Sommer-Body-Challenge

Mittwoch, 10. Juni 2020
Tag 54 im Home Office

28 Tage, 21 Trainigs. Ich hab es durchgehalten. Ich bin schon so ein bisschen stolz auf mich. Man sieht es ein kleines bisschen, aber ich hatte mir irgendwie mehr erhofft… Ja, das ist vermutlich naiv. Und ich bin halt wieder so blöd, dass ich mich von vorher-nachher-Bildern auf Instagram blenden lasse, die beschönigt sind. Wenn ich nämlich meinen Bauch anspanne und so, dann sieht es auch ganz anders aus und ist ein großer Unterschied zu vorher. Aber ich stand vorher auf meinem Foto entspannt da und hab den Bauch nicht eingezogen, also mach ich das auch auf dem nachher-Bild nicht.

Da ich mich vorher nicht wiegen konnte, weil die Batterien unserer Waage leer sind, weiß ich nicht, ob sich mein Gewicht verändert hat. Aber vermutlich nicht, oder eher nach oben. Ich habe spürbar Muskeln am Bauch und an den Armen bekommen. An den Beinen kann ich es nicht so sagen, aber an den Armen fällt es auf und am Bauch merke ich es, wenn ich ihn anspanne.
Da ich mich also nicht wiegen konnte, hab ich ja Umfänge gemessen, weil ich dachte, dass das wohl die sicherste Variante ist, um einen Fortschritt festzustellen. Tatsächlich sind aber die Veränderungen aber absolut nicht nennenswert und liegen im Bereich zwischen +/- 0,5 bis 1 cm. Das könnte aber auch an Messfehlern liegen, weil ich vielleicht nicht exakt die gleiche Stelle gemessen hab oder das Maßband vielleicht etwas enger oder lockerer gehalten hab. Nur am Bauch hab ich tatsächlich 5cm verloren. Im direkten Fotovergleich ist es ein deutlicher Unterschied, aber da ich nie enge Klamotten trage, fällt das Außenstehenden wahrscheinlich gar nicht auf.
Wie gesagt, es ist naiv von mir gewesen, mich mit diesen Bildern vergleichen zu wollen… Immerhin ist ein Anfang gemacht.

Tja, also das Hochgefühl am Ende des Trainings fehlt aber noch immer. Ich weiß nicht, ob das jemals kommt. Ich weiß nicht, ob ich das jemals hatte. Doch, vermutlich schon. Es gab ja mal Zeiten, wo ich viel Sport gemacht hab, als meine Hamburgfreundin noch hier gewohnt hat, bin ich ja auch regelmäßig mit ihr ins Fitnessstudio gegangen. Da hab ich mich hinterher schon gut gefühlt. Sie ist an allem Schuld, weil sie weggezogen ist, hab ich damals aufgehört Sport zu machen 😉 Alleine hatte ich einfach keine Lust hinzugehen. Dann hatte ich mir mal ein andres Fitti gesucht war da auch ab und zu, aber ich hab auch viel zu lange für nix bezahlt…

Also ich bin stolz auf mich, dass ich das durchgezogen hab. Die vier Wochen waren doch jetzt viel schneller rum, als ich anfangs gedacht hätte. Das Pensum war und ist hart, aber ich habe mich verbessert. Am Anfang konnte ich keine Übung in der schweren Variante ausführen, inzwischen schaffe ich einige. Aber trotzdem ist es immer noch so, dass ich keines der Trainings einfach runterreißen kann. Es kommt immer der Punkt, an dem ich die Übung nicht mehr halten kann und wo ich absetzen muss oder zur leichten Variante schwenken muss. Aber wie gesagt, es ist besser geworden!
Das Home Office hat viel dazu beigetragen, dass ich das durchgezogen hab. An 5 Tagen die Woche zu trainieren ist zeitlich schon aufwendig. Die Trainings dauerten zwischen 40 und knapp 80 Minuten (insgesamt, also mit Warm up und Cool down) und so wie ich mich kenne, hätte ich mich oft nicht mehr dazu aufgerafft, wenn ich erst um halb 5 oder so zu Hause gewesen wäre. So habe ich eigentlich immer unmittelbar nach Feierabend angefangen. Manchmal habe ich sogar die Mittagspause genutzt (und überzogen). Am Wochenende hab ich dann immer vormittags gleich trainiert, weil ich nachmittags keine Lust dazu gehabt hätte.

Meine Haltung hat sich sehr verbessert. Auf dem vorher-Foto von hinten ist es mir so richtig aufgefallen, wie schlecht meine Haltung ist und wie krumm ich dastehe. Das ist viel besser geworden. Und auch meine Rückenschmerzen, die ich vom vielen Sitzen doch oft mal hatte, sind viel besser geworden.
Morgen fahre ich jetzt erstmal zu meiner Schwester und mache den Rest der Woche nichts (außer vermutlich mit meinen Neffen Fangen spielen und Trampolin springen). Aber am Montag will ich wieder anfangen und weiter machen. Ich weiß noch nicht womit. Ob ich einfach die gleiche Challenge noch mal mache, oder eine andere… Das weiß ich nicht. Aber ich habe mir Sportleggings gekauft (und eigentlich auch Schuhe, aber die waren erst gefühlt zu klein, aber die Nummer größer war auch nicht viel bequemer, also bin ich noch auf der Suche…) und die sollen ja jetzt nicht umsonst gewesen sein. In den Outfits komme ich mir gleich supermegasportlich vor… Und wenn ich darin so an mir runtergeschaue, dann finde ich schon, dass man die 4 Wochen sehen kann. Wenn ich dann aber nach dem Duschen nackt vor dem Spiegel stehe… na ja… dann empfinde ich das nicht so. Mein Fokus liegt mehr am Po und Oberschenkeln und da hat sich eben noch nichts getan, am Bauch sieht man es wie gesagt schon.

