Frei von der Leber weg

Tag 217 im Home Office

(Achtung hier kommt viel mimimi kotz und jammer)

Der März ist zu mehr als der Hälfte um und heute jährt sich das Home Office. Seit einem Jahr arbeite ich also von zu Hause. Das hätte ich damals auch nie gedacht… Immer wieder gab es damals Verlängerungen um zwei Wochen und immer wieder hatte ich Angst, dass ich ins verhasste Großraumbüro zurück muss. Inzwischen kümmern mich die Ankündigungen, dass das Home Office bis dann und dann verlängert wird nicht, weil ich nicht glaube, dass ich so schnell wieder zurück komme. Und wenn, dann wird es auf freiwilliger Basis sein.

Tja, der Februar ist rum. Es war ein Achterbahnmonat. Der kürzeste Monat, aber gespickt mit den meisten Emotionen… Ich war ja eh schon in einer schwierigen Verfassung im Januar, aber dass unser Hund gestorben ist, hat mich dann richtig in ein Loch gerissen. Inzwischen gehts, aber manchmal muss ich trotzdem noch ein bisschen heulen.

Nachdem ich fast drei Wochen nur geheult, lethargisch rumgesessen und in die Luft gestarrt und mich zurückgezogen hab, hab ich auf den Rat meiner Freundin gehört und bin einfach spazieren gegangen. Auslöser war eigentlich, dass ich ein paar Tage vorher vom Einkaufen zurück kam, und der Sonnenuntergang über dem verschneiten Feld und in der eisigen Luft einfach wunderschön aussah. Also hab ich mich angezogen, hab mein Hörbuch angemacht und bin losgelaufen. Ich wollte ungefähr an die Stelle, wo ich mit dem Auto langgefahren war, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Da gibts eine Brücke, über die Felder kommt man ziemlich direkt hin, das sind ungefähr 2,5km von zu Hause.
Beim Losgehen hab ich mich eigentlich schon gehasst, weil ich solche Spaziergänge jeden Tag mit dem Hund hätte machen können, aber nur ganz selten gemacht habe… Der Hund war einfach immer den ganzen Tag in der Firma und da war er gut aufgehoben. Trotzdem hätte sie sich riesig gefreut, wenn ich jeden Tag oder wenigstens jeden zweiten Tag mit ihr spazieren gegangen wäre…
Unterwegs hab ich dann ausgerechnet auch megaviele Hunde getroffen… ganz schön ätzendes Gefühl, wenn man allein und sinnlos da rumläuft… Ein Hund hat mich angeguckt und ich hab ihn auch angeguckt und konnte auch nicht weggucken, was ihn dann wohl animiert hat auf mich zuzukommen. Der hat mich dann angesprungen und sich auf den Boden geworfen und wollte gekrault werden… da musste ich dann heulen.

Als ich dann an dieser scheiß Brücke angekommen war, sah der Sonnenuntergang wenigstens auch schön aus, aber dann musste ich ja zurück laufen. Und natürlich wurde es dann dunkel… irgendwie hatte ich das nicht so richtig durchdacht. Ich bin dann nämlich an der Straße zurück gelaufen, weil ich im Dunkeln nicht über die matschigen Feldwege laufen wollte. Es wurde immer dunkler, der Weg gefühlt nicht kürzer und dann hab mich mich noch mehr gehasst, weil ich so eine blöde Idee hatte und mir schon alles weh tat… am Liebsten hätte ich den Namenlosen angerufen, dass er mich abholt.
Weil ich am nächsten Tag Muskelkater hatte, hab ich gedacht, ich lauf gleich noch ne Runde, weil mir Bewegung immer gegen Muskelkater hilft. Am dritten Tag hab ich wieder eine kleine Runde gemacht, weil ich gedacht hab, ich könnte mir das irgendwie angewöhnen. Aber danach hatte ich dann keine Lust mehr zu laufen. Jetzt kenn ich ja quasi alle Wege in Laufnähe. Wo soll ich hingehen? Das war auch immer ein bisschen die Ausrede, wieso wir fast immer nur die gleiche Gassirunde gegangen sind. Weil es irgendwie auch nicht viele Möglichkeiten in der direkten Umgebung gibt. Und außerdem war immer noch der Gedanke und das Schuldgefühl so präsent, dass ich jetzt auf einmal spazieren gehe und das früher mit Hund nie gemacht hab.

Wie auch immer. Eine weitere Woche war übestanden und irgendwie sinnvoll gefüllt. Tatsächlich hat es mir ganz gut getan, mal raus zu kommen. Wenistens ab und zu sollte ich das wirklich mal machen. Und ich musste ja wenigstens auch nicht mit meinen Gedanken alleine sein, weil ich ein Hörbuch hatte. Sonst hätte ich mich wahrscheinlich noch schlechter gefühlt.

Dann hatte ich Geburtstag und obwohl ich allen gesagt hatte, dass ich nichts will und nichts brauche, hat meine Mutter mir trotzdem ein riesen Paket geschickt, auf das ich dann schon mal aus Prinzip keine Lust hatte… Aber das hängt mit ihrer Person zusammen.
Das Ding ist, sie hatte ein Geschenk für mich. Trotzdem hat sie mich dann noch gefühlt 20x gefragt, was ich mir denn wünsche, weil sie in ihrem beschränkten Kopf wieder denkt, das Geschenk wäre nicht genug. Nicht groß genug und erst Recht nicht teuer genug… eine Diskussion, die ich schon tausend mal mit ihr geführt habe. Aber sie kriegt es einfach nicht in ihren Schädel, dass es bei Geschenken auf den Geste und nicht auf den Preis ankommt.
Jedenfalls waren in dem Paket zusätzlich zu dem eigentlichen Geschenk noch mehrere kleine Päckchen, in die dann Süßigkeiten, Likör und Kram eingewickelt war… alles einzeln. Ach ja und der Namenlose hatte auch ein Geschenk dabei, damit er nicht nur zugucken muss, wie ich auspacke… ja, der hätte sonst bestimmt angefangen zu weinen.

Ach, ich bin gemein. Bei jedem anderen hätte ich es nett gefunden, wenn für ihn was mit dabei gewesen wär. Aber das geht bei ihr nicht. Und das Geschenk hat mich auch fertig gemacht… Und nicht im positiven Sinne. Sie hat was selbst gemacht und ich kann mir richtig vorstellen, wie sie da Spaß dran hatte uns ich gefreut hat, dass sie das für mich macht und wie stolz sie dann war und hofft, dass ich mich freue… und ich kann es einfach nicht wertschätzen. Ich will es nicht wertschätzen. Weil ich mich von ihr nicht wertgeschätzt fühle und immer nur das Gefühl hatte, ich bin ihr zu viel und unerwünscht. Ich weiß, dass ihr das heute leid tut und dass sie da heute drunter leidet und das gern wieder gut machen würde. Aber es geht verdammte scheiße nun mal nicht! Und ich bin nicht bereit, es einfach unter den Tisch zu kehren.
Eher im Gegenteil. Ich hab im letzten Jahr so viel über die Situation mit ihr nachgedacht und mir sind so viele Sachen bewusst geworden, dieses Ablehnungsgefühl ist so präsent in mir, dass es einfach alles überlagert. Ich kann und will es nicht ausblenden und ich will das Geschenk beschissen finden und am liebsten hätte ich es direkt in den Müll befördert, aber dazu bin ich zu anständig. Da ist noch genug Skrupel in mir, dass ich mich das nicht traue. Also steht es jetzt im Karton im Schrank. Ich will es nicht sehen, schon gar nicht benutzen. Einfach vergessen, dass es da ist.

So und jetzt überlege ich, ob ich diesen Absatz wieder lösche, weil ich mich schlecht fühle, sowas so offen zu sagen… Ich komme mir undankbar vor… na ja…

Tja und generell ist es auch grad irgendwie schwierig. Ich stelle momentan vieles in Frage… Besonders die Beziehung zum Namenlosen. Seit Wochen habe ich das Bedürfnis auszubrechen. Am liebsten würde ich mir mal für 4 Wochen eine Ferienwohnung an der Ostsee mieten und mein Home Office dort hin verlagern. Eine Zeit lang ist mir hier extrem die Decke auf den Kopf gefallen. Im Moment geht es wieder, aber der Gedanke an eine eigene Wohnung ist trotzdem noch ziemlich präsent in mir. Und das zieht natürlich Gedanken nach sich. Ich will ausziehen. Will ich auch Schluss machen? Ich weiß es nicht.
Fakt ist, dass mich viele Sachen und Kleinigkeiten immer mehr stören und aufregen. Ich sag ihm das immer wieder, aber so richtig ändert sich da nichts und wenn ich es zum dritten mal angesprochen hab, komm ich mir langsam auch blöd und nörgelig vor.
Fakt ist aber auch, dass wir uns ja nicht streiten oder sonst irgendwie blöd anmachen. Bis auf diese Kleinigkeiten verstehen wir uns ja. Und diese Kleinigkeiten nerven mich auch unterschiedlich doll. Je nach dem, wie die Grundstimmung bei mir ist. Deshalb weiß ich nicht, ob ich dem ganzen eine so schwerwiegende Bedeutung geben soll. Wird es besser, wenn ich ausziehe? Zumindest ist mein Bad dann sauber und in der Küche nichts verkleckert. Aber macht mich das glücklicher? Jetzt will ich lieber alleine sein, aber wenn ich es dann wirklich bin? Wenn ich dann immer alleine essen muss… würde ich für mich allein überhaupt was kochen? Ist es nicht total deprimierend, wenn man dann am Wochenende alleine zu Hause rumgammelt?
Eigentlich will ich das alles nicht in Frage stellen. Wir verstehen uns ja gut, wir haben den selben Humor, wir haben sehr ähnliche Vorstellungen so ganz generell vom Leben. Trotzdem drängen sich doch immer wieder Fragen in den Vordergrund. Ob wir nicht einfach nur noch aus Gewohnheit zusammen sind. Weil wir die Vorzüge zu schätzen wissen und weil es bequem ist… Ich kann auch überhaupt nicht einschätzen, wie er das ganze sieht. Vielleicht empfindet er das genauso wie ich. Vielleicht fällt er aber auch aus allen Wolken und ist komplett vor den Kopf gestoßen, wenn ich das anspreche. Ich müsste es ansprechen, aber ich weiß nicht wie. Also lass ich es…

If I could turn back time

Montag, 17. August 2020
Tag 96 im Home Office

Seit Tagen versuche ich diesen Eintrag zu schreiben und weiß nicht, wo und wie ich anfangen soll. Es ist so viel… Und ich müsste so weit ausholen. Ich bin überwältigt und überfordert.

Ich habe meinen Papa wieder getroffen. Nach 22 Jahren. Mir treibt es nach über einer Woche immer noch Freudentränen in die Augen, wenn ich daran denke.
Und gleichzeitig könnte ich heulen vor Wut, wenn ich mir bewusst mache, dass wir diese Zeit umsonst verloren haben.

Ich habe wieder Kontakt mit ihm, wir schreiben bei WhatsApp. Es ist noch etwas hölzern, wir wissen beide noch nicht so richtig, was wir sagen sollen. Wir tasten uns vorsichtig wieder aneinander. Ich wüsste gern, wieso unser Kontakt abgebrochen ist. Aber das ist kein Thema für die ersten Gespräche nach 22 Jahren. Das ist außerdem ein Thema, das ich lieber persönlich besprechen möchte. Ich möchte nicht, dass per WhatsApp wieder Missverständnisse aufkommen, weil ein geschriebener Satz falsch interpretiert wird. Und am Telefon… Ich weiß nicht. Nein, das hat Zeit, auch wenn es mir wirklich unter den Nägeln brennt.

Ich hab in der vergangenen Woche meine ganz alten Tagebücher durchgelesen, die noch so richtig oldschool per Hand geschrieben waren. Das war wie eine Zeitreise! Eigentlich wollte ich nur wissen, was ich über die Trennung meiner Eltern geschrieben hab, aber ich hab dann doch alles gelesen 😀 Ich musste teilweise ja wirklich lachen. An so vieles konnte ich mich überhaupt nicht mehr erinnern! Wirklich gar nicht! Aber über das wichtigste, die Trennung meiner Eltern und speziell das Verhältnis zu meinem Papa habe ich nichts geschrieben. Gar nichts! Nur von der Trennung an sich, das hab ich aufgeschrieben und später, dass er seine neue Freundin heiratet und einmal in einem Nebensatz, dass er mich angerufen hat. Daran kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Ich dachte bis letzte Woche, er hätte mich nur noch einmal zu meinem Geburtstag angerufen, aber offenbar nicht.
Ich weiß nicht, ob er regelmäßig angerufen hat. Ich kann mich nicht erinnern und ganz offensichtlich ist meine Erinnerung inzwischen auch verfälscht. Ich hab scheinbar so vieles verdrängt, weil ich es nicht fühlen wollte. Und aufgeschrieben habe ich es auch nicht, weil ich mich damit nicht auseinandersetzen wollte… Und deshalb hab ich scheinbar noch so lange daran zu knabbern gehabt. Ich habe die Trennung eigentlich nie richtig verarbeitet.
Ich weiß nichts darüber, wie es mir damals ging, was abgelaufen ist, was ich gedacht, gefühlt und gesagt habe. Ich weiß nichts darüber, wie es dazu kam, dass ich ihn nicht mehr gesehen habe. Wieso oder überhaupt wann sich der Gedanke manifestiert hat, dass er mich nicht mehr sehen will. Oder dass seine Frau mich vielleicht nicht bei sich haben will. Ich weiß nicht, ob vielleicht doch ich gesagt habe, dass ich ihn nicht sehen will, wobei ich mir das wirklich nicht vorstellen kann. Ich habe ihn geliebt. Ich wollte ihn zurück haben. Unbedingt! Die neue Frau wollte ich damals sicherlich nicht sehen. Aber ihn. Ich wollte ihn so gern zurück haben, das weiß ich! Deshalb bin ich mir eigentlich sicher, dass ich sowas nie gesagt haben kann. Aber wer weiß, was man durch die Verletzung doch so sagt…

Nach dem, was ich aber jetzt erfahren und gefühlt habe, hat er mich nie fallen lassen. Er muss gedacht haben, ich will ihn nicht mehr sehen. Später habe ich sogar seinen Namen abgegeben und den Mädchennamen meiner Mutter angenommen, weil ich immer noch so verletzt war. Das wiederum hat ihn sehr verletzt und getroffen, sodass er wahrscheinlich deshalb dann gar nicht mehr versucht hat, wieder Kontakt aufzunehmen. Das war deutlich, dass ich nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Was grundsätzlich stimmte, denn ich wollte das Thema für mich endlich abschließen können. Mich schützen, weil es mich immer noch so tief getroffen hat.

Als er auf der Einschulungsfeier ankam, waren wir alle im Garten. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten soll. Mir war so bewusst, dass meine Mutter da auch steht und mich hunderprozentig beobachtet. Ich war völlig überfordert und bin ins Haus gegangen, weil mir die Tränen gekommen sind. Vor Freude. Vor Überforderung. Auch ein bisschen vor Schmerz. Ich wollte auch nicht, dass es jemand mitbekommt, keine Szene in der Runde machen, deshalb bin ich rein gegangen.
Keine zwei Minuten später kam er hinterher. Wir standen uns kurz gegenüber, haben uns kurz angeguckt und dann kam er auf mich zugelaufen und ich bin auch auf ihn zugegangen und dann haben wir uns gedrückt und ich war einfach glücklich. Es war mir auch egal, dass ich geschwitzt war, obwohl ich dann ja immer nicht so auf Körperkontakt abfahre 😉 Ich wollte ihn nur festhalten und eigentlich gar nicht mehr loslassen und hab mir eine längere Umarmung eingefordert. Er wollte dann die Umarmung lösen, aber ich hab festgehalten und dann hat auch er mich noch mal fest gedrückt.

Ich weiß nicht mehr so richtig, was wir dann geredet haben. Es war so oberflächlich, irgendwie auch nur, um die Spannung zu lösen. Es hat gefragt, ob ich einen Freund habe, ob wir verheiratet sind, wieso nicht, wieso er nicht da ist… Eigentlich hat er mich gar nicht richtig antworten lassen, sondern gleich die nächste Frage gestellt. Er wollte irgendwie alles gleichzeitig wissen. Und ich stand da und musste die ganze Zeit vor Glück heulen.
Ich stand einfach nur da und hab nur reagiert, nicht selbst agiert. Ich kam mir vor, wie wieder 14. Als wäre die Zeit stehen geblieben und wir hätten da angeknüpft, wo wir aufgehört hatten. Das war ein ganz seltsames Gefühl. Ich bin erwachsen aber habe mich gleichzeitig klein, verletzlich und wie ein Kind gefühlt.
Als ich den ersten Schock überwunden und mich ein wenig beruhigt hatte, hat er mich an die Hand genommen und raus gebracht und mich seinem Sohn und seiner (inzwischen ja nicht mehr ganz so neuen) Frau vorgestellt. Das war seltsam. Echt. Die Frau, von der ich bis dahin dachte, sie wäre schuld an allem… Weil ich nicht glauben konnte und wollte, dass er oder ich schuld an allem sein sollen.

Meine Mutter saß derweil den ganzen Abend wie festgewachsen auf ihrem Platz und ich war mir ihrer Augen sehr bewusst. Deshalb hab ich mich viel zu wenig getraut, seine Nähe zu suchen. Aber ich hab ihm Gelegenheit gegeben, meine Nähe zu suchen. Als die Kinder zB. grad nicht im Planschbecken waren, bin ich da durchgewatet und hab die Abkühlung genossen und dann kam er zu mir und wir haben geredet. Ich weiß gar nicht mehr was… Ich weiß nur noch, dass ich ihn eigentlich die ganze Zeit nur anschauen wollte und mich eben wieder wie ein Kind gefühlt habe.

Meine Omi hat sich derweil länger mit seiner Frau unterhalten. Ein paar Dinge hat sie mir hinterher erzählt: Als sie ihn kennen gelernt hat, hat er zu ihr gesagt, dass sie sich darüber bewusst sein muss, dass er zwei Kinder hat. Zwei. Das schließt mich mit ein.
Das heißt sie hat nie zu ihm gesagt „Dein leibliches Kind kann gern her kommen, das andere nicht.“
Und er hat nie gesagt, dass er mich nicht mehr sehen will.

Trotzdem habe ich das gedacht. Und ich weiß nicht, wie ich darauf gekommen bin.

Diese Erkenntnis lässt also nur den Schluss zu, dass er gedacht haben muss, dass ich ihn nicht mehr sehen will. Und das muss ich herausfinden, ob ich das jemals gesagt haben. Auch wenn ich mich an kaum etwas aus der Zeit erinnern kann und man im Streit oder aus einer Verletzung heraus Sachen sagt, die man hinterher bereut, das kann ich mir wirklich nur schwer vorstellen!

Was ich mir aber inzwischen vorstellen kann, ist,dass meine Mutter das zu ihm gesagt hat. Ich habe im Gespräch mit meiner Omi noch einiges über sie erfahren und ich hab auch mit meiner Schwester gesprochen… Es würde zu ihr passen. Er hat sie verlassen und durch eine jüngere ersetzt. Sie war in ihrem Stolz verletzt. Und das einzige, womit sie ihn dann richtig verletzen konnte, war mich ihm vorzuenthalten, weil sie wusste, dass er mich geliebt hat und wie gut unser Verhältnis war. Entweder hat sie ihm gesagt, dass ich ihn nicht mehr sehen will, oder dass er sich von mir fernhalten soll.
Der Gedanke kam mir erst am Wochenende und ich traue es ihr zu. Meine Omi traut es ihr zu. Meine Schwester traut es ihr zu. Alle beiden sagen unabhängig von einander, das es zu ihr passen würde.
Irgendwann finde ich es raus.
Jetzt bin ich erstmal glücklich, dass mein Papa wieder da ist.

Das mit dem „sich selbst lieben“

Das ist etwas, das ich wohl noch nie getan habe. Ich mag mich nicht mal selbst so wirklich. Eben hab ich meine alten privaten Einträge durchforstet und es zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben… traurig…

2009:
ich hab mich noch nie auffällig gekleidet. immer graue maus. nie auffallen. immer in der masse verstecken. wieso? wieso hab ich zb ein problem damit, wenn andere leute mich anschauen? einen rock zu tragen finde ich noch heute in fast jeder situation unpassend. an mir jedenfalls. ich komme mir immer gleich überzogen aufgetakelt vor. an anderen frauen sieht es immer gut aus. und passend. stilvoll. schick. wieso an mir nicht?

2010:
wieso bin cih so eine graue maus? wieso bin cih manchmal sogar unsichtbar? wieso bin cih keine elegante frau? wieso fühle ich mich nicht als frau? wieso sehen die tollen klamotten von anderen an mir scheiße aus? wieso kann ich nicht wie jemand anders sein? wieso kann ich nicht jemand anders sein?
wieso kann ich nicht einfach zufrieden mit mir sein???

2015:
Ich renn halt auch iiiiiimmer gleich rum. Jeans und ein Pulli. Jeans und ein Shirt und Strickjacke. Immer gleich. Ich find mich ja selbst langweilig. Und ich brauch mich nicht wundern, dass man mich jünger schätzt. Ich finds nicht schlimm, jünger geschätzt zu werden. aber damit einher geht auch, dass man mich unterschätzt und mir weniger zutraut.

Der A-Figurtyp
Das liest sich für mich so:
– Ihr Oberkörper ist zart, aber Ihr Unterkörper ist völlig unproportional massig
– Ihre Schultern sind schmal, aber Ihre Hüften sind fett
– Ihre Taille ist schlank und deutlich ausgeprägt, weil Ihr Arsch riesig ist
– Ihr Po ist fett und schwabbelig
– Ihre gesamten Beine sind fett, sogar Ihre Knie und Fesseln!!
– Sie haben kurze Stummelbeine
Ach man, es ist echt eine Katastrophe. So denk ich oft über mich… Wie soll man da Spaß am Shoppen haben, wenn diese Gedanken immer im Kopf sind, wenn man was anprobiert…

2016:
Ich mache mich selbst fertig, indem ich vor dem Spiegel stehe und mich kritisiere. Indem ich mir selbst sage, wie schwabbelig mein Arsch ist. Indem ich mich einfach nicht akzeptiere.
Irgendwie muss ich es mal schaffen, dass ich nett zu mir bin.

2017:
Wieso kritisiere ich mich ständig selbst?
Wieso bin ich laufend unzufrieden mit mir?
Wieso fühle ich mich so oft ungenügend?

Ich bilde mir ein, dass alles besser wird, wenn ich mit meinem Körper zufrieden wäre. Aber selbst wenn die Speckfalten am Bauch weg sind, dann ist da immer noch der schwabbelige, große Hintern. Und die weichen, wabbeligen Oberschenkel. Und die fetten Waden mit den Stumpenfesseln, die in fast keine Stiefel oder Boots passen.
Aber auch wenn das alles weg wär… na ja, dann wärs halt was anderes.
Ich bin nicht sehr nett zu mir. Wenn ich mit anderen so reden würde, wie mit mir ihn meinem Kopf, dann würde niemand mehr was mit mir zu tun haben wollen… Und wenn andere was nettes zu mir sagen, dann ist es nicht so, dass ich das nicht glauben will. Ich würde es gern glauben, aber ich kann irgendwie nicht. Ich erlaube es mir nicht, das zu glauben…
Manchmal habe ich auch kurze Momente, in denen ich dann zu mir sage, dass ich gar nicht so fett bin, oder dass ich gar nicht so hässlich bin, oder sowas… Aber ich formuliere es immer so rum.

Der Namenlose und ich hatten zB vor einer Woche Jahrestag und sind essen gegangen. Und natürlich hab ich mich da auch mal mehr zurecht gemacht. Mit Lidstrich und Lippenstift. Und der Namenlose war richtig geplättet, als ich aus dem Bad kam… Aber der Kommentar, den ich für mich übrig hatte, war „Siehst schon gar nicht so scheiße aus, wenn du dich mal zurecht machst“ und nicht „Du siehst hübsch aus!“ Das fällt mir sogar schwer über mich zu schreiben. Ich sah hübsch aus an dem Abend. In dem Moment, wo ich das schreibe, zuckt meine Augenbraue nach oben.
Manchmal, wenn ich hier auf der Arbeit aufs Klo gehe, dann sehe ich mich im Augenwinkel von der Seite im Spiegel. Und manchmal gucke ich mich dann an und dann denke ich manchmal, dass ich ja gar nicht so fett bin. Nicht „Du hast eine gute Figur“ (und wieder fällt mir das Schreiben total schwer), sondern „Du bist gar nicht sooo fett.“ Aber ich stelle auch fest, dass diese Wirkung viel mit der Kleidung zusammen hängt. In manchen Klamotten wirke ich schmaler als in anderen. Das hängt davon ab, wo die Oberteile enden. Logisch. Aber trotzdem erstaunlich, wie viel mal so rein optisch beeinflussen kann.
Wenn ich mich dann allerdings nach dem duschen nackt im Spiegel sehe, da kann nix mehr kaschiert werden… Früher habe ich mich dann echt fertig gemacht. Hab in die Bauchspeckfalte gekniffen und bemängelt, wie viel ich da zwischen den Fingern hab, oder den Hintern angeschwabbelt und angewidert die Augen verdreht… heute mache ich das seltener. Nicht, weil ich mich nicht selbst runter machen will, sondern weil ich mich einfach ignoriere.
Ich schaue mich kaum im Spiegel an. Ich gucke mir nicht ins Gesicht, außer morgens zum Augenbrauen nachziehen und Wimpern tuschen. Ich gucke mich auch nicht nackt an. Mir fällt meine Speckfalte auf, meine weichen Oberschenkel, die innen komplett aneinander reiben, meine dicken Arschbacken, die Cellulite haben… Aber ich seh das nur im äußeren Blickfeld. Ich versuche einfach gar nicht hinzugucken.
Ich mag meinen Körper nicht. Ich widme ihm dadurch auch nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient hätte (und der Namenlose somit auch…) Ich habe auf den großen Zehnägeln noch Nagellackreste vom Sommer… Und der Nagellack war im Sommer auch nur drauf, weil ich sonst nicht mit offenen Schuhen gelaufen wäre. Meine Beine rasiere ich alle paar Wochen mal. Ich mache nie Gesichtsmasken oder Haarkuren. Zum Jahrestag hab ich mir seit Moooooooonaten mal wieder die Augenbrauen gezupft und gefärbt, weil es halt mal einen Anlass gab. Gott sei Dank sind die sonst blond, sonst hätte ich schlimmer ausgesehen als Bert aus der Sesamstraße. Meine Fingernägel sind jetzt auch mal ok und ich bemühe mich seit einer Woche, nicht mehr so viel an den Nagelbetten rumzuknibbeln… Es sieht allmählich besser aus. Nur noch drei entzündete Stellen.

Aber ich weiß nicht wo ich anfangen soll, wie ich anfangen soll, mich zu mögen. Mir ist klar, warum ich mich mögen sollte, aber ich weiß nicht, was ich an mir mögen soll… und wie… Ich bin wie ein Fremder für mich, mit dem man einfach nichts zu tun hat, zu dem man kein Verhältnis hat. Obwohl das stimmt ja so auch nicht. Ich habe ein Verhältnis zu mir, ein gestörtes, ein schlechtes. Aber da ich mich zB so wenig wie nötig im Spiegel angucke, mich so wenig wie nötig mit mir beschäftige, gehe ich fast dazu über, gar kein Verhältnis mehr zu mir zu haben. Harte Worte… Aber so ist das.

Gibt es irgendwas, was ich an mir mag?
Nachdem ich jetzt 8 Minuten darüber nachgedacht hab, ist mir trotzdem nichts eingefallen, außer „Ich mag meine Brille“. Aber immerhin. Als Kind/Teenie mochte ich meine Brille überhaupt nicht, hab dann über 10 Jahre nur Kontaktlinsen getragen und bin vor 4 oder 5 Jahren wieder zur Brille zurückgekehrt.
Vielleicht mag ich noch, dass ich doch irgendwie zielstrebig bin und mir selbst schon ein paar mal bewiesen habe, dass ich Sachen durchziehen kann. Und vielleicht mag ich auch noch, dass ich manchmal ganz witzig bin (und gleich hab ich das Bedürfnis, das wieder zunichte zu machen, indem ich sage „Ich wünschte ich wäre viel öfter so witzig und schlagfertig“…)
Ich hab da wohl einen ziemlich langen Weg vor mir.

Projekt: Ausstrahlung

Ich weiß nicht, obs das Wetter ist, oder ob ich grad mal wieder „Hormone“ hab, aber gestern hat mich die Kleidung einer Kollegin ganz schön angefressen. Es ist die alte Leier: Ich bin eine unscheinbare graue Maus.

Manchmal frage ich mich, ob ich verrückt werde, denn ich möchte zB im Einkaufszentrum an einer Menschentraube vorbei und sag „Entschuldigung, darf ich mal durch?“ und keiner reagiert. Sowas erlebe ich öfter mal und dann frage ich mich, ob ich zu leise bin. Also sag ich das bewusst lauter, als ich es normalerweise sagen würde, und trotzdem reagiert keiner. Manchmal ärgert mich das nur, manchmal frage ich mich aber, ob ich was gesagt hab, oder ob ich mir das nur eingebildet hab… Fast schon schizophren 😉
Aber vielleicht bin ich nur einfach die kleine, graue Maus, die in der Masse untergeht und eben einfach übersehen wird.

Und das hat mich gestern wieder angefressen, weil meine Kollegin immer hübsch angezogen ist und ich einfach neidisch bin, dass sie so eine Ausstrahlung hat und ich nicht. Dass dieses Kleid gestern an ihr einfach hübsch und normal aussieht, und ich mir gleich verkleidet und overdressed vorkäme.
Ich will mich nicht verkleiden, ich will keine Rolle spielen, für die die schickimicki Klamotten dann ein Kostüm sind. Ich will nicht steif und unnahbar wirken. Ich bin nur irgendwie neidisch auf die, die einen Raum betreten und plötzlich ist dieser hell und voll.

Wenn ich auch im Lehrgang die anderen Mädels sehe, die sind fast alle gut angezogen. Angemessen für die Arbeit. Ich komm mir da manchmal vor, wie ein Trampel der sich seit der Schulzeit nicht weiter entwickelt hat.
Aber natürlich ist ein Kapuzenpulli viel bequemer als ein Blazer, aber mit einem Blazer strahlt man eben gleich was anderes aus. Oder wenn man Pumps statt Turnschuhen trägt. Selbst wenn man bei der legeren Jeans bleibt: Mit Pumps und einem Blazer ist man eben gleich „angezogen“. Oder wenn man ein schlichtes Oberteil an hat (und mein Schrank besteht eigentlich nur aus schlichten und unscheinbaren Oberteilen), dann reicht vielleicht schon eine Kette, als Hingucker…

Also hab ich mit der Sturmtochter (menno… ich kann mich an den Namen nicht gewöhnen…) einen Plan ausgearbeitet:

1. Blazer kaufen
Ich habe einen Blazer in beige, der mir eigentlich nicht so steht, glaube ich. Den habe ich auch nie angehabt, außer auf den beiden letzten Bewerbungsfotos, die ich gemacht habe. Und dann habe ich einen grauen Blazer, der zu einem Hosenanzug gehört und mir inzwischen bestimmt zu eng ist.
Ich kann mich erinnern, dass ich den Blazer-Versuch schon mal gestartet hab, vor ein paar Jahren. Aber ich hab nichts passendes gefunden und daher alles wieder zurück geschickt. Nicht jede Länge und nicht jede Kragenform steht mir…

2. Ketten bzw. Accessoires kaufen
Ich habe zwei Ketten, die ich nie trage. Eine ist schwarz angelaufen, weil sie unecht ist. Und außerdem schlagen sie genau auf den Schreibtisch auf, wenn ich dran sitze. Deshalb trage ich auch keine Armbänder oder Armreifen. Wobei bei Armreifen zusätzlich das Problem besteht, dass die mir meistens zu groß sind und von der Hand rutschen.
Aber Schmuck ist dazu da, sich zu schmücken. Also kann ich meine unscheinbaren Oberteile weiter tragen und fühle mich vielleicht nicht mehr ganz so grau.

3. Schuhe kaufen
Das versuche ich schon länger. Aber es gibt nichts was mir gefällt. Oder was mir passt. Ich hätte zum Beispiel auch gern mal neue Stiefel für den Winter, aber ich krieg sie über meine fetten Waden einfach nicht zu. Schon mal gar nicht mit Hose drin. Ok… damit muss ich mich wohl abfinden. Aber ich muss zumindest mal ein paar neue knöchelhohe Schuhe finden. Mit ein bisschen Absatz. Bürotauglich. Aber es gibt im Moment einfach nur hässliche Schuhe!!

Und wenn dann einer im Büro sagt „uuuuuh so schick heute“, dann muss ich da drüber stehen, es eine Woche aushalten und dann ist hoffentlich jemand anderes Gesprächsthema Nummer 1.

Bei dieser ganzen Aktion geht es mir darum, dass ich anders wahrgenommen werden möchte. Ich bin fast 35 und hab so oft das Gefühl, dass man mich nicht ernst nimmt und mich oft übergeht. Grad auf der Arbeit.
Dass ich nicht wahrgenommen werde und in der Masse untergehe, das war früher als Teenie bewusst mein Ziel. Ich hab mich in weiten, großen Schlabberpullis versteckt, ich wollte nicht auffallen. Hab keine engen Jeans oder kurzen Röcke getragen. Ich bin einmal angegrabscht worden und irgendwie hab ich gedacht, dass ich keine Angriffsfläche mehr bieten darf, also darf ich möglichst nicht auffallen und darf schon gar nicht auch nur ansatzweise aufreizend sein. Deshalb hab ich mich auch nie geschminkt. Es war Fluch und Segen zugleich: Niemand hat mich mehr angegrabscht, aber für meine erste große Liebe war ich eben auch nur die hässliche Brillenschlange.

Ich kann halt auch schlecht damit umgehen, wenn Männer glotzen. Und es gibt immer die zwei, drei Exemplare, die das tun. Und das ist einfach so ekelhaft. Deshalb ziehe ich mich auch heute noch möglichst unscheinbar an um dieses ekelhafte Glotzen zu vermeiden… Ich kann mir auch nicht sagen „Lass sie doch glotzen, sollen sie doch“. Ich finds eklig, ich fühle mich dann direkt unwohl und verunsichert. Ich falle dann irgendwie in diese Grabsch-Situation zurück, in der ich wirklich Angst hatte. Und ich habe, wenn einer so eklig glotzt, Angst, dass der gleich aufsteht, zu mir kommt und mich auch angrabscht, weil er denkt, ich hätte ihn mit meinem Aufzug dazu aufgefordert.
Puh… tiefschürftende Erkenntnisse, die mir teilweise während des Schreibens jetzt erst kamen…

Na ja, ich will jedenfalls keine graue Maus mehr sein, was ja nicht automatisch bedeuten muss, dass ich in Etuikleidern zur Arbeit gehe. Aber ich brauch ein bisschen mehr Farbe. Im übertragenen Sinne.

Albträume

Heute stehe ich irgendwie neben mir.
Ja, Zähne hab ich geputzt, aber ich hab mir die Haare nicht gekämmt. Ich sehe aus wie… na ja, grad aufgestanden. Wenigstens hab ich eine Hose an und bin unfallfrei im Büro angekommen.

Ich habe mal wieder geträumt. Und ich kann mich erinnern:
Ich hab geträumt, ich schreibe meine Prüfung. Wir saßen draußen in einem Innenhof. Es war nicht überdacht, aber da waren so Holzstreben quer drüber, an denen Efeu oder Wein oder irgendwas gewachsen ist. Die Ranken hingen stellenweise runter. Jeder hatte einen eigenen Tisch und wir bekamen unsere Prüfung. Ich kann mich nicht an die Aufgabe erinnern, aber ich konnte sie nur mehr schlecht als recht beantworten. Die zweite Frage ging mir total ab.
Ich saß da und hab vor mich hingedacht. Hab versucht die Antwort in meinem Kopf zu finden, statt einfach mit der nächsten Frage weiterzumachen. Alle anderen haben geschrieben wie wild.

Dann fing es an zu nieseln und wir sollten reingehen. Drinnen saßen wir bei grellem, künstlichen Licht. Es war unruhig, einige haben getuschelt. Ich hab mich nicht getraut mit jemandem zu reden, weil ich nicht durchfallen wollte.
Dann saß plötzlich jemand mit an meinem Tisch. Scheinbar waren drinnen nicht genügend Tische. Mit den tausend dicken Gesetzesbüchern, den Prüfungsfragen, Lösungs- und Schmierpapier war es dann doch ganz schön eng auf dem Tisch. Als mir das bewusst wurde, hab ich nach rechts geschaut. Es war ein Mädchen aus meiner Schulklasse, die mich da angestrahlt hat.
Ich konnte die zweite Frage immer noch nicht beantworten.

Dann war irgendwie Mittagspause. Es gab ein Buffett mit indischen Gerichten. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie die das jetzt überprüfen wollen, dass sich niemand über die Prüfung unterhält und sich gegenseitig hilft. Ich hab mit niemandem gesprochen, ich wollte nicht wegen Betrugsversuch durchfallen. Ich wollte was essen, hab aber keinen Teller gefunden. Irgendwann hatte ich einen ganz alten, der war schon gesprungen und sah schmutzig aus und ein Stück war abgeplatzt. Dann hab ich mir etwas zu essen drauf getan, aber irgendwie gar nicht gegessen.
Ich hab einen der Dozenten, der das Prüfungsfach unterrichtet, sagen hören, dass er doch hofft, dass wir gut zurecht kommen und ihm keine Schande bereiten.

Plötzlich war ich in einem Hausflur, der mich jetzt im Nachhinein an das Wohnheim erinnert, wo ich während des Studiums gewohnt habe. Ich bin mit dem Fahrstuhl nach unten gefahren, mit mir war noch ein Rollstuhlfahrer und seine Pflegerin. Ich war unter Zeitdruck, weil ich zur Prüfung zurück musste, aber wir mussten dann wegen der anderen beiden auf dem 3. Stockwerk noch anhalten.
Endlich unten angekommen hatte ich keine Schuhe an, ich hatte nur schnell meine Filzhausschuhe beim rausgehen gegriffen. Das alte Paar, mit dem Loch in der Sohle. Die hab ich dann angezogen und bin losgerannt zurück zur Prüfung.
Weil ich schnell vorangekommen bin, dachte ihc noch, das kann kein Traum sein, das muss echt sein, weil ich normalerweise in Träumen nicht vorankomme, wenn ich renne. Dann klebe ich immer auf der Stelle. Dann war da wieder der Dozent, der gerufen hat, ich solle mich doch mal beeilen. Und dann kam ich wieder nur wie Kaugummi vorwärts.

Als ich wieder im Prüfungsraum saß, fiel mir auf, dass ich nicht mal eine Hose an hatte…

Oh man… also das sind so viele worst case Szenarien in einem, dass ich es gar nicht fassen kann! Und wenn das jetzt schon losgeht, dass ich sowas träume, na dann herzlichen Glückwunsch. Sind ja nur noch 11 Monate bis zur Prüfung… Und eigentlich hatte ich in den letzten Tagen eher ein ziemlich zufriedenes Gefühl, weil sich mir so langsam die ganzen komplexen Zusammenhänge erschließen, weil ich sogar Steuerkram auf Anhieb verstehe und Fragen dazu richtig beantworte. Eigentlich gibt es also keinen Grund, in so eine Panik zu verfallen.
Ich hoffe, das legt sich wieder.

Zumindest haben wir gestern die Weihnachtsplanung auf die Reihe gekriegt. Der Namenlose hat keine Lust hinzufahren, aber er kommt mit, weil er ja auch einsieht, dass es halt mal wieder für ihn dran ist 😉
Wir buchen die Ferienwohnung. Ich hoffe meine Schwester ist mir da nicht böse, aber andersrum ist es für sie vermutlich auch eher erleichternd, wenn nicht zwei Leute da sind, die sich zwischen den Kindern auch noch ins Bad drücken und deren Betten und Koffer da rumstehen, und man eigentlich nicht mehr treten kann. Das Haus ist einfach nicht ausgelegt für 4 Erwachsene und zwei Kinder. Sie sollte darüber nachdenken, die Garage auszubauen 😀
Meine Mutter wird wahrscheinlich höchst beleidigt sein, dass wir nicht bei ihnen schlafen, wenn wir nicht bei meiner Schwester schlafen… die haben nämlich ein relativ großes Gästezimmer, aber ich will das nicht. Außerdem müssten wir dann immer fahren, weil die nämlich im Nachbardorf wohnen und nicht fußläufig erreichbar. Und so würden wir das Gästezimmer auch nicht blockieren, denn bestimmt will meine Omi da übernachten ;D (Worauf meine Mutter bestimmt tierisch Bock hat. Nicht. Also soll sie sich mal nicht so anstellen, wenn ich keinen Bock hab, bei ihr zu übernachten.)

Dem Namenlosen hab ich versprochen, dass ich mich stark zusammenreiße an Weihnachten. Ein Albtraum, aber ich muss mich da irgendwie unter Kontrolle kriegen. Bisher war das immer so, dass ich schon Tage vorher komplett genervt war, wenn ich wusste, ich muss ihr begegnen.
Ich hab da in letzter Zeit auch wirklich viel drüber nachgedacht, wieso das so ist. Ich weiß nicht wieso ich plötzlich darüber nachdenke. Vielleicht weil ich wusste, dass Weihnachten ansteht, und weil ich selbst auch will, dass das Problem endlich mal gelöst wird. Dabei kann ich es gar nicht benennen.

Ich kann meine Gefühle meiner Mutter gegenüber schwer definieren. Ich hasse sie jetzt nicht, so schlimm ist es nicht. Aber ich mag sie auch nicht. Es ist aber auch nicht neutral. Eher negativ. Ich kann ihr nicht sagen, dass ich sie lieb habe. Eigentlich kann ich das niemandem sagen. Aber ihr schon mal gar nicht, weil es gelogen wäre. Das ist der Hauptknackpunkt.
Ich dachte immer, ich kann meiner Mutter nicht sagen, dass ich sie lieb habe, weil sie es mir nie gesagt hat. Aber ich kann es ihr nicht sagen, weil es einfach nicht so ist. Anderen kann ich es nicht sagen, weil ich es nie gehört hab. So wird ein Schuh draus.
Das löst und benennt aber trotzdem noch nicht das eigentliche Problem.

Ich hab sogar überlegt, ob ich mal in eine Therapie gehe, um herauszufinden, was ich eigentlich wirklich für ein Problem hab, denn ich komme einfach nicht selbst drauf.
Ein kleines Aha-Erlebnis hatte ich neulich, als ich mal mit meiner Schwester telefoniert hatte, und genau das Thema auf den Tisch kam. Dass halt jeder merkt, wie genervt ich bin. Alle sind dann angespannt… Also, ich hatte immer angenommen, dass ich mich gut zurückhalte – offenbar hab ich mich da vollkommen fehleingeschätzt…
Meine Schwester und meine Mutter hatten da schon mal drüber gesprochen und meine Mutter hat wohl zu ihr gesagt, dass ich mich so wenig melde, dass sie gar nichts mehr über mich weiß, dass es ihr vorkommt, als hätte sie nur noch eine Tochter. Und da schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: Dann hat sie doch, was sie immer wollte.

Und jetzt frage ich mich, ob das die simple Lösung sein soll. Aber das verstehe ich nicht, denn dass sie mich nicht wollte, ist mir nicht erst in dem Telefonat mit meiner Schwester bewusst geworden. Dass sie mich nicht wollte… tja, das weiß ich eigentlich schon immer. Zuerst wusste ich nur, dass ich nicht geplant war. Aber irgendwie war mir schon mit 9 Jahren aufgrund ihres Tonfalls und der Art, wie sie das gesagt hat, bewusst, dass ich dieser Unfall klein Glücksfall war… später hat sie es im Streit auch deutlicher gesagt. Spätestens da wären alle Hoffnungen darauf, dass ich kein schlimmer Unfall war, vernichtet gewesen.
Aber wie gesagt, dieses Wissen hab ich schon so lange, dass das doch jetzt nicht der Auslöser für meinen Unwillen sein kann, mich auch nur 5 Minuten mit ihr auseinander zu setzen?! Vor allem ist das auch erst jetzt in den letzten paar Jahren so schlimm geworden. Es gab Zeiten, da haben wir wöchentlich stundenlang telefoniert. Hab ich zu dieser Zeit dieses Wissen einfach ausgeblendet? Und was war der Auslöser dafür, dass es dann jetzt so präsent ist, dass es sich so stark auf mein Verhalten auswirkt? Und werde ich jetzt, wo ich vermute, dass dieses Wissen der Auslöser sein könnte, entspannter sein?

Freunde-Werdegang

Im Moment analysiere ich mich mehr oder weniger selbst. Ich denke ne ganze Menge über mich nach, vor allem darüber, warum ich so bin, wie ich bin, und warum ich mich so verhalte, wie ich es tue. Und ob ich etwas daran ändern kann.
Ich hab schon immer Schwierigkeiten gehabt, Freunde zu finden. Aktuell fällt mir das im Bilanzbuchhalterlehrgang wieder auf. Und da hab ich mal versucht meine Freunde-Laufbahn zu rekonstruieren.
Achtung, das ist sehr sehr lang geworden. Muss ich auch keiner antun 😉

Ich hab zu einer einzigen Schulfreundin Kontakt. Mehr oder weniger. Früher haben wir regelmäßig telefoniert, das ganze ist aber inzwischen doch sehr eingeschlafen. Aber egal, ich habe zu sonst niemandem Kontakt. Dabei wäre es so ein Leichtes heutzutage über Facebook die Leute zu finden. Manchmal mach ich mir ja die Mühe und finde einige. Und über deren Freundeslisten dann die nächsten… Aber ich sende niemandem eine Freundschaftsanfrage.
Ich trau mich nicht, denke, die wollen eh nichts mit mir zu tun haben, erinnern sich vielleicht nicht mal an mich… vielleicht war ich ja so unwichtig…
Ich mein, mal ehrlich, es ist ja nicht so, dass man automatisch eine Freundschaft hat, nur weil man bei Facebook verbunden ist. Aber warum soll ich mit Leuten dort verbunden sein, die ich seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen habe.
Wenn ich bei FB so durchstöbere, was ich manchmal tue und dann wehmütig werde, dann bin ich doch überrascht, wie wenig die sich teilweise verändert haben. Oder ich bin erschrocken, wie fertig manche aussehen. Im Grunde würde es mir erstmal nur darum gehen, meine Neugier zu befriedigen. Was ist aus allen geworden. Aber gleichzeitig denke ich mir, wozu interessiert mich das noch? Es ist doch völlig egal.

Ich habe zu meinen Grundschulklassenkameraden nie wieder Kontakt gehabt, das war allein durch die weiterführende Schule bedingt. Und nach dem Abi hab ich auch nur zu ganz wenigen aus dem Gymnasium Kontakt gehalten.
Ich weiß gar nicht wieso nicht. Weil sich halt alles verstreut hatte. Ich bin weggezogen, hatte noch dazu einen total dämlichen Freund wegen dem ich dann auch an der Uni keine Freunde hatte… Ich war halt jedes zweite Wochenende bei ihm, das andere WE dazwischen immer bei meinen Eltern, aber an diesen Wochenenden habe ich nur meine Vereinsfreundschaften gepflegt und keine Schulfreundschaften. Eigentlich hatte ich damals auch kaum noch Schulfreunde…

Ich war in der Schule eigentlich immer ein Außenseiter. Ich war schlau (das klingt jetzt nach Eigenlob… aber ist halt so), meine Eltern hatten wenig Geld, daher hatte ich nie die neusten Klamotten oder so. Ich habe mich auch nie für Klamotten oder Schminke interessiert. Aber das hat auch meine Mutter nicht, ich habs also nie von ihr gelernt, oder dieses Verhalten übernehmen können. Ich hatte auch keine Freundin, die da Ambitionen hatte und von der ich was hätte lernen können. Daher war ich natürlich bei den Mädchen raus und für die Jungs uninteressant weil ich so ein Spätzünder war. Dabei war ich so doll in Steffen verknallt… hach 😉
Ja, also ein richtiges Kind war ich. Ich hab mir mit 16 oder 17 das erste mal die Beine rasiert, hab mir dann heimlich einen Rasierer gekauft und den in meinem Schreibtisch versteckt. Meine Mutter hat das selbst auch nie gemacht, wieder etwas, das ich nicht von ihr übernehme und ich dachte wohl, sie würde böse werden, wenn sie das mitbekäme.
Meine Freundin, die einzige, die ich damals hatte, hat es dann auch erst gemacht, nachdem ich es mal gemacht hatte. Ihre Mutter war da ähnlich wie meine. Eher einfach, praktisch, ohne Schminke, ohne viel Chichi. Beine rasieren? Pf… die Natur wird schon wissen, wozu die da dran sind. Ist mir außerdem viel zu umständlich und hat man früher ja auch nicht gemacht.

Meine einzige Freundin die ich damals hatte, das war eigentlich Zufall mit ihr. Wir waren in der Grundschule in Parallelklassen, aber am Gymnasium waren wir dann in einer Klasse und wir haben um die Ecke gewohnt. Sind jeden Tag zur Schule und zurück gelaufen. In unserem ersten Sommer haben wir immer auf einer Bank gesessen, bevor sich unsere Wege getrennt haben, haben eeeewig gequatscht, irgendwann Hausaufgaben gemacht. Als es kälter wurde, bin ich jeden Tag mit zur ihr gegangen und erst zum Abendbrot nach Hause. Das blieb dann auch im nächsten Sommer so. Statt der Bank saßen wir dann bei ihr zu Hause auf dem Balkon.
Irgendwann haben wir Mädchenzeitschriften gelesen, über Jungs gesprochen… das typische eben. Nur geschminkt oder eingekauft, das haben wir nie. Wir haben uns beide nicht so richtig dafür interessiert.
Wir waren uns so ähnlich… beide so graue Mäuse, Brillenschlangen, ein bisschen hässlich, naja oder halt hässliche Entlein. Keine hat also so richtig von der anderen profitiert. Klamottenstil? Oh Gott, hatten wir nicht. Turnschuhe, Jeans und halt irgendein Pullover. Ich am besten noch mit nem Pferd drauf 😉 Wir haben unsere Pubertät zusammen verbracht, waren zusammen in England auf Sprachreise in der gleichen Gastfamilie. Eigentlich waren wir jahrelang unzertrennlich und mit ihr hab ich echt über alles gesprochen… Nur nicht über die Trennung meiner Eltern. Das war etwas das ich mit mir selbst ausgemacht hab, glaube ich. Ich weiß es nicht mehr. Ich glaube ich hab nie mit ihr darüber gesprochen. Aber hat sie nicht gefragt? Ich hätte doch bestimmt erzählt, wenn sie gefragt hätte? Bzw. sie hat vielleicht gefragt, wie es mir geht und ich hab gesagt gut, und damit war das erledigt. Aber sie hat nie gebohrt, glaube ich. Ich weiß es nicht mehr…

Wir sind nach England gefahren. 2 Wochen auf Sprachreise und drei Tage vorher hat mein Vater sich getrennt. Ich weiß nicht mehr, ob wir darüber gesprochen haben, als wir in England waren. Von England weiß ich eh nicht mehr viel. Nur dass ich tausende Pferdefotos gemacht hab, von den Koppeln die in der Nähe unserer Gastfamile waren, dass das Essen immer zu Brei gekocht war und dass ich in London einen Polizisten fragen musste, wo wir lang müssen, weil die anderen sich nicht getraut haben.
Ich hatte meinen Vater unter Tränen gebeten, dass er noch da ist, wenn ich zurück komme. Ich hab ihm einen Flaschenöffner mit Union Jack drauf mitgebracht. Als meine Mutter mich vom Bus abgeholt hat, hab ich einen Schock bekommen. Sie war abgemagert und sah scheiße aus… Mein Vater war weg…

Kleiner Exkurs… Mit meiner besten Freundin ging es auseinander, als sie ihren ersten richtigen Freund hatte. Da müssen wir so um die 16 gewesen sein. Das war ein richtiger Idiot. Ich hab ihn gehasst. Zum einen, weil sie keine Zeit mehr für mich hatte… sie war ja Wochenende immer bei ihm und unter der Woche hat sie von ihm erzählt, worauf ich keine Lust hatte. Zum anderen fand ich ihn hässlich und dumm. Wie zu erwarten war, ging das auch irgendwann auseinander, aber unsere Freundschaft war auch kaputt und ich hab sie seit dem Abi nicht mehr gesehen.
Vor ein paar Jahren hat meine Mutter sie mal getroffen, da schob sie einen Kinderwagen. Sie hat ihr meine Nummer gegeben und wir haben 2 SMS hin und her geschrieben. Ich hatte ihr nichts mehr zu sagen. Vielleicht hätte ich die Chance nutzen sollen, mich zu entschuldigen, aber hätte hätte…

Als sie ihren Freund hatte, das war auch ungefähr zu der Zeit, in der ich dem Verein damals beigetreten bin. Und auch die Zeit, in der wir mit meiner Mutter zu ihrem neuen Mann aufs Dorf gezogen sind. Da war ich wohl so 16/17.
Ich hab mich dann also auf meine Vereinsfreunde konzentriert. Das war eine größere Gruppe und dort hatte ich auch ein paar Freunde.
Die Mädels da waren so anders. Die haben sich geschminkt, sind shoppen gegangen, hatten tolle Klamotten. Das war beeindruckend für mich. Ich hab mich angefreundet mit denen, ich weiß gar nicht, ob ich auch zu der Zeit angefangen hab, zumindest mal Wimperntusche zu benutzen. Zu den Mädels hab ich aber immer aufgeschaut, obwohl sie jünger waren als ich. Sie wirkten so viel erwachsener als ich. Ich eine plumpe Trulla… die waren halt Mädchen, nach denen sich die Jungs umgedreht haben… Auf eine war ich sehr neidisch, weil sie so hübsch war, so ein Puppengesicht hatte, so eine unfassbare Unbeschwertheit hatte, die mir so völlig abging. Ich war irgendwie noch nie so unbeschwert. Ich mache mir schon immer um Sachen Gedanken, über die andere nicht nachdenken. Was andere Leute zB. von mir denken… Das hab ich von meiner Mutter. Denn die hat immer zu mir gesagt, ich soll mich immer und überall benehmen, es könnte ja sein, dass mich einer sieht, der mich kennt. Wenn ich mich also falsch verhalte, kommt das bestimmt bei ihr an.
Was sie damit bezwecken wollte war, dass ich mich halt benehme. Was es aber tatsächlich bezweckt hat, war eine gewisse Paranoia beobachtet zu werden. Dadurch war ich immer total gehemmt mal aus mir raus zu gehen. Anwandlungen dazu hab ich auch heute noch immer mal wieder…

Mit einigen von den Mädels war ich dann enger befreundet, aber über alles hab ich mit denen auch nicht gesprochen. So wie ich schon die Trennung meiner Eltern mit mir selbst ausgemacht hab, hab ich auch später vieles nur mit mir selbst ausgemacht. Ich hab auch nie mit jemandem darüber gesprochen, dass mir meine beste Freundin gefehlt hat…
Ich kann mich erinnern, dass das Puppengesicht immer mal wieder vor sich hingekichert hat, weil sie Kopfkino hatte oder weil ihr was Lustiges eingefallen ist. Ich hab darauf immer reagiert und gefragt was los ist. Sie hat nie geantwortet, sondern immer nur gesagt „nichts“. Ich habe mich dann selbst darauf konditioniert nicht mehr auf ein Kichern zu reagieren, um mir diese Abfuhr zu ersparen. Diesem Impuls „Wasn?“ zu fragen zu widerstehen. Und das ist noch heute so. Ich reagiere einfach nicht, wenn jemand kichert. Wenn der Namenlose, oder egal wer… wenn jemand was liest und lacht, oder auch einen überraschten Laut ausstößt, oder seufzt oder wie auch immer reagiert, ich reagiere nicht. Weil ich gelernt habe, dass ich sowieso eine Abfuhr bekomme.
Achtet mal drauf. Ihr fragt bestimmt ganz automatisch „Was?“ wenn euer Partner lacht oder irgendwie auf etwas reagiert, bevor ihr darüber nachgedacht habt, ob ihr fragen wollt.
Ok, also danke für diese Erkenntnis, ich schätze, ich wirke dadurch manchmal ignorant. Memo an mich: Wieder „Was?“ fragen!

Joa das mit den Vereinsfreunden ging aber auch auseinander, nachdem ich zum Studium weggezogen bin und meinen ersten Idiotenfreund hatte. Aber nachdem ich den endlich los war, hab ich mich dem Verein wieder angenähert, auch, weil ich in der Unistadt ja keine Freunde hatte.
Und so richtig ging es dann auseinander, nachdem ich mit einem von denen zusammen war und wir uns getrennt hatten und mit dem Puppengesicht, zu der ich ja trotzdem so aufgeschaut hab und mit der ich trotzdem ganz gut befreundet war, kurz zusammen gewohnt hatte, dabei aber festgestellt habe, dass wir überhaupt nicht zusammen wohnen können. Denn nicht nur auf „Wasn?“ hab ich ne Abfuhr bekommen, sie hat viel ihr Ding gemacht, hat gegessen, wenn sie Hunger hatte aber hat nicht gefragt, ob ich mitessen will… sowas halt. Noch dazu war sie am WE zu Hause im alten Vereinsfreundeskreis, zu dem ich aber seit der Trennung von dem Vereins-Ex nicht mehr richtig dazugehört habe. Und ich war wieder alleine.

Also habe ich versucht mir einen Unifreundeskreis aufzubauen und bin ins Wohnheim umgezogen. Das Puppengesicht fand das natürlich kacke und seit dem hab ich sie auch nicht mehr gesehen.
Ich hatte ja noch keine Unifreunde, weil ich den Idiotenfreund hatte. Ich war am Wochenende entweder bei ihm oder bei meinen Eltern und war deshalb beim ganzen Kennenlernprozess nicht dabei.
Manchmal frage ich mich, was passiert wäre, wenn das anders gelaufen wäre… Da gab es damals den Hans, der echt ganz süß war und der fand mich auch gut. Das hab ich gemerkt. Aber dem hab ich vor den Kopf gestoßen mit meiner Äußerung über meinen Idiotenfreund. Wenn ich den verleugnet hätte, dann wär vielleicht alles ganz anders gekommen 😉
Aber gut, der Versuch Freunde im Wohnheim zu finden, hat ja funktioniert. Aber dann habe ich „ihn“ kennen gelernt, bin zu ihm gezogen, mit ihm dann zusammen weit weg und ich hatte wieder keine Freunde. Die Entfernung haben auch die paar wenigen Unifreund- und -bekanntschaften einschlafen lassen und ich stand wieder da.

Eine von den Unifreundinnen hätte tatsächlich das Potential zu einer neuen besten Freundin gehabt. Mit der hab ich wirklich über so viele Sachen gesprochen. Neulich hab ich mal wieder kurz mit ihr geschrieben, aber ich denke unsere Zeit ist einfach auch vorbei. Da lag jetzt zu viel kontaktlose Zeit dazwischen.
Als mein Studium den Bach runter ging und ich in Depressionen und Burn-Out gefangen war, hab ich auch nicht mit ihr drüber gesprochen. Ich hätte es wahrscheinlich machen können, aber ich konnte nicht. Was wohl eher damit zusammenhing, dass ich mir selbst noch nicht eingestehen konnte, wie schlecht es um mich steht. Dass damit Zukunftsängste zusammen hängen. Was sollte denn bloß aus mir werden? Ich wusste ja nicht mal was ich wollte… Was wollte ich werden? Noch mal studieren und Gefahr laufen noch mal zu scheitern? Wie soll ich eine Ausbildung anfangen, wo soll ich denn wohnen? In dem Studentenwohnheim hätte ich ja schlecht bleiben können… Wovon sollte ich denn eine Wohnung bezahlen? Mein Leben bisher hatte ich durch Kindergeld und Bafög finanziert. Zum Geburtstag und Weihnachten gabs Finanzspritzen von Omi. Als das Bafög nach 4 Semestern wegen nicht abgelegter Zwischenprüfung gestrichen war, hat mich das übers Jahr gebracht. Außerdem hatte ich genug Bafög bekommen, und davon noch so viel gespart, dass ich weiterhin nicht arbeiten musste… Ich hab mich zeitweise von Toast mit Ketchup ernährt, was ich nicht mal schlimm fand. Ich war es gewohnt immer wenig zu haben und sehr sparsam zu sein.

Tja, das Studium… Ich habe Zeit verplempert, in der ich hätte studieren sollen, aber ich hab einfach gemerkt, dass das nichts für mich ist. Ich war nicht vorbereitet auf das. Ich war komplett überfordert damit, so selbstorganisiert leben zu müssen. Lernen zu müssen. In der Schule musste ich nie lernen! Und ich hatte einfach niemanden, mit dem ich darüber reden konnte.
Mein erster Freund, den ich kurz vor dem Studium kennen gelernt hatte, der war eh viel zu blöd dazu. Der hatte nur kiffen und von Stütze leben im Kopf. Aber zu Anfang war es ja auch noch nicht so schlimm. Ich dachte noch, das schaff ich schon irgendwie. Als ich von dem endlich getrennt war, hatte ich keinen, mit dem ich drüber reden konnte. Mit meinem Vereins-Ex hab ich das nicht besprochen. Mit Puppengesicht auch nicht. Ich hatte gedacht, durch den Umzug ins Wohnheim und Freunde aus meinem Studiengang, da wird das schon. Aber es wurde nicht und mit meiner Unifreundin hab ich auch nicht drüber gesprochen, weil ich mir nicht eingestehen wollte, zu blöd zum studieren zu sein, den falschen Weg gewählt zu haben, versagt zu haben…

Als ich mit „ihm“ dann weggezogen war, war das der Moment für den Neuanfang.
Das Studium hatte ich geschmissen und nicht versucht hier zu beenden, hab die Ausbildung angefangen und hatte da versucht ein paar Freunde zu finden. Das hat ja auch einigermaßen geklappt, mit 3 anderen Mädels hab ich mich auch noch ein paar mal danach getroffen, aber die hatten immer nie Zeit und irgendwann hab ich es aufgegeben.
Tja, dann stand ich wieder alleine da…

Alle Versuche scheitern irgendwie…
Die Weiber aus meinem Ort, von denen hab ich ja schon oft genug erzählt. Ich hab es nie geschafft mich richtig in diese Gruppe zu integrieren. Einen richtigen Bezug zu ihnen aufzubauen. Sie auch an mich heran zu lassen.
Eine von denen wohnt noch in dieser Stadt. Alle anderen sind auch in die Umgebung gezogen. Haus gekauft, neuen Job woanders, Partner mit Haus kennen gelernt… Ich bin ja auch nicht mehr da.
Also hab ich es in meiner Arbeitsstadt versucht. Von Kunstgeschichte hatte ich ja mal erzählt, allerdings hat die mich öfter versetzt, als dass wir uns getroffen haben. Noch dazu zieht sie jetzt aber auch weiter weg, arbeitet zwar trotzdem hier, aber ich schätze auf Dauer wird sie sich dort was neues suchen…

So. Also steh ich am Anfang. Es ist ein Teufelskreis, wenn ich es nicht langsam schaffe, aus meinen Verhaltensmustern auszubrechen. Wenn ich es nicht schaffe, mich anderen zu öffnen und einfach mal auch einen Schritt auf die anderen zuzugehen.