefühlt.
Als ich den ersten Schock überwunden und mich ein wenig beruhigt hatte, hat er mich an die Hand genommen und raus gebracht und mich seinem Sohn und seiner (inzwischen ja nicht mehr ganz so neuen) Frau vorgestellt. Das war seltsam. Echt. Die Frau, von der ich bis dahin dachte, sie wäre schuld an allem… Weil ich nicht glauben konnte und wollte, dass er oder ich schuld an allem sein sollen.

Meine Mutter saß derweil den ganzen Abend wie festgewachsen auf ihrem Platz und ich war mir ihrer Augen sehr bewusst. Deshalb hab ich mich viel zu wenig getraut, seine Nähe zu suchen. Aber ich hab ihm Gelegenheit gegeben, meine Nähe zu suchen. Als die Kinder zB. grad nicht im Planschbecken waren, bin ich da durchgewatet und hab die Abkühlung genossen und dann kam er zu mir und wir haben geredet. Ich weiß gar nicht mehr was… Ich weiß nur noch, dass ich ihn eigentlich die ganze Zeit nur anschauen wollte und mich eben wieder wie ein Kind gefühlt habe.

Meine Omi hat sich derweil länger mit seiner Frau unterhalten. Ein paar Dinge hat sie mir hinterher erzählt: Als sie ihn kennen gelernt hat, hat er zu ihr gesagt, dass sie sich darüber bewusst sein muss, dass er zwei Kinder hat. Zwei. Das schließt mich mit ein.
Das heißt sie hat nie zu ihm gesagt „Dein leibliches Kind kann gern her kommen, das andere nicht.“
Und er hat nie gesagt, dass er mich nicht mehr sehen will.

Trotzdem habe ich das gedacht. Und ich weiß nicht, wie ich darauf gekommen bin.

Diese Erkenntnis lässt also nur den Schluss zu, dass er gedacht haben muss, dass ich ihn nicht mehr sehen will. Und das muss ich herausfinden, ob ich das jemals gesagt haben. Auch wenn ich mich an kaum etwas aus der Zeit erinnern kann und man im Streit oder aus einer Verletzung heraus Sachen sagt, die man hinterher bereut, das kann ich mir wirklich nur schwer vorstellen!

Was ich mir aber inzwischen vorstellen kann, ist,dass meine Mutter das zu ihm gesagt hat. Ich habe im Gespräch mit meiner Omi noch einiges über sie erfahren und ich hab auch mit meiner Schwester gesprochen… Es würde zu ihr passen. Er hat sie verlassen und durch eine jüngere ersetzt. Sie war in ihrem Stolz verletzt. Und das einzige, womit sie ihn dann richtig verletzen konnte, war mich ihm vorzuenthalten, weil sie wusste, dass er mich geliebt hat und wie gut unser Verhältnis war. Entweder hat sie ihm gesagt, dass ich ihn nicht mehr sehen will, oder dass er sich von mir fernhalten soll.
Der Gedanke kam mir erst am Wochenende und ich traue es ihr zu. Meine Omi traut es ihr zu. Meine Schwester traut es ihr zu. Alle beiden sagen unabhängig von einander, das es zu ihr passen würde.
Irgendwann finde ich es raus.
Jetzt bin ich erstmal glücklich, dass mein Papa wieder da ist.

The longest time

Dienstag, 14. Juli 2020
Tag 76 im Home Office

So schnell legt man also eine Gewohnheit wieder ab… Da schreib ich hier wochenlang täglich, finde scheinbar immer was zu erzählen, und dann auf einmal gehts aber auch wochenlang ohne…

Kurzer Abriss der vergangenen Wochen:
– Ich bin immer noch im Home Office und will hier nie nie nie wieder weg!

– Ich mache immer noch regelmäßig Sport, auch wenn ich nicht mehr streng nach Plan vorgehe. Manchmal lege ich einfach zwei Trainingstage zusammen oder lasse einen ausfallen.

– Ich treffe mich wenig mit Leuten und gehe an sich wenig raus. Das kommt meinem introvertierten Eigenbrödler-Ich sehr entgegen. Ich finde es zwar schön, mich ab und zu mit Leuten zu treffen, aber wie mir ganz deutlich bewusst wurde, gibt es Menschen in meinem Umfeld, mit denen ein Treffen eher energiezehrend als bereichernd ist.

– Ich lese viel. Ich lese jeden Abend vor dem Einschlafen noch ein paar Seiten und die faulenzigen Wochenenden verbringe ich auch lesend. Wir könnten auch was unternehmen, aber da haben wir beide keine Lust zu, also lese ich.

– Ich häkle wieder und höre dabei mal wieder Harry Potter.

– Ich hab seit Wochen nicht genäht, ach was, seit Monaten. Dabei hab ich so viel Stoff und eigentlich so viele Pläne… Aber ich hab keine Lust. Aber auch das kommt wieder.

– Ich hab das Interview für den Talent-Pool hinter mich gebracht, und es lief ganz gut. Ich hatte ein ziemlich gutes Gefühl hinterher und Neu-Chefin hat sich scheinbar über drei Ecken bei den Beteiligten erkundigt und mein Gefühl trügt scheinbar nicht. Ob ich da nun aber reinkomme, ist trotzdem nicht gewiss. Kommt drauf an, wie gut die ganzen anderen Bewerber sind. Ich kann mich ja nur mit denen vergleichen, die in meiner Bewerberrunde dabei waren.

– In ein paar Wochen wird mein großer Neffe eingeschult und ich werde tatsächlich meinen „Papa“ wieder sehen. Zumindest ist er eingeladen und hat zugesagt. Aber wer weiß, ob er nicht doch kurzfristig absagt. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht es aber so aus, als würde ich ihn tatsächlich wiedersehen.
Nachdem ich jetzt ein paar Mal geheult hab deswegen, weil diese Vorstellung einfach irgendwie überwältigend ist, gehts mir gut mit dem Gedanken und ich freu mich. Ich weiß nicht, ob wir uns irgendwas zu sagen haben werden, ich weiß auch nicht, wie ich ihm gegenüber treten soll. Soll ich ihn umarmen? Ihm die Hand geben? Meine Mutter wird erwarten, dass ich ihn ignoriere, schätze ich…
Das macht mich grad ein bisschen fertig, dass sie erwarten wird, dass ich ihn mit dem Arsch nicht angucke. Nur weil sie immer noch in ihrem Stolz verletzt ist, sich nicht reflektieren kann und damit nicht abschließen kann. Sie hat immer noch so einen Groll auf ihn und ich befürchte, dass sie das auch von mir erwartet. Dass ich auf ihrer Seite stehe…
Das nervt mich ziemlich, dass ich mir darum Gedanken mache!
Na ja, ich lass es auf mich zukommen. Wenn ich da beim letzten Besuch bei meiner Schwester schon mal drüber nachgedacht hätte, dann hätte man vielleicht schon mal vorab ein Treffen organisieren können…
Hätte hätte. Ich muss es jetzt einfach auf mich zukommen lassen.

Ansonsten passiert bei mir echt nix aufregendes, nix neues. Es wechseln sich Lethargie-Phasen in denen ich fast ein bisschen depressiv bin mit Phasen ab, in denen ich gut drauf und motiviert bin. Es gibt Momente, in denen ich so viel in Frage stelle… Ich weiß nicht, ob das ausgeprägter ist, als früher, wenn ja, ob das durch Corona so ist oder ob ich einfach langsam eine Midlife-Crisis bekomme…

All good things (come to an end)

Mittwoch, 20. Mai 2020
Tag 42 im Home Office

42, die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.
Ist Home Office die Antwort auf alles?
Ich möchte kurz betonen, dass nach zwei Monaten Home Office meine Neurodermitis vollständig weg ist. Und dass ich mega entspannt und gelassen bin.