Love yourself

Freitag, 15. Mai 2020
Tag 39 im Home Office

Mal wieder was zum Thema Selbstliebe. Damit hab ichs ja nicht so, obwohl ich mir Mühe gebe und auch bereits Fortschritte erzielt habe. Es ist fast ein Jahr her, dass ich beschlossen habe, nichts mehr auf die Meinung anderer zu geben. Aber dieses Gefühl, das sich damals in mir breit gemacht hat, ist auch mit der Zeit wieder schwächer geworden. Dazu kam eine Unzufriedenheit mit meiner körperlichen Verfassung.
Ich habe zugenommen. Ich bin selbst bei zwei Stockwerken völlig außer Atem. Ich schaffe 25 Hampelmänner, und dann kollabiere ich fast. Mein Zustand ist definitiv nicht gesund und ich gefalle mir so auch nicht. Aber wie soll ich mich akzeptieren und sogar lieben, wenn ich mir nicht gefalle? Ich muss also was ändern.

Ich muss.

Das war wohl bisher so der Knackpunkt. Ich wusste immer, dass ich was ändern muss, aber ehrlich gesagt war ich zu faul dazu. Ich hatte keine Lust auf Sport. Immer hatte ich eine Ausrede. Zwei, drei mal hab ich mir ein Aerobic-Video rausgesucht und das gemacht und war nach 20 Minuten derartig am Arsch und am pumpen, dass erst recht keine Lust hatte, weiter zu machen.
Ich hatte auch keine Lust weniger zu essen. Wobei man sagen muss, dass es nicht an der Menge liegt, sondern an den Zutaten. Aber wenn ich Sahne an meine Soße machen will, dann will ich da Sahne dran machen. Und wenn ich Bock auf einen Döner habe, dann will ich einen essen. Ich will auch mal ein Stück Kuchen oder ein Eis essen. Fakt ist: Ich will mich nicht kasteien. Deshalb hab ich die Zuckerverzicht-Sache auch nach drei Tagen wieder aufgegeben.
Als ich gestern einkaufen war, hab ich nämlich mal auf die Zutatenlisten geachtet. In so gut wie jedem Lebensmittel ist Zucker drin. In jeder Wurst ist Zucker drin. Was soll ich denn dann noch essen? Ich will nicht nur Käse essen, der ist nämlich ohne Zucker. Und ich will auch nicht nur Obst und Gemüse essen. Es gibt auch so viel, was ich nicht mag und irgendwie bleibt da gefühlt nichts mehr übrig.
Also, wenn da jetzt 2g Zucker auf 100g in dieser Wurst sind… ja, drauf geschissen!

Außerdem hilft mir die Ernährung nicht, die Treppe ohne zu kollabieren hoch zu laufen.
Also bleibt wieder nur die alte Leier: Sport. Ich muss Sport machen. Und irgendwie will ich es jetzt auch mal. Ich hab auf Youtube so eine 4 Wochen Sommer-Body Challenge gefunden und ich will das jetzt mal durchziehen. Ich muss nicht, aber ich will.
Drei Tage hab ich schon geschafft und ich habe Muskelkater ohne Ende und zwar überall. Ich laufe wie gehbehindert die Treppe runter, ich kann mich nur unter ächzen auf die Couch setzen, wobei das eher ein fallen lassen als ein setzen ist und die letzten beiden Nächte bin ich wach geworden, weil ich beim Umdrehen meinen Muskelkater gespürt habe. So unfit bin ich und so wenig Muskeln habe ich, dass mich 15 Squats und Sit-ups so fertig machen!
Ich schaffe es nicht immer, alle Übungen durchzuhalten und ich musste bisher immer die einfache Variante einer Übung machen, weil ich es körperlich einfach nicht anders geschafft habe, aber ich will das jetzt mal die 4 Wochen durchziehen. Deshalb erzähle ich auch davon. Das baut mehr Druck auf 😉 (Ja ich komme mir blöd wegen der superkurzen Zuckerverzichts-Sache vor. Noch blöder komme ich mir vor, wenn ich das Sport-Ding jetzt nicht durchziehe!) Ich hab sogar Vorher-Fotos gemacht, die ich dann doch etwas erschreckend fand und deshalb hier nicht zeige 😉
Ich werde berichten. Tag 1, 2 und 3 von 28 sind geschafft. Morgen ist Pause und Sonntag geht es weiter. Drückt mir die Daumen!

Jahresrückblick-Stöckchen 2019

Der alljährliche Jahresrückblick… hier für 2019.
Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und alles Gute für 2020! Ein neues Jahrzehnt startet. Endlich wieder eins, das man ordentlich aussprechen kann. Die 20er. Die neuen 20er… Obwohl ja genau genommen das neue Jahrzehnt erst am 1.1.21 beginnt… Aber wir wollen mal nicht so sein.

Zugenommen oder abgenommen?
Auf jeden Fall zugenommen! Mein Konsum an Süßigkeiten (insbesondere Snickers und Lachgummi-Milchgeister), Chips und vor allem Alkohol hat sich über die letzten Monate des Jahres auf ein Level gesteigert, von dem ich nicht wusste, dass ich es vertrage. Eigentlich wird mir bei Süßkram schnell schlecht. Aber meine Toleranzgrenze ist da deutlich angestiegen. In einer Tüte Milchgeister sind angeblich 11 Portionen. Aha… Bei mir waren es höchstens 1,5. Manchmal sogar nur eine Portion 🤷🏼‍♀️ Und für Silvester mit den Burger-Freunden bin ich bestens vorbereitet. Ich werde alle unter den Tisch saufen!

Mehr Geld oder weniger?
Dank tariflicher Erhöhung mehr. Ich kann meinen Arbeitgeber eigentlich nicht verlassen 🤔

Der hirnrissigste Plan?
Überstunden anhäufen zu wollen, um meine Frei-Zeit vor und nach der Prüfung auszudehnen… Ich wollte nämlich hinterher zwei Wochen richtig schön weit wegfahren und vorher brauchte ich aber auch Zeit, weil ich noch mal alles durchgehen wollte. Druck, Druck, Druck… Wie viel kann man in zwei Wochen vorher schon noch lernen?? Wenn man es bis dahin nicht drauf hat, ist es eh zu spät. Und wie immer macht man sich nur total verrückt, je mehr Ruhe man vorher hat.
Im Endeffekt hatte ich genug Zeit vorher, aber das tat mir auch gut. Und auch mein Bildungsurlaub hinterher war das beste, was ich machen konnte!

Schlimmstes Ereignis?
Krebsdiagnose von meinem Stiefvater.

Schönstes Ereignis?
– Bildungsurlaub in Dublin ☘️
– Bestandene Bilanzbuchhalterprüfung 🎉

Die gefährlichste Unternehmung?
Vielleicht war es ein bisschen gefährlich, in die Bunker auf Mallorca hinunter zu steigen. Da ging mir schon ein bisschen die Pumpe. Und auch der kleine Ausflug auf die Beleuchterbrücke im Es Fogueró Palace in Alcúdia könnte man wohl als gefährlich bezeichnen. Wer weiß denn schon, ob das alles noch hält???

Die teuerste Anschaffung?
Der Plan war eigentlich eine Overlockmaschine. Damit wollte ich mich zum Bibu-Abschluss belohnen. Aber da ich nicht weiß, welche es werden soll, beschäftige ich mich damit in Ruhe, und verschiebe diese Investition ins neue Jahr.

Das leckerste Essen?
In diesem Jahr war essen doch meistens auch nur Nahrungsaufnahme… Nach meiner bestandenen Prüfung waren wir beim Perser essen. Da ist es immer super lecker. Aber es gab bestimmt noch viele anderen leckere Sachen, die ich bloß einfach vergessen habe.

Das beeindruckendste Buch?
An dieser Stelle kommt mein alljährlicher Verweis auf meine Leselisten. Dieses Jahr bin ich auf den Geschmack von Hörbüchern gekommen. Ich hab sogar auch einige Sachbücher gelesen und gehört, zusammen gefasst über Blinkist. Ich finde das ganz praktisch. (Wenn ihr euch über diesen Link anmeldet, bekomme ich eine Woche Premium-Zugriff.)

Die meiste Zeit verbracht mit?
– dem Namenlosen
– meinen Lernmädels
– meinen Lernunterlagen

Die schönste Zeit verbracht mit?
– dem Namenlosen
– meinen Lernmädels
– Dublin

Die größte Veränderung des Jahres?
Ich glaube ich bin selbstsicherer geworden. Ich hab mal wieder festgestellt, wie ehrgeizig ich sein kann und dass ich Biss habe und durchhalten kann. Und ich habe angefangen mich selbst zu mögen. Ich kann noch nicht von Selbstliebe sprechen, aber ich habe einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, auch wenn ich in den letzten Wochen einen krassen Rückfall in alte Gewohnheiten und alte Denkmuster hatte. Daher fühlt es sich momentan soan, als hätte ich auch wieder zwei Schritte zurück gemacht…

2019 zum ersten Mal getan?
– Bildungsurlaub gemacht
– in Dublin gewesen
– mich richtig richtig richtig entspannt

2019 nach langer Zeit wieder getan?
Mallorca besucht
– beim Ed Sheeran Konzert gewesen
– eine Prüfung geschrieben
– feiern gewesen
– Trauzeugin gewesen

2019 leider gar nicht getan?
Den Job gewechselt. Immer noch nicht…

Wort des Jahres?
Bilanzbuchhalterprüfung

Erkenntnis des Jahres?
Ich bin genug. In jeglicher Hinsicht. Ich muss es mir aber immer wieder bewusst machen, denn noch vergesse ich es öfter.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
– auf die Krebsdiagnose von meinem Stiefvater
– auf die Wartezeit auf die schriftlichen Ergebnisse
– auf den Anflug von Minderwertigkeitskomplexen zum Jahresende

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Mich davon, dass ich genüge.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Hab ich dieses Jahr überhaupt was verschenkt? 🤔 Ich kann mich nicht erinnern. 2019 ist genauso schnell an mir vorbei gegangen, wie 2018. Beide Jahre waren so schnell rum und sie sind so ineinander verschwommen, dass ich manchmal überlegen muss, wann was gewesen ist. Aber ab nächstes Jahr kann ich mir da wieder ordentliche Gedanken drum machen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Als ich vor der Prüfung frei hatte, um noch mal einen Lernendspurt hinzulegen, hat die Post bei mir geklingelt und ein Paket gebracht. Da ich nichts bestellt hatte, war ich äußerst verwundert, was ich da bekommen sollte. Es war Nervennahrungs-kühlen-Kopf-bewahren-Glücks-Überraschungspaket! Darüber hab ich mich riesig gefreut! 😊

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Ich bin sehr stolz auf dich!

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Es war nicht nur ein Satz, es war ein ganzer Brief von meinem vergangenen Ich an mein heutiges Ich. Das hatte ich komplett vergessen und umso gerührter war ich.

2019 war mit einem Wort?
Kräftezehrend.

Das Sommerkleid

Ich habe heute ein Kleid an! Im Büro! Das hab ich im Leben noch nicht gemacht. Zumindest nicht im Sommer. Im Winter, wenn ich Stiefel anziehen konnte, die meine Waden versteckt haben, dann hab ich das schon ab und zu gemacht. Aber eigentlich kann ich es an einer Hand abzählen.

Die letzten Tage war es unglaublich warm. Im Büro ja eher nicht, da ist es klimatisiert und es zieht mir eigentlich eher. Aber wenn ich Schule hab, dann muss ich halt auch noch in der IHK ein paar Stunden aushalten… Und da sind lange Ärmel und geschlossene Schuhe nicht so angebracht.
Bisher gabs also das Zwiebelprinzip und ich hatte Wechselschuhe im Auto. Letzte Woche hab ich mich irgendwann getraut und ein neues (selbstgenähtes) Kleid zur IHK angezogen. Ich hab mich im Auto umgezogen, weil ich mich nicht getraut habe, das Kleid gleich morgens schon zur Arbeit anzuziehen. Außerdem hatte ich Angst, dass ich sonst im Büro friere. Das hab ich am Dienstag auch wieder gemacht. Also 2x in kürzester Zeit mit Sommerkleid im Alltag. Absolute Premiere für mich!

Gestern sollten es 39 Grad werden (und verdammt, mein Auto hat das auch tatsächlich angezeigt!!) und da hab ich schon kurz überlegt, ob ich das nun auch mal im Büro ein Kleid tragen soll… hab mich aber nicht getraut. Zumindest hatte ich aber mal Sandaletten an und gar nicht so schlimm kalte Füße gehabt, wie befürchtet. Zur Not geh ich halt mal raus und wärme mich wieder auf, hab ich mir gedacht 😉 Und zur allergrößten Not hätte ich Ballerinas im Auto gehabt.

Heute hab ich wieder Schule und ich stand vor dem Kleiderschrank und hab überlegt, was ich heute für den Nachmittag einpacke. ich muss ja schon sagen, dass ich sogar recht viele Kleider hab, die ich aber kaum trage. Ich hab ein paar Sommerkleider, die ich im Urlaub an hatte, aber ich hab sogar auch drei bürotaugliche Kleider, eins mit kurzen, zwei mit längeren Ärmeln, die ich aber bisher nur an hatte, wenn wir zum Jahrestag essen gegangen sind…
Heute morgen dachte ich mir dann „scheiß drauf“ es ist Sommer, es ist warm, ich will auch mal ein Kleid anziehen! Ein paar Kolleginnen haben auch immer ein Kleid an in letzter Zeit… Und die frieren ja auch nicht… Und wie gesagt, zur Not geh ich kurz vor die Tür. Aber wie ich heute früh schon gemerkt hab, reicht es, wenn ich ein Stockwerk die Treppen hoch steige, um in Schweiß auszubrechen…

Ich trage also heute ein Kleid!
Und niemand hat einen dummen Spruch gemacht.
🙂

Ein großer Schritt zur Selbstliebe

Gestern habe ich beschlossen, dass es mir egal ist, was andere Leute denken. Gestern habe ich einfach eine kurze Hose angezogen, als wir wählen gegangen sind. Weil ich das wollte. Weil es warm war. Weil ich mich wohl gefühlt hab. Mit mir und in meinem Körper. In kurzen Hosen und flachen Schuhen. Und zum ersten Mal habe ich nicht darüber nachgedacht, ob jemand hinter mir läuft und über meine Waden lästert. Weil es da nichts zu lästern gibt.
Ich saß im Auto, meine weichen Oberschenkel haben aus der kurzen Hose rausgeguckt uns sahen im sitzen so richtig breit aus. Gestern habe ich zum ersten Mal nicht abfällig darüber gedacht. Meine Hand lag auf den Oberschenkeln und zum ersten Mal habe ich nicht reingekniffen um die Dicke der Speckschicht abzuwägen. Sondern ich habe drüber gestreichelt und einfach nur die Haut wahrgenommen. Meine Oberschenkel sind eben so. Ja, ich könnte sie trainieren, aber wenn ich es nicht mache, weil ich dafür gerade nicht so viel Zeit habe und mir die Zeit auch nicht nehme, dann ist es auch nicht schlimm. Im Gegenteil. Ich akzeptiere meine Oberschenkel.
Gestern habe ich mich zum ersten mal wohlwollend im Spiegel angesehen. Liebevoll. So habe ich mich noch nie angeschaut. Ich habe mein Spiegelbild mit „Na, Hübsche!“ bedacht. Unwillkürlich. Nicht, um mich selbst zu manipulieren. Nicht wie ein „Du bist schön, glaub an dich“-Mantra, das irgendwann in Fleisch und Blut übergehen soll sodass man irgendwann anfängt es zu glauben, sondern einfach ganz unbewusst.
Gestern hatte ich auch zum ersten mal das Bedürfnis, mir etwas gutes zu tun. Mich einzucremen nach dem duschen. Nicht einfach nur, weil meine Haut trocken ist und sonst juckt, sondern um mich damit zu verwöhnen. Ich hab darüber nachgedacht, mir die Nägel zu lackieren, aber dazu möchte ich erstmal die angeknibbelten Nagelbetten heilen lassen. Ich habe zum ersten mal drüber nachgedacht mir ein Kleid zu kaufen, um es im Alltag zu tragen. Nicht nur im Urlaub, wo mich keiner kennt. Oder in der Freizeit, wenns einfach nicht anders geht, weils so heiß ist.

Dieses Gefühl, das sich seit gestern in mir breit macht ist einfach schön. Es ist schwer zu beschreiben und irgendwie so pathetisch, aber zum ersten Mal fühle ich mich genügend. Ich fühle mich größer, aufrechter. Strahlend. Ich mag mich auf einmal, ich empfinde Zuneigung für mich. Ich akzeptiere und mag meinen Körper so wie er gerade ist. Und es tut mir wirklich leid, dass ich so lange so nachlässig mit ihm war und so lange so bösartig und gemein zu mir selbst war. Ich möchte mich selbst in den Arm nehmen und mich entschuldigen! Niemand hat verdient, dass man so mit ihm umgeht. Erst recht nicht man selbst.

Man mag mich nicht mehr oder weniger, wenn ich superdünn und austrainiert bin. Man mag mich, weil ich bin, wie ich bin. Weil ich tue, was ich tue. Weil ich für andere da bin. Weil ich ehrlich bin. Und das ist die schönste Eigenschaft, die man haben kann. Das ist es, was einen Menschen schön macht. Empathiefähigkeit, Selbstlosigkeit, sich für andere aufrichtig freuen können. Das ist es, was mich ausmacht, das ist es, was mich von innen schön macht. Meine Waden sind vielleicht unproportional zum Rest. Na und? Meine Oberschenkel sind weich. Na und? Ich habe ständig blaue Flecken an den käseweißen Beinen, weil ich mich ständig irgendwo stoße. Na und? Und das meine ich so, wie ich es sage. Mein Körper ist, wie er ist. Aber das ist es nicht, was mich als Mensch ausmacht. Und wenn andere mich darauf reduzieren… na ja… dann ist es mir egal. Dann sollen sie das oberflächlicherweise tun. Diese Menschen gehören nicht in mein Leben. In mein Leben gehören die anderen, die mich so akzeptieren und lieben, wie ich bin.

Ich wünsche mir, dass ich mir dieses Gefühl bewahren kann, dass ich diese Einstellung zu mir behalten kann. Ich fühle mich so gut seit gestern, einfach so innerlich zufrieden und glücklich. So habe ich mich noch nie gefühlt und ich möchte mich nie wieder anders fühlen. Ich habe kapiert, dass ich einfach liebenswert bin. So wie ich bin. Weil ich so bin, wie ich bin. Und dass ich mich so auch mögen darf und muss. Ich möchte daran arbeiten, dass es so bleibt und irgendwann mehr als nur ein mögen ist.

Freitags-Füller 17/2019

1. Ich warte auf den Musenkuss, ehrlich gesagt, um meinen Urlaubsbericht zu schreiben. Leider ist aktuell im Büro viel los, sodass ich das nicht nebenbei hinkriege 😉 Das hält auch nächste Woche noch an… Und zu Hause hab ich ehrlich gesagt keine Lust, mich an den Laptop zu setzen. Und am Handy tippeln? Puh… nee das ist mir zu klein.

2. Der Monatsabschluss steht vor der Tür, ausgerechnet diese und nächste Woche sind aber sehr beliebte Urlaubswochen. Ostermontag und 1. Mai sind Feiertage… man merkt es morgens auf der Straße, dass die Leute im Urlaub sind. Ich mag das ja eigentlich, weil dann normalerweise im Büro Ruhe ist. Aber was hier die letzten zwei Tage schon wieder aufgeschlagen ist… Das bringt den ganzen Ablauf durcheinander und ist natürlich wieder mal hyperdringend… Der Standard-Rest ist aber wenigstens unchaotisch, denn wir (und damit meine ich die „neuen“ Kollegen, die mir das neue Arbeitsgebiet zeigen) arbeiten sehr sorgfältig.

3. Drei Dinge auf meinem Tisch:
– meine Müslischüssel, die ich mir in der Töpferei im Dorf meiner Eltern gekauft habe. Es war B-Ware, denn die hat einen Fehler. Meine Mutter meinte damals, als ich sie gekauft hab, ob ich die will, die hätte doch eine Narbe. Das muss zu Ostern nach meiner Blinddarm-OP gewesen sein und deshalb hab ich nur gesagt „Na und, ich doch auch!“
– meine Wasserkaraffe, die noch nicht leer ist. Im Moment tu ich mich etwas schwer, meine 2 Liter am Tag zu trinken
– ein Lindt Joghurt-Ei mit Himbeer-Vanille-Füllung. Das lag in der Süßigkeitenschale im Büro und verschwindet gleich in meinen Mund 🙂
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4. Der Hund hat seit Montag wieder ihre Sommerfrisur, seit dem ist sie wieder etwas übermütig.

5. Was macht eigentlich die Sache mit der Ausstrahlung und Selbstliebe? Tja… ich hab zwei Blazer gekauft, die ich ab und zu anziehe, aber ich fühl mich nicht soooo wohl damit. Ist halt etwas steif und nicht so bequem. Aber sieht schon ganz gut aus. Jetzt brauch ich trotzdem noch mal ein paar neue Schuhe. Neulich hab ich „ich brauch dringend welche, ja, die gehen schon“-Schuhe gekauft, aber ich hatte sie erst 2x an. Ich hätt sie lieber nicht kaufen sollen. Und ansonsten bin ich dazu übergegangen, mich nicht mehr (so) runter zu putzen, wenn ich mich im Spiegel sehe. Vielleicht kann ich bald immer auch mal nette Gedanken für mich übrig haben.

6. Grad vorgestern lag da im Gemüseregal beim einkaufen schon Rhabarber rum und da lief mir gleich das Wasser im Mund zusammen, als ich an das eingekochte Kompott mit Vanillesoße gedacht hab. Vielleicht kauf ich nachher mal Rhabarber.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf Würstchengulasch. Das könnte ich ja ständig essen und solange der Namenlose sich nicht angewöhnt, mir zu sagen, was er am Wochenende essen will, gibt es eben das was ich möchte 😉 Gleich muss ich also noch einkaufen, morgen habe ich geplant, Wildblumen auf dem Grünstreifen neben der Einfahrt auszusäen und Sonntag möchte ich nicht in Panik verfallen, weil am Montag die letzten 11 Unterrichtswochen vor der Prüfung anbrechen.!

Den FF von Barbara und alle anderen Mitmacher findet ihr hier.

Das mit dem „sich selbst lieben“

Das ist etwas, das ich wohl noch nie getan habe. Ich mag mich nicht mal selbst so wirklich. Eben hab ich meine alten privaten Einträge durchforstet und es zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben… traurig…

2009:
ich hab mich noch nie auffällig gekleidet. immer graue maus. nie auffallen. immer in der masse verstecken. wieso? wieso hab ich zb ein problem damit, wenn andere leute mich anschauen? einen rock zu tragen finde ich noch heute in fast jeder situation unpassend. an mir jedenfalls. ich komme mir immer gleich überzogen aufgetakelt vor. an anderen frauen sieht es immer gut aus. und passend. stilvoll. schick. wieso an mir nicht?

2010:
wieso bin cih so eine graue maus? wieso bin cih manchmal sogar unsichtbar? wieso bin cih keine elegante frau? wieso fühle ich mich nicht als frau? wieso sehen die tollen klamotten von anderen an mir scheiße aus? wieso kann ich nicht wie jemand anders sein? wieso kann ich nicht jemand anders sein?
wieso kann ich nicht einfach zufrieden mit mir sein???

2015:
Ich renn halt auch iiiiiimmer gleich rum. Jeans und ein Pulli. Jeans und ein Shirt und Strickjacke. Immer gleich. Ich find mich ja selbst langweilig. Und ich brauch mich nicht wundern, dass man mich jünger schätzt. Ich finds nicht schlimm, jünger geschätzt zu werden. aber damit einher geht auch, dass man mich unterschätzt und mir weniger zutraut.

Der A-Figurtyp
Das liest sich für mich so:
– Ihr Oberkörper ist zart, aber Ihr Unterkörper ist völlig unproportional massig
– Ihre Schultern sind schmal, aber Ihre Hüften sind fett
– Ihre Taille ist schlank und deutlich ausgeprägt, weil Ihr Arsch riesig ist
– Ihr Po ist fett und schwabbelig
– Ihre gesamten Beine sind fett, sogar Ihre Knie und Fesseln!!
– Sie haben kurze Stummelbeine
Ach man, es ist echt eine Katastrophe. So denk ich oft über mich… Wie soll man da Spaß am Shoppen haben, wenn diese Gedanken immer im Kopf sind, wenn man was anprobiert…

2016:
Ich mache mich selbst fertig, indem ich vor dem Spiegel stehe und mich kritisiere. Indem ich mir selbst sage, wie schwabbelig mein Arsch ist. Indem ich mich einfach nicht akzeptiere.
Irgendwie muss ich es mal schaffen, dass ich nett zu mir bin.

2017:
Wieso kritisiere ich mich ständig selbst?
Wieso bin ich laufend unzufrieden mit mir?
Wieso fühle ich mich so oft ungenügend?

Ich bilde mir ein, dass alles besser wird, wenn ich mit meinem Körper zufrieden wäre. Aber selbst wenn die Speckfalten am Bauch weg sind, dann ist da immer noch der schwabbelige, große Hintern. Und die weichen, wabbeligen Oberschenkel. Und die fetten Waden mit den Stumpenfesseln, die in fast keine Stiefel oder Boots passen.
Aber auch wenn das alles weg wär… na ja, dann wärs halt was anderes.
Ich bin nicht sehr nett zu mir. Wenn ich mit anderen so reden würde, wie mit mir ihn meinem Kopf, dann würde niemand mehr was mit mir zu tun haben wollen… Und wenn andere was nettes zu mir sagen, dann ist es nicht so, dass ich das nicht glauben will. Ich würde es gern glauben, aber ich kann irgendwie nicht. Ich erlaube es mir nicht, das zu glauben…
Manchmal habe ich auch kurze Momente, in denen ich dann zu mir sage, dass ich gar nicht so fett bin, oder dass ich gar nicht so hässlich bin, oder sowas… Aber ich formuliere es immer so rum.

Der Namenlose und ich hatten zB vor einer Woche Jahrestag und sind essen gegangen. Und natürlich hab ich mich da auch mal mehr zurecht gemacht. Mit Lidstrich und Lippenstift. Und der Namenlose war richtig geplättet, als ich aus dem Bad kam… Aber der Kommentar, den ich für mich übrig hatte, war „Siehst schon gar nicht so scheiße aus, wenn du dich mal zurecht machst“ und nicht „Du siehst hübsch aus!“ Das fällt mir sogar schwer über mich zu schreiben. Ich sah hübsch aus an dem Abend. In dem Moment, wo ich das schreibe, zuckt meine Augenbraue nach oben.
Manchmal, wenn ich hier auf der Arbeit aufs Klo gehe, dann sehe ich mich im Augenwinkel von der Seite im Spiegel. Und manchmal gucke ich mich dann an und dann denke ich manchmal, dass ich ja gar nicht so fett bin. Nicht „Du hast eine gute Figur“ (und wieder fällt mir das Schreiben total schwer), sondern „Du bist gar nicht sooo fett.“ Aber ich stelle auch fest, dass diese Wirkung viel mit der Kleidung zusammen hängt. In manchen Klamotten wirke ich schmaler als in anderen. Das hängt davon ab, wo die Oberteile enden. Logisch. Aber trotzdem erstaunlich, wie viel mal so rein optisch beeinflussen kann.
Wenn ich mich dann allerdings nach dem duschen nackt im Spiegel sehe, da kann nix mehr kaschiert werden… Früher habe ich mich dann echt fertig gemacht. Hab in die Bauchspeckfalte gekniffen und bemängelt, wie viel ich da zwischen den Fingern hab, oder den Hintern angeschwabbelt und angewidert die Augen verdreht… heute mache ich das seltener. Nicht, weil ich mich nicht selbst runter machen will, sondern weil ich mich einfach ignoriere.
Ich schaue mich kaum im Spiegel an. Ich gucke mir nicht ins Gesicht, außer morgens zum Augenbrauen nachziehen und Wimpern tuschen. Ich gucke mich auch nicht nackt an. Mir fällt meine Speckfalte auf, meine weichen Oberschenkel, die innen komplett aneinander reiben, meine dicken Arschbacken, die Cellulite haben… Aber ich seh das nur im äußeren Blickfeld. Ich versuche einfach gar nicht hinzugucken.
Ich mag meinen Körper nicht. Ich widme ihm dadurch auch nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient hätte (und der Namenlose somit auch…) Ich habe auf den großen Zehnägeln noch Nagellackreste vom Sommer… Und der Nagellack war im Sommer auch nur drauf, weil ich sonst nicht mit offenen Schuhen gelaufen wäre. Meine Beine rasiere ich alle paar Wochen mal. Ich mache nie Gesichtsmasken oder Haarkuren. Zum Jahrestag hab ich mir seit Moooooooonaten mal wieder die Augenbrauen gezupft und gefärbt, weil es halt mal einen Anlass gab. Gott sei Dank sind die sonst blond, sonst hätte ich schlimmer ausgesehen als Bert aus der Sesamstraße. Meine Fingernägel sind jetzt auch mal ok und ich bemühe mich seit einer Woche, nicht mehr so viel an den Nagelbetten rumzuknibbeln… Es sieht allmählich besser aus. Nur noch drei entzündete Stellen.

Aber ich weiß nicht wo ich anfangen soll, wie ich anfangen soll, mich zu mögen. Mir ist klar, warum ich mich mögen sollte, aber ich weiß nicht, was ich an mir mögen soll… und wie… Ich bin wie ein Fremder für mich, mit dem man einfach nichts zu tun hat, zu dem man kein Verhältnis hat. Obwohl das stimmt ja so auch nicht. Ich habe ein Verhältnis zu mir, ein gestörtes, ein schlechtes. Aber da ich mich zB so wenig wie nötig im Spiegel angucke, mich so wenig wie nötig mit mir beschäftige, gehe ich fast dazu über, gar kein Verhältnis mehr zu mir zu haben. Harte Worte… Aber so ist das.

Gibt es irgendwas, was ich an mir mag?
Nachdem ich jetzt 8 Minuten darüber nachgedacht hab, ist mir trotzdem nichts eingefallen, außer „Ich mag meine Brille“. Aber immerhin. Als Kind/Teenie mochte ich meine Brille überhaupt nicht, hab dann über 10 Jahre nur Kontaktlinsen getragen und bin vor 4 oder 5 Jahren wieder zur Brille zurückgekehrt.
Vielleicht mag ich noch, dass ich doch irgendwie zielstrebig bin und mir selbst schon ein paar mal bewiesen habe, dass ich Sachen durchziehen kann. Und vielleicht mag ich auch noch, dass ich manchmal ganz witzig bin (und gleich hab ich das Bedürfnis, das wieder zunichte zu machen, indem ich sage „Ich wünschte ich wäre viel öfter so witzig und schlagfertig“…)
Ich hab da wohl einen ziemlich langen Weg vor mir.

Projekt: Ausstrahlung

Ich weiß nicht, obs das Wetter ist, oder ob ich grad mal wieder „Hormone“ hab, aber gestern hat mich die Kleidung einer Kollegin ganz schön angefressen. Es ist die alte Leier: Ich bin eine unscheinbare graue Maus.

Manchmal frage ich mich, ob ich verrückt werde, denn ich möchte zB im Einkaufszentrum an einer Menschentraube vorbei und sag „Entschuldigung, darf ich mal durch?“ und keiner reagiert. Sowas erlebe ich öfter mal und dann frage ich mich, ob ich zu leise bin. Also sag ich das bewusst lauter, als ich es normalerweise sagen würde, und trotzdem reagiert keiner. Manchmal ärgert mich das nur, manchmal frage ich mich aber, ob ich was gesagt hab, oder ob ich mir das nur eingebildet hab… Fast schon schizophren 😉
Aber vielleicht bin ich nur einfach die kleine, graue Maus, die in der Masse untergeht und eben einfach übersehen wird.

Und das hat mich gestern wieder angefressen, weil meine Kollegin immer hübsch angezogen ist und ich einfach neidisch bin, dass sie so eine Ausstrahlung hat und ich nicht. Dass dieses Kleid gestern an ihr einfach hübsch und normal aussieht, und ich mir gleich verkleidet und overdressed vorkäme.
Ich will mich nicht verkleiden, ich will keine Rolle spielen, für die die schickimicki Klamotten dann ein Kostüm sind. Ich will nicht steif und unnahbar wirken. Ich bin nur irgendwie neidisch auf die, die einen Raum betreten und plötzlich ist dieser hell und voll.

Wenn ich auch im Lehrgang die anderen Mädels sehe, die sind fast alle gut angezogen. Angemessen für die Arbeit. Ich komm mir da manchmal vor, wie ein Trampel der sich seit der Schulzeit nicht weiter entwickelt hat.
Aber natürlich ist ein Kapuzenpulli viel bequemer als ein Blazer, aber mit einem Blazer strahlt man eben gleich was anderes aus. Oder wenn man Pumps statt Turnschuhen trägt. Selbst wenn man bei der legeren Jeans bleibt: Mit Pumps und einem Blazer ist man eben gleich „angezogen“. Oder wenn man ein schlichtes Oberteil an hat (und mein Schrank besteht eigentlich nur aus schlichten und unscheinbaren Oberteilen), dann reicht vielleicht schon eine Kette, als Hingucker…

Also hab ich mit der Sturmtochter (menno… ich kann mich an den Namen nicht gewöhnen…) einen Plan ausgearbeitet:

1. Blazer kaufen
Ich habe einen Blazer in beige, der mir eigentlich nicht so steht, glaube ich. Den habe ich auch nie angehabt, außer auf den beiden letzten Bewerbungsfotos, die ich gemacht habe. Und dann habe ich einen grauen Blazer, der zu einem Hosenanzug gehört und mir inzwischen bestimmt zu eng ist.
Ich kann mich erinnern, dass ich den Blazer-Versuch schon mal gestartet hab, vor ein paar Jahren. Aber ich hab nichts passendes gefunden und daher alles wieder zurück geschickt. Nicht jede Länge und nicht jede Kragenform steht mir…

2. Ketten bzw. Accessoires kaufen
Ich habe zwei Ketten, die ich nie trage. Eine ist schwarz angelaufen, weil sie unecht ist. Und außerdem schlagen sie genau auf den Schreibtisch auf, wenn ich dran sitze. Deshalb trage ich auch keine Armbänder oder Armreifen. Wobei bei Armreifen zusätzlich das Problem besteht, dass die mir meistens zu groß sind und von der Hand rutschen.
Aber Schmuck ist dazu da, sich zu schmücken. Also kann ich meine unscheinbaren Oberteile weiter tragen und fühle mich vielleicht nicht mehr ganz so grau.

3. Schuhe kaufen
Das versuche ich schon länger. Aber es gibt nichts was mir gefällt. Oder was mir passt. Ich hätte zum Beispiel auch gern mal neue Stiefel für den Winter, aber ich krieg sie über meine fetten Waden einfach nicht zu. Schon mal gar nicht mit Hose drin. Ok… damit muss ich mich wohl abfinden. Aber ich muss zumindest mal ein paar neue knöchelhohe Schuhe finden. Mit ein bisschen Absatz. Bürotauglich. Aber es gibt im Moment einfach nur hässliche Schuhe!!

Und wenn dann einer im Büro sagt „uuuuuh so schick heute“, dann muss ich da drüber stehen, es eine Woche aushalten und dann ist hoffentlich jemand anderes Gesprächsthema Nummer 1.

Bei dieser ganzen Aktion geht es mir darum, dass ich anders wahrgenommen werden möchte. Ich bin fast 35 und hab so oft das Gefühl, dass man mich nicht ernst nimmt und mich oft übergeht. Grad auf der Arbeit.
Dass ich nicht wahrgenommen werde und in der Masse untergehe, das war früher als Teenie bewusst mein Ziel. Ich hab mich in weiten, großen Schlabberpullis versteckt, ich wollte nicht auffallen. Hab keine engen Jeans oder kurzen Röcke getragen. Ich bin einmal angegrabscht worden und irgendwie hab ich gedacht, dass ich keine Angriffsfläche mehr bieten darf, also darf ich möglichst nicht auffallen und darf schon gar nicht auch nur ansatzweise aufreizend sein. Deshalb hab ich mich auch nie geschminkt. Es war Fluch und Segen zugleich: Niemand hat mich mehr angegrabscht, aber für meine erste große Liebe war ich eben auch nur die hässliche Brillenschlange.

Ich kann halt auch schlecht damit umgehen, wenn Männer glotzen. Und es gibt immer die zwei, drei Exemplare, die das tun. Und das ist einfach so ekelhaft. Deshalb ziehe ich mich auch heute noch möglichst unscheinbar an um dieses ekelhafte Glotzen zu vermeiden… Ich kann mir auch nicht sagen „Lass sie doch glotzen, sollen sie doch“. Ich finds eklig, ich fühle mich dann direkt unwohl und verunsichert. Ich falle dann irgendwie in diese Grabsch-Situation zurück, in der ich wirklich Angst hatte. Und ich habe, wenn einer so eklig glotzt, Angst, dass der gleich aufsteht, zu mir kommt und mich auch angrabscht, weil er denkt, ich hätte ihn mit meinem Aufzug dazu aufgefordert.
Puh… tiefschürftende Erkenntnisse, die mir teilweise während des Schreibens jetzt erst kamen…

Na ja, ich will jedenfalls keine graue Maus mehr sein, was ja nicht automatisch bedeuten muss, dass ich in Etuikleidern zur Arbeit gehe. Aber ich brauch ein bisschen mehr Farbe. Im übertragenen Sinne.