If I could turn back time

Montag, 17. August 2020
Tag 96 im Home Office

Seit Tagen versuche ich diesen Eintrag zu schreiben und weiß nicht, wo und wie ich anfangen soll. Es ist so viel… Und ich müsste so weit ausholen. Ich bin überwältigt und überfordert.

Ich habe meinen Papa wieder getroffen. Nach 22 Jahren. Mir treibt es nach über einer Woche immer noch Freudentränen in die Augen, wenn ich daran denke.
Und gleichzeitig könnte ich heulen vor Wut, wenn ich mir bewusst mache, dass wir diese Zeit umsonst verloren haben.

Ich habe wieder Kontakt mit ihm, wir schreiben bei WhatsApp. Es ist noch etwas hölzern, wir wissen beide noch nicht so richtig, was wir sagen sollen. Wir tasten uns vorsichtig wieder aneinander. Ich wüsste gern, wieso unser Kontakt abgebrochen ist. Aber das ist kein Thema für die ersten Gespräche nach 22 Jahren. Das ist außerdem ein Thema, das ich lieber persönlich besprechen möchte. Ich möchte nicht, dass per WhatsApp wieder Missverständnisse aufkommen, weil ein geschriebener Satz falsch interpretiert wird. Und am Telefon… Ich weiß nicht. Nein, das hat Zeit, auch wenn es mir wirklich unter den Nägeln brennt.

Ich hab in der vergangenen Woche meine ganz alten Tagebücher durchgelesen, die noch so richtig oldschool per Hand geschrieben waren. Das war wie eine Zeitreise! Eigentlich wollte ich nur wissen, was ich über die Trennung meiner Eltern geschrieben hab, aber ich hab dann doch alles gelesen 😀 Ich musste teilweise ja wirklich lachen. An so vieles konnte ich mich überhaupt nicht mehr erinnern! Wirklich gar nicht! Aber über das wichtigste, die Trennung meiner Eltern und speziell das Verhältnis zu meinem Papa habe ich nichts geschrieben. Gar nichts! Nur von der Trennung an sich, das hab ich aufgeschrieben und später, dass er seine neue Freundin heiratet und einmal in einem Nebensatz, dass er mich angerufen hat. Daran kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Ich dachte bis letzte Woche, er hätte mich nur noch einmal zu meinem Geburtstag angerufen, aber offenbar nicht.
Ich weiß nicht, ob er regelmäßig angerufen hat. Ich kann mich nicht erinnern und ganz offensichtlich ist meine Erinnerung inzwischen auch verfälscht. Ich hab scheinbar so vieles verdrängt, weil ich es nicht fühlen wollte. Und aufgeschrieben habe ich es auch nicht, weil ich mich damit nicht auseinandersetzen wollte… Und deshalb hab ich scheinbar noch so lange daran zu knabbern gehabt. Ich habe die Trennung eigentlich nie richtig verarbeitet.
Ich weiß nichts darüber, wie es mir damals ging, was abgelaufen ist, was ich gedacht, gefühlt und gesagt habe. Ich weiß nichts darüber, wie es dazu kam, dass ich ihn nicht mehr gesehen habe. Wieso oder überhaupt wann sich der Gedanke manifestiert hat, dass er mich nicht mehr sehen will. Oder dass seine Frau mich vielleicht nicht bei sich haben will. Ich weiß nicht, ob vielleicht doch ich gesagt habe, dass ich ihn nicht sehen will, wobei ich mir das wirklich nicht vorstellen kann. Ich habe ihn geliebt. Ich wollte ihn zurück haben. Unbedingt! Die neue Frau wollte ich damals sicherlich nicht sehen. Aber ihn. Ich wollte ihn so gern zurück haben, das weiß ich! Deshalb bin ich mir eigentlich sicher, dass ich sowas nie gesagt haben kann. Aber wer weiß, was man durch die Verletzung doch so sagt…

Nach dem, was ich aber jetzt erfahren und gefühlt habe, hat er mich nie fallen lassen. Er muss gedacht haben, ich will ihn nicht mehr sehen. Später habe ich sogar seinen Namen abgegeben und den Mädchennamen meiner Mutter angenommen, weil ich immer noch so verletzt war. Das wiederum hat ihn sehr verletzt und getroffen, sodass er wahrscheinlich deshalb dann gar nicht mehr versucht hat, wieder Kontakt aufzunehmen. Das war deutlich, dass ich nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Was grundsätzlich stimmte, denn ich wollte das Thema für mich endlich abschließen können. Mich schützen, weil es mich immer noch so tief getroffen hat.

Als er auf der Einschulungsfeier ankam, waren wir alle im Garten. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten soll. Mir war so bewusst, dass meine Mutter da auch steht und mich hunderprozentig beobachtet. Ich war völlig überfordert und bin ins Haus gegangen, weil mir die Tränen gekommen sind. Vor Freude. Vor Überforderung. Auch ein bisschen vor Schmerz. Ich wollte auch nicht, dass es jemand mitbekommt, keine Szene in der Runde machen, deshalb bin ich rein gegangen.
Keine zwei Minuten später kam er hinterher. Wir standen uns kurz gegenüber, haben uns kurz angeguckt und dann kam er auf mich zugelaufen und ich bin auch auf ihn zugegangen und dann haben wir uns gedrückt und ich war einfach glücklich. Es war mir auch egal, dass ich geschwitzt war, obwohl ich dann ja immer nicht so auf Körperkontakt abfahre 😉 Ich wollte ihn nur festhalten und eigentlich gar nicht mehr loslassen und hab mir eine längere Umarmung eingefordert. Er wollte dann die Umarmung lösen, aber ich hab festgehalten und dann hat auch er mich noch mal fest gedrückt.

Ich weiß nicht mehr so richtig, was wir dann geredet haben. Es war so oberflächlich, irgendwie auch nur, um die Spannung zu lösen. Es hat gefragt, ob ich einen Freund habe, ob wir verheiratet sind, wieso nicht, wieso er nicht da ist… Eigentlich hat er mich gar nicht richtig antworten lassen, sondern gleich die nächste Frage gestellt. Er wollte irgendwie alles gleichzeitig wissen. Und ich stand da und musste die ganze Zeit vor Glück heulen.
Ich stand einfach nur da und hab nur reagiert, nicht selbst agiert. Ich kam mir vor, wie wieder 14. Als wäre die Zeit stehen geblieben und wir hätten da angeknüpft, wo wir aufgehört hatten. Das war ein ganz seltsames Gefühl. Ich bin erwachsen aber habe mich gleichzeitig klein, verletzlich und wie ein Kind gefühlt.
Als ich den ersten Schock überwunden und mich ein wenig beruhigt hatte, hat er mich an die Hand genommen und raus gebracht und mich seinem Sohn und seiner (inzwischen ja nicht mehr ganz so neuen) Frau vorgestellt. Das war seltsam. Echt. Die Frau, von der ich bis dahin dachte, sie wäre schuld an allem… Weil ich nicht glauben konnte und wollte, dass er oder ich schuld an allem sein sollen.

Meine Mutter saß derweil den ganzen Abend wie festgewachsen auf ihrem Platz und ich war mir ihrer Augen sehr bewusst. Deshalb hab ich mich viel zu wenig getraut, seine Nähe zu suchen. Aber ich hab ihm Gelegenheit gegeben, meine Nähe zu suchen. Als die Kinder zB. grad nicht im Planschbecken waren, bin ich da durchgewatet und hab die Abkühlung genossen und dann kam er zu mir und wir haben geredet. Ich weiß gar nicht mehr was… Ich weiß nur noch, dass ich ihn eigentlich die ganze Zeit nur anschauen wollte und mich eben wieder wie ein Kind gefühlt habe.

Meine Omi hat sich derweil länger mit seiner Frau unterhalten. Ein paar Dinge hat sie mir hinterher erzählt: Als sie ihn kennen gelernt hat, hat er zu ihr gesagt, dass sie sich darüber bewusst sein muss, dass er zwei Kinder hat. Zwei. Das schließt mich mit ein.
Das heißt sie hat nie zu ihm gesagt „Dein leibliches Kind kann gern her kommen, das andere nicht.“
Und er hat nie gesagt, dass er mich nicht mehr sehen will.