Das mit dem Home Office wird bei uns noch eine Weile so bleiben und ich werde nicht eine der ersten sein, die zurück muss. Meine Befürchtung war, dass ich wieder dort hin muss, weil ich keine Kinder habe und nicht in der Risikogruppe bin.
Aber die Rückkehr ins Büro findet auf freiwilliger Ebene statt. Es werden vorerst auch nur maximal 5 Leute gleichzeitig im Büro sein dürfen. Aber nicht vor dem 2. Juni. Bis dahin gelten noch die alten Maßnahmen.
Mein Arbeitgeber wollte den Mitarbeitern Masken zur Verfügung stellen, bisher sind die aber noch nicht da. Das ist scheinbar einer der Gründe, wieso wir noch immer von zu Hause arbeiten sollen.
Im Büro wurden Laufwege in Treppenhäusern gekennzeichnet, Abstandslinien vor den Aufzügen aufgeklebt und überall hängen Schilder, die an die Abstandsregeln erinnern. Noch dazu wurden vom Gebäudedienst Arbeitsplätze abgesperrt und diese Absperrung ist streng zu befolgen. Daran darf auch nichts eigenmächtig geändert werden.
Mein Arbeitsplatz ist (leider leider 😉) einer der abgesperrten Arbeitsplätze. Somit müsste ich mir auf jeden Fall einen anderen Tisch zum arbeiten suchen, wenn ich ins Büro gehe. Aber da die Rückkehr nachher sowieso auf maximal 5 Leute beschränkt ist und freiwillig ist, wird sich für mich hier vorerst nichts ändern. Ich bleibe so lange zu Hause, wie es geht. Meine Arbeit ist dadurch in keinster Weise eingeschränkt. Ich bin dadurch in keinster Weise eingeschränkt. Ganz im Gegenteil!

Und damit beende ich mein tägliches Home-Office-Update. So langsam wusste ich nämlich schon gar nicht mehr, was ich noch so erzählen soll 😉

Urlaubsplanung

Dienstag, 19. Mai 2020
Tag 41 im Home Office

Ich hab mal wieder Luxusprobleme. Ich muss noch diese Woche meinen Urlaub für den Rest des Jahres verplanen. Jetzt hab ich noch 6 Tage übrig, und weiß nicht, wo ich sie hinstecken soll… immer hat schon jemand Urlaub. Im Juni der eine, im Juli die andere, im August wieder der eine. Im September hab ich dann, im Oktober erst die andere, dann wieder der eine. So, dann könnte ich im November noch ne Woche nehmen…
Ich muss das nachher mal mit dem Namenlosen besprechen. Wobei es ihm wahrscheinlich auch egal ist. Solange jemand da ist, der den Hund nehmen kann. Sofern man dann überhaupt wegfahren könnte. Und selbst wenn, würden wir es machen?! Vielleicht eine Ferienwohnung, als Selbstversorger-Urlaub irgendwo, wo man mit dem Auto hinkommt. Das lassen wir einfach auf uns zukommen.

Aber das ist halt ein bisschen das nervige daran. Wenn ich Urlaub hab, weil ich ihn ja nun mal nehmen muss, und wir nicht wegfahren, dann ist das ein bisschen ätzend für mich, weil der Namenlose trotzdem aufsteht, weil er dann nicht frei nimmt. Und dann werde ich jeden Morgen wach und kann nicht ausschlafen und mich so richtig erholen. Noch mal weiterschlafen, wenn er aus dem Haus gegangen ist, ist alles andere als wirklich erholsam. Das hab ich oft genug durch. Vielleicht frag ich mal meine Schwester, wie es bei ihr aussieht. Sie hat ja auch irgendwann Urlaub und wegfahren ist ja vielleicht eher schlecht. Dann könnte ich vielleicht dort hin fahren. Obwohl das natürlich auch alles andere als erholsam wäre 😉

Love yourself

Freitag, 15. Mai 2020
Tag 39 im Home Office

Mal wieder was zum Thema Selbstliebe. Damit hab ichs ja nicht so, obwohl ich mir Mühe gebe und auch bereits Fortschritte erzielt habe. Es ist fast ein Jahr her, dass ich beschlossen habe, nichts mehr auf die Meinung anderer zu geben. Aber dieses Gefühl, das sich damals in mir breit gemacht hat, ist auch mit der Zeit wieder schwächer geworden. Dazu kam eine Unzufriedenheit mit meiner körperlichen Verfassung.
Ich habe zugenommen. Ich bin selbst bei zwei Stockwerken völlig außer Atem. Ich schaffe 25 Hampelmänner, und dann kollabiere ich fast. Mein Zustand ist definitiv nicht gesund und ich gefalle mir so auch nicht. Aber wie soll ich mich akzeptieren und sogar lieben, wenn ich mir nicht gefalle? Ich muss also was ändern.

Ich muss.

Das war wohl bisher so der Knackpunkt. Ich wusste immer, dass ich was ändern muss, aber ehrlich gesagt war ich zu faul dazu. Ich hatte keine Lust auf Sport. Immer hatte ich eine Ausrede. Zwei, drei mal hab ich mir ein Aerobic-Video rausgesucht und das gemacht und war nach 20 Minuten derartig am Arsch und am pumpen, dass erst recht keine Lust hatte, weiter zu machen.
Ich hatte auch keine Lust weniger zu essen. Wobei man sagen muss, dass es nicht an der Menge liegt, sondern an den Zutaten. Aber wenn ich Sahne an meine Soße machen will, dann will ich da Sahne dran machen. Und wenn ich Bock auf einen Döner habe, dann will ich einen essen. Ich will auch mal ein Stück Kuchen oder ein Eis essen. Fakt ist: Ich will mich nicht kasteien. Deshalb hab ich die Zuckerverzicht-Sache auch nach drei Tagen wieder aufgegeben.
Als ich gestern einkaufen war, hab ich nämlich mal auf die Zutatenlisten geachtet. In so gut wie jedem Lebensmittel ist Zucker drin. In jeder Wurst ist Zucker drin. Was soll ich denn dann noch essen? Ich will nicht nur Käse essen, der ist nämlich ohne Zucker. Und ich will auch nicht nur Obst und Gemüse essen. Es gibt auch so viel, was ich nicht mag und irgendwie bleibt da gefühlt nichts mehr übrig.
Also, wenn da jetzt 2g Zucker auf 100g in dieser Wurst sind… ja, drauf geschissen!

Außerdem hilft mir die Ernährung nicht, die Treppe ohne zu kollabieren hoch zu laufen.
Also bleibt wieder nur die alte Leier: Sport. Ich muss Sport machen. Und irgendwie will ich es jetzt auch mal. Ich hab auf Youtube so eine 4 Wochen Sommer-Body Challenge gefunden und ich will das jetzt mal durchziehen. Ich muss nicht, aber ich will.
Drei Tage hab ich schon geschafft und ich habe Muskelkater ohne Ende und zwar überall. Ich laufe wie gehbehindert die Treppe runter, ich kann mich nur unter ächzen auf die Couch setzen, wobei das eher ein fallen lassen als ein setzen ist und die letzten beiden Nächte bin ich wach geworden, weil ich beim Umdrehen meinen Muskelkater gespürt habe. So unfit bin ich und so wenig Muskeln habe ich, dass mich 15 Squats und Sit-ups so fertig machen!
Ich schaffe es nicht immer, alle Übungen durchzuhalten und ich musste bisher immer die einfache Variante einer Übung machen, weil ich es körperlich einfach nicht anders geschafft habe, aber ich will das jetzt mal die 4 Wochen durchziehen. Deshalb erzähle ich auch davon. Das baut mehr Druck auf 😉 (Ja ich komme mir blöd wegen der superkurzen Zuckerverzichts-Sache vor. Noch blöder komme ich mir vor, wenn ich das Sport-Ding jetzt nicht durchziehe!) Ich hab sogar Vorher-Fotos gemacht, die ich dann doch etwas erschreckend fand und deshalb hier nicht zeige 😉
Ich werde berichten. Tag 1, 2 und 3 von 28 sind geschafft. Morgen ist Pause und Sonntag geht es weiter. Drückt mir die Daumen!

Itsy bitsy spider

Dienstag, 5. Mai 2020
Tag 31 im Home Office

Woher kommen eigentlich Spinnen im Haus?? Wenn jetzt im Badezimmer, in der Badewanne eine Spinne sitzt, dann frage ich mich, wo die herkam.
Im Schlafzimmer ist Fliegengitter dran. Da kann sie eigentlich nicht her sein. Im Arbeitszimmer ist das Fenster eigentlich nie auf. Vielleicht mal zwei Minuten, aber das reicht nicht, um reinzukommen. Außerdem scanne ich den Fensterrahmen immer ab, wenn das Fenster auf ist, um eben zu vermeiden, dass so ein Vieh rein kommt! Das Fenster wäre schneller als Lichtgeschwindigkeit wieder zu!!
Also muss sie ja durchs Wohnzimmerfenster kommen. Also durch die Balkontür. Wenn der Namenlose rauchen geht, ist die Tür auf. Dann könnte die rein.
Das bedeutet aber auch, dass das Vieh durch die halbe Wohnung läuft, ohne bemerkt zu werden. Wieso sieht man sie nicht laufen? Läuft die nur nachts? Und wo war die denn noch überall? War sie auch im Schlafzimmer? Hat sie nachts oben in der Ecke gesessen und runtergeschaut? Ist sie auch schon übers Bett gekrochen? Wie ekelhaft diese Vorstellung ist!!
Und wieso geht sie dann ins Bad?
Oder kommt sie durch die Lüftung? Geht das? Wir haben im Bad so einen Lüfter. Wenn es draußen windig ist, klappert das Ding manchmal. Hat das also einen Ausgang nach draußen? Ich dachte, das wäre einfach nur ein… keine Ahnung wie das funktioniert! Gehen die Dinger nach draußen? Aber wie denn? 10 Meter durch die Decke oder wie? Dann kommt sie vielleicht auch von dort rein… Und dann krabbelt sie in die Badewanne um dort leider einen unschönen Tod durch Haarspray zu finden.

Es tut mir leid, Spinne. Aber du hättest einfach nicht in meine Wohnung kommen sollen!

Sing Hallelujah

Dienstag, 28. April 2020
Tag 27 im Home Office

Noch nichts neues vom potentiellen Home-Office-Ende. Nur meine blöde Kollegin hat noch mal raushängen lassen, dass sie ja noch länger bleiben wird, weil ja ihre Tochter nicht zur Schule kann.
Mein Gott… ihr Mann arbeitet auch noch von zu Hause und das Kind ist 14. Das wird doch mal 6 Stunden ohne Mutter auskommen?!
Ich schätze, dass ich morgen in unserem wöchentlichen Meeting vor versammelter Mannschaft verkündet bekomme, dass ich ins Scheißbüro zurück muss. Damit will neu-Chefin garantiert eine Diskussion umgehen. Oah mich regt das echt so auf… ich kann den Gedankenstrudel darum auch nicht abschalten… Ich will nicht, dass es vorbei ist! Ich will einfach nicht! Wozu denn auch?!

Und gerade kommt die Info, dass sich voraussichtlich an den bisherigen Regelungen vorerst bis zum 18.5. nichts ändert. Die offizielle Info folgt noch, daher ist das nicht 100%ig spruchreif, aber ich glaube nicht, dass sich daran jetzt noch was ändert, sonst hätten wir das jetzt nicht gesagt bekommen. Gott sei Dank! Wieder mal umsonst aufgeregt… Ich habs versucht, aber ich kann einfach nicht aus meiner Haut…

It ain’t over ´til it’s over

Dienstag, 21. April 2020
Tag 22 im Home Office

Liebes Home Office, gedanklich werde ich mich schon mal von dir verabschieden. Gedanklich werde ich mich schon mal auf die verkackte Großraumbutze einstellen. Ich weiß zwar nicht, wie die das dann machen wollen, aber es steht im Raum, dass es ab dem 4. Mai wieder dorthin gehen soll. Sollen wir dann dort mit einem Mundschutz sitzen? Immerhin fangen einige Bundesländer und einzelne Städte an, diesen zur Pflicht zu machen. In Geschäften und ÖPNV. Gilt das dann auch für ein Großraumbüro? Dort sitze ich zwar nicht so dicht neben meinen Kollegen, wie im Bus, aber immer noch dicht genug.

Und ich wette es geht dann so los, dass ich natürlich eine der ersten sein werde, die wieder dort hin muss. Weil ich ja keine Kinder hab, die nicht zur Schule können. Weil ich auch nicht mit den Öffentlichen fahre… Also hab ich ja keine Verpflichtungen und kein Risiko. Danke. Wo krieg ich jetzt schnell ein Kind her???
Ach man… Ok, es sind ungelegte Eier, also verschwende ich auf diese Gedanken nicht noch mehr Energie. Aber gedanklich muss ich mich trotzdem schon auf die letzten Tage in absoluter Ruhe vorbereiten.

Heute fühle ich mich „energiegeladen“ genug, um zu nähen. Es liegt schon ein halb fertig vorbereitetes Schnittmuster bereit. Es ist abgepaust und gekürzt. Nur die Ärmel fehlen noch. Dann kann ich den Stoff zuschneiden. Ein neues Hörbuch hab ich auch rausgesucht. Könnte also nach Feierabend direkt losgehen. Aber grad ist mir eingefallen, dass ich heute einkaufen muss… aaaaah… Hoffentlich ist es wieder so schön leer, wie in den letzten Wochen immer. Dann geht es nämlich schneller.

Spending my time

Montag, 20. April 2020
Tag 21 im Home Office

Es ist schon wieder Montag. Die 6. Woche im Home Office beginnt.
Heute habe ich meinen ersten fremden sozialen Kontakt seit 6 Wochen gehabt. Unser Kühlschrank war kaputt und heute kam jemand, um ihn zu reparieren. Im Thermostat war Feuchtigkeit, ich hoffe, das war tatsächlich das Problem. Der Kühlschrank hat ständig eine Fehlermeldung gegeben und gepiepst, das war echt nervig. Manchmal hat er dann aufgehört zu piepsen, aber dann hatte er auch aufgehört zu kühlen.
Jetzt ist das Thermostat trocken, die Kühlschrankböden sind in der Spülmaschine und dann kann ich gleich wieder alles einräumen. Bloß gut, dass ich am Freitag nur einen kleinen Einkauf gemacht hatte. Ich musste nämlich den ganzen Kühlschrank ausräumen, damit der Monteur an die Thermostate dran kam.

Ja, jetzt ist er weg, die Spüma läuft und ich bilde mir die ganze Zeit ein, das Piepsen immer noch zu hören…

Am Wochenende hab ich ein bisschen an einer Bluse weiter genäht. Aber ich frage mich, was ich da beim Zuschnitt gemacht habe. Das Rückenteil ist länger als das Vorderteil… Das ist jetzt nicht furchtbar schlimm, das kann man auf eine Länge kürzen (sofern das Vorderteil jetzt nicht zu kurz geworden ist…), aber leider hat der Stoff ein Muster, und ich habe es eigentlich so zugeschnitten, dass es an den Seiten passen sollte. Dadurch dass jetzt aber hinten länger ist, ist das Muster jetzt also um genau das zu lange Stück verschoben. Das geht mir auf den Keks und deshalb hab ich dann nicht weiter genäht. Und was anderes hab ich gerade nicht zu nähen. Ich müsste erst zuschneiden. Und zuschneiden ist die ätzendste Arbeit am Nähen. Ich hätte gern schon alle Teile fertig, das wär super 😉
Aber vielleicht mach ich das jetzt einfach mal. Es ist wahrscheinlich nur ein Drangehen. Wie mit dem Spazieren auch. Wenn ich nämlich erstmal unterwegs bin, find ich es schön draußen.

Einkaufen am Freitag war übrigens ziemlich ätzend. Es war ganz schön voll und es gab einfach so viele rücksichtslose Leute, die keinen Abstand gehalten haben… Deshalb habe ich das Einkaufen so kurz wie möglich gehalten, und nur fürs Wochenende eingekauft. Dann muss ich zwar morgen schon wieder einkaufen, aber ich hoffe, dass es dann leerer ist, wie auch an den anderen Tagen, wenn ich einkaufen war.

Why does my heart feel so bad?

Mittwoch, 15. April 2020
Tag 18 im Home Office

Noch nie in meinem ganzen Leben sind mir freie Tage so unendlich lang vorgekommen, wie die letzten 6. Der ursprüngliche Plan war, das Osterwochenende zu verlängern, und wegzufahren. Mit dem Namenlosen, den Lernmädels, einer Freundin. Oder zu meinen Eltern zu fahren.
Tja, jetzt durfte ich meinen Urlaub nicht stornieren, also saß ich zu Hause rum. 6 lange Tage.
Ich weiß nicht mal mehr, was ich gemacht habe. Nix, glaube ich. Abgesehen davon, dass ich mir die Haare gefärbt habe. Aber sonst habe ich nichts gemacht. Am Freitag haben wir nichts gemacht. Am Samstag sind wir in den Baumarkt gefahren, weil wir unseren Balkon neu machen müssen. Die Holzplanken sind nach 12 Jahren nun doch sehr verwittert und stellenweise morsch. Wieso also nicht mal was produktives in Angriff nehmen.
Sonntag haben wir nichts gemacht. Montag haben wir nichts gemacht. Dienstag habe ich nichts gemacht.

Ich bin so antriebslos. Ein bisschen hab ich genäht, aber ich hätte viel mehr schaffen können. Ich hab so viele Ideen und sogar schon den ganzen Stoff dazu da. Aber ich kann mich nicht aufraffen. Ich sitze und starre aus dem Fenster. Weil ich nichts anderes schaffe. Gefühlt jeder macht jetzt super viel Sport, geht spazieren, macht Balkon und Wohnung frühlingsfrisch.
Ich nicht.
Und das fühlt sich schlecht an. Weil ich das Gefühl habe, dass jeder sein Leben auf die Reihe kriegt nur ich nicht. Dass jeder, der sein Leben vorher nicht auf der Reihe hatte, es jetzt schafft, in die Pötte zu kommen. Und ich, die zwei Jahre lang durchorganisiert war, hänge in diesem Nichts und suhle mich igendwie darin.
Ich hab schon Rückenschmerzen vom vielen Rumhängen.
Ich hab keine Lust, den Balkon sommerfrisch zu machen. Abgesehen davon, dass die Beplankung neu gemacht werden muss, müssten die Stühle und der Tisch sauber gemacht werden. die Reling könnte auch mal einen Lappen vertragen. Ich könnte die Blumentöpfe rausstellen. Aber ich will nicht.
Auf der Arbeit ist heute auch schon den ganzen Tag tote Hose. Vorhin hab ich kurz mit meinem Kollegen telefoniert, er meinte, wenn etwas ist, soll ich ihn auf dem Handy anrufen, der hat sich schon die Liege auf die Terrasse gestellt. Also hab ich bis eben mein Hörbuch zu Ende gehört, war duschen und werde wohl gleich die Tasche fertig nähen, die ich gestern angefangen hab. Mein Laptop steht ja neben mir. Wenn was ist, bekomme ich es ja mit. Aber es sind Ferien und es ist Urlaubszeit. Es ist kaum jemand da…
Ich will auch nicht mehr ins Büro zurück. Ich hab ein bisschen Angst, dass die Regierung sich heute für Lockerungen der Maßnahmen ausspricht und unser Home-Office-Hasser-Geschäftsführer dann entscheidet, dass wir Montag alle zurück müssen… Das wäre schlimm. Ich bin noch nicht bereit dazu.

Irgendwie muss ich zusehen, dass ich aus dieser depressiven Stimmung wieder raus komme. Das ist nämlich wie eine Abwärtsspirale. Ich hatte das früher ab und zu. Sich selbst zu bemitleiden tut einen Moment gut, aber es macht es am Ende nur schlimmer.
Ich nehme mir also vor, dass das der letzte Jammereintrag war.

Heute Abend wollen wir Spargel essen. Ich versuche also nach Feierabend mir den Hund zu schnappen und wenigstens zum Spargelhof zu laufen. Dann komme ich wenigstens an die frische Luft und kriege ein paar Sonnenstrahlen ab.
Vielleicht muss ich mir doch Spotify zulegen, denn eigentlich will ich nicht alleine spazieren gehen und damit meinen Gedanken ausgeliefert sein.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Mittwoch, 8. April 2020
Tag 17 im Home Office

Ostern steht vor der Tür. Andere Leute färben Eier. Ich überlege, mir die Haare zu färben. 😀 Was gestern als fixe Idee begann (bzw. die hab ich ja schon länger), setzt sich immer mehr im Kopf fest. Ich wollte schon immer mal grüne Haare haben 😀 ich hab als Kind mal Punks gesehen und war total fasziniert von den bunten Irokesen 😀 Im Herzen bin ich ein Punk, auch wenn man das nach außen niemals sieht 😉
Und jetzt hab ich ne Midlife-Crisis und außerdem kommt man im Home Office ohne soziale Kontakte, die einen einnorden, auf dumme Gedanken…
Da sitzt das Teufelchen auf der einen Schulter und sagt „Los, mach die Haare grün! Oder pink. Oder beides!!!“
Und auf der anderen Schulter sitzt das Engelchen und sagt „Neeeeein, du bist doch so ein braves Mädchen, sowas macht man nicht. Das sieht doof aus, wenn sich das rauswäscht. Wenn, dann mach wenigstens was normales. Braun oder so. Aber auch das sieht doof aus, wenn es dann rauswächst. Lass es also einfach!!!!“
„Tu es, blau, grün, lila, knallpink! Mach mal was, was niemand erwartet. Komm, trau dich einfach!“
„Du bereust es hinterher.“
„Ach, das kann man überfärben. Oder ne Mütze aufsetzen. Oder Glatze. Hey, Glatze wär doch auch mal was?!“
„Alter, das ist jetzt aber schnell eskaliert! Frau Keschu, sei vernünftig.“

Aber ich bin doch immer vernünftig. Darf ich nicht mal unvernünftig sein?

„Jaaa, los, kauf dir Farbe, leg los!“
„Aber was, wenn es doof aussieht und du in 1,5 Wochen wieder ins Büro musst?“
„Musst du schon nicht, wird bestimmt noch verlängert.“

Aber was wenn nicht? Dann lachen mich alle aus.

„Drauf geschissen! Mach schon!“

Ja… so geht das seit Stunden im Kopf hin und her 😉 Und jetzt ist auch endgültig bewiesen, dass ich einen an der Klatsche hab 😀

Schöne Ostern. Ich habe jetzt frei bis nächsten Mittwoch. Vielleicht kommt mein Stoffpaket an, dann näh ich über Ostern was und bringe mich auf andere Gedanken 😉

Stimmungsdurchhänger

Montag, 6. April 2020
Tag 15 im Home Office

Ach, was fiel mir das Aufstehen heute schwer… Obwohl ich so wenig aktiv bin, bin ich ganz schön kaputt und müde. Und ich bin echt richtig faul! Ich kann mich einfach nicht aufraffen großartig spazieren zu gehen. Wir haben am Wochenende die Standardrunde ums Feld gemacht und alle paar Meter kam uns jemand entgegen und echt, mich nervt das.
Das war hier immer so schön leer. Es war echt die Ausnahme, wenn man jemandem begegnet ist. Wir konnten den Hund von der Leine lassen und es war auch egal, wenn ich am Wochenende diese Runde ungeschminkt gemacht habe. Aber jetzt trifft man ständig Leute, die einen auch noch anschauen und grüßen… maaaaaan…

Wenn ich nicht aufpasse, mutiere ich noch zum kompletten Einsiedler…
Ich finds super, dass im Lidl nur 5 andere Leute sind, dass einem an der Kasse keiner mehr in den Nacken atmet. Ich finds auch super, dass ich so koordiniert und geplant einkaufen kann. Hätt ich gar nicht gedacht. Früher hatte ich ja keinen Grund, einen Wochenplan zu erstellen. Jetzt will ich aber nicht öfter als 1x in der Woche einkaufen gehen. Und es funktioniert seit 3 Wochen super!
Ich finds auch toll meine Kollegen nicht sehen und hören zu müssen und überhaupt stört mich diese ganze social distancing-Sache eigentlich nicht. Eigentlich hat sich für mich nix geändert. Außer, dass ich ohne schlechtes Gewissen zu Hause rumhängen kann und mich nicht schlecht fühlen muss, weil ich keine Lust hab rauszugehen, obwohl das Wetter so toll ist.
Als Kind war ich schon der Stubenhocker schlechthin. Meine Schwester war immer draußen spielen, mit hunderten Freunden. Die war eigentlich mit allen Kindern aus der Siedlung befreundet. Ich kannte die alle gar nicht. Ich saß immer zu Hause, hab gelesen oder Luftschlösser gebaut. Ich hatte damals kaum Freunde und so ist das auch heute noch. Die paar, die ich hab, mit denen kann ich mich jetzt halt nicht treffen. Ist ok für mich. Ich fühle mich dadurch nicht eingeschränkt, benachteiligt, in meinen Freiheiten beschnitten oder sonst was. Es ist einfach ok für mich. Ich treff sie eben später wieder.
Das paradoxe dabei ist, dass ich trotzdem in eine depressive Stimmung verfalle und mich selbst bemitleide. Aber warum eigentlich? Wenn mich das doch eigentlich alles gar nicht so stört… Keine Ahnung. Vielleicht ist es hormonell bedingt, aber grad fühl ich mich wie damals als Teenie, wo einfach alles kacke war, ohne so richtig benennbaren Grund. Wo man sich eigentlich irgendwie selbst im Weg steht. Ich könnte ja rausgehen. Ich könnte mich ja bewegen. Ich könnte mir ja was gutes tun. Aber ich kann mich nicht aufraffen. Und irgendwie will ich mich auch nicht aufraffen.

Und wenn ich weiter nicht aufpasse, werde ich auch noch fett… Hab grad den ganzen Rest vom Auflauf gestern weggespachtelt. Das waren gut und gerne 1,5 Portionen!

It’s the end of the world as we know it

Montag, 30. März 2020
Tag 10 im Home Office

Ich bin in einem Zustand zwischen „Mein Wochenende war überhaupt nicht anders als sonst“ und „Alles ist anders“. In einem Zustand zwischen flatteriger Unruhe, weil man einfach nicht weiß, was noch auf einen zukommt und der naiven Hoffnung, dass alles einfach wieder gut wird.
Vielleicht wird es wieder gut, aber es wird anders sein.

Vor 10 Tagen hab ich schon über WhatsApp einen Text geschickt bekommen, den ich etwas pathetisch aber trotzdem berührend fand.

Es könnte sein, dass in Italiens Häfen die Schiffe für die nächste Zeit brach liegen, … es kann aber auch sein, dass sich Delfine und andere Meereslebewesen endlich ihren natürlichen Lebensraum zurückzuholen dürfen. Delfine werden in Italiens Häfen gesichtet, die Fische schwimmen wieder in Venedigs Kanälen!

Es könnte sein, dass sich Menschen in ihren Häusern und Wohnungen eingesperrt fühlen, … es kann aber auch sein, dass sie endlich wieder miteinander singen, sich gegenseitig helfen und seit langem wieder ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Menschen singen miteinander!!!

Es könnte sein, dass die Einschränkung des Flugverkehrs für viele eine Freiheitsberaubung bedeutet und berufliche Einschränkungen mit sich bringt,… es kann aber auch sein, dass die Erde aufatmet, der Himmel an Farbenkraft gewinnt und Kinder in China zum ersten Mal in ihrem Leben den blauen Himmel erblicken. Sieh dir heute selbst den Himmel an, wie ruhig und blau er geworden ist!

Es könnte sein, dass die Schließung von Kindergärten und Schulen für viele Eltern eine immense Herausforderung bedeutet,…es kann aber auch sein, dass viele Kinder seit langem die Chance bekommen, endlich selbst kreativ zu werden, selbstbestimmter zu handeln und langsamer zu machen. Und auch Eltern ihre Kinder auf einer neuen Ebene kennenlernen dürfen.

Es könnte sein, dass unsere Wirtschaft einen ungeheuren Schaden erleidet,… es kann aber auch sein, dass wir endlich erkennen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben und dass ständiges Wachstum eine absurde Idee der Konsumgesellschaft ist. Wir sind zu Marionetten der Wirtschaft geworden. Es wurde Zeit zu spüren, wie wenig wir eigentlich tatsächlich brauchen.

Es könnte sein, dass dich das auf irgendeine Art und Weise überfordert, … es kann aber auch sein, dass du spürst, dass in dieser Krise die Chance für einen längst überfälligen Wandel liegt,
– der die Erde aufatmen lässt,
– die Kinder mit längst vergessenen Werten in Kontakt bringt,
– unsere Gesellschaft enorm entschleunigt,
– die Geburtsstunde für eine neue Form des Miteinanders sein kann,
– der Müllberge zumindest einmal für die nächsten Wochen reduziert,
– und uns zeigt, wie schnell die Erde bereit ist, ihre Regenaration einzuläuten, wenn wir Menschen Rücksicht auf sie nehmen und sie wieder atmen lassen.

Wir werden wachgerüttelt, weil wir die Dringlichkeit selbst nicht erkannten. Denn es geht um unsere Zukunft. Es geht um die Zukunft unserer Kinder.

(VerfasserIn unbekannt)

Ich muss mir vorerst keine Gedanken um meinen Job machen, meine Branche ist gerade eine der Branchen, die gebraucht wird. Ich muss mir auch keine Sorgen um Kurzarbeit machen. Oder überhaupt muss ich in dieser Hinsicht keine Existenzängste haben. Vielleicht noch nicht, wer weiß, aber momentan bin ich sehr dankbar dafür, dass meine Situation so ist, wie sie ist.
Wenn ich aber über die Wirtschaft nachdenke, darüber, was an der Börse abgeht, darüber, wie viele Menschen ihren Job verlieren, wie viele Geschäfte vielleicht schließen müssen, die Hilfen, die der Staat leisten will… Woher wollen die das ganze Geld nehmen?!
Ja, mich überfordern solche Gedanken. Ich kann sie nicht fassen und diese Ungewissheit finde ich schlimm. Es ist wie aus einem dystopischen Buch. Wohin führt das? Wie lange sollen wir noch zu Hause bleiben? Wie lange halten die Menschen das aus und lassen sich das gefallen? Ich persönlich fühle mich bisher nicht eingeschränkt. Ich bin niemand, der jeden Tag unterwegs war, ich hab auch nicht so viele Freunde, mit denen ich mich ständig treffe. Ich bin in keinem Sportverein oder hab sonst regelmäßige Termine. Mich stört es also nicht, zu Hause zu sein. Aber ich kann verstehen, wenn andere das ganz anders sehen als ich.
Ich komme auch mit dem Namenlosen sehr gut aus. Und wenn nicht, haben wir Rückzugsmöglichkeiten. Was ist aber mit denen, die auf engstem Raum zusammen wohnen und sich nicht aus dem Weg gehen können, wenn es wichtig wäre?
Wann kriegen die Leute einen Koller? Wann fangen sie vielleicht an, sich aufzulehnen? Wie lange sind Menschen vernünftig? In Büchern bricht immer recht schnell Anarchie aus… Und wenn ich in den Nachrichten lese, dass eine Kundin eine Verkäuferin geohrfeigt hat, weil sie Angst hatte kein Klopapier zu bekommen, dann frag ich mich schon, wie lange wir noch von der Anarchie entfernt sind…
Gruselige Vorstellung.

Es gibt ein Spiel, bei dem es Ziel ist, die gesamte Menschheit durch eine Krankheit auszulöschen. Bakterium, Virus, Pilz… was auch immer.
Es ist wirklich pervers!
Je mehr Menschen sich anstecken, desto mehr Punkte bekommt man, mit denen man den Erreger zb widerstandsfähiger gegen Medikamente machen kann. Oder man kann ihn entwickeln, dass er über neue Wege übertragen wird. Oder oder oder…
Und wenn ich jetzt höre, dass das Corona-Virus auch auf Katzen übergeht und von denen übertragen werden kann, dann frage ich mich grad wirklich, ob da oben nicht einer sitzt und dieses Spiel mit uns spielt, und nach der Infektionswelle in den USA jetzt genügend Punkte hatte um auf die Übertragung durch Tiere aufzustocken…
Es wird nie mehr so sein wie vorher. Es wird immer die Zeit vor und nach Corona geben. Selbst wenn es bald überstanden sein sollte. Dazu war auch diese kurze Zeit schon zu einschneidend.

New shoes

Freitag, 27. März 2020
Tag 9 im Home Office

Meine Filzhausschuhe sind kaputt. Alle beide sind an der Sohle durchgescheuert. Bloß gut hatte ich noch ganz dicke, warme Socken, die meine Omi mir gestrickt hat, sonst müsste ich jetzt mit ganz schön kalten Füßen im Home Office sitzen.

Wahnsinn, die zweite Woche ist schon um. Gestern wusste ich mal wieder nicht, welcher Tag ist. Abends dachte ich, es wäre erst Mittwoch. Die Zeit rennt, obwohl nichts passiert…
Unser Home Office wurde jetzt verlängert bis zum 19. April.
Urlaubs-Storno wurde untersagt. Viele wollen natürlich ihren geplanten Urlaub in den Osterferien nicht nehmen. Kann ich einerseits verstehen, aber wie lange wollen die Leute warten? Es weiß doch niemand, wie lange das noch dauert! Und am Ende stehen alle da und haben im Dezember noch 25 Tage Urlaub übrig… aber das Hauptargument ist, dass man sich trotzdem erholen muss. Home Office ist ja keine Erholung. Ja, es ist entspannter, als im Büro, für mich zumindest, aber es ist eben trotzdem Arbeit und kein Urlaub. Also wird ein Storno des geplanten Urlaubs nicht erlaubt. Ganz einfach.
Ich hab mir mit zwei Tagen das Osterwochenende verlängert. Eigentlich wär ich gern mit meinen Lernmädels irgendwo hingefahren 😀 Aber die eine hat seit März einen neuen Job und da wär das halt nicht gegangen. Dann hatte ich überlegt, ob ich zu meinen Eltern fahre. Das lass ich aber auch lieber, weil der Mann meiner Mutter ja zur absoluten Risikogruppe gehört. Dann hatte ich eben auch überlegt, ob ich mir die zwei Tage für später aufspare, aber wie lange denn?? Und wenn das jeder macht, dann kommt am Ende im Dezember niemand mehr arbeiten. Und mit ins neue Jahr nehmen dürfen wir sowieso nicht.
Aber krass, wie sich gleich wieder einige darüber aufgeregt haben. Dabei sollen die alle froh sein, dass wir unseren Urlaub einfach so nehmen können. Nicht nur können, sondern dürfen. Andere, die wegen der Kinderbetreuung gar nicht arbeiten können, müssen ihren Urlaub jetzt nehmen, obwohl das auch anders geplant war… Also das ist bei uns mal wieder Jammern auf extrem hohem Niveau und da bin ich wieder mal froh, dass ich nicht im Büro bin, und die ganzen Diskussionen so ausschweifend mitbekommen muss.

Der Plan fürs Wochenende ist nähen, lesen und ab und zu mit dem Hund Gassi gehen. Es ist erstaunlich, was für eine Völkerwanderung hier neuerdings hinterm Gartenzaun stattfindet! Alle Leute gehen plötzlich spazieren. Wohnen die hier alle? Wenn ja, wo denn?? Oder fahren die hier extra her? Auf jeden Fall sind da auch viele Hundebesitzer dabei, die sonst nicht hier sind. Das ist kacke, weil unser Hund jetzt beim Gassi immer super aufgeregt ist, weil da so viele neue Gerüche sind. Das heißt auch, frei laufen lassen am Wochenende könnte zu risikoreich sein. Wenn die andere Hunde sieht, dann ist die im Tunnel und hört auf nichts und niemanden mehr. Und überhaupt ist das grad abends blöd, wenn wir noch mal mit ihr um die Ecke gehen. In der Werbepause kurz Kacki und Pipi können wir da jetzt vergessen. Zu aufregend alles…
Doofes Corona!

Du hast die Haare schön

Mittwoch, 25. März 2020
Tag 7 im Home Office

Gestern hatte ich mein Mitarbeitergespräch. Meine Beurteilung ist ziemlich gut ausgefallen. Um nicht zu sagen hervorragend. Eigentlich bin ich in allen Bereichen überdurchschnittlich gut beurteilt worden, was mich natürlich freut. Aber irgendwie ist es auch ein bisschen übertrieben.
Ich mein, ich weiß, dass ich gute Arbeit leiste, dass ich zuverlässig bin und dass ich keinen Scheiß abgebe. Was ich mache, hat Hand und Fuß und ist richtig, zügig und ordentlich. Aber trotzdem… das grenzte schon an Bauchpinselei und ich weiß auch warum: Weil ich nämlich nicht den Haken für Entwicklungsmöglichkeiten bekommen habe. Den hatte mein alter Chef mir letztes Jahr schon nicht gegeben. Er hätte zwei andere vorgesehen (ich frag mich heute noch, wer damals der zweite war) und ich würde ihn auf jeden Fall dieses Jahr bekommen.
Nun ist Alt-Chef aber nicht mehr da und Neu-Chefin (immer noch nicht offiziell übrigens), wollte mir den nicht geben. Sie hätte zwei andere vorgesehen (WER, verdammt???), aber ich würde ihn auf jeden Fall nächstes Jahr bekommen.

Früher hätte ich meine Klappe gehalten. Früher hätte ich mich nicht getraut, was zu sagen, weil ja die Beurteilung so super ist. Das ist ja, als würde man ein Haar in der Suppe suchen. Also hätte ich gesagt, dass es ok wäre und hätte mich in Grund und Boden geärgert.
Aber ich bin nicht mehr wie früher. Gestern hab ich ihr gesagt, dass mir Alt-Chef genau das letztes Jahr auch schon gesagt hatte und dass ich das nicht so toll finde.

Heute früh bekam ich dann die Info, dass ich diesen Haken doch bekomme.
Ob das jetzt tatsächlich was bewirkt, das sei mal dahin gestellt. Zumindest komme ich aber in eine Art Talent-Pool und so hat man dann auch mal eher die Möglichkeit, zB. Job Visits zu machen, weil man „sichtbarer“ ist. Diese ganze Vitamin-B-Scheiße geht mir ja eigentlich ziemlich auf den Sack, aber anders geht es bei uns eben nicht. Eigentlich will ich ja schon länger mal ins Controlling und gucken, was da so abgeht. Ich glaube Controlling liegt mir mehr als Buchhaltung. Also abwarten. Solange die Situation aber ist, wie sie ist, wird das sowieso nichts mit Job Visits.

Trotz dieser guten Nachricht bin ich heute aber ziemlich unmotiviert. Mir ist kalt und eigentlich will ich mich nur auf die Couch verziehen und mein Schnulzbuch weiterlesen, in dem es eine so schöne heile Welt gibt… :-/

Einkaufen war gestern gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Die Idee, zu diesem etwas abgelegenen Lidl zu fahren, war vielleicht genau richtig. Vielleicht wäre aber auch in dem anderen wenig los gewesen, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall waren da gestern nur 6 Autos auf dem Parkplatz und eben sehr wenig Leute im Laden.
Es war eigentlich ganz entspannt. Niemand hat gedrängelt, fast alle haben Abstand gehalten. Zumindest an der Kasse sind dann aber alle an den aufgeklebten Abstandsstreifen am Boden stehen geblieben und haben gewartet. Klopapier gabs natürlich nicht mehr, aber ich brauche ja noch kein neues. Ansonsten habe ich fast alles bekommen, was auf meiner Liste stand und deshalb hab ich auf dem Heimweg noch kurz bei einem Aldi angehalten, der ebenfalls ziemlich leer war.
Wenn ich so drüber nachdenke, war es wohl doch ganz gut, nicht montags und nicht früh einkaufen zu gehen. Ich schätze, gestern war es voll, weil viele nach dem Wochenende nichts mehr hatten, und morgens ist es bestimmt auch voll, weil alle Leute als erstes da sein wollen, weil ja dann potentiell die Regale noch voll sind.

Aber ehrlich, man muss sich da eigentlich wirklich keine Sorgen machen. Es gibt alles. Und ansonsten muss man eben mal ein bisschen umdisponieren. Dann macht man statt Erbsensuppe eben Linsensuppe.

Ich war trotz allem überrascht, wie viele Autos ich unterwegs getroffen habe. Es war zwar halb vier, also wahrscheinlich der Feierabendverkehr, aber ich hatte eigentlich gar nicht den Eindruck, dass weniger Menschen als sonst unterwegs sind.

Abends hab ich dann dem Namenlosen die Haare geschnitten! 😀 Als Frau hab ich zumindest das Problem nicht. Wenn meine Haare jetzt wachsen, dann ist das schon ok. Der Bob wächst halt einfach raus und ich mache dann einen Zopf. Aber er sah schon wieder aus wie ein Wischmopp. Auf seine Haare bin ich ja echt neidisch. Die sind so voll und so dick… aber wenn sie bei ihm zu lang werden, sieht es halt ein bisschen wild aus. Er müsste wohl länger durchhalten, dann wärs irgendwann bestimmt wieder gut, aber er ist nicht so der Typ für längere Haare 😉 Also musste die Wolle gestern runter.
Bloß gut, dass wir eine Schermaschine für den Hund haben 😀 sein Bartschneider hat das nämlich nicht geschafft.
Also zuerst hinten und an den Seiten kürzer scheren und oben hab ich dann beherzt die Schere genommen 😀 ist aber tatsächlich ganz gut geworden 🙂
Aber ich bin ja auch erfahren, was das angeht. Mit 22 oder so hab ich mir die Haare mal selbst kurz geschnitten, nachdem mein damaliger Freund Schluss gemacht hatte. Einer Freundin hab ich sie später dann auch kurz geschnitten. Meiner Schwester hab ich öfter den Pony geschnitten und als meine Haare später wieder lang waren, hab ich die Spitzen eigentlich immer nur selbst geschnitten, weil ich nicht eingesehen hab, beim Friseur 30 Euro dafür zu bezahlen.

Vielleicht machen wir wenn wir auswandern dann doch kein Katzen-Café auf, sondern einen Friseur. Offenbar hab ich meinen Beruf verfehlt 😀

Can’t get you out of my head

Dienstag, 24. März 2020
Tag 6 im Home Office

Ja, das Wochenende ist vorbei, der Montag war halt ein Montag und die Entspannung ist… na ja nicht dahin, aber Corona ist wieder allgegenwärtig und damit auch eine leichte Unruhe.

Heute morgen haben sie im Radio Marc Friedrich interviewt, der als „Crash-Prophet“ bekannt ist und in einem seiner Sachbücher den Wirtschafts-Crash für spätestens 2023 prognostiziert hat… Der hat also heute morgen, als ich noch im Halbschlaf war, ein worst-case-Szenario gemalt: Rezession, globale Depression, Unterbrechung des Wirtschaftskreislaufs, Deflation, Kollaps und schließlich Währungsreform. Und das ganze würde 5 bis 10 Jahre dauern, weil man einfach immer bei jeder anderen Krise Geld reingesteckt hat und versucht hat alles zu retten. Man hätte Banken auch bankrott gehen lassen müssen, dann hätte man jetzt mehr auf der hohen Kante gehabt und hätte die 5 bis 10 Jahre auf 3 verkürzen können…
Es gab Wirtschaftsexperten, die sich mit seinen Büchern befasst haben und seine Vorhersagen aus 2012 widerlegt haben, aber darum gehts grad nicht. Ich war gerade wach und man hört direkt als erstes das worst-case-Szenario… da gehen direkt die Gedanken wieder los und man wacht direkt mit Unruhe auf.

Dann wusste ich gar nicht, welcher Tag heute ist. Dadurch dass ich jetzt so lange nicht mehr draußen war, ist mein Zeitgefühl komplett verloren gegangen. Gestern Abend wusste ich schon nicht mehr, welcher Tag ist, und ob ich den Wecker anmachen muss oder nicht… Mir wär als wäre Samstag und auch heute morgen war ich dann verwirrt, dass der Wecker anging. Ich war überzeugt, dass es Sonntag wär…
Vielleicht ist es nicht verkehrt, dass ich nachher vor die Tür muss um einkaufen zu gehen. Mal ein bisschen in die Realität zurück kommen!

Die Arbeitsrealtität ist dafür ganz gut angelaufen heute. Ich habe einen neuen, sauberen Pulli an und ich bin geschminkt. Ich gehe davon aus, dass wir das Mitarbeitergespräch nicht per Video machen, aber egal. Dann seh ich zumindest zum Einkaufen später nicht aus, wie der Tod auf Latschen 😉
Jetzt werde ich meine to-do-Liste für heute abarbeiten und dann vielleicht auch etwas früher Feierabend machen und einkaufen fahren, dann kann ich länger in der Sonne stehen und auf Einlass warten 😉

Bleibt gesund, bleibt zu Hause und denkt nicht so viel über Corona nach. Lest lieber ein Schnulzbuch, da kann man sich so schön wegtragträumen… Zumindest mal eine Woche lang, wenn man nicht zu schnell und nicht zu viel liest 😉

Don’t panic

Freitag, 20. März 2020
Tag 4 im Home Office

Heute sitze ich tatsächlich an meinem Schreibtisch. Ich habe gestern das Arbeitszimmer aufgeräumt und dann nicht mehr genäht, weil alles so schön ordentlich aussah 😉
Dann habe ich angefangen, Stoffe zu sortieren, weil meine Schwester (die als OP-Schwester arbeitet) angefangen hat, OP-Hauben zu nähen. Selbst sowas wird jetzt also schon knapp. Na ja, kommen ja auch aus China. Es ist echt billiger, Wegwerfhauben zu kaufen, als Baumwollhauben bei 90 Grad zu waschen… Meine Stoffreste reichen leider nicht für Hauben, aber sie ist auch gerade in Klärung, ob man Mundtücher daraus machen kann.
Und ich sitze hier, starre aus dem Fenster und fühle mich nutzlos. Ich sitze hier und mache meine unnütze Arbeit. Erste Kunden haben schon angekündigt, dass sie wegen der Corona-Krise ihre Zahlungsfähigkeit nicht sicherstellen können. Jeder beschränkt sich gerade auf die wichtigsten Dinge und das merkt man. Es kommt keine E-Mail, kein Anruf – nichts!

Ich muss aufpassen, dass ich nicht in eine dauerhafte Unruhe verfalle. Die vielen Nachrichten, die Diskussionen, Berichte über Einzelschicksale, Auswirkungen auf die Wirtschaft, Hamsterkäufe, die Panik der Menschen… das steckt mich an und beunruhigt mich. Ich versuche ruhig zu bleiben und tief durchzuatmen.
Wenigstens muss ich heute nicht einkaufen. Die letzten beiden Male hab ich mich tatsächlich etwas von der ganzen Hamsterei anstecken lassen und habe mehr Milch als üblich, Toastbrot, Aufbackbrötchen, noch zwei Päckchen Nudeln und TK-Gemüse gekauft, was ich sonst nie mache. Ich kaufe sonst nur das, was wir unmittelbar brauchen. Aber deshalb muss ich heute fürs Wochenende nicht einkaufen gehen, sondern kann das auf Montag verschieben.
Und dann werde ich mich beherrschen und keine Packung Klopapier kaufen, weil die, die ich vor über zwei Wochen gekauft habe, als wir nur noch zwei Rollen hatten, immer noch nicht mal angebrochen ist!!! Wir kommen also die nächsten Wochen mit dem aus, was wir haben.

Wenn die Menschen bloß einfach vernünftig wären und in normalen Mengen einkaufen würden, dann gäbe es diesen Engpass ja gar nicht. Der ist künstlich verursacht und bestätigt jeden, der vor der leeren Palette steht, dass es gut ist zu hamstern, weil es ja „offensichtlich nichts mehr gibt“.

Am Wochenende habe ich vor mich zu entspannen. Ich werde keine Hamstereinkäufe machen, ich werde mich an die Regeln halten und zu Hause bleiben. Ich werde lesen, nähen, mit dem Namenlosen quatschen und Filme schauen, mit dem Hund ums Feld laufen (da trifft man in der Regel niemanden), vielleicht was im Garten machen. Auf jeden Fall werde ich mir größte Mühe geben, um nicht in Panik zu verfallen.

#stayhome und bleibt gesund!

Jahresrückblick-Stöckchen 2019

Der alljährliche Jahresrückblick… hier für 2019.
Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und alles Gute für 2020! Ein neues Jahrzehnt startet. Endlich wieder eins, das man ordentlich aussprechen kann. Die 20er. Die neuen 20er… Obwohl ja genau genommen das neue Jahrzehnt erst am 1.1.21 beginnt… Aber wir wollen mal nicht so sein.

Zugenommen oder abgenommen?
Auf jeden Fall zugenommen! Mein Konsum an Süßigkeiten (insbesondere Snickers und Lachgummi-Milchgeister), Chips und vor allem Alkohol hat sich über die letzten Monate des Jahres auf ein Level gesteigert, von dem ich nicht wusste, dass ich es vertrage. Eigentlich wird mir bei Süßkram schnell schlecht. Aber meine Toleranzgrenze ist da deutlich angestiegen. In einer Tüte Milchgeister sind angeblich 11 Portionen. Aha… Bei mir waren es höchstens 1,5. Manchmal sogar nur eine Portion 🤷🏼‍♀️ Und für Silvester mit den Burger-Freunden bin ich bestens vorbereitet. Ich werde alle unter den Tisch saufen!

Mehr Geld oder weniger?
Dank tariflicher Erhöhung mehr. Ich kann meinen Arbeitgeber eigentlich nicht verlassen 🤔

Der hirnrissigste Plan?
Überstunden anhäufen zu wollen, um meine Frei-Zeit vor und nach der Prüfung auszudehnen… Ich wollte nämlich hinterher zwei Wochen richtig schön weit wegfahren und vorher brauchte ich aber auch Zeit, weil ich noch mal alles durchgehen wollte. Druck, Druck, Druck… Wie viel kann man in zwei Wochen vorher schon noch lernen?? Wenn man es bis dahin nicht drauf hat, ist es eh zu spät. Und wie immer macht man sich nur total verrückt, je mehr Ruhe man vorher hat.
Im Endeffekt hatte ich genug Zeit vorher, aber das tat mir auch gut. Und auch mein Bildungsurlaub hinterher war das beste, was ich machen konnte!

Schlimmstes Ereignis?
Krebsdiagnose von meinem Stiefvater.

Schönstes Ereignis?
– Bildungsurlaub in Dublin ☘️
– Bestandene Bilanzbuchhalterprüfung 🎉

Die gefährlichste Unternehmung?
Vielleicht war es ein bisschen gefährlich, in die Bunker auf Mallorca hinunter zu steigen. Da ging mir schon ein bisschen die Pumpe. Und auch der kleine Ausflug auf die Beleuchterbrücke im Es Fogueró Palace in Alcúdia könnte man wohl als gefährlich bezeichnen. Wer weiß denn schon, ob das alles noch hält???

Die teuerste Anschaffung?
Der Plan war eigentlich eine Overlockmaschine. Damit wollte ich mich zum Bibu-Abschluss belohnen. Aber da ich nicht weiß, welche es werden soll, beschäftige ich mich damit in Ruhe, und verschiebe diese Investition ins neue Jahr.

Das leckerste Essen?
In diesem Jahr war essen doch meistens auch nur Nahrungsaufnahme… Nach meiner bestandenen Prüfung waren wir beim Perser essen. Da ist es immer super lecker. Aber es gab bestimmt noch viele anderen leckere Sachen, die ich bloß einfach vergessen habe.

Das beeindruckendste Buch?
An dieser Stelle kommt mein alljährlicher Verweis auf meine Leselisten. Dieses Jahr bin ich auf den Geschmack von Hörbüchern gekommen. Ich hab sogar auch einige Sachbücher gelesen und gehört, zusammen gefasst über Blinkist. Ich finde das ganz praktisch. (Wenn ihr euch über diesen Link anmeldet, bekomme ich eine Woche Premium-Zugriff.)

Die meiste Zeit verbracht mit?
– dem Namenlosen
– meinen Lernmädels
– meinen Lernunterlagen

Die schönste Zeit verbracht mit?
– dem Namenlosen
– meinen Lernmädels
– Dublin

Die größte Veränderung des Jahres?
Ich glaube ich bin selbstsicherer geworden. Ich hab mal wieder festgestellt, wie ehrgeizig ich sein kann und dass ich Biss habe und durchhalten kann. Und ich habe angefangen mich selbst zu mögen. Ich kann noch nicht von Selbstliebe sprechen, aber ich habe einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, auch wenn ich in den letzten Wochen einen krassen Rückfall in alte Gewohnheiten und alte Denkmuster hatte. Daher fühlt es sich momentan soan, als hätte ich auch wieder zwei Schritte zurück gemacht…

2019 zum ersten Mal getan?
– Bildungsurlaub gemacht
– in Dublin gewesen
– mich richtig richtig richtig entspannt

2019 nach langer Zeit wieder getan?
Mallorca besucht
– beim Ed Sheeran Konzert gewesen
– eine Prüfung geschrieben
– feiern gewesen
– Trauzeugin gewesen

2019 leider gar nicht getan?
Den Job gewechselt. Immer noch nicht…

Wort des Jahres?
Bilanzbuchhalterprüfung

Erkenntnis des Jahres?
Ich bin genug. In jeglicher Hinsicht. Ich muss es mir aber immer wieder bewusst machen, denn noch vergesse ich es öfter.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
– auf die Krebsdiagnose von meinem Stiefvater
– auf die Wartezeit auf die schriftlichen Ergebnisse
– auf den Anflug von Minderwertigkeitskomplexen zum Jahresende

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Mich davon, dass ich genüge.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Hab ich dieses Jahr überhaupt was verschenkt? 🤔 Ich kann mich nicht erinnern. 2019 ist genauso schnell an mir vorbei gegangen, wie 2018. Beide Jahre waren so schnell rum und sie sind so ineinander verschwommen, dass ich manchmal überlegen muss, wann was gewesen ist. Aber ab nächstes Jahr kann ich mir da wieder ordentliche Gedanken drum machen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Als ich vor der Prüfung frei hatte, um noch mal einen Lernendspurt hinzulegen, hat die Post bei mir geklingelt und ein Paket gebracht. Da ich nichts bestellt hatte, war ich äußerst verwundert, was ich da bekommen sollte. Es war Nervennahrungs-kühlen-Kopf-bewahren-Glücks-Überraschungspaket! Darüber hab ich mich riesig gefreut! 😊

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Ich bin sehr stolz auf dich!

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Es war nicht nur ein Satz, es war ein ganzer Brief von meinem vergangenen Ich an mein heutiges Ich. Das hatte ich komplett vergessen und umso gerührter war ich.

2019 war mit einem Wort?
Kräftezehrend.