Trotzdem habe ich das gedacht. Und ich weiß nicht, wie ich darauf gekommen bin.

Diese Erkenntnis lässt also nur den Schluss zu, dass er gedacht haben muss, dass ich ihn nicht mehr sehen will. Und das muss ich herausfinden, ob ich das jemals gesagt haben. Auch wenn ich mich an kaum etwas aus der Zeit erinnern kann und man im Streit oder aus einer Verletzung heraus Sachen sagt, die man hinterher bereut, das kann ich mir wirklich nur schwer vorstellen!

Was ich mir aber inzwischen vorstellen kann, ist,dass meine Mutter das zu ihm gesagt hat. Ich habe im Gespräch mit meiner Omi noch einiges über sie erfahren und ich hab auch mit meiner Schwester gesprochen… Es würde zu ihr passen. Er hat sie verlassen und durch eine jüngere ersetzt. Sie war in ihrem Stolz verletzt. Und das einzige, womit sie ihn dann richtig verletzen konnte, war mich ihm vorzuenthalten, weil sie wusste, dass er mich geliebt hat und wie gut unser Verhältnis war. Entweder hat sie ihm gesagt, dass ich ihn nicht mehr sehen will, oder dass er sich von mir fernhalten soll.
Der Gedanke kam mir erst am Wochenende und ich traue es ihr zu. Meine Omi traut es ihr zu. Meine Schwester traut es ihr zu. Alle beiden sagen unabhängig von einander, das es zu ihr passen würde.
Irgendwann finde ich es raus.
Jetzt bin ich erstmal glücklich, dass mein Papa wieder da ist.

10 Jahre

Mittwoch, 13. Mai 2020
Tag 37 im Home Office

Heute vor 10 Jahren ist meine Katze gestorben. Es war Himmelfahrt und ich hab ausgeschlafen. Irgendwann spät wurde ich wach und bin als erstes ins Bad gegangen. Dort lag meine Katze auf dem Duschvorleger. Ich dachte, sie würde schlafen und wollte nicht, dass sie sich erschreckt, wenn ich über sie drüber steige, um aufs Klo zu gehen. Also hab ich sie leise angesprochen und ihr vorsichtig über den Kopf gestreichelt. Normalerweise hat sie sich dann sofort geregt, aber dieses Mal nicht. Ich dachte erst, so tief kann sie doch nicht schlafen, also hab ich lauter gesprochen, aber irgendwie wusste ich gleich, dass sie nicht schläft. Ich wurde leicht panisch, ich hab sie angestupst, fast geschüttelt, und ihren Namen gerufen. Ich hab mich erinnert, dass ich irgendwann früher am Morgen wach wurde, weil ich Geräusche gehört hatte. Ich dachte im Halbschlaf, die Katze hustet oder hat gekotzt und hab mich umgedreht und weiter geschlafen. Mir wurde in dem Moment bewusst, dass ich ihre letzten Atemzüge gehört hatte. Ich hatte Angst, dass sie erstickt war, ich hatte Angst, dass sie, keine Ahnung, eine Tüte gefressen hat (warum auch immer sie das hätte tun sollen und woher auch immer sie die hätte haben sollen), also hab ich in ihr Maul geguckt, ob da was drin steckt. Jeden Moment hab ich damit gerechnet, dass ich eine von ihr gewischt kriege, weil ich es wage in ihr Maul zu gucken… Aber sie hat nicht mehr reagiert… Man, das war ein richtig schlimmer Scheißtag…

22 Jahre

Donnerstag, 23. April 2020
Tag 24 im Home Office

Wo ich gerade das Datum sehe, fällt mir auf, dass mein „Papa“ heute 60 wird… Komplizierte Geschichte bei mir. Mein „Papa“ war nicht mein biologischer Vater, aber das habe ich nie gespürt. Ich habe Papa zu ihm gesagt, und ich mochte ihn lieber als meine Mutter. Und ich glaube, er mochte mich auch lieber als meine Schwester, obwohl sie sein leibliches Kind war. Bis zu dem Punkt, wo sich meine Eltern getrennt haben. Das ist fast 22 Jahre her und seit dem habe ich ihn nicht mehr gesehen… Und seitdem finde ich es auch komisch, weiterhin Papa zu sagen, wenn ich von ihm rede. Aber ihn beim Namen zu nennen, oder „er“ zu sagen, es besonders zu betonen und vielleicht sogar die Anführungszeichen zu gestikulieren, finde ich genauso komisch.
Irgendwann vor ein paar Jahren hab ich bei meiner Schwester ein Foto von ihm an der Wand entdeckt. Das kam so unvorbereitet, dass mich das so richtig ins Herz getroffen hat. Damit hab ich einfach nicht gerechnet und das hat mich richtig aus der Bahn geworfen.

Seit über 20 Jahren hab ich also nichts mehr von ihm gehört. Wahnsinn, wieviel Zeit das ist! Als ich ihn das letzte mal gesehen habe, hat er sein Werkzeug aus dem Keller geholt. Meine Mutter war nicht da, ich war alleine zu Hause um hab ihm die Tür aufgeschlossen und stand heulend neben ihm. Rotzblasen hab ich geheult und ich hatte so einen Kloß im Hals, dass ich einfach nichts sagen konnte. Ich wollte einfach nur, dass er wieder zurück kommt. Oder zumindest, dass ich ihn nicht verliere. Aber ich durfte an den Wochenenden nicht zu ihm. Ich war ja nicht seine leibliche Tochter.
Damals war ich so verletzt und habe geglaubt, dass er mich zurück gewiesen hat. Heute glaube ich eher, dass das von seiner neuen Frau ausging. Meine Schwester durfte hin, aber mich wollte sie vermutlich nicht bei sich haben. Ich wäre aber auch nicht hingegangen, schätze ich. Aber ich hätte trotzdem gern Kontakt zu ihm gehabt.
Als er alles gepackt hatte, hat er mich noch mal in den Arm genommen und gesagt „Die Zeit heilt alle Wunden, mein Kind.“ Jetzt muss ich tatsächlich ein bisschen heulen. Obwohl es so lange her ist, sitzt die Verletzung immer noch tief und schon immer hab ich in Gedanken verbittert geantwortet, dass die Zeit keine einzige Wunde geheilt hat. Jetzt fällt mir aber erstmal auf, dass er „mein Kind“ gesagt hat…

Ich habe nie versucht, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Vielleicht hat er darauf gewartet, dass ich den ersten Schritt mache… Aber ich finde nicht, dass ich am Zug war. Im Sommer war die Trennung und im folgenden Winter hat er mich zum Geburtstag angerufen und ich weiß noch, dass ich am Telefon gekämpft habe, nicht loszuheulen. Aber ich konnte auch nicht viel sagen, weil ich einen dicken fetten Kloß im Hals hatte. Vielleicht hat er dann gedacht, dass ich mit ihm nichts mehr zu tun haben möchte, denn er hat mich danach nie wieder angerufen.

Vor zehn Jahren hab ich einen Vorstoß gewagt. Da hab ich ihm zu seinem Geburtstag schöne Grüße ausrichten lassen. Damals, mit einer demütigen Einstellung dem Leben gegenüber, dachte ich, ich sollte es versuchen, bevor es vielleicht zu spät ist.
Vielleicht hätte ich ihn anrufen sollen, ihm einen Brief schreiben sollen… keine Ahnung… Aber außer, dass er sich über meine Geburtstagsgrüße gefreut hat, kam nichts zurück. Ein paar Monate lang hatte ich die Hoffnung, dass da noch was kommt, aber es kam nichts.
Dann hatte ich immer mal die Hoffnung, dass ich ihn auf einer Familienfeier bei meiner Schwester treffe – aber auch da kam er nie. Ich weiß nicht, wieso er nicht kommt. Meine Schwester meint, er kommt wegen meiner Mutter nicht, aber sorry… die werden sich doch wohl mal ein paar Stunden zusammenreißen können, wenn deren gemeinsamer Enkel seinen 1. Geburtstag feiert. Oder wenn der zweite gemeinsame Enkel seinen 1. Geburtstag feiert. Oder wenn… tja… aber er kommt nie. Im Sommer wird mein großer Neffe eingeschult. Ich bin gespannt, ob man sowas dann wieder feiern darf, und wenn ja, dann bin ich gespannt, ob ich ihn da dann mal wieder sehen werde. Nach 22 Jahren. Ich würde mich tatsächlich freuen.

Hallo Zukunft!

Gerade habe ich mich in mein Spam-Spam-Postfach eingeloggt, weil ich eigentlich gucken wollte, ob ich darüber SMS empfangen kann (ich brauch eine Nummer für eine Bestätigung, aber ich will meine Handynummer nicht hingeben) und da sehe ich im Spam-Ordner eine Mail, die ich vor zwei Wochen erhalten habe. Ein Brief von vor zwei Jahren, von mir an mich.
Vor zwei Jahren und zwei Wochen hab ich nämlich überlegt, ob ich mich zum Bilanzbuchhalter anmelden soll oder nicht.

Dear FutureMe,

ich hoffe, du hast dich mit deinem Freund unterhalten und dich für die Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter entschieden. Was sind schon zwei Jahre? Wie schnell ist 2017 schon wieder rum? Es ist August! Zwei Jahre, die hart sind, ja, aber du solltest bedenken, dass du deinen Sesselpupser-Job nicht ewig behalten wirst. Jaaa, ich male den Teufel an die Wand. Sicher… Aber du weißt wie es läuft. Überall wird gespart, „outgesourct“ und Personal abgebaut. Deine Firma ist da schon lange gut dabei. Hast ja bei den neuen Kollegen aus [***] gesehen wie das läuft. Standort zu, Job bleibt 100km weiter weg erhalten. Und wenn du nicht fahren willst, ja dann bist du eben raus. Ganz einfach. Und du musst dir Chancen eröffnen!

Tja, langes Geschwafel für die wichtige Frage: Wo stehst du heute? Kurz vor der Prüfung? Ich hoffe es.
Und wenn ja, dann hoffe ich, dass du stolz auf dich bist, was du geschafft hast. Nebenbei. Mach es dir bewusst und trage es nach außen. Rasseln gehört zum Handwerk, wie dein A*loch-Chef immer gesagt hat. Ist er noch dein Chef?

Und wenn du es geschafft hast, dann mach dich weiter auf den Weg und nutze das Gelernte. Keep going… Each step may get harder but don’t stop! The view is beautiful at the top!

Wenn du es nicht gemacht hast, dann wirst du deine Gründe dafür gehabt haben. Oder wenn du es noch nicht geschafft hast, dann hoffe ich, dass du dich heute nicht ärgerst. Ärgere dich nicht! Es ist schon alles richtig wie es kommt.

So, wie läuft es privat? Was macht dein Freundeskreis? Ich weiß wie schleppend es heute ist… wie schwer du dich tust, Kontakte zu halten. Aber du bist auch irgendwie selbst Schuld gewesen. Du hast sie zu wenig gepflegt. Ja ich weiß… Das muss sich auch bessern. Ist natürlich auch nicht so leicht, wenn ich jetzt noch über die zwei Jahre hinweg mich weiterbilden will.
Hauptsache du hast dich nicht zu sehr auf deinen Freund fixiert.

Bald feiert ihr Kleinneffis 3. Geburtstag. Der von Großneffi ist ja jetzt noch gar nicht so lang her. Ein guter Zeitpunkt, das Leben in die Hand zu nehmen!

Alles Liebe
Dein PastMe

Ich wusste gar nicht mehr, dass ich mir geschrieben hatte. Aber ich hab mich grad echt gefreut! Damals dachte ich, dass diese Mail nie ankommen wird, weil man sich nach dem Senden eigentlich noch irgendwie registrieren sollte oder so… weiß nicht mehr genau… jedenfalls hatte ich das dann nicht gemacht und daher war ich noch enttäuscht, weil ich dachte, dass mein Brief mich wohl nicht erreichen wird… Aber siehe da 🙂
Falls ihr auch mal wollt: https://www.futureme.org/

Ja, ich bin stolz auf mich, dass ich zwei Jahre durchgezogen hab. So eben nebenbei. Mit Vollzeit-Arbeit. Die letzte Hürde schaffe ich auch noch!
Und wirklich, wie schnell ist die Zeit vergangen?! Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich noch 2018 schreibe, wenn ich irgendwo ein Datum notiere. Weil die letzten zwei Jahre irgendwie eine Suppe waren. Die Zeit ging so schnell rum, es war so durchgetaktet und eigentlich monoton… 2019 ist auch bald rum. Unglaublich!
Mal schauen, ob ich zu Kleinneffis 3. Geburtstag fahren kann, ansonsten zu Großneffis 6. im Januar! Und Ende September besuche ich sie ja auch mal wieder.
Und mein Freundeskreis hat sich trotz begrenzter Zeit sogar vergrößert, weil ich im Lehrgang so viele Leute kennen gelernt hab, mit denen man ganz automatisch verbunden ist. Der Kontakt wird sich sicher nicht mit allen halten, aber ich hoffe, dass mir ein paar davon erhalten bleiben.

Projekt: Ausstrahlung

Ich weiß nicht, obs das Wetter ist, oder ob ich grad mal wieder „Hormone“ hab, aber gestern hat mich die Kleidung einer Kollegin ganz schön angefressen. Es ist die alte Leier: Ich bin eine unscheinbare graue Maus.

Manchmal frage ich mich, ob ich verrückt werde, denn ich möchte zB im Einkaufszentrum an einer Menschentraube vorbei und sag „Entschuldigung, darf ich mal durch?“ und keiner reagiert. Sowas erlebe ich öfter mal und dann frage ich mich, ob ich zu leise bin. Also sag ich das bewusst lauter, als ich es normalerweise sagen würde, und trotzdem reagiert keiner. Manchmal ärgert mich das nur, manchmal frage ich mich aber, ob ich was gesagt hab, oder ob ich mir das nur eingebildet hab… Fast schon schizophren 😉
Aber vielleicht bin ich nur einfach die kleine, graue Maus, die in der Masse untergeht und eben einfach übersehen wird.

Und das hat mich gestern wieder angefressen, weil meine Kollegin immer hübsch angezogen ist und ich einfach neidisch bin, dass sie so eine Ausstrahlung hat und ich nicht. Dass dieses Kleid gestern an ihr einfach hübsch und normal aussieht, und ich mir gleich verkleidet und overdressed vorkäme.
Ich will mich nicht verkleiden, ich will keine Rolle spielen, für die die schickimicki Klamotten dann ein Kostüm sind. Ich will nicht steif und unnahbar wirken. Ich bin nur irgendwie neidisch auf die, die einen Raum betreten und plötzlich ist dieser hell und voll.

Wenn ich auch im Lehrgang die anderen Mädels sehe, die sind fast alle gut angezogen. Angemessen für die Arbeit. Ich komm mir da manchmal vor, wie ein Trampel der sich seit der Schulzeit nicht weiter entwickelt hat.
Aber natürlich ist ein Kapuzenpulli viel bequemer als ein Blazer, aber mit einem Blazer strahlt man eben gleich was anderes aus. Oder wenn man Pumps statt Turnschuhen trägt. Selbst wenn man bei der legeren Jeans bleibt: Mit Pumps und einem Blazer ist man eben gleich „angezogen“. Oder wenn man ein schlichtes Oberteil an hat (und mein Schrank besteht eigentlich nur aus schlichten und unscheinbaren Oberteilen), dann reicht vielleicht schon eine Kette, als Hingucker…

Also hab ich mit der Sturmtochter (menno… ich kann mich an den Namen nicht gewöhnen…) einen Plan ausgearbeitet:

1. Blazer kaufen
Ich habe einen Blazer in beige, der mir eigentlich nicht so steht, glaube ich. Den habe ich auch nie angehabt, außer auf den beiden letzten Bewerbungsfotos, die ich gemacht habe. Und dann habe ich einen grauen Blazer, der zu einem Hosenanzug gehört und mir inzwischen bestimmt zu eng ist.
Ich kann mich erinnern, dass ich den Blazer-Versuch schon mal gestartet hab, vor ein paar Jahren. Aber ich hab nichts passendes gefunden und daher alles wieder zurück geschickt. Nicht jede Länge und nicht jede Kragenform steht mir…

2. Ketten bzw. Accessoires kaufen
Ich habe zwei Ketten, die ich nie trage. Eine ist schwarz angelaufen, weil sie unecht ist. Und außerdem schlagen sie genau auf den Schreibtisch auf, wenn ich dran sitze. Deshalb trage ich auch keine Armbänder oder Armreifen. Wobei bei Armreifen zusätzlich das Problem besteht, dass die mir meistens zu groß sind und von der Hand rutschen.
Aber Schmuck ist dazu da, sich zu schmücken. Also kann ich meine unscheinbaren Oberteile weiter tragen und fühle mich vielleicht nicht mehr ganz so grau.

3. Schuhe kaufen
Das versuche ich schon länger. Aber es gibt nichts was mir gefällt. Oder was mir passt. Ich hätte zum Beispiel auch gern mal neue Stiefel für den Winter, aber ich krieg sie über meine fetten Waden einfach nicht zu. Schon mal gar nicht mit Hose drin. Ok… damit muss ich mich wohl abfinden. Aber ich muss zumindest mal ein paar neue knöchelhohe Schuhe finden. Mit ein bisschen Absatz. Bürotauglich. Aber es gibt im Moment einfach nur hässliche Schuhe!!

Und wenn dann einer im Büro sagt „uuuuuh so schick heute“, dann muss ich da drüber stehen, es eine Woche aushalten und dann ist hoffentlich jemand anderes Gesprächsthema Nummer 1.

Bei dieser ganzen Aktion geht es mir darum, dass ich anders wahrgenommen werden möchte. Ich bin fast 35 und hab so oft das Gefühl, dass man mich nicht ernst nimmt und mich oft übergeht. Grad auf der Arbeit.
Dass ich nicht wahrgenommen werde und in der Masse untergehe, das war früher als Teenie bewusst mein Ziel. Ich hab mich in weiten, großen Schlabberpullis versteckt, ich wollte nicht auffallen. Hab keine engen Jeans oder kurzen Röcke getragen. Ich bin einmal angegrabscht worden und irgendwie hab ich gedacht, dass ich keine Angriffsfläche mehr bieten darf, also darf ich möglichst nicht auffallen und darf schon gar nicht auch nur ansatzweise aufreizend sein. Deshalb hab ich mich auch nie geschminkt. Es war Fluch und Segen zugleich: Niemand hat mich mehr angegrabscht, aber für meine erste große Liebe war ich eben auch nur die hässliche Brillenschlange.

Ich kann halt auch schlecht damit umgehen, wenn Männer glotzen. Und es gibt immer die zwei, drei Exemplare, die das tun. Und das ist einfach so ekelhaft. Deshalb ziehe ich mich auch heute noch möglichst unscheinbar an um dieses ekelhafte Glotzen zu vermeiden… Ich kann mir auch nicht sagen „Lass sie doch glotzen, sollen sie doch“. Ich finds eklig, ich fühle mich dann direkt unwohl und verunsichert. Ich falle dann irgendwie in diese Grabsch-Situation zurück, in der ich wirklich Angst hatte. Und ich habe, wenn einer so eklig glotzt, Angst, dass der gleich aufsteht, zu mir kommt und mich auch angrabscht, weil er denkt, ich hätte ihn mit meinem Aufzug dazu aufgefordert.
Puh… tiefschürftende Erkenntnisse, die mir teilweise während des Schreibens jetzt erst kamen…

Na ja, ich will jedenfalls keine graue Maus mehr sein, was ja nicht automatisch bedeuten muss, dass ich in Etuikleidern zur Arbeit gehe. Aber ich brauch ein bisschen mehr Farbe. Im übertragenen Sinne.

Nur noch zwei Monate

Um an einen der letzten Einträge anzuknüpfen: Ich blogge zu wenig, ich muss/will mehr für mich festhalten.
Letztens habe ich ganz ganz alte Einträge von mir gelesen, von vor 10-12 Jahren, als ich mit dem Bloggen angefangen habe… eieiei 😀 da glaubt man, man wäre erwachsen und reif 😉 Vermutlich denke ich in weiteren 12 Jahren das gleiche über mein jetziges Ich.
Aber ich konnte nicht nur schmunzeln über mich… Ich hatte vor 11 Jahren eine Beziehung und als ich das gelesen habe, da konnte ich nur den Kopf schütteln. Ich will die Beziehung jetzt nicht einfach nur schlecht reden, wir hatten unsere schönen Zeiten. Gerade unser Anfang hat sich gelesen wie ein Kitschroman. An vieles konnte ich mich nicht mal mehr erinnern.
Fakt ist, es war schön, so detailliert nachlesen zu können, was mich bewegt hat, welche Gedanken ich mir gemacht habe, auch wenn ich mich aus heutiger Sicht gern in die Vergangenheit schicken würde, um mich zu schütteln 😉
Aber gut, ich wäre nicht die, die ich heute bin, wenn ich diese Beziehung nicht geführt hätte.

Aber um auf den Punkt zu kommen: mehr für mich festhalten.

Gerade sind wir dabei, bzw. ich bin dabei, die Weihnachtsplanung für dieses Jahr zu machen. Was alleine irgendwie sinnlos ist, aber der Namenlose äußert sich nicht dazu.
Vor dem Urlaub hab ich das schon angesprochen und er meinte dann, dass wir ja (im Urlaub) dann 6 Tage Zeit hätten, das zu diskutieren. Ich frage mich, was man da diskutieren muss, aber ok… Ich habs dann im Urlaub selbst vergessen, auf der Rückfahrt ist es mir eingefallen.
Und dann sag ich: „Jetzt haben wir gar nicht über die Weihnachtsplanung gesprochen!“
Und dann sagt er: „Stimmt.“
Schweigen.

Es nervt mich echt total. Meine Schwester hat mir jetzt am Montag ihren finalen Dienstplan geschickt, sodass wir jetzt doch langsam mal festmachen könnten, wie wir das dieses Jahr machen wollen. Aber als ich das am Montag angesprochen hab, hat er auch wieder nichts dazu gesagt. Was ist denn daran so schwer? Wenn er nicht hin will, soll er es sagen. Die Brücke hab ich ihm sogar gebaut, weil ich weiß, dass er keine Lust hat. Ich hab auch keine Lust. Aber ich will meine Neffen noch mal sehen, ich hab die dieses Jahr erst ein mal gesehen! Also hab ich gesagt, dass ich sonst auch alleine fahre, wenn er nicht weg will. „Ja, das ist ja dann auch blöd“, sagt er. Klar… aber wäre dann nicht zu ändern!

Ich muss halt leider am 27./28.12. arbeiten und würde deshalb gern am 1. Feiertag wieder nach Hause fahren, damit ich noch einen Tag meine Ruhe hab und runterkommen kann, bevor ich arbeiten muss.
Meine Schwester hat ab dem 20.12. frei.
Der Namenlose muss aber noch bis zum 21.12. arbeiten, weil er nun mal selbstständig ist und gerade das Weihnachtsgeschäft sicher bis kurz vor knapp läuft. Es gibt halt immer Leute, die noch am Freitag was bestellen und dann hoffen, dass es noch Heiligabend ankommt.
Also hab ich gedacht, ich fahr schon am 20. mit dem Zug hin, er kommt Samstag in Ruhe nach und wir fahren dann Dienstag wieder zurück. Und weil die Schlafsituation bei meiner Schwester leider echt kacke ist, hab ich sogar gedacht, wir buchen eine Ferienwohnung, die da sogar fußläufig in der Nähe ist. Wir hätten morgens unsere Ruhe, könnten abends was trinken, müssten halt nicht mehr fahren. Wir hätten auch genug Platz und ein ordentliches Bett.

Aber er äußert sich einfach nicht! Und das kotzt mich echt an. Ich werde nachher einen weiteren Versuch starten, ihm ne Meinung dazu aus der Nase zu ziehen.
Also, ich weiß, dass er keine Lust hat da hin zu fahren. Ich weiß, dass ihm das alles zu stressig ist. Ich weiß, dass ihn diese durchgetakteten Tagesabläufe nerven. Und ich weiß, dass ihn die Kinder nerven. Und ich kann das alles verstehen. Deshalb hab ich die Ferienwohnung vorgeschlagen. Außerdem waren wir die letzten zwei Jahre zu Weihnachten nicht da und deshalb möchte ich dieses Jahr mal wieder hin. Gerade auch, weil Weihnachten dieses Jahr eigentlich so günstig liegt.
Ich weiß auch, dass ich ihn die Tage nerven werde, weil mich dieser ganze Familienstress schon nervt, wenn ich nur daran denke! Und weil meine Mutter mich sowieso nervt. Und gerade muss ich mir das lachen verkneifen, weil ich mich vor drei Jahren, als wir nämlich das letzte mal zu Weihnachten da waren, in einem Eintrag über den Stress ausgelassen hab, und darüber nachgedacht habe, mich auf dem Klo einzuschließen 😀

Ach man… ich hasse Weihnachten!

Freunde-Werdegang

Im Moment analysiere ich mich mehr oder weniger selbst. Ich denke ne ganze Menge über mich nach, vor allem darüber, warum ich so bin, wie ich bin, und warum ich mich so verhalte, wie ich es tue. Und ob ich etwas daran ändern kann.
Ich hab schon immer Schwierigkeiten gehabt, Freunde zu finden. Aktuell fällt mir das im Bilanzbuchhalterlehrgang wieder auf. Und da hab ich mal versucht meine Freunde-Laufbahn zu rekonstruieren.
Achtung, das ist sehr sehr lang geworden. Muss ich auch keiner antun 😉

Ich hab zu einer einzigen Schulfreundin Kontakt. Mehr oder weniger. Früher haben wir regelmäßig telefoniert, das ganze ist aber inzwischen doch sehr eingeschlafen. Aber egal, ich habe zu sonst niemandem Kontakt. Dabei wäre es so ein Leichtes heutzutage über Facebook die Leute zu finden. Manchmal mach ich mir ja die Mühe und finde einige. Und über deren Freundeslisten dann die nächsten… Aber ich sende niemandem eine Freundschaftsanfrage.
Ich trau mich nicht, denke, die wollen eh nichts mit mir zu tun haben, erinnern sich vielleicht nicht mal an mich… vielleicht war ich ja so unwichtig…
Ich mein, mal ehrlich, es ist ja nicht so, dass man automatisch eine Freundschaft hat, nur weil man bei Facebook verbunden ist. Aber warum soll ich mit Leuten dort verbunden sein, die ich seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen habe.
Wenn ich bei FB so durchstöbere, was ich manchmal tue und dann wehmütig werde, dann bin ich doch überrascht, wie wenig die sich teilweise verändert haben. Oder ich bin erschrocken, wie fertig manche aussehen. Im Grunde würde es mir erstmal nur darum gehen, meine Neugier zu befriedigen. Was ist aus allen geworden. Aber gleichzeitig denke ich mir, wozu interessiert mich das noch? Es ist doch völlig egal.

Ich habe zu meinen Grundschulklassenkameraden nie wieder Kontakt gehabt, das war allein durch die weiterführende Schule bedingt. Und nach dem Abi hab ich auch nur zu ganz wenigen aus dem Gymnasium Kontakt gehalten.
Ich weiß gar nicht wieso nicht. Weil sich halt alles verstreut hatte. Ich bin weggezogen, hatte noch dazu einen total dämlichen Freund wegen dem ich dann auch an der Uni keine Freunde hatte… Ich war halt jedes zweite Wochenende bei ihm, das andere WE dazwischen immer bei meinen Eltern, aber an diesen Wochenenden habe ich nur meine Vereinsfreundschaften gepflegt und keine Schulfreundschaften. Eigentlich hatte ich damals auch kaum noch Schulfreunde…

Ich war in der Schule eigentlich immer ein Außenseiter. Ich war schlau (das klingt jetzt nach Eigenlob… aber ist halt so), meine Eltern hatten wenig Geld, daher hatte ich nie die neusten Klamotten oder so. Ich habe mich auch nie für Klamotten oder Schminke interessiert. Aber das hat auch meine Mutter nicht, ich habs also nie von ihr gelernt, oder dieses Verhalten übernehmen können. Ich hatte auch keine Freundin, die da Ambitionen hatte und von der ich was hätte lernen können. Daher war ich natürlich bei den Mädchen raus und für die Jungs uninteressant weil ich so ein Spätzünder war. Dabei war ich so doll in Steffen verknallt… hach 😉
Ja, also ein richtiges Kind war ich. Ich hab mir mit 16 oder 17 das erste mal die Beine rasiert, hab mir dann heimlich einen Rasierer gekauft und den in meinem Schreibtisch versteckt. Meine Mutter hat das selbst auch nie gemacht, wieder etwas, das ich nicht von ihr übernehme und ich dachte wohl, sie würde böse werden, wenn sie das mitbekäme.
Meine Freundin, die einzige, die ich damals hatte, hat es dann auch erst gemacht, nachdem ich es mal gemacht hatte. Ihre Mutter war da ähnlich wie meine. Eher einfach, praktisch, ohne Schminke, ohne viel Chichi. Beine rasieren? Pf… die Natur wird schon wissen, wozu die da dran sind. Ist mir außerdem viel zu umständlich und hat man früher ja auch nicht gemacht.

Meine einzige Freundin die ich damals hatte, das war eigentlich Zufall mit ihr. Wir waren in der Grundschule in Parallelklassen, aber am Gymnasium waren wir dann in einer Klasse und wir haben um die Ecke gewohnt. Sind jeden Tag zur Schule und zurück gelaufen. In unserem ersten Sommer haben wir immer auf einer Bank gesessen, bevor sich unsere Wege getrennt haben, haben eeeewig gequatscht, irgendwann Hausaufgaben gemacht. Als es kälter wurde, bin ich jeden Tag mit zur ihr gegangen und erst zum Abendbrot nach Hause. Das blieb dann auch im nächsten Sommer so. Statt der Bank saßen wir dann bei ihr zu Hause auf dem Balkon.
Irgendwann haben wir Mädchenzeitschriften gelesen, über Jungs gesprochen… das typische eben. Nur geschminkt oder eingekauft, das haben wir nie. Wir haben uns beide nicht so richtig dafür interessiert.
Wir waren uns so ähnlich… beide so graue Mäuse, Brillenschlangen, ein bisschen hässlich, naja oder halt hässliche Entlein. Keine hat also so richtig von der anderen profitiert. Klamottenstil? Oh Gott, hatten wir nicht. Turnschuhe, Jeans und halt irgendein Pullover. Ich am besten noch mit nem Pferd drauf 😉 Wir haben unsere Pubertät zusammen verbracht, waren zusammen in England auf Sprachreise in der gleichen Gastfamilie. Eigentlich waren wir jahrelang unzertrennlich und mit ihr hab ich echt über alles gesprochen… Nur nicht über die Trennung meiner Eltern. Das war etwas das ich mit mir selbst ausgemacht hab, glaube ich. Ich weiß es nicht mehr. Ich glaube ich hab nie mit ihr darüber gesprochen. Aber hat sie nicht gefragt? Ich hätte doch bestimmt erzählt, wenn sie gefragt hätte? Bzw. sie hat vielleicht gefragt, wie es mir geht und ich hab gesagt gut, und damit war das erledigt. Aber sie hat nie gebohrt, glaube ich. Ich weiß es nicht mehr…

Wir sind nach England gefahren. 2 Wochen auf Sprachreise und drei Tage vorher hat mein Vater sich getrennt. Ich weiß nicht mehr, ob wir darüber gesprochen haben, als wir in England waren. Von England weiß ich eh nicht mehr viel. Nur dass ich tausende Pferdefotos gemacht hab, von den Koppeln die in der Nähe unserer Gastfamile waren, dass das Essen immer zu Brei gekocht war und dass ich in London einen Polizisten fragen musste, wo wir lang müssen, weil die anderen sich nicht getraut haben.
Ich hatte meinen Vater unter Tränen gebeten, dass er noch da ist, wenn ich zurück komme. Ich hab ihm einen Flaschenöffner mit Union Jack drauf mitgebracht. Als meine Mutter mich vom Bus abgeholt hat, hab ich einen Schock bekommen. Sie war abgemagert und sah scheiße aus… Mein Vater war weg…

Kleiner Exkurs… Mit meiner besten Freundin ging es auseinander, als sie ihren ersten richtigen Freund hatte. Da müssen wir so um die 16 gewesen sein. Das war ein richtiger Idiot. Ich hab ihn gehasst. Zum einen, weil sie keine Zeit mehr für mich hatte… sie war ja Wochenende immer bei ihm und unter der Woche hat sie von ihm erzählt, worauf ich keine Lust hatte. Zum anderen fand ich ihn hässlich und dumm. Wie zu erwarten war, ging das auch irgendwann auseinander, aber unsere Freundschaft war auch kaputt und ich hab sie seit dem Abi nicht mehr gesehen.
Vor ein paar Jahren hat meine Mutter sie mal getroffen, da schob sie einen Kinderwagen. Sie hat ihr meine Nummer gegeben und wir haben 2 SMS hin und her geschrieben. Ich hatte ihr nichts mehr zu sagen. Vielleicht hätte ich die Chance nutzen sollen, mich zu entschuldigen, aber hätte hätte…

Als sie ihren Freund hatte, das war auch ungefähr zu der Zeit, in der ich dem Verein damals beigetreten bin. Und auch die Zeit, in der wir mit meiner Mutter zu ihrem neuen Mann aufs Dorf gezogen sind. Da war ich wohl so 16/17.
Ich hab mich dann also auf meine Vereinsfreunde konzentriert. Das war eine größere Gruppe und dort hatte ich auch ein paar Freunde.
Die Mädels da waren so anders. Die haben sich geschminkt, sind shoppen gegangen, hatten tolle Klamotten. Das war beeindruckend für mich. Ich hab mich angefreundet mit denen, ich weiß gar nicht, ob ich auch zu der Zeit angefangen hab, zumindest mal Wimperntusche zu benutzen. Zu den Mädels hab ich aber immer aufgeschaut, obwohl sie jünger waren als ich. Sie wirkten so viel erwachsener als ich. Ich eine plumpe Trulla… die waren halt Mädchen, nach denen sich die Jungs umgedreht haben… Auf eine war ich sehr neidisch, weil sie so hübsch war, so ein Puppengesicht hatte, so eine unfassbare Unbeschwertheit hatte, die mir so völlig abging. Ich war irgendwie noch nie so unbeschwert. Ich mache mir schon immer um Sachen Gedanken, über die andere nicht nachdenken. Was andere Leute zB. von mir denken… Das hab ich von meiner Mutter. Denn die hat immer zu mir gesagt, ich soll mich immer und überall benehmen, es könnte ja sein, dass mich einer sieht, der mich kennt. Wenn ich mich also falsch verhalte, kommt das bestimmt bei ihr an.
Was sie damit bezwecken wollte war, dass ich mich halt benehme. Was es aber tatsächlich bezweckt hat, war eine gewisse Paranoia beobachtet zu werden. Dadurch war ich immer total gehemmt mal aus mir raus zu gehen. Anwandlungen dazu hab ich auch heute noch immer mal wieder…

Mit einigen von den Mädels war ich dann enger befreundet, aber über alles hab ich mit denen auch nicht gesprochen. So wie ich schon die Trennung meiner Eltern mit mir selbst ausgemacht hab, hab ich auch später vieles nur mit mir selbst ausgemacht. Ich hab auch nie mit jemandem darüber gesprochen, dass mir meine beste Freundin gefehlt hat…
Ich kann mich erinnern, dass das Puppengesicht immer mal wieder vor sich hingekichert hat, weil sie Kopfkino hatte oder weil ihr was Lustiges eingefallen ist. Ich hab darauf immer reagiert und gefragt was los ist. Sie hat nie geantwortet, sondern immer nur gesagt „nichts“. Ich habe mich dann selbst darauf konditioniert nicht mehr auf ein Kichern zu reagieren, um mir diese Abfuhr zu ersparen. Diesem Impuls „Wasn?“ zu fragen zu widerstehen. Und das ist noch heute so. Ich reagiere einfach nicht, wenn jemand kichert. Wenn der Namenlose, oder egal wer… wenn jemand was liest und lacht, oder auch einen überraschten Laut ausstößt, oder seufzt oder wie auch immer reagiert, ich reagiere nicht. Weil ich gelernt habe, dass ich sowieso eine Abfuhr bekomme.
Achtet mal drauf. Ihr fragt bestimmt ganz automatisch „Was?“ wenn euer Partner lacht oder irgendwie auf etwas reagiert, bevor ihr darüber nachgedacht habt, ob ihr fragen wollt.
Ok, also danke für diese Erkenntnis, ich schätze, ich wirke dadurch manchmal ignorant. Memo an mich: Wieder „Was?“ fragen!

Joa das mit den Vereinsfreunden ging aber auch auseinander, nachdem ich zum Studium weggezogen bin und meinen ersten Idiotenfreund hatte. Aber nachdem ich den endlich los war, hab ich mich dem Verein wieder angenähert, auch, weil ich in der Unistadt ja keine Freunde hatte.
Und so richtig ging es dann auseinander, nachdem ich mit einem von denen zusammen war und wir uns getrennt hatten und mit dem Puppengesicht, zu der ich ja trotzdem so aufgeschaut hab und mit der ich trotzdem ganz gut befreundet war, kurz zusammen gewohnt hatte, dabei aber festgestellt habe, dass wir überhaupt nicht zusammen wohnen können. Denn nicht nur auf „Wasn?“ hab ich ne Abfuhr bekommen, sie hat viel ihr Ding gemacht, hat gegessen, wenn sie Hunger hatte aber hat nicht gefragt, ob ich mitessen will… sowas halt. Noch dazu war sie am WE zu Hause im alten Vereinsfreundeskreis, zu dem ich aber seit der Trennung von dem Vereins-Ex nicht mehr richtig dazugehört habe. Und ich war wieder alleine.

Also habe ich versucht mir einen Unifreundeskreis aufzubauen und bin ins Wohnheim umgezogen. Das Puppengesicht fand das natürlich kacke und seit dem hab ich sie auch nicht mehr gesehen.
Ich hatte ja noch keine Unifreunde, weil ich den Idiotenfreund hatte. Ich war am Wochenende entweder bei ihm oder bei meinen Eltern und war deshalb beim ganzen Kennenlernprozess nicht dabei.
Manchmal frage ich mich, was passiert wäre, wenn das anders gelaufen wäre… Da gab es damals den Hans, der echt ganz süß war und der fand mich auch gut. Das hab ich gemerkt. Aber dem hab ich vor den Kopf gestoßen mit meiner Äußerung über meinen Idiotenfreund. Wenn ich den verleugnet hätte, dann wär vielleicht alles ganz anders gekommen 😉
Aber gut, der Versuch Freunde im Wohnheim zu finden, hat ja funktioniert. Aber dann habe ich „ihn“ kennen gelernt, bin zu ihm gezogen, mit ihm dann zusammen weit weg und ich hatte wieder keine Freunde. Die Entfernung haben auch die paar wenigen Unifreund- und -bekanntschaften einschlafen lassen und ich stand wieder da.

Eine von den Unifreundinnen hätte tatsächlich das Potential zu einer neuen besten Freundin gehabt. Mit der hab ich wirklich über so viele Sachen gesprochen. Neulich hab ich mal wieder kurz mit ihr geschrieben, aber ich denke unsere Zeit ist einfach auch vorbei. Da lag jetzt zu viel kontaktlose Zeit dazwischen.
Als mein Studium den Bach runter ging und ich in Depressionen und Burn-Out gefangen war, hab ich auch nicht mit ihr drüber gesprochen. Ich hätte es wahrscheinlich machen können, aber ich konnte nicht. Was wohl eher damit zusammenhing, dass ich mir selbst noch nicht eingestehen konnte, wie schlecht es um mich steht. Dass damit Zukunftsängste zusammen hängen. Was sollte denn bloß aus mir werden? Ich wusste ja nicht mal was ich wollte… Was wollte ich werden? Noch mal studieren und Gefahr laufen noch mal zu scheitern? Wie soll ich eine Ausbildung anfangen, wo soll ich denn wohnen? In dem Studentenwohnheim hätte ich ja schlecht bleiben können… Wovon sollte ich denn eine Wohnung bezahlen? Mein Leben bisher hatte ich durch Kindergeld und Bafög finanziert. Zum Geburtstag und Weihnachten gabs Finanzspritzen von Omi. Als das Bafög nach 4 Semestern wegen nicht abgelegter Zwischenprüfung gestrichen war, hat mich das übers Jahr gebracht. Außerdem hatte ich genug Bafög bekommen, und davon noch so viel gespart, dass ich weiterhin nicht arbeiten musste… Ich hab mich zeitweise von Toast mit Ketchup ernährt, was ich nicht mal schlimm fand. Ich war es gewohnt immer wenig zu haben und sehr sparsam zu sein.

Tja, das Studium… Ich habe Zeit verplempert, in der ich hätte studieren sollen, aber ich hab einfach gemerkt, dass das nichts für mich ist. Ich war nicht vorbereitet auf das. Ich war komplett überfordert damit, so selbstorganisiert leben zu müssen. Lernen zu müssen. In der Schule musste ich nie lernen! Und ich hatte einfach niemanden, mit dem ich darüber reden konnte.
Mein erster Freund, den ich kurz vor dem Studium kennen gelernt hatte, der war eh viel zu blöd dazu. Der hatte nur kiffen und von Stütze leben im Kopf. Aber zu Anfang war es ja auch noch nicht so schlimm. Ich dachte noch, das schaff ich schon irgendwie. Als ich von dem endlich getrennt war, hatte ich keinen, mit dem ich drüber reden konnte. Mit meinem Vereins-Ex hab ich das nicht besprochen. Mit Puppengesicht auch nicht. Ich hatte gedacht, durch den Umzug ins Wohnheim und Freunde aus meinem Studiengang, da wird das schon. Aber es wurde nicht und mit meiner Unifreundin hab ich auch nicht drüber gesprochen, weil ich mir nicht eingestehen wollte, zu blöd zum studieren zu sein, den falschen Weg gewählt zu haben, versagt zu haben…

Als ich mit „ihm“ dann weggezogen war, war das der Moment für den Neuanfang.
Das Studium hatte ich geschmissen und nicht versucht hier zu beenden, hab die Ausbildung angefangen und hatte da versucht ein paar Freunde zu finden. Das hat ja auch einigermaßen geklappt, mit 3 anderen Mädels hab ich mich auch noch ein paar mal danach getroffen, aber die hatten immer nie Zeit und irgendwann hab ich es aufgegeben.
Tja, dann stand ich wieder alleine da…

Alle Versuche scheitern irgendwie…
Die Weiber aus meinem Ort, von denen hab ich ja schon oft genug erzählt. Ich hab es nie geschafft mich richtig in diese Gruppe zu integrieren. Einen richtigen Bezug zu ihnen aufzubauen. Sie auch an mich heran zu lassen.
Eine von denen wohnt noch in dieser Stadt. Alle anderen sind auch in die Umgebung gezogen. Haus gekauft, neuen Job woanders, Partner mit Haus kennen gelernt… Ich bin ja auch nicht mehr da.
Also hab ich es in meiner Arbeitsstadt versucht. Von Kunstgeschichte hatte ich ja mal erzählt, allerdings hat die mich öfter versetzt, als dass wir uns getroffen haben. Noch dazu zieht sie jetzt aber auch weiter weg, arbeitet zwar trotzdem hier, aber ich schätze auf Dauer wird sie sich dort was neues suchen…

So. Also steh ich am Anfang. Es ist ein Teufelskreis, wenn ich es nicht langsam schaffe, aus meinen Verhaltensmustern auszubrechen. Wenn ich es nicht schaffe, mich anderen zu öffnen und einfach mal auch einen Schritt auf die anderen zuzugehen.

Ostsee-Trip – 14.06.-19.06.2017

Der schöne Trip an die Ostsee ist schon wieder über eine Woche her… ich will zurück!! Ich hab früher immer gesagt, dass ich mal am Meer wohnen will. Tatsächlich hab ich da auch mal kurz drüber nachgedacht, als ich Single und unabhängig war. Aber dann hab ich ja den Namenlosen kennen gelernt und der Rest ist Geschichte 🙂

Na ja, wir sind am 14.6. Super früh losgefahren. Um halb 6 nämlich schon. 700km sind einfach sooo weit, und wir wollten möglichst nicht in die Berufsverkehrszeit kommen.
Um 13 Uhr waren wir dann tatsächlich schon da und konnten unsere supertolle AirBnB-Wohnung beziehen. Eckwohnung im obersten Stockwerk in erster Meerlinie, direkt hinter der Düne. Der absolute Hammer!
Das Schlafzimmerfenster war bodentief und zimmerbreit und blickte frontal aufs Meer. Man konnte vom Bett aus den Strand und das Meer sehen. Das war der Hammer! Das Wohnzimmerfenster ging zur Seite raus, aber da nebendran nichts gebaut war, konnte man auch von dort direkt das Meer sehen. Vom Balkon aus sowieso. Und das Bad lag dahinter und hatte den gleichen Blick. Vom Klo aus 😀 und selbst aus der Dusche konnte man noch alles sehen. Ehrlich diese Wohnung war echt ein Traum!

Wir sind am Mittwoch nach der Ankunft noch direkt zum Hafen gelaufen, haben eine Norwegian Cruise Line beim Auslaufen gesehen und natürlich habe ich mir auch direkt einen Sonnenbrand im Gesicht geholt. Das war ja wieder mal typisch! *Augenverdreh* Und ich sag vorher noch: „Ich muss mich gut eincremen, ich will auf der Hochzeit am Samstag nicht wie ne Leuchtboje rumlaufen…“ Tja… Aber mal wieder habe ich die Ostseesonne unterschätzt.

Am späten Nachmittag hat der Namenlose ein kleines Schläfchen gemacht, immerhin ist er die ganze Strecke alleine gefahren, und ich hab mich ne Stunde an den Strand gesetzt und dem Meeresrauschen zugehört 🙂

Donnerstag haben wir uns Fahrräder geliehen und sind den Planetenweg gefahren. Das ist spezieller Wanderweg, auf dem ein maßstabsgerecht verkleinertes Modell des Sonnensystems dargestellt wird. Ich war ja schon mal in Warnemünde, aber die „Sonne“ am Leuchtturm und die Planetenschilder sind mir da nicht aufgefallen. Meiner Kollegin, die schon viel viel öfter da war, übrigens auch nicht 😉 Drauf gekommen bin ich natürlich nur, weil der mit einem Cache verbunden war 😉
Wir sind also knapp 6km an der Strandpromenade und außerhalb von Warnemünde an der Küste entlang gefahren und haben abgesehen von den Planeten (inkl. Pluto, der war noch dabei) auch noch den exakt 12. Längengrad überschritten. Puh, wie nerdig das klingt 😀

Auf dem Rückweg haben wir noch am Hundestrand ein kleines Nickerchen gemacht und die Hunde beobachtet, wie sie den Strand umgegraben haben um sich ein gemütliches Schlafiplätzchen zu schaufeln 😀

Freitag waren wir dann auf den Spuren meiner Kindheit. Ich war als 5-Jährige mal in Boltenhagen zur Kur und wollte mal wieder hin. Nun waren wir ja in der Nähe (es waren trotzdem knapp 100km von Warnemünde bis da, aber wir sind trotzdem gefahren). Vor Ort sind wir erstmal in die Touristeninfo und ich hab in Erfahrung bringen können, in welcher Klinik ich damals ziemlich wahrscheinlich war.
Ich kann mich natürlich an kaum noch was erinnern. Ich habe einzelne Bilder im Kopf. Zum Beispiel gab es in dem Gebäude eine Treppe, eine dunkle Holztreppe, die mit Linoleum belegt war, die aber bei jedem Schritt geknarzt hat. Ich musste die immer hoch, weil oben die Ärztin war, die mir morgens und abends meine Neurodermitis eingecremt hat.
Ich kann mich auch noch an den Strand erinnern, an dem wir jeden Tag waren. Dort stand ein Turm, wie mir heute bewusst ist, natürlich ein Wachturm, der die Flucht von DDR-Bürgern überwachen sollte. Boltenhagen war nämlich der westlichst gelegene Strandzugang der DDR.
Aber sonst weiß ich nicht mehr viel.
Wir sind also da hin, der Namenlose kennt ja da nix, und er ist einfach reingegangen in das Gebäude. Von außen hab ich es nicht erkannt, aber kaum war ich durch die Tür, hab ich die Treppe erkannt. Heute ist sie abgeschliffen (oder neu) jedenfalls in hellem Holz, aber durch den Lauf um die Ecke ins obere Stockwerk und das kleine Fenster trotzdem noch relativ dunkel.
Weiter sind wir aber nicht rein, auf den Fluren (an die ich mich dunkel erinnern kann, aber es kann auch einfach sein, dass ich das mit jedem anderen Flur mit vielen Türen verwechselt hab, den ich in meinem Leben gesehen hab) waren ja Patientenzimmer und da wollte ich nicht rumlaufen und vielleicht einen Anschiss kassieren…
Na ja, zum Strand waren wir jedenfalls auch noch, aber der Turm steht natürlich nicht mehr. Aber ungefähr dort wo er stand, ist jetzt ein Volleyballfeld.

Obwohl das ganze so lange her ist und ich mich, wie gesagt, kaum erinnern kann, war das doch ein ganz seltsames Gefühl dann doch etwas wiedererkannt zu haben. Irgendwie richtig überwältigend…
Drei Wochen war ich damals weg von zu Hause… und ich weiß noch, wie sehr ich Heimweh hatte und dass meine Omi und meine Mutter mir jeden Tag geschrieben haben. Jeden Tag gabs eine Poststunde, wo die Briefe vorgelesen wurden. Ich war die, die die meisten Briefe hatte.
Auf dem Rückweg sind wir noch kurz nach Heiligendamm gefahren, aber das war ziemlich enttäuschend. Diese winzige Örtchen war wie ausgestorben, so viele Häuser sind verfallen… Nur das Grand Hotel wo der G8-Gipfel war, war renoviert.

Samstag war dann die Hochzeit meiner Freundin, die zwar wirklich schön war, aber von der ich irgendwie mehr erwartet hatte… Die standesamtliche Trauung war in ihrem Heimatort in einem Hotel. Nach der sehr kurzen und doch relativ unpersönlichen Zeremonie (hat nur 20 Minuten gedauert und das fand ich fürs Brautpaar doch irgendwie schade), standen wir ewig auf dem Platz vor dem Hotel und haben gewartet, dass endlich jeder ein Glas Sekt hat, damit wir anstoßen können. Es hat sich auch niemand so richtig getraut zu gratulieren, weil Gratulation und Geschenkeübergabe ein eigener Punkt am späten Nachmittag war… Wir haben Boote aus Geldscheinen gefaltet und in einer Holzkiste verschenkt.
Dann sind wir rüber gegangen in den Schlosspark nebenan und haben Gruppenfotos gemacht. Zwei wo alle drauf waren. Danach ist das Brautpaar mit Eltern und Geschwistern weiter gezogen und hat noch mehr „Gruppenfotos“ gemacht.
ich hatte mir da etwas mehr vorgestellt. Ich habe gedacht, sie machen vielleicht auch ein Bild von der Braut mit all ihren JGA-Mädels… oder so… na ja, wir sind also zurück zum Auto und alle haben dort gewartet. Ich wollte dann eigentlich schon los nach Warnemünde zurück, weil wir ja da unsere Unterkunft hatten. Aber weil die anderen meinten, sie warten noch, wir könnten dann ja Kolonne fahren, hab ich den Namenlosen überredet auch zu warten.
Was sich als seltendämlich entpuppt hat. Weil wir an der ersten Ampel direkt den Anschluss verloren haben und dann zwar nach einem hektischen Zwischenstopp zu hause punktpünktlich in der Feierlocation ankamen aber ich darüber trotzdem genervt war. Wären wir bloß direkt gefahren, dann hätte ich mich ganz in Ruhe frisch machen können, ich hab nämlich in meinem Kleid geschwitzt wie ein Schwein. Dann wären wir ganz in Ruhe zur Feierlocation gelaufen und ich wäre nicht nach dem hektischen Frischmachen erneut in Schweiß ausgebrochen…
Außerdem hätte ich mir auch nicht die Schultern verbrannt, als wir in der Sonne auf das Brautpaar und die Eltern gewartet haben. Die Braut hätte eh nicht gesehen, dass wir schon weg sind, weil die gar nicht mehr bis auf den Parkplatz gekommen sind, sondern direkt vor dem Hotel in ihr Auto eingestiegen sind.
Aber gut, hätte hätte Fahrradkette…

In der Location haben wir erstmal unser Geschenk auf den Geschenketisch gestellt, von dem ich es hinterher wieder runter genommen hab, um es offiziell zu übergeben, als wir auch offiziell gratulieren durften. Das war um 18 Uhr und das war das erste persönliche Wort, das ich an dem Tag mit der Braut gewechselt hab. Ich mein, klar, sie hatte 70 oder 80 Gäste und jeder will was von ihr… und ich steh nun mal nicht ganz vorne…
Das hab ich aber auch deutlich an der Tischplatzierung gemerkt. Wir saßen mit dem Rücken zum Brauttisch und noch dazu mit zwei Kleinkindern… Ich will nicht schlecht reden, aber ich muss gestehen, dass mich das richtig enttäuscht hat. Sie weiß, wie wir zu Kindern stehen und sie hat andere Freunde, die da mit Sicherheit besser hingepasst hätten… und überhaupt mit dem Rücken zur Braut… das hab ich ihr auch übel genommen. irgendwie… na ja. Es war ja nur zum Essen, der Namenlose hat versucht mich wieder runter zu holen… Ja, aber auch bei den Reden hab ich dann natürlich blöd gesessen und gesehen. Eigentlich ist es egal, wenn ich es im Nachhinein betrachte, aber ich war in dem Moment wirklich enttäuscht. Ich weiß auch nicht was ich erwartet hab, aber ich dachte irgendwie, dass ich ihr „mehr wert“ bin… vor allem, weil sie nach der Verlobung noch gesagt hat, dass sie mich als Trauzeugin gewählt hätte, wenn sie noch hier gewohnt hätte. Aber vielleicht hat sie das nur so gesagt…
Ist ja auch egal.
Tatsächlich saß ich auf dem Kackplatz nur zum Essen, das Baby am Tisch hat nicht gekotzt und nicht gebrüllt, das kleine Mädchen war auch gut genug erzogen und danach war ich entweder auf der Tanzfläche, an der Bar oder draußen auf der Terrasse.
Aber auf der gesamten Feier hab ich kaum ein Wort mit der Braut gewechselt, ich habe auch nur sehr wenige Fotos gemacht, und war nicht mal richtig betrunken. Irgendwie war ich insgesamt ein wenig enttäuscht, dabei kann ich doch überhaupt keine Ansprüche stellen… Ich weiß nicht was ich erwartet hab, aber dass es mehr so ist wie immer, wenn wir uns sehen… Den Brautstrauß hab ich auch nicht gefangen, weil sich eine blöde Kuh in einem absolut unpassenden Kleid vorgedrängelt hat.

Sonntag haben wir dann ausgeschlafen so gut es ging, gefrühstückt und haben uns dann einen Strandkorb gemietet und dort gechillt, die Sonne genossen und die Möwen beobachtet, die so frech Angriffe auf jeden gestartet haben, der etwas zu essen in der Hand hatte. Über eine Decke sind sie rüber gelaufen und haben die Tüte vom Bäcker auseinander gepflückt 😀 Das haben viele gesehen, aber keiner hat sich verantwortlich gefühlt… ich bin dann aufgestanden, hab die Tüte weggenommen und den Rest gerettet. Ich hätte mir auch gewünscht, dass jemand mein Essen rettet. Oder auch dass jemand reagiert, wenn einer meine Tasche klauen würde…

Montag sind wir dann zurück gefahren. Der Tag war sehr unspektakulär. Wir haben gepackt, gefrühstückt, ein letztes Mal in der geilen Dusche geduscht und die Wohnung zurück gegeben und sind dann fast ohne Stau abends wieder zu Hause gewesen